Paul Gerhardt – Feinde

(Fortsetzung folgt)

Paul Gerhardt spricht nicht selten von Feinden – aber vor allem auch dann, wenn er Psalmen umdichtet. Zum Beispiel: „Herr, du erforschest meinen Sinn“ (Psalm 139) (1):

17. Was macht denn nun die wüste Rott,
die dich, o großer Wundergott,
so schändlich lästert und mit Schmach
dir so viel Übels redet nach?

18. Ach, stopfe ihren schnöden Mund!
Steh auf und stürze sie zu Grund!
Denn weil sie deine Feinde seind,
bin ich auch ihnen herzlich feind.

19. Ob sie nun gleich hinwieder sehr
mich hassen, tu ich doch nicht mehr,
als dass ich wider ihren Trutz
mich leg in deinen Schoß und Schutz.

Meine Überlegung ist: War das Tarnung? Um nicht direkt die Gegner anzugreifen, hat er sich dann auf den Psalm berufen?

Diese Satans-Rotten können nur spotten. „Lass sie spotten, lass sie lachen! / Gott, mein Heil, / Wird in Eil / Sie zuschanden machen.“ dichtet er in „Warum sollt ich mich denn grämen“ (EG 370,6). Und in „Warum willst du draußen stehen“ (6) schreibt er:

10. Seines Himmels güldne Decke
spannt er um dich rings herum,
dass dich fort und mehr erschrecke
deines Feindes Ungestüm.

Die „böse Welt“ „schilt und flucht“, dagegen segnet uns Gott, so die Erfahrung von Paul Gerhardt. Und:

18. Wirst du veracht’t von jedermann,
höhnt dich dein Feind und speit dich an:
Sei wohlgemut, denn Jesus Christ
erhöhet dich, weil in dir ist
was Gott gefällt. (7).

In dem Text: „Hör an, mein Herz, die sieben Worte“, denkt er über die letzten sieben Worte Jesu am Kreuz nach. Und da hören wir eine andere Intention, weil Jesus eben für die Feinde gebetet hat (2):

2. Sein allererste Sorge war,
zu schützen, die ihn hassen,
bat, dass sein Gott der bösen Schar
wollt ihre Sünd erlassen.
Vergib, vergib,
sprach er aus Lieb,
o Vater, ihnen allen!
Ihr keiner ist,
der sah und wüßt,
in was für Tat sie fallen.

3. Lehrt uns hiermit, wie schön es sei,
die lieben, die uns kränken,
und ihnen ohne Heuchelei
all ihre Fehler schenken.
Er zeigt zugleich,
wie gnadenreich
und fromm sei sein Gemüte,
dass auch sein Feind,
ders böse meint,
bei ihm nichts find als Güte.

Wesentlich ist aber, wie schon gesehen (3), der Umgang mit Gegnern:

(6) Bist du denn fromm und fleuchst die Welt
Und liebst Gott mehr als Gold und Geld,
So wird dein Ruhm, dein Schmuck und Kron
In aller Welt zu Spott und Hohn;
Denn wer der Welt nicht heucheln kann,
Den sieht die Welt für albern an.

(9) Hat er nicht Gold, so hat er Gott,
Fragt nicht nach böser Leute Spott,
Verwirft mit Freuden und verlacht
Der Welt verkehrten Stolz und Pracht.
Sein Ehr ist Hoffnung und Geduld,
Sein Hoheit ist des Höchsten Huld.

In dem Lied „O Mensch, beweine deine Sünd“ wird die Folter, der Jesus durch seine Feinde ausgesetzt war, entlang der Passionsgeschichte dargestellt, mit einer Mahnung, Buße zu tun. Die Gewalt der Feinde hat er zu ertragen. In dem Gedicht „O Welt sieh hier dein Leben“ wird gefragt, wer Christus so geschlagen hat. Die Antwort wird in Strophe 4 (EG: 3) gegeben: „Ich, ich und meine Sünden“. In „Sei fröhlich alles weit und breit“ ist es der Satan, der Jesus Christus tötete, aber vergebens: Jesus lebt. (5)

In „Schwing dich auf zu deinem Gott“ (4) wird erst der Satan angesprochen, der den Glaubenden schwer zu schaffen macht, weil dieser ihn an seinen Sünden festnagelt. Der Feind ist der Satan – aber auch die Welt, die den Menschen von Gott abbringen will:

7. Schreie, tolle Welt, es sei
mir Gott nicht gewogen,
es ist lauter Täuscherei
und im Grund erlogen.
Wäre Gott mir gram und feind,
würd er seine Gaben,
die mein eigen worden seind,
wohl behalten haben.

In den folgenden Strophen begründet er, wie mächtig der Schöpfer ist und dass das Leiden nicht der Liebe Gottes widerspricht. Im Gegenteil. Wenn Leiden als ein bitteres Ereignis erkannt wird, hinter dem der liebende Gott steht, verliert es, so stellt Paul Gerhardt es dar, seine eigenständige Macht.

