Befiehl du deine Wege

Paul Gerhardt, an dessen 350. Todestag wir in diesem Jahr denken, hat ein Lied geschrieben, dessen erste Strophe lautet:

Befiehl (2) du deine Wege
und was dein Herze kränkt,
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

Den Lebensweg Gott anvertrauen. Das Gott in die Hände legen, was mich kränkt. Mich kränkt vieles.

Es sind nicht die Kränkungen der Menschheit, dass der Mensch mit den Affen gleiche Vorfahren hat (Darwin), dass der Mensch nicht Herr in seinem PsychoHaus ist (Freud), dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Alls steht (Kopernikus), dass eine künstliche sogenannte Intelligenz schon sehr „intelligent“ ist, sondern auch, dass es Gott gibt, den er mit allen Verstandes und Unverstandes Mitteln zu bekämpfen sucht (1).

Was kränkt, das sind Menschen, die gedankenlos und leichtfertig mit mir umgehen, sind Menschen, die mein Leben bestimmen und es zu zerstören suchen, Menschen, die übergriffig werden mit Worten und Taten. So manche eigenen Unfähigkeiten kränken, die ich nicht loswerden kann, die mich beherrschen, statt dass ich sie beherrsche. Die größte Kränkung ist unter Umständen aber auch Gott selbst. Das dann, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es gerne hätte, wenn der nahe Gott fern erscheint, sich nicht bemerkbar macht, wenn Schmerzen, Ratlosigkeit und Rastlosigkeit mein Leben bestimmen.

Und all diese Kränkungen soll ich, so rät Paul Gerhardt, in Gottes Hand legen. Paul Gerhardt begründet das mit dem großartigen Wirken des Schöpfers. Gott ist es, der die Ordnung der Schöpfung lenkt. Das, was als Chaos daher kommen kann, Winde, zerstörenden Sturm lenkt er genauso wie drückendes Sommerflirren, die mal hierhin und mal dorthin ziehenden Wolken. Stille Wolken, bedrohliche Wolken. Alles Metaphern für das Leben. Weil Gott also die Macht hat, Sturm und Ruhe zu lenken, wird er auch Macht haben, meinen Lebensweg gehbar machen. Schritt für Schritt. Wege, die mein Fuß gehen kann. Fuß vor Fuß. Gehen, nicht rennen, nicht mit Pferden rasen – oder heute gesehen: mit Motorräder, Autos. Sondern gehen: jeden Schritt mit Gott gehen.

Und das entfaltet Paul Gerhardt in den weiteren Strophen. Er weiß selbst, dass unsere Füße im grunde zu schwach sind, den Lebensweg im Vertrauen auf Gott zu gehen. Und so bittet er in der letzten und 12. Strophe:

Mach End, o Herr, mach Ende
mit aller unsrer Not;
stärk unsre FGüß und Hände
und lass bis in den Tod
uns allzeit deiner Pflege
und Treu empfohlen sein,
so gehen unsre Wege
gewiss zum Himmel ein.

(1) https://blog.wolfgangfenske.de/2023/02/11/drei-eine-kraenkungen-der-menschheit/

(2) Es handelt sich um einen Akrostichon, das heißt: Jede Strophe beginnt mit einem Wort, die zusammengesetzt einen Vers aus Psalm 37 bilden: Befiehl dem Herrn dein(en) Weg und hoff auf ihn, er wird´s wohl machen.

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/impressum-datenschutzerklaerung/ Und: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/verhalten-ethik/jesus-und-ethik/