Individualisierung, Inkulturation und Intemporierung

Wenn der christliche Glaube auf ein Individuum stößt, wird er von diesem Individuum in der ihm ganz spezifischen Weise aufgenommen und aus der Beziehung zu Gott heraus transformiert. Das heißt: Der christliche Glaube wird mit dem es aufnehmenden Individuum kompatibel.

Wenn der christliche Glaube auf eine Kultur stößt, wird er von dieser Kultur aufgenommen und transformiert. Das heißt: Der christliche Glaube wird mit der sie aufnehmenden Kultur kompatibel.

Wenn der christliche Glaube auf Menschen einer bestimmten Zeit stößt, wird er von dieser „Generation“ aufgenommen und transformiert. Das heißt: Der christliche Glaube wird mit der sie aufnehmenden Zeit kompatibel.

Der christliche Glaube ist nicht starr. Er ist lebendig, wie Individuen und Kulturen und Zeiten lebendig sind. Der christliche Glaube, der Geist Gottes muss allerdings immer Raum behalten, um auch das Individuum, die Kultur, die jeweilige Zeit herausfordern zu können. Er bleibt der Herr des Individuums, der Kultur der Zeit.

Manche Individuen, Kulturen, Zeiten versuchen – und das ist die größte Versuchung für Christen (nicht das Leiden) – den Geist Gottes zu beherrschen, ihn in den Griff zu bekommen. Das geschieht auch, wenn Menschen meinen, den Geist Gottes durch ihren Geist ersetzen zu können. Auch dann versucht man, Gott in den Griff zu bekommen.

Wenn das versucht wird, wird der Geist Gottes dem Griff entgleiten und die Menschen, Kulturen, Zeiten werden furchtbar schuldig an den Menschen.

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Brief an mich im Alter

Ich habe mir einen Brief geschrieben, den mir mein Kind geben soll, wenn ich alt geworden bin:

  • Wenn Du das nicht mehr lesen willst, im Alter, lies zumindest den letzten Punkt.
  • Lass Dich nicht gehen.
  • Fürchte nicht das Alter, die Gebrechlichkeit des Körpers, die Aussetzer des Geistes, die Müdigkeit der Seele. Wisse, dass die Liebe Gottes Deine Furcht umfängt.
  • Pflege Deinen Körper und Geist. Halte beide sauber und beweglich, so gut es eben geht.
  • Achte darauf, wie Du Dich verhältst, woran Du denkst.
  • Achte auf tägliche Rituale – aber lass Dich von ihnen nicht fesseln.
  • Wenn Du Deinen Geist und Körper selbst nicht mehr verstehst, solidarisiere Dich mit ihnen. Wage Dich an die Öffentlichkeit.
  • Versumpfe nicht vor dem Fernsehen oder dem PC, knüpfe Netzwerke.
  • Mache so lange alles allein, wie Du es kannst, aber hole beizeiten Hilfe.
  • So lange Du noch kannst: Lass das Auto stehen, damit Du Dich an andere Fortbewegungsmittel gewöhnen kannst.
  • So lange Du noch kannst: Reduziere Deinen Besitz. Löse Dich von dem, was nicht notwendig ist. Aber achte dabei darauf, dass Du nicht alles, woran Deine Erinnerungen anhaften und Nahrung zum Leben geben können, entsorgst.
  • Wenn Du bettlägrig wirst – aber noch denken kannst, dann unterstütze die Menschen, die Gutes tun, mit Deinem Gebet.
  • Achte beizeiten auf die technischen Möglichkeiten, damit Du den Menschen auch persönlich mitteilen kannst, dass Du sie betend stärkst.
  • Wenn Du nichts mehr siehst, nichts mehr hörst und liegst – Gott sieht, Gott hört, Gott wirkt durch Deine Gebete.
  • Wenn Du gar nichts mehr von der Welt erwartest, von Dir erwartest, von Gott erwartest und nur noch dumpf vor Dich hinbrüten willst: Achte darauf, dass Du nicht ein lebender Toter wirst. Du hast kein recht, Dir das Leben zu nehmen, das Gott Dir gegeben hat. Er wird Dich beizeiten zu sich rufen.
  • In Deinem Schmerz denke an die Menschen, von deren Lebensschicksalen Du viel gelernt hast. Du beginnst ja nicht erst jetzt, über das Leiden und das Leben, über Gott und seine Nähe nachzudenken. Vergiss es nicht, dass Du eine Menge an (Fremd-)Erfahrungen gehortet hast.
  • Wenn Du bitter wirst, sarkastisch, innerer Zorn Dich erfasst, dann erweck die Melodien in Dir, die Dir in Deinem Leben so wichtig gewesen sind.
  • Lass Deinen Zorn nicht aus an Menschen, die Dich lieben und den Menschen, die Dich pflegen.
  • Dankbarkeit befreit von Schwere aller Art. Wecke sie immer wieder auf, wenn sie einschlafen will. Den Sinn für Schönheit erhalte Dir. Suche sie. Schönheit ist wie Dankbarkeit wunderbare Nahrung für die Seele.
  • Und wenn Du das alles nicht mehr hören willst, was ich Dir in jungen Jahren geschrieben habe, lege Dich in Gottes Hand. So lange Du denken kannst: Ich lege mich Gott, in Deine Hand. Möge der Geist Gottes das in Dir beten, auch wenn Du selbst nicht mehr beten kannst.

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Zusammenstellung christlicher Youtuber

Hier findet sich eine Zusammenstellung christlicher Youtuber, auch Christfluencer genannt: https://www.youtube.com/playlist?list=PLwaRwXQ36qDtG_9RcC7TcLl5wnEC5MRg7

Es sei angemerkt, dass ich diesen Link weitergebe, ohne die ganzen Videos angesehen zu haben. Ich gehe von mündigen Christen aus, die selbst erkennen können, welche Schafe schwarz, welche weiß sind.

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Notre Dame hat gebrannt

Gestern schrieb ich das unten Stehende – heute ist der Brand unter Kontrolle. Was an Schäden zu beklagen ist, ist noch nicht deutlich.

Ich denke an den armen Menschen, der möglicherweise – so sieht es heute aus: aus Unachtsamkeit – mit zu dem Brand beigetragen hat. Er sollte ins Gebet eingeschlossen werden.

Zudem hat sich mir ein Bild eingeprägt: Das riesige brennende Gebäude und ein einsamer Wasserstrahl, der auf es herabregnet.

*

Notre Dame brennt in der Karwoche.

Das ist nicht die erste Katastrophe, die diese Kirche trifft – aber wohl sehr schwerwiegend. Im 18. und 19. Jahrhundert waren es Menschen, die dieses Gebäude mit ihrer Ideologie schändeten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kathedrale_Notre-Dame_de_Paris

1793 stürmten revolutionäre die Kirche und zerstörten eine Menge.
Dann wurde sie zum Tempel der Vernunft umgewidmet.
Dann wurde die Vernunft verdrängt durch Weinfässer.
1801 wurde sie erst wieder christlich verwendet.
1830 waren erneut verwüstende Revolutionäre unterwegs.

Dieses Schicksal musste die Hagia Sophia schon lange ertragen und viele Kirchen in der Zeit, später dann auch in der Sowjetunion. Aber eine solche Verwüstung wie jetzt, haben selbst die Menschen an ihr – an anderen schon
https://blog.wolfgangfenske.de/2019/04/10/soziale-medien-und-christen-brennende-kirchen-in-frankreich/ – nicht hinbekommen. Nun gilt es, die Kirche wieder in einem weltweiten gemeinsamen Kraftakt aufzubauen. Aber die Alte, aus dem 12.-14. Jahrhundert – Repräsentantin eines wichtigen Teils europäischer Geschichte – wird es zumindest als Ganze nicht mehr sein. Werden sie noch erklingen?

Glocken:

Orgel:

Ansichten (innen)

Was wird gerettet werden können?

*

Nur am Rand: Der Tagesschau vom 15.4. um 20:00 Uhr war die Anklage gegen Winterkorn erst einmal wichtiger. Zudem gab es keinen Brennpunkt. Da sieht man die Prioritäten.

Wichtiger ist allerdings
https://www.tagesschau.de/ausland/notre-dame-133.html :

Die Bundesregierung reagierte bestürzt auf das Feuer. „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen“, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. Notre-Dame sei ein Symbol Frankreichs und der europäischen Kultur. „Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.“

Und
https://www.tagesschau.de/ausland/reaktionen-feuer-101.html

Mit der Kirche stehe ein Teil von uns in Flammen, twitterte Frankreichs Präsident Macron.

Menschen sind traurig:
https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/feuer-in-notre-dame-vereint-unterschiedlichste-menschengruppen-16143257.html

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Leiden

Unser Leiden – Mitleiden mit Christus.

Jesu Christi Leiden – er leidet mit uns.

Wie oft zerriss er nicht unsere Fesseln.

Wie oft schloss er nicht, die Gefängnistüren auf.

Wie oft war seine heilende Hand nicht bei uns.

Im Gefühl, von ihm verraten worden zu sein,

zerrten wir an unseren und anderer Fesseln,

rannten wir gegen die Gefängnistüren,

reichten einander heilende Hände.

Im Gefühl, von ihm verraten worden zu sein,

sahen wir ihn. Bei uns. Leidend. Aufbegehrend.

Wir wiesen ihn ab. Ja, wir wiesen ihn ab.

Fühlten uns im recht, ihn abzuweisen,

denn er hat die großen Wunder, die wir von ihm erwarteten, nicht getan.

Einsam sind wir, voller Sehnsucht, unruhig wälzen wir unser Leben herum.

Seine Anwesenheit aber – ist uns nicht genug.

Unser Leiden – Mitleiden mit Christus.

Jesu Christi Leiden – er leidet mit uns.

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