Am ersten Ostertag früh, saßen Liebende in ihren Wohnungen, verborgen, verängstigt, verzagt, niedergeschlagen, erschüttert. Am Sonntag zog der strahlende König ein in die Stadt, sie jubelten: Hoffnungs-Hosianna! Am Freitag schrien sie triumphierend, voller Hass, erbarmungslos: Kreuzigt ihn! Der gefolterte Körper des Königs hing mit einer Krone aus Dornen am Kreuz die Liebenden verkrochen sich mit Schmerzen im Herzen Stichen im Leib geschüttelt enttäuscht Verrat Lügen Falschheit Menschenkälte Spott und Tod siegten wie die Menschen so sind wagten sich sonntags in der dämmernden Dunkelheit drei Frauen hinaus Tränen überströmt Tränen leer den leblosen Körper liebend zu ehren – Wärme, Wahrheit, Liebe, Licht! Ostern! Er kam. In ihre Wohnung. In ihr Trauerhaus. Er kam. Jesus. Der Messias, der Christus. Auf einmal war er da. Stärkte sie. Schalom – Friede. Wer versteht? Freude ergreift. Freude verströmt sich. Wie ein wunderbarer Duft. Im Herzen. Im Haus.
Wir leben nicht in einer Diktatur und das wird im Augenblick auch nicht sein. Was ich spannend finde: Wie schnell kann die Bevölkerung stillgelegt werden. Überall an Knotenpunkten Sicherheitskräfte, um Sonnenhungrige zu beäugen – aber das geht auch ohne Sonnenhungrige zu beäugen. (Wer spricht eigentlich noch von Überstunden der Polizei?) Denunzianten gibt es auch wieder – natürlich sind sie heute die Guten. Nachrichten sind alle auf Linie gebracht. (Manche lösen sich inzwischen so langsam von der Einheitslinie.) Wie schnell das geht!
Sicher, in einer politisch brisanten Situation werden hoffentlich die Menschen nicht so ruhig halten. Aber was ist, wenn politisch brisante Situationen das Etikett Gefahrenabwehr bekommen?
Die Polizei kann nichts dafür, wenn die Politik was befiehlt.
Aber die Juristen sollten lauter sagen – wie im Beitrag leise angedeutet – dass das so nicht geht. Aber vielleicht ist das ja auch extra juristisch nicht ganz festgezurrt.
Beten gehört zum Menschen als religiöses Wesen dazu. Nicht nur im christlichen Kulturkreis strömte man zusammen, wenn Not war, um zu beten, sondern das war weit verbreitet in der Antike. Der Mensch sucht in seiner Not Gemeinschaft, und wendet sich als Gemeinschaft in seiner Not Mächten zu, denen er zutraut, dass sie die Not ändern können.
Heute benötigt man, laut genannten Artikel, das alles nicht mehr. Man hat die Medizin. Von daher ist auch das Beten in dieser Not nicht relevant.
Man hat die Medizin. Man weiß auch vieles mehr: So zum Beispiel, dass der Mensch ein sozial eingebundenes Wesen ist, dass er vereinsamen kann, wenn soziale Kontakte wegfallen, dass er sich selbst Schaden antun kann, wenn er isoliert wird. Der Körper nimmt genauso Schaden wie seine Psyche. Das alles weiß man. Von daher sind die medizinischen Errungenschaften klasse! Aber: Der Mensch ist mehr. Von daher ist auch das Zusammenkommen, um zu beten wichtig.
Nun kann man natürlich sagen: Dass das Gebet also ein sozial wichtiges Phänomen sei. Das ist nicht zu bestreiten. Aber dazu kommt noch die Hinwendung zu höheren Mächten, denen man zutraut, dass sie etwas verändern. Man nimmt also nicht alles einfach so hin, sondern sucht die Grenze, die die Not mit sich bringt, gemeinsam zu sprengen. Der Mensch ist auch ein Homo Religiosus – um Atheisten nicht zu nahe zu treten: natürlich gibt es Ausnahmen, Ausnahmen, die sich als vernünftiger als andere ansehen, das sei aber jetzt außen vor – das heißt: er empfängt Weisungen, Zukunftshoffnung, Stärkung aus eben diesen Kontakten mit den übernatürlichen Kräften. Wer das unterschätzt, der nimmt dem Menschen Wesentliches, macht ihn heimatlos, sprachlos, wirft ihn auf sich selbst.
Hier macht das Christentum als Religion keine Ausnahme. Wenn wir allerdings das Neue Testament lesen, das Alte Testament ist diffiziler, dann erkennen wir, dass das Gebet eingebettet ist. Beginnen wir mit dem Vater Unser, dem Gebet Jesu:
Vater unser, der du bist im Himmel / in den Himmeln – also nicht da, wo Menschen einfach so hingehen können, Menschen mächtig sind, weil sie Raum greifend sind, der besondere Ort der Herrlichkeit, der konzentrierten Anwesenheit Gottes. Es ist ein Gemeinschaftsgebet – der Mensch als einer, der mit anderen in Gemeinschaft lebt, wendet sich an Gott. Dein Reich komme – also es geht darum, dass Gott seine Herrschaft auf der Erde durchsetzen möge. Dein Wille geschehe – also: obgleich gleich Bitten mit Blick auf die Nöte und der Gemeinschaft kommen, wird darum gebeten, dass Gottes Wille geschehe , nicht meiner.
