Aus Deutschland hatte ich den weltweit gesungenen Segen noch nicht:
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Weltwahrnehmung – ein Lernprozess: Kritik hat das Ziel, Missstände zu verbessern
Aus Deutschland hatte ich den weltweit gesungenen Segen noch nicht:
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Interessant ist es zu beobachten, dass es nach 1945 eine Auseinandersetzung gab, die zunächst die einen für sich entschieden haben.
Und zwar flohen manche während der Zeit des Nationalsozialismus, nicht, weil sie Juden waren, sondern Repressionen fürchteten, wie Heinrich Mann, und andere gingen, warum auch immer, wie Thomas Mann.
Manche blieben.
Nach 1945 wurde denjenigen, die geblieben sind, vorgeworfen, dass sie keine Märtyrer geworden sind, dass sie die Politik der Nationalsozialisten nicht geändert haben. Daraus folgt: Sie waren Mitläufer. Diese Sicht äußerer Emigranten wurde dann vor allem von den inländischen Nachgeborenen aufgegriffen, die alles besser gemacht hätten, wenn sie nur schon gelebt hätten. Alte, die geblieben waren, wurden stigmatisiert – und versanken in der Vergangenheit.
Manche sehen es heute realistischer. Deutlich ist, dass viele von denen, die geblieben sind, nationaler dachten. Sie erhofften sich von Hitler eine nationale Stärkung. Diese bedeutet aus christlicher Sicht eine ethische Verbesserung, also eine Christianisierung der Gesellschaft, aus linker Sicht eine emanzipatorische Veränderung der Gesellschaft.
Es kam, wie wir wissen, alles anders. Aber das sagt nichts über die Qualität dessen aus, was die inneren Emigranten zu leisten imstande waren. Probleme hatten die äußeren Emigranten wie die inneren Emigranten. Die einen mussten zusehen, wie sie im Ausland überleben können, die anderen mussten zusehen, wie sie im Inland überleben können.
Und das ist also dann wieder typisch menschlich: Wir sind die Besseren, sagten die äußeren Emigranten, als alles vorbei war. Die Menschen, die geblieben waren, sagten von den Gebliebenen: Die sind welche von uns, die wissen Bescheid und haben mit gelitten.
Und die Nachgeborenen? Sie sagen: Mit gelitten? Selbst dran Schuld. Hättet ihr nicht mit gemacht, hättet ihr auch nicht mit gelitten. Und: Wenn wir damals gelebt hätten, wäre das alles nicht passiert, wir hätten alles Übel durchschaut – die besten sind wir.
Interessanter Weise traf der Vorwurf nicht alle Gebliebenen. Manche konnten irgendwie ganz schnell irgendwie so aussehen, als seien sie äußere Emigranten gewesen. Aber das ist dann ein neues Thema.
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Wir in Deutschland: Lokal Alkohol-Verbot soll nicht möglich sein, weil es die Freiheit einschränkt? Rauchen wurde auch Schritt für Schritt lokal verboten. Zudem: Die Gesellschaft wird immer stärker zu einer bekifften und alkoholisierten Gesellschaft. Leider wählen die Kälber ihre Metzger noch immer selber. Es muss ein Umdenken stattfinden. Nicht nur eine jährliche Informationsrunde der Drogenbeauftragten, die dann wieder was sagt und alle sagen: Aha! Der Kampf gegen Drogen muss zu einer gesellschaftlich konzertierten Aktion werden, da wir sonst Chikago-Zustände bekommen werden. Und wenn man dieser Gefahr nicht ganz realistisch in die Augen schaut, wird sie die Gesellschaft zerstören.
Apropos Chikago: Eine schwarze Bürgermeisterin steckt auch in ihren lokalen Mächten fest. Es muss von Außen etwas geschehen. Allerdings können Polizeimaßnahmen nicht die einzigen Mittel sein, es kommt dann nur zu einem Katz und Maus Spiel zwischen Drogenbaronen und kleinen Drogenhändlern und der Polizei. Aber einfach nichts tun wie mancherorts wohl in manchen Städten ist tödlich für viele. Natürlich kann man sagen: Wer sich schaden und umbringen will, soll es tun. Aber viele Jugendliche rutschen da hinein, und wissen noch gar nicht so richtig, die Gefahren abzuschätzen. Zudem geraten sie in die Fänge irgendwelcher Dealer, die von deren Geld profitieren wollen.
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Wir in Europa – was machen wir, um Gefahren zu erkennen und sie zu bekämpfen? Es geht nicht gegen Menschen – es geht gegen die von ihnen ausgehenden Gefahren, die man erkennen muss. Ein paar negative Schlagzeilen: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/mutmasslicher-raser-von-coesfeld-festgenommen-16877100.html und https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/brand-der-kathedrale-in-nantes-verdaechtiger-gesteht-16876655.html (als ein Mosaiksteinchen der Angriffe auf Kirchen) und: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/frankfurts-oberbuergermeister-von-polizei-eskortiert-16876822.html und: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/ausschreitungen-in-stuttgart-und-frankfurt-wir-uebernehmen-jetzt-deutschland-16875956.html
Oder: Muss man einfach lernen, damit zu leben?
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Nicht die Polizisten sind das Problem. Das Problem sind die, die die Polizisten zum Problem machen: https://www.welt.de/vermischtes/article212275323/Koeln-150-Jugendliche-feiern-Polizisten-mit-Flaschen-beworfen.html
(Nachtrag: Manchmal kann man nur sarkastisch reagieren: https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/glosse/frau-dreyer-beraet-die-polizei-wir-beraten-frau-dreyer-so-steigern-sie-ihre-glaubwuerdigkeit )
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Wie viel Einwohner hat Europa? 446 Millionen
Wie viel Corona-Tote sind zu beklagen? 190.000
Wie viel Einwohner hat die USA? 328 Millionen
Wie viel Corona-Tote sind zu beklagen? 143.000
Wie viel Einwohner hat Brasilien? 209 Millionen
Wie viel Corona Tote sind zu beklagen? 82.000
Die Zahlen sind aus den Medien vom 23.7.2020
Was will ich damit sagen? Man darf Brasilien und die USA nicht mit Deutschland vergleichen. Europa ist in etwa richtig.
Wir stecken noch mitten drin. Leichtsinn ist verantwortungslos. Es ist noch nichts vorbei.
Und es ist einfach nur erschreckend zu sehen, wie verantwortungslos manche mit der ihnen geschenkten Gesundheit umgehen und andere damit gefährden.
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Spannend ist: Was machen die zurückkommenden Urlauber mit unserem Land? In der Tagesschau gehört, dass Israel nicht weiß, wie es mit der neuen Corona-Welle umgehen soll. Ein Lockdown wird kaum mehr akzeptiert, die Menschen brauchen Geld. Ist das, was Israel erlebt, nur ein bitterer Vorgeschmack auf das, was wir erleben werden, wenn die Menschen nicht verantwortlich leben? Man hört immer von der zweiten Welle – gibt es Pläne, wie man in ihr handeln wird?
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Praktikanten sind der Corona-Herd am Wolfgangsee: https://www.welt.de/vermischtes/live206935325/Corona-Oesterreich-Mehr-als-50-Infektionen-in-Praktikantencluster.html
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Ob manche nicht genervt sind von dem Rassismus, der sich darin äußert, dass man sie ständig fragt, ob sie Rassismus erfahren haben? Auch gut gemeinter Rassismus ist Rassismus.
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Ein Autofahrer ließ sehr lange den Motor seines Wagens laufen. Daraufhin angesprochen sagte er: Ich muss mein Handy aufladen.
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Es gibt wunderschöne Bilder. Jeder Pinselstrich ist da, wo er hin sollte. Und dann gibt es Bilder, die haben irgendwie einen Pinselstrich zu viel. Das gilt von Graphiken wie auch von Fotos: etwas ist zu viel. Etwas nimmt den Zauber.
Das ist auch so mit Gedichten und Predigten: ein Wort, ein Satz zu viel. Ohne diesen Zu-Viel-Satz wäre es, wäre sie gelungen.
Natürlich sind Predigten keine Kunstwerke – aber das gilt auch für Menschen, die einander begegnen: Alles ist schön und gut – und dann das eine Wort, das zu viel ist, die eine Handlung, die eine Mimik, die von der Begegnung den Zauber wieder nimmt.
Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, dieses Empfinden für einen Pinselstrich, ein Wort, eine Geste/Mimik zu viel… Wie dem auch sei: Was und warum ist dem so?
Es gibt sicher auch ein zu wenig. Aber dann bedauert man es nicht, weil die Vollkommenheit, der Zauber gar nicht erst aufgekommen ist.