Dass Gott mit den Gegnern als Richter umgehen wird, wird in „Wie soll ich dich empfangen“ (EG 11) vor Augen gemalt. Er tröstet, aber auch: er warnt und lockt, damit der Mensch sich zu Gott hin wende (8):

9. Was fragt ihr nach dem Schreien
der Feind und ihrer Tück?
Der Herr wird sie zerstreuen
in einem Augenblick.
Er kommt, er kommt, ein König,
dem wahrlich alle Feind
auf Erden viel zu wenig
zum Widerstande seind.

10. Er kommt zum Weltgerichte:
zum Fluch dem, der ihm flucht,
mit Gnad und süßem Licht
dem, der ihn liebt und sucht.
Ach komm, ach komm, o Sonne,
und hol uns allzumal
zum ewgen Licht und Wonne
in deinen Freudensaal.

Das Gedicht „Als Gottes Lamm und Leue“ (Löwe) wird dargelegt, dass der Unschuldige geschändet wurde. Aber dennoch finden sich Menschen, die das Opfer ehren, sich um es kümmern. Es werden Josef von Arimathia und Nikodemus als Vorbilder und Beispiele besungen, die den Leichnam ehrend bestattet haben (9):

6. Da siehst du, wie die Schwachen
zuletzt gestärket werden.
Gott kann zu Helden machen,
was blöd ist hie auf Erden.
Der Glaube, der im Finstern lag,
bricht endlich an den hellen Tag
und leuchtet wie die Sonne.

(In den nächsten Tagen werde ich das Lied besprechen: „Du liebe Unschuld du, wie schlecht wirst du geacht“, das „Feindschaft“ von einer anderen Seite beleuchtet.)

(1) https://www.velkd.de/schwerpunkte/liturgie/kirchenmusik/paul-gerhardt/lieder-von-paul-gerhardt/herr-du-erforschest-meinen-sinn/

(2) https://www.velkd.de/schwerpunkte/liturgie/kirchenmusik/paul-gerhardt/lieder-von-paul-gerhardt/hoer-an-mein-herz-die-sieben-wort/

(3) https://blog.wolfgangfenske.de/2026/06/09/albern/ und: Text: https://www.gedichte7.de/ich-hab-oft-bei-mir-selbst-gedacht.html

(4) https://www.velkd.de/schwerpunkte/liturgie/kirchenmusik/paul-gerhardt/lieder-von-paul-gerhardt/schwing-dich-auf-zu-deinem-gott/

(5) https://www.velkd.de/schwerpunkte/liturgie/kirchenmusik/paul-gerhardt/lieder-von-paul-gerhardt/sei-froehlich-alles-weit-und-breit/

(6) https://www.velkd.de/schwerpunkte/liturgie/kirchenmusik/paul-gerhardt/lieder-von-paul-gerhardt/warum-willst-du-draussen-stehen/

(7) https://www.velkd.de/schwerpunkte/liturgie/kirchenmusik/paul-gerhardt/lieder-von-paul-gerhardt/was-gott-gefaellt-mein-frommes-kind/

(8) https://www.velkd.de/schwerpunkte/liturgie/kirchenmusik/paul-gerhardt/lieder-von-paul-gerhardt/wie-soll-ich-dich-empfangen/

(9) https://www.velkd.de/schwerpunkte/liturgie/kirchenmusik/paul-gerhardt/lieder-von-paul-gerhardt/als-gottes-lamm-und-leue/

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Ich habe bislang zur Erinnerung an Paul Gerhardt, der vor 350 Jahren gestorben ist, ein paar Lieder angedacht: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/06/09/albern/ („Ich hab oft bei mir selbst gedacht“ und „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“); https://blog.wolfgangfenske.de/2026/06/08/ich-singe-dir/ („Ich singe dir mit Herz und Mund“); https://blog.wolfgangfenske.de/2026/06/07/befiehl-du-deine-wege/ („Befiehl du deine Wege“). https://blog.wolfgangfenske.de/2026/06/10/geh-aus-mein-herz-und-suche-freud-2/ („Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ – EG 503). Ebenso das Lied: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/06/11/paul-gerhardt-o-haupt-voll-blut-und-wunden/ (O Haupt voll Blut und Wunden – EG 85) und https://blog.wolfgangfenske.de/2026/06/12/paul-gerhardt-auf-auf-mein-herz/ (Auf, auf, mein Herz mit Freuden – EG 112) und: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/06/13/paul-gerhardt-herr-der-du-vormals-hast-dein-land/ („Herr, der du vormals hast dein Land“ – EG 283) und: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/06/15/paul-gerhardt-nun-ruhen-alle-waelder/ (Nun ruhen alle Wälder – EG 477). Und: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/06/17/paul-gerhardt-ist-gott-fuer-mich/ (Ist Gott für mich, so trete… – EG 351)