Glaube 2

Menschen können Gott nicht beweisen. Es gab zwar viele Versuche, aber letztendlich sind die Beweise nur Glaubenden ein Beweis. Warum können Menschen Gott nicht beweisen? Weil der menschliche Verstand nur Geschöpfliches überhaupt wahrnehmen kann, darum kann er auch nur in diesem Bereich der Schöpfung, der Natur das eine oder andere ”beweisen”. Diese Antwort ist (nicht nur) für Nichtglaubende sehr unbefriedigend, weil sie als Ausflucht gesehen wird: Wenn man etwas nicht beweisen kann, dann bleibt einem auch nur eine solche Antwort übrig.

Auch Glaubende haben letztendlich keinen Gottesbeweis – wie schon Paulus sagt: Ihr Reden von Gott ist Nicht-Glaubenden eine Dummheit und ein Ärgernis (1. Brief an die Korinther 1ff.). Glaubende wissen das. Doch ihr großes Rätsel ist die Frage: Warum glaube ich, obwohl es Torheit ist? Als Antwort sehen sie: Ich kann glauben, obwohl es Blödsinn ist, weil Gott mir den Glauben schenkt. Da stehen Glaubende nun vor dem nächsten Dilemma: Wenn Gott Glauben schenkt – warum glauben nicht alle Menschen? Auf die komplizierten Antwortversuche möchte ich nicht eingehen, sondern nur sagen: Auch Paulus, der Glauben als Geschenk empfand, ging hin und sprach zu anderen von seinem Glauben. Warum das? Wenn ein Arzt zu einem Patienten kommt und der Patient Angst vor ihm und seiner Kunst hat, dann kann der Arzt ihn dazu auffordern und mit Handlungen unterstreichen: Vertraue mir – du kannst mir vertrauen! Wenn Glaubende von Jesus Christus sprechen, dann bedeutet das nichts anderes: Auffordern, Gott in / durch Jesus Christus zu vertrauen.

Das hebräische Wort und das griechische Wort für „Glaube“ beinhalten die Bedeutung “vertrauen”. Wenn Jesus gute Worte spricht, kommen Menschen zu ihm, um geheilt zu werden, sie vertrauen ihm. Jesus spricht manchen Menschen “Glaube” zu. Welchen Menschen? Denen, die besondere Schwierigkeiten auf dem Weg zu ihm überwinden mussten. Glauben ist Vertrauen, den man Gott in Jesus Christus entgegenbringt – und dieses Vertrauen wirkt Gott selbst in seinem Heiligen Geist. Dem Glauben geht die Beschäftigung mit Jesus Christus voraus.

Der Kreis schließt sich: In der Beschäftigung mit Jesus Christus, kann Vertrauen wachsen – was dann rückblickend als Geschenk erfahren wird. Denn es bleibt dabei: Glaube ist Dummheit. Aber nur in dem Sinn, in dem auch Paulus seinen Gedankengang aus dem ersten Korintherbrief 1-2 weiterführt: Glaube ist Dummheit, weil die Menschen an die Klugheit Gottes nicht herankommen.

Nur am Rande eine kleine theologische Spitzfindigkeit: Wenn der Mensch von sich aus im Glauben Gott erfassen könnte, würde er sich schnurstracks über Gott stellen, weil er ja so ein toller Kerl ist, und sogar an Gott glauben kann. Manche verhalten sich auch so. Auch Glaubens-Turmbauten sind immer wieder eingestürzt.

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