Darum geht es in erster Linie: Gott steht im Zentrum. Nicht ich stehe im Mittelpunkt. Gottes Wille soll sich auf der Erde durchsetzen, auch mit Blick auf meine Bitten – nicht mein Wille. Das christliche Gebet ist von Haus aus Gott-zentriert, wird allerdings nicht durch einen Hymnus, also die Gott-Zentrierung schlechthin, ersetzt, sondern: Gott ist das Zentrum – und der Mensch ist wichtig, er lebt aus dieser Beziehung zu Gott.
Johannes-Evangelium 15f. Die berühmte Stelle in 16,23: Wenn ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er´s euch geben... Dieser Vers liegt eingebettet in den gesamten Zusammenhang einer Rede. Der Mensch als normaler Homo Religiosus nimmt sich diesen Vers heraus und denkt sich: Also bete ich – und ich werde bekommen. Der Glaubende aber berücksichtigt die gesamte Rede. Und er erkennt: Das Gebet ist nur ein ganz kleiner Teil der riesigen Beziehung zu Gott. Das Gebet ist Ausdruck der Beziehung – und erst aus dieser Beziehung heraus hat es seine große Bedeutung.
Ein anderer Text, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, steht im Jakobus-Brief: „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist“. Wessen Gebet? Des Gerechten. Der Gerechte, wie es am Beispiel des Elia gezeigt wird, ist einer, der in einer Gottesbeziehung steht – und zwar in einer engen. Aber auch hier:
Es gibt keinen Automatismus. Der christliche Glaube ist keine Magie, in der man Gott zwingen könnte durch gute Taten, mitleidiges Auftreten oder treffende Worte meinen Beterwillen zu tun. Das Gebet ist kein Zauberspruch. Es ist Ausdruck der Beziehung zu Gott – aus der folgt dann das Handeln. Das ist der Kern. Gott schiebt immer wieder einen Riegel vor, wenn der Mensch meint, sich über Gott stellen zu müssen – und das verletzt uns Menschen ungemein. Gerade der Homo Religiosus ist äußerst verletzt, wenn Gott sich nicht zwingen lässt. Folgen sind unter anderem die Abwendung von Gott – die gesamte Theodizeefrage ist damit verbunden.
Da aber auch der Christ ein Homo Religiosus ist, ist das soziale Element auch wichtig. Er muss sich allerdings dessen bewusst sein: das eigentliche christliche Gebetsverständnis geht über das allgemeine Gebetsverständnis hinaus. Dass gerade auch Beter leiden – das sehen wir dann an Jesus Christus, dem aus christlicher Sicht bedeutendsten Beter. Gleichzeitig wissen Beter aber auch: Dass Gott Gebete erhört. Das Leben mit Gott ist ein spannendes und schönes Leben.
Nun will man also ganz im Sinne von a) Nebenschauplätze aufmachen. Es geht also nicht mehr um seine angebliche Tat, sondern um sein mögliches Versagen als Kirchenvertreter. Von daher wird sich alles hinziehen… Armselige Menschenjagd.
Es ist wieder einmal interessant, dass die Ankläger meinen, ohne Grund im Recht zu sein und nicht akzeptieren, wenn sie nicht recht haben. Wenn jemand so schwerwiegend angeklagt wird, dann muss die Begründung stimmen. https://blog.wolfgangfenske.de/2019/03/10/pell/ Im letzten Satz scheine ich geirrt zu haben.
Ich lese gerade die Biographie von Pfarrer Grüber. Grüber hatte im Auftrag der Bekennenden Kirche versucht, Judenchristen vor dem Nationalsozialismus zu schützen, indem er ihnen zur Flucht verhalf. Er kam ins KZ. Und dort hat er beobachtet, dass Raucher eher ansteckenden Krankheiten erlagen als Nichtraucher. Sind auch Raucher Corona-Risikogruppe?
Und manche suchen sich jetzt an Gesundheitsminister Spahn abzureiben. Das ist unfair. Er ist Mensch – und kann auch nur auf das reagieren, was im jeweiligen Augenblick denkbar ist: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/spahn-corona-113.html
Aber wie so oft: Hinterher wissen es alle besser – vor allem, wenn es nicht gut gelaufen ist; und: Wenn es gut gelaufen ist, hat der Erfolg bekanntlich viele Väter. Gerade Medien sollten sich zurückhalten mit Politikerbashing. Sie haben zu schnell alles unkritisch aufgegriffen und massiv verbreitet. Jetzt auf einmal kritisch zu werden, ist unfaires mit dem Finger auf andere zeigen.
Was sagen die jeweiligen Passionsgeschichten der Evangelien zum Thema Leiden?
Markus/Matthäus zeigt die Einsamkeit des Leidenden. Er fühlt sich von Gott verlassen und fragt Gott: Warum hast du mich verlassen? – aber derjenige, der zu Gott gehört, wird auch in seinem schwersten Leiden als Kind Gottes erkannt.
Lukas zeigt den Leidenden, der sich in seinem schlimmsten Leiden in Gott geborgen weiß, der außerdem noch fähig ist, in diesem Leiden an andere zu denken: Vergebend, in die Zukunft weisend, sich in Gott bergend.
Johannes zeigt den Leidenden, der in seinem Leiden einen Sinn sieht und im Sterben sagen kann: Ich habe meine Aufgabe vollendet, es ist vollbracht.
Wenn wir Jesus einbeziehen, dann zeigen uns die Passionsgeschichten freilich viel mehr. Aber es ging mir hier nur um diese Perspektive. (2016)