Maler 63: Piet Mondrian

Piet Mondrian (1872-1944) malt Bilder, auf denen erkannt wird, was sie darstellen sollen: Blumen, Kühe, Obst, Menschen, alte Bauernhöfe und Äcker, Windmühlen und Kirchen usw. An diesem Eingangsbild des Videos ist auch noch erkennbar, dass er Bäume gemalt hat: Wir sehen senkrechte und waagrechte Linien, verschiedene Lichtverhältnisse, Tiefenwirkung.

Das finden wir auch auf den Gemälden, die nur aus waagrechten und senkrechten Linien bestehen, die aufeinandertreffen und Felder bilden. Fast alle davon farbig, auch die weißen Felder erscheinen nicht rein weiß, sondern nuanciert. Diese Gemälde erinnern mit ihren schwarzen dicken Strichen an die Bleifassungen der Kirchenfenster. Aber gleichermaßen erinnern die Quadrate auch an die Windmühlenflügel – Windmühlen gehörten auch zu den Motiven, die Mondrian immer wieder aufgegriffen hat. Und durch die Quadrate eines Windmühlenflügels oder durch Kirchenfenster zu schauen, lässt unterschiedliche Farben erkennen: Quadrate – Weiß der Wolken, blauer Himmel, angestrahlte Wolken durch Sonne mit vielen Farbnuancen versehen. Das ist auch an manchen Bildern noch zu erkennen, die Gegenständliches sehen lassen, zum Beispiel Bäume – aber zwischen den Stämmen und den Kronen bilden sich Vierecke, die unterschiedliche Hintergründe durchscheinen lassen (blau = See/Himmel?; braun vom Haus). In dem Clip werden manche „Übergangsbilder“ gezeigt, in denen gegenständliche Objekte in geometrische Figuren überfließen oder umgekehrt, geometrische Figuren ein gegenständliches Objekt (zum Beispiel einen Baum) erkennen lassen. Diese „Übergangsbilder“ können einen Schlüssel für die abstrakten Bilder liefern. Die Naturbilder malt er lebendig. Farben fließen ineinander über, es ist viel Bewegung in ihnen, denn Natur ist niemals statisch, sie ist immer in Bewegung, Farben sind durch das Wetter ständig in Bewegung. Himmel ist Bewegung, Seen, Meere sind in Bewegung. Diese Bewegungen spiegeln sich in den Farben seiner Bilder wider.

Und zu diesen „bewegten“ Bildern stehen die abgegrenzten Bilder in starkem Kontrast. Ruhe strahlen die gegenständlichen Bilder vielfach nicht aus. Um so mehr strahlen die „viereckigen“ Bilder, die geometrischen Gemälde, Ruhe aus, mit ihren genau eingegrenzten Farbflächen. In diesen Vierecken wird, so empfinde ich das, die Bewegung der Natur eingefangen, umhegt. Sie sind vielfach heller als die Bilder, die die Natur wiedergeben. Manche landschaftlichen Motive mit ihren Bauernhäusern sind eher in dunklen Farbtönen gemalt worden. Zudem sind die geometrischen Gemälde nicht so spitz wie die Blumenbilder, die er malt. (Interessanterweise: für mich sind Blumen eher rund – aber er betont häufig spitze Blütenblätter, Stängel usw.) Die Bilder, die von Strichen dominiert werden, sind wieder unruhiger, behalten aber durch relative Gleichmäßigkeit eine gewisse Ruhe bei.

Neben diesen gegenständlichen Bildern und den Bildern mit den Vierecken, bietet er auch Bilder mit lebhafterem Stil. Viele der Bilder beinhalten Überraschungsmomente. Nicht zufällig ausgelaufene Farben, Striche, die wie ein zorniges Gesicht aussehen, Striche, die alle möglichen Assoziationen hervorrufen, waagrechte und senkrechte Striche, manchmal ein paar runde Linien dazwischen oder schräge Striche bzw. unvollendete Striche. Diese Bilder, die auf den ersten Blick eintönig aussehen, beinhalten bei näherem Hinschauen zahlreiche Überraschungsmomente bzw. sind selbst Überraschungsmomente. Spannend finde ich auch den See (4:44).

Mein Thema in dieser Reihe Malerinnen und Maler (https://blog.wolfgangfenske.de/2026/05/17/malerinnen-und-maler/) sind in den bisher vorgestellten Gemälden die Zeit, in der der Maler lebte und das Licht. Zu Mondrian kann mit Blick auf die Zeit gesagt werden, dass er überwiegend landschaftliche und Landwirtschaft, Kirchen und Windmühlen malt. Die Landschaft, wie sie mit den Niederlanden verbunden werden. In den gegenständlichen Bildern sind vielfach dunkle Farben vorherrschend, sie geben aber auch wechselnde Lichtverhältnisse wieder, während die geometrischen Bilder eher von hellen Farben innerhalb schwarzer Striche bestimmt werden. In diesen kommt das Licht nicht mehr aus der Natur, der Sonne, dem Zusammenspiel von Sonne und Wolken, Schatten, sondern kommen aus den Farbflächen selbst. Nicht die Tageszeit und das Wetter bestimmen das Licht, sondern der Maler bestimmt die Ordnung, in der er die Farbflächen/Lichtflächen einsetzt.

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Über das bewegte Leben des Malers und die Einflüsse auf seine Kunst erfahren wir manches überblickshaft in dem Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Piet_Mondrian