Maler 84: Präraffaeliten (Rossetti, Millais, Brown, Hunt)

Rossetti: Bruder der Dichterin Christina Rossetti – und selbst Dichter – Frauenbilder mit langen wallenden roten Haaren – Schönheit aus unterschiedlichen Blickwinkeln – seine ideale Frau. Als Präraffaelit setzt er mit seinen Frauenbildern Gegenakzente zu Raffael. Sie wirken melancholisch in der Schönheit.

Ford Madox Brown: Lebendiges Gewimmel – die Augen haben viel zu schauen – die Frage stellt sich jedoch: Worauf werden sie gelenkt? Manche sonderbaren Proportionen fallen ins Auge – ungeschönte Alltagsverrenkungen des Körpers und sonderbare Perspektiven. Tumulte. Alles ist irgendwie beschäftigt und sei es beobachtend. Aber auch ruhige Landschaften malt er.

John Everett Millais: Kinderportraits und Familien: er hatte acht Kinder, mit den Porträts hat er auch seiner Familie Nahrung gebracht. Da es keine Fotos gab, wollten viele Familien ihre Kids malen lassen. Aber er malte sie nicht einfach so, sondern als Präraffaelit gab er ihnen besondere Ausdruckskraft und malte sie mit feinen Nuancen.

Ich hatte Hunt gesondert vorgestellt: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/08/02/maler-83-william-holman-hunt/ Hier kann erkannt werden, wie unterschiedliche Motive diese Maler mit ihren Bildern aufgenommen haben.

Was haben die Präraffaeliten gemeinsam in ihrer Unterschiedenheit? Sie wollten sich von Raffael lösen. Natur, leuchtende Farben, viele Details. Vieles ist auch bei Raffael erkennbar – aber sie wollten eben keine starren Nachahmer Raffaels sein. Die zeitgenössische Malerei war ihnen zu formelhaft. Sie wollten keine nachgemachten, nachgeahmten religiösen Gefühle malen, sondern ihre wahrhaftigen religiösen Gefühle wiedergeben. Und damit war auch Kritik verbunden. (Millais: Christus im Haus seiner Eltern – Menschen des Alltags, Jesus weint mit blutender Hand, Maria kniet, um ihn zu trösten, Josef ist mit seinem Handwerk beschäftigt – Menschen, also nicht der feinen Oberschicht; Rossetti: Die Verkündigