(An den nächsten Tagen werde ich den einen oder anderen Aspekt ein wenig kommentieren.)
Palmsonntag
Jesus ist mit den Menschen, die ihm folgen, schon ganz nah dran an Jerusalem, irgendwo zwischen Betfage und Betanien am Ölberg. Spannung liegt in der Luft. Er schickt zwei seiner Jünger los und sagt sinngemäß:
„Geht in das Dorf da vorne. Gleich am Eingang werdet ihr einen jungen Esel finden, festgebunden, auf dem noch nie jemand geritten ist. Bindet ihn los und bringt ihn her. Und falls euch jemand fragt, was ihr da eigentlich macht, dann sagt einfach: ‚Der Herr braucht ihn.‘ Dann passt das schon – er wird euch sofort überlassen.“
Die beiden machen sich also auf den Weg, gehen ins Dorf – und tatsächlich: Alles genau so, wie Jesus gesagt hat. Da steht dieser junge Esel, angebunden draußen an einer Tür. Sie fangen an, ihn loszubinden, und prompt kommen ein paar Leute dazu und fragen: „Äh, was macht ihr da eigentlich?“
Die Jünger bleiben ruhig und geben genau die Antwort weiter, die sie bekommen haben. Und erstaunlicherweise – das reicht den Leuten. Kein Stress, kein Streit. Sie lassen sie einfach gewähren.
Also führen sie das Tier zu Jesus zurück, legen ihre eigenen Gewänder darauf, so eine Art improvisierter Sattel, und er setzt sich drauf.
Und dann passiert etwas ziemlich Eindrucksvolles: Immer mehr Menschen kommen dazu. Einige breiten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere reißen Zweige von den Feldern ab und legen sie ebenfalls auf die Straße – wie ein Empfang für einen König.
Die Menge wächst, und die Leute fangen an zu rufen, laut und voller Begeisterung:
„Hosianna! Gesegnet sei der, der im Namen des Herrn kommt!“
„Gesegnet sei das kommende Reich unseres Vaters David!“
„Hosianna in der Höhe!“
Es ist wie ein einziger, großer Jubelzug.
Schließlich zieht er so in Jerusalem ein, geht direkt zum Tempel, schaut sich alles ganz genau an – fast so, als würde er die Lage prüfen. Aber es ist schon spät geworden. Also geht er am Abend wieder hinaus, zurück nach Betanien, zusammen mit den zwölf Jüngern.
Montag der Heiligen Woche (ich führe das Markusevangelium fort; gelesen kann aber auch werden die Salbung in Bethanien: Johannes 12,1-11) (+ Psalm 27; Jesaja 42,1-7)
Am nächsten Morgen ziehen sie wieder los, weg aus Betanien – und unterwegs merkt man: ihn packt der Hunger. Da sieht er in der Ferne einen Feigenbaum, richtig schön belaubt. Sieht vielversprechend aus. Also geht er hin, in der Hoffnung, da vielleicht etwas zu finden.
Aber als er näherkommt: nichts. Nur Blätter. Keine einzige Frucht. Wobei – eigentlich ist ja auch gar nicht die Zeit für Feigen.
Trotzdem richtet er das Wort direkt an den Baum, fast wie zu einer Person: „Von dir soll in Zukunft niemand mehr etwas essen.“ Und die Jünger hören das – und merken sich das.
Kurz darauf kommen sie wieder in Jerusalem an, und diesmal geht er direkt in den Tempel. Und da kippt die Stimmung komplett. Er sieht, was da abgeht: Händler, Käufer, Geldwechsler – ein riesiges Geschäft mitten im heiligen Raum.
Und dann greift er durch. Er fängt an, die Leute rauszutreiben, wirft die Tische der Geldwechsler um, stößt die Stände der Taubenhändler einfach beiseite. Niemand darf mehr einfach so durch den Tempel laufen und Dinge transportieren – Schluss damit.
Und dann stellt er sich hin und sagt mit Nachdruck:
„Steht nicht geschrieben: Mein Haus soll ein Gebetshaus für alle Völker sein? Und ihr? Ihr habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“
Das spricht sich natürlich sofort rum. Die führenden Leute – die Hohenpriester und Schriftgelehrten – bekommen das mit. Und ab da ist für sie klar: Der muss weg. Sie überlegen ernsthaft, wie sie ihn loswerden können. Aber gleichzeitig haben sie Respekt, fast schon Angst vor ihm – weil das Volk total beeindruckt ist von dem, was er sagt und wie er auftritt.
Am Abend ziehen sie sich wieder aus der Stadt zurück.
Dienstag der Heiligen Woche (ich führe das Markusevangelium fort, gelesen kann aber auch werden Johannes 13,21-38) (+ Psalm 71; Jesaja 49,1-6))
Und am nächsten Morgen kommen sie wieder an diesem Feigenbaum vorbei. Und diesmal sehen sie es ganz deutlich: Der ist komplett verdorrt. Nicht nur ein bisschen – bis runter zur Wurzel.
Da erinnert sich Petrus und sagt: „Rabbi, schau mal – der Baum, den du verflucht hast, der ist komplett eingegangen.“
Und er nutzt das direkt, um ihnen etwas Entscheidendes klarzumachen:
„Habt Vertrauen in Gott! Wirklich – wenn jemand zu so einem Berg sagen würde: ‚Heb dich und stürz dich ins Meer‘ – und dabei innerlich keinen Zweifel hat, sondern fest glaubt, dass das passiert – dann wird es geschehen.“ Und er geht noch weiter: „Alles, worum ihr betet und bittet – glaubt, dass ihr es schon empfangen habt, dann wird es euch auch zuteil.“
Und dann sagt er noch etwas, aber warum, in diesem Zusammenhang?:
„Wenn ihr betet und merkt, dass ihr etwas gegen jemanden habt – dann vergebt. Lasst es los. Damit auch euer Vater im Himmel euch eure Fehler vergeben kann.“
Wieder sind sie in Jerusalem, und er bewegt sich ganz selbstverständlich im Tempelbereich – als gehöre er genau dorthin. Aber auch diesmal bleibt es nicht ruhig.
Die religiösen Autoritäten kommen geschlossen auf ihn zu: Hohenpriester, Schriftgelehrte, Älteste – die ganze Führungsebene. Man merkt sofort: Das ist kein freundlicher Smalltalk. Sie stellen ihn zur Rede:
„Sag mal – mit welcher Vollmacht machst du das hier eigentlich? Wer hat dir das Recht gegeben, so aufzutreten?“
Er lässt sich davon nicht einschüchtern. Statt direkt zu antworten, dreht er den Spieß um:
„Ich stelle euch eine einzige Frage. Wenn ihr mir darauf antwortet, sage ich euch auch, aus welcher Vollmacht ich handle.“
Dann kommt seine Frage:
„Die Taufe von Johannes – war sie von Gott oder von Menschen gemacht? Jetzt seid ihr dran.“
Und plötzlich stehen sie selbst unter Druck. Man sieht förmlich, wie es in ihren Köpfen rattert. Sie ziehen sich innerlich zurück und überlegen:
„Wenn wir sagen: ‚Von Gott‘ – dann wird er uns fragen, warum wir Johannes dann nicht geglaubt haben.“
„Aber wenn wir sagen: ‚Von Menschen‘ – dann kriegen wir ein Problem mit dem Volk. Die Leute sind überzeugt, dass Johannes ein echter Prophet war.“
Egal, was sie sagen – sie sitzen in der Falle.
Also wählen sie den Ausweg, der keiner ist:
„Wir wissen es nicht.“
Und er? Er bleibt ruhig und sagt nur:
„Dann sage ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue.“
Damit ist das Gespräch beendet – und irgendwie haben sie jetzt mehr verloren als gewonnen.
Die Auseinandersetzungen berühren auch noch weitere Themen, die ich hier nicht wiedergebe: Muss man Steuern zahlen? Werden Tote auferstehen? Was ist das wichtigste Gebot? Ist Jesus Davids Sohn, obwohl David ihn Herr nennt? Warnung vor den Schriftgelehrten. Es folgt der lange Abschnitt über das Ende der Zeit und die Zerstörung des Tempels.
(Stiller) Mittwoch (ich führe das Markusevangelium fort) (+ Psalm 69; Jesaja 50,4-9)
Die Lage spitzt sich zu. Es sind nur noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der Ungesäuerten Brote – also genau die Zeit, in der ganz Jerusalem voll ist mit Menschen, die in diese Stadt gepilgert sind. Und im Hintergrund läuft längst ein Plan:
Die Hohenpriester und Schriftgelehrten überlegen fieberhaft, wie sie ihn irgendwie heimlich festnehmen und aus dem Weg räumen können. Aber sie sind vorsichtig. Zu viele Leute stehen auf seiner Seite. „Bloß nicht während des Festes“, sagen sie sich, „sonst gibt’s einen Aufstand.“
Währenddessen ist er wieder in Betanien, im Haus von Simon, den man „den Aussätzigen“ nennt. Sie sitzen zusammen beim Essen, alles wirkt erstmal ruhig – fast schon vertraut.
Und dann passiert etwas Unerwartetes.
Eine Frau kommt herein. Sie hat ein kleines Alabastergefäß dabei, gefüllt mit richtig kostbarem Nardenöl – kein billiges Zeug, sondern purer Luxus. Ohne großes Zögern zerbricht sie das Gefäß und gießt das Öl über seinen Kopf.
Im Raum wird es sofort unruhig. Einige regen sich richtig auf:
„Was soll das denn?! Das ist doch totale Verschwendung!“
„Man hätte das Öl für ein Vermögen verkaufen können – über dreihundert Silbergroschen! Und das Geld den Armen geben!“
Und sie lassen ihrem Ärger freien Lauf – und gehen die Frau ziemlich hart an.
Aber er stellt sich sofort vor sie:
„Lasst sie in Ruhe. Warum macht ihr ihr das Leben schwer? Sie hat etwas Gutes an mir getan.“
Dann erklärt er es ihnen auf eine Weise, die erstmal hängen bleibt:
„Die Armen habt ihr immer bei euch – und ihr könnt ihnen jederzeit helfen, wenn ihr wollt. Aber mich habt ihr nicht mehr lange.“
Und dann wird es plötzlich sehr ernst:
„Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt.“
Ein Satz, der irgendwie schon nach Abschied klingt.
Und er setzt noch einen drauf:
„Ich sage euch: Überall auf der Welt, wo die gute Nachricht verkündet wird, wird man auch von dem erzählen, was sie getan hat – zu ihrem Andenken.“
Währenddessen passiert im Hintergrund etwas, das alles verändert:
Judas Iskariot, einer aus dem engsten Kreis – einer der Zwölf – geht zu den Hohenpriestern. Er bietet ihnen an, ihn zu verraten.
Als die das hören, sind sie erleichtert. Endlich eine Chance, ihn in die Hände zu bekommen! Sie versprechen ihm Geld dafür.
Und von da an hält Judas die Augen offen – auf der Suche nach dem richtigen Moment, ihn unauffällig auszuliefern.
Gründonnerstag (ich führe das Markusevangelium fort; gelesen werden kann auch Johannes 13-17) (+ Psalm 116; Exodus – 2. Buch Mose – 12,1-14)
Jetzt geht alles ziemlich schnell.
Es ist der erste Tag der Ungesäuerten Brote – der Tag, an dem das Passalamm vorbereitet wird. Die Jünger kommen zu ihm und fragen ganz praktisch:
„Wo sollen wir das alles vorbereiten, damit du das Passa feiern kannst?“
Und er gibt ihnen wieder so eine fast schon geheimnisvolle Anweisung:
„Geht in die Stadt. Dort werdet ihr einem Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt – folgt ihm einfach. Und wo er hineingeht, sagt dem Hausherrn: ‚Der Meister fragt: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Passa essen kann?‘ Und er wird euch einen großen, vorbereiteten Raum zeigen. Da richtet alles her.“
Die zwei gehen los – und genau so kommt es. Alles passt bis ins Detail. Sie bereiten das Mahl vor.
Am Abend kommt er dann mit den Zwölfen dazu. Sie sitzen zusammen, essen – eigentlich ein vertrauter Moment. Aber dann sagt er plötzlich etwas, das die Stimmung komplett kippen lässt:
„Einer von euch – einer, der hier mit mir isst – wird mich verraten.“
Stille. Betroffenheit. Einer nach dem anderen schaut ihn an und fragt:
„Bin ich’s?“
Er antwortet nicht direkt mit einem Namen, sondern sagt nur:
„Einer von euch Zwölf – einer, der mit mir das Brot in die Schüssel taucht.“
Und dann dieser ernste Satz:
„Es läuft alles so, wie es vorherbestimmt ist. Aber für den, der mich verrät… für den wäre es besser, er wäre nie geboren worden.“
Während sie noch essen, nimmt er das Brot, spricht ein Dankgebet, bricht es und gibt es ihnen:
„Nehmt – das ist mein Leib.“
Dann nimmt er den Becher, dankt wieder, gibt ihn herum, und alle trinken daraus:
„Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“
Und er sagt noch etwas, das wie ein Abschied klingt:
„Ich werde von jetzt an keinen Wein mehr trinken – bis zu dem Tag, an dem ich ihn neu trinken werde im Reich Gottes.“
Danach singen sie gemeinsam einen Lobgesang – und gehen hinaus, Richtung Ölberg.
Unterwegs sagt er ihnen ganz offen:
„Ihr werdet euch alle von mir abwenden. Es steht in den heiligen Schriften geschrieben: Der Hirte wird geschlagen, und die Schafe zerstreuen sich.“
Aber er fügt auch Hoffnung hinzu:
„Wenn ich auferstanden bin, gehe ich euch nach Galiläa voraus.“
Doch Petrus hält dagegen, trotzig:
„Auch wenn alle anderen dich im Stich lassen – ich nicht!“
Jesus schaut ihn an und sagt ruhig, aber bestimmt:
„Noch heute Nacht, bevor der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“
Petrus will das nicht stehen lassen:
„Selbst wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich niemals verleugnen!“
Und die anderen stimmen ein. Alle sind überzeugt von sich.
Dann kommen sie zu einem Garten – Gethsemane. Die Atmosphäre wird schwer.
Er sagt zu den meisten:
„Setzt euch hierhin, während ich bete.“
Und dann nimmt er Petrus, Jakobus und Johannes ein Stück mit. Man merkt: Jetzt wird es ernst. Er wirkt plötzlich ganz anders – angespannt, innerlich erschüttert.
„Meine Seele ist tief betrübt, bis an den Tod“, sagt er. „Bleibt hier und wacht.“
Er geht ein paar Schritte weiter, fällt zu Boden und betet:
„Abba, Vater… alles ist dir möglich. Lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht mein Wille – sondern deiner.“
Als er zurückkommt, schlafen sie nach dem langen Tag und dem feierlichen Mahl.
Er weckt Simon-Petrus:
„Simon, schläfst du? Konntest du nicht einmal eine Stunde wach bleiben? Bleibt wach und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist bereit – aber der Körper ist schwach.“
Er geht wieder weg, betet das Gleiche. Kommt zurück – wieder schlafen sie. Sie sind einfach zu erschöpft.
Ein drittes Mal. Wieder das gleiche Bild.
Schließlich sagt er:
„Die Stunde ist da. Der Menschensohn wird ausgeliefert – in die Hände der Sünder.“
Dann richtet er sich auf:
„Kommt, wir gehen. Der, der mich verrät, ist schon ganz nah.“