Und natürlich ist es so: Ein Punkt, ein Wort, etwas, das zu viel scheint, macht erst das gewisse Etwas aus.
Wenn man das oben abgebildete Foto sieht: Was wäre es, ohne dieses komische fast zweigartige Blatt, das von links unten nach rechts oben läuft! Es wäre langweilig. Oder ist es zu viel?
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Ich wundere mich, dass die Christen unter Hitler in den Krieg gezogen sind – auch gegen eigene Kriegsdeutung als Strafe Gottes. Nur wenige, wie Jägerstätter, haben eine andere Konsequenz gezogen: Ich als Christ kämpfe nicht auf der Seite, die Christus bekämpfen, so seine Sicht. Darum wurde er hingerichtet. Andere Christen haben das nicht gemieden – ich denke nicht, weil sie feige waren und eine Hinrichtung wegen Kriegsdienstverweigerung befürchteten. Es war die theologische Haltung dahinter.
Das Volk ist eine Einheit – wie auch das Alte Testament lehrt. Allerdings ist Volk da anders definiert als in der Zeit des Nationalsozialismus. Wie dem auch sei: Das Volk ist eine Einheit. Und wenn das Volk – das heißt auch: der Herrscher – sich gegen Gott stellt, dann straft Gott es. Und das Volk hat sich dann auch unter diese Strafe zu stellen. Ob man nun mitgemacht hat oder nicht. Man wird bestraft – anders gesagt: Der Krieg führende Mensch vollführt selbst die Strafe Gottes aus, weil er sich durch seine Sünde verblenden ließ.
Man selbst ist dann Opfer, wenn man unschuldig in den Kriegsstrudel hineingezogen wird. Man muss dieses Opfer auf sich nehmen. Der Opfergedanke spielte eine Rolle – warum, das habe ich noch nicht herausgefunden. Vielleicht sieht man dann einen Sinn in seinem Leiden. So hat selbst Reinhold Schneider, der nicht in den Krieg ziehen musste, seine Depressionen als Opfer angesehen: Er muss dieses Opfer vollbringen, damit die Schuld gesühnt wird. Theologisch stellen sich aus heutiger Perspektive an dieser Stelle freilich viele Fragen.
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Wie wird das alles in moderner Sicht begründet? Dazu siehe den Ansatz: https://www.pedocs.de/volltexte/2014/4647/pdf/bf_2006_1_Bordat_Menschenrechtskrieg.pdf
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Erdogan wickelt Atatürk ab: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/erdogan-und-der-staatsgruender-atatuerks-vermaechtnis-16875177.html
Irgendwann wird auch Erdogan abgewickelt werden: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/tuerkei-verurteilt-griechische-kritik-an-umwandlung-von-hagia-sophia-16875927.html
Das ist Geschichte.
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Washington Post und andere haben einen Jugendlichen in die rassistische Ecke gestellt – nun haben sie sich auf Schadensersatz geeinigt – was ziemlich Furore gemacht hat, weil man auch Trump damit in Verbindung bringen wollte: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/nicholas-sandmann-gegen-die-washington-post-16875573.html
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In China gibt es einen großen Fortschritt. Bislang war sexuelle Belästigung bis hin zur Vergewaltigung rechtlich Nebensache. Das soll sich ab 2021 ändern. Auch sonst tut sich was mit Blick auf das Recht: https://www.spiegel.de/politik/ausland/frauen-in-china-sind-mit-diskriminierungen-aller-art-konfrontiert-a-cc5b2e81-1d43-4a22-a3af-0fdc81eed1df
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Aber die Rechte von Christen sind unter aller Kritik. Corona-Bekämpfung betrifft auch Christen hart, weil der Staat diese ausnutzt, um Christen zu schaden: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/07/01/china-reisst-500-kreuze-von-kirchen-ab/
Zudem scheint es sich in China abzuzeichnen, dass der Staatspräsident Xi Jinping langsam beginnt, religiöse Verehrung einzufordern. https://www.jesus.de/china-ersetzt-kreuze-durch-bilder-von-politikern/ Wer soziale Unterstützung möchte, soll Jesus entfernen und durch Xi Jinping ersetzen. So viel zum Thema China und Recht, bevor manche anfangen euphorisch Xi Jinping zu überheben.
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Es wird erzählt – ich erzähle es auf meine Weise: Als der berühmte Theologe gestorben war, kam er zu Gott in den Himmel. Er sagte: Hallo, lieber Gott! Und Gott sagte: Grüß Gott, ich wollte Sie schon immer mal sprechen, da Sie mir mal die Welt und mich erklären können.
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Ich merke, dass ich, je länger ich glaube, immer weniger verstehe. Sicher, ich verstehe eine ganze Menge, aber manchmal scheint mir Wesentliches verborgen. Ich will es nicht näher darlegen, aber ich vermute, ich verstehe manches nicht, weil ich es nicht akzeptieren kann und will.
Gott überrascht mich immer wieder, weil er anders ist als ich denke.
Um nicht missverstanden zu werden: Das treibt mich nicht in Verzweiflung. Ich sehe es als Herausforderung an, mich dem betend und denkend und lebend und dankend anzunähern.
Um wiederum nicht missverstanden zu werden: Gott ist nicht mal dieser, mal jener. Kein willkürlicher Verwandlungskünstler, der den Menschen foppen möchte. Mein Denken umkreist Gott – klebt aber an mir, weil ich Maßstab dafür bin, wie ich mir Gott wünsche.
Dabei zeigt das Neue Testament, dass Gott den Maßstab des Menschen vollkommen am Kreuz verworfen hat. Nicht nur am Kreuz. Auch das, was wir Jesus-Geschichte nennen – verknäuelt sich immer wieder, obgleich man meint, den Anfang des Fadens in der Hand zu halten.
Mit Gott wird es nie langweilig. Ein Leben in Gott ist schön, obgleich das Wort „schön“ in dieser Hinsicht kaum etwas aussagt.
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Deutsche Christen werden die Christen genannt, die der Bewegung des Nationalsozialismus offen gegenüberstanden, sie unterstützt haben. Ich hatte sie neulich schon angesprochen: https://blog.wolfgangfenske.de/2020/07/16/es-geht-nicht-um-theologie-es-geht-um-den-menschen/ . Aber auch die Deutschen Christen waren keine Einheitsgruppe. Es gab unterschiedlichste Schattierungen, die auch in den Jahren nach 1933 immer wieder variierte.
Das hatte unterschiedliche Gründe, so zum Beispiel hatte sich jeder das unter der neuen christlich-völkischen, christlich-nationalsozialistischen Bewegung vorgestellt, was ihm lieb war. Manche dachten: endlich mal christlicher Glaube modern, logisch, aufgeklärt, damit zusammen hängt: endlich die Kirche gelöst vom Judentum, dazu gehört: der Staat erkennt uns an als wichtige Kraft in der Volksgemeinschaft… Man hat endlich ein „Glaubens“-Ziel: nicht der Einsatz für Jesus Christus, sondern: die Volksgemeinschaft…
Als manche dann merkten, dass nicht ihre Träume erfüllt wurden, nahmen sie auf unterschiedliche Art Abstand. Auf säkularer Ebene vergleichbar zum Beispiel mit dem Schriftsteller Gottfried Benn http://gedichte.wolfgangfenske.de/gottfried-benn-1886-1956/. Er dachte sich den Nationalsozialismus anders, als er dann kam. Und so wich die anfängliche Begeisterung einer Ablehnung.
Es gab also unterschiedliche Varianten. Wenn wir von deutschen Christen allgemein hören und lesen, dann werden Extreme zitiert. Tischgebete an Hitler, Abendgebete mit entsprechendem Duktus. Aber sie waren nicht alle so extrem.
Mir liegt ein Liederheft vor, das wohl den Deutschen Christen zuzuordnen ist, weil der Herausgeber sich als Teil der nationalsozialistischen Bewegung sieht: Christliche Kampflieder der Deutschen, herausgegeben von Ernst Sommer – allerdings aus dem Jahr 1933. Also aus der Anfangszeit, als noch die unterschiedlichsten Richtungen miteinander rangen.
Dieses Liederbuch ist schon optisch auffällig dadurch, dass es für die Texte keine Verfasserangaben gibt. Die Texte sind aber im Wesentlichen aus christlicher Tradition entnommen worden, vor allem aus der Zeit der Reformation, in der die Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche dominant war und dann aus der Zeit des 30 jährigen Krieges. Warum keine Namen genannt werden, erschließe ich mir aus dem Vorwort. Das Volk ist eine Einheit, die „Schöpfer dieser Dichtungen“ waren „christlich-evangelisch, politisch-kriegerisch und volk-gebunden“. „Ein Zeugnis dieses Geistes, der heute in uns Nationalsozialisten wieder lebendig geworden ist, soll dieses Heft sein.“ Das heißt: Nicht das Individuum zählt, sondern der Geist, der die Generation der christlichen Nationalsozialisten mit dem Geist der christlichen Dichter des Volkes vereint. Nicht der Geist Gottes steht im Zentrum, aber das dürften die wenigsten damals wahrgenommen haben. Und so ist auch nicht der Herausgeber, der allerdings genannt wird, derjenige, der die Lieder gesammelt hat, sondern „Die Junge Mannschaft Deutschlands… hat sich dieses Liederbuch geschaffen, um auch im Liede ihrer Haltung Ausdruck zu geben, die fromm und kriegerisch ist wie die der Landsknechte im Mittelalter.“ Was „kriegerisch“ und „fromm“ bedeutet, wird auch sofort erläutert: „Kriegerisch sein heißt: um den politischen Auftrag der deutschen Nation, die Aufgabe des Reiches, wissen und ihn bekennen; und fromm sein heißt: sich für ihn im Gehorsam gegen den Befehl Gottes einsetzen.“
Kurz zum Herausgeber: Ernst Sommer stammt aus der (Finkensteiner) Singbewegung und wollte mit den Liedern die dem Nationalsozialismus zugewandten Jugendlichen missionieren – und noch weiter: den gesamten Nationalsozialismus wollte er zu den protestantischen Wurzeln des 16. und 17. Jahrhunderts zurückführen: „Aber auch unsere Lieder sind nicht minder vollendete Zeugnisse dieses selben Geistes, der der heroischen Größe unserer gewaltigen Zeit so nahe verwandt ist und immer wieder in der Geschichte des Reiches durchbricht und die Welt erschüttert.“ So ist das Liederheft „ein Dank an die Kameraden, die in den vergangenen Jahren den schweren Kampf um das Reich und das Evangelium mitgekämpft haben“ – Kampf um das Reich Gottes? Das „Dritte Reich“? Das Wort Reich hat beide Konnotationen.
Hier mag nun auch die oben genannte Formulierung auffallen: „gegen den Befehl Gottes“. Das hieß damals etwas anderes als heute. Das hieß „in Aufnahme des Befehls Gottes“. Dennoch möchte ich das im heutigen Sinn aufgreifen, denn es ist ein erschreckendes Liederheft insofern, dass es Gott gegen sich selbst anruft. Das sei ausgeführt.
In diesen Liedern wird sehr intensiv ein Feind in den Blick gerückt, unter dem die Christen leiden. Wer der Feind in der Reformationszeit und dem 30 jährigen Krieg war, das ist klar. Doch wer war dieser Feind in der Zeit von 1933? In Liedern der Bekennenden Kirche ist das auch klar: Hitler und seine Steigbügelhalter, unter anderem die Deutschen Christen sind dieser Feind. Die Deutschen Christen könnten den Feind in den säkular/atheistischen Gruppen der Nationalsozialisten gesehen haben oder auch in den Vertretern der Deutschen Glaubensbewegung, oder aber: jeder konnte als Feind den einlesen, den er wollte. Kampflieder benötigen einen Feind. Letztlich aber wunderte man sich in einer Rezension auch darüber: Diese alten Lieder „sind Lieder einer kämpfenden und leidenden Kirche, die um ihre unlösliche Verbundenheit mit ihrem Volk gerade dann weiß, wenn sie die Reinheit ihrer Verkündigung unerbittlich gegen Menschenlehre und in Verfolgung wahrt. Wir haben heute die Kirche nicht, die sich dieses Heft ohne weiteres zu eigen machen könnte.“ https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00317891
Das Lied vermutlich aus der Reformationszeit (Seite 15): „Wacht auf, ihr werten Deutschen, es ist euch wahrlich not!“ spricht aus, dass Gott Hunger, Krieg und Tod bringen wird, wenn die Deutschen nicht umkehren. „Gott hat euch hoch begabet / vor vielen Völkern schon, / daß ihr bei euch rein habet / sein Evangelion“, so lautet es in der zweiten Strophe. Die dritte Strophe spricht aus, was geschieht, wenn sich die Deutschen nicht dem Evangelium zuwenden, und Buße tun: „mit Krieg und großen Streichen (sc. Schlägen), / mit Krankheit, Seuch und Tod, / mit Hunger und dergleichen / uns bringen in Jammer und Not.“ Die vierte und letzte Strophe, die in dem Heft zitiert wird, fordert nun dazu auf, Buße zu tun, an Gottes Sohn zu glauben, böse Taten zu unterlassen. Aus der Sicht der Nachgeborenen haben gerade die Christen, die den Nationalsozialismus förderten, sich gegen die Lehre Jesu Christi verhalten, haben das Böse gefördert – also sichtbar am vernichtenden Krieg, der dann über Deutschland gekommen ist, so die logische Schlussfolgerung des Liedes. Und das ist erstaunlich und gleichzeitig erschreckend: Wie schwer ist es für Menschen in der geschichtlichen Situation zu erkennen, wer falsche Lehren verbreitet. Ich denke, dass das Vorwort den Schlüssel, wie gesehen, dazu bietet, wenn es den Geist Gottes durch einen anderen Geist ersetzt. Aber solche Feinheiten können viele nicht durchschauen. Sie bleiben kleben an den frommen Worten, merken aber nicht, weil sie in der Zeit stehen, dass diese frommen Worte verführen, merken nicht, wes Geistes Kind sie sind.
Es sei auch auf das Lied „Ich bin ein Soldat wohlgemut“ eingegangen. Es ist von Hartmann Schenck aus dem 17. Jahrhundert. Vier Strophen werden zitiert, vier Strophen werden ausgelassen. Welche Strophen werden ausgelassen? Unter anderem Strophe 3: „Ach, großer Schutzherr Israel, / Du Vater aller Güte, / Ach, süßester Immanuel, / Mich doch auch heut´ behüte“. Dieses Liederbuch beinhaltet noch alttestamentliche Begriffe, aber das könnte für die Verfasser zu weit gegangen sein, dass Gott als „Schutzherr“ von Israel bezeichnet wird. Der Soldat von Schenck bittet Gott: „Dass ich betrübe nicht die Leut, / Noch ihnen mög zufügen / Viel Herzeleid, / Das mit der Zeit / Mir bringet großes Grämen, / Darob ich mich / Ganz schimpfiglich / Möcht´ dermaleinst schämen“. Schenck will mit dem Lied Soldaten ethisch erziehen. Geht das dem Herausgeber Sommer zu weit? Sein Ziel ist es, man solle als Soldat tapfer sein, auch wenn andere Angst haben und vielleicht sogar desertieren, solle man heldenhaft kämpfen – darum wird eine entsprechende Auswahl getroffen. Zudem widerspräche das das positive Bild vom Landsknecht. Von daher versteht es sich auch, dass die Strophe 7 weggelassen wird, die das Schlimme ausspricht – und darum nicht sehr Kampf motivierend ist: „Sollt aber wo gefangen ich, / Gequetscht, verwundet werden, / Bekommen irgends einen Stich / Und fallen zu der Erden“. was deutlich wird: Mit diesen Kampfliedern wird 1933 schon der Krieg vorbereitet.
Andererseits haben wir einen prophetischen Blick in der Aufnahme eines Liedes von Johann Rist: „Sichers Deutschland, schläfst du noch? / Ach wie nah ist dir dein Joch, / das dich hart wird drücken / und dein Antlitz dürr und bleich / jämmerlich ersticken. / Wach auf, du deutsches Reich! / Wach auf, du deutsches Reich!“ Weg gelassen wurden zwei Strophen, die es auch in sich haben: „Tolles Teutschland deiner Ruh´ / Eilet Krieg und Aufruhr zu … Alle Kreaturen gleich / Kommen dich zu straffen… Volles Teutschland große Noht / Wird dich martern auff den Tod…“.
Leider habe ich über den Herausgeber kaum etwas in Erfahrung gebracht. Wie hat er die weiteren Jahre bis 1945 beurteilt?
Fazit:
Dieses Liederbuch eines Christen, der sich als Nationalsozialist bezeichnet, hatte das Ziel, den Nationalsozialismus zu christianisieren bzw. den Ansatz der Ideologie, den der Herausgeber als christlich ansah, gegen andere, z.B. säkulare Strömungen, zu unterstützen. Das war, wie wir nun wissen, ein äußerst naives Unterfangen zudem eine Verkennung des real existierenden Nationalsozialismus.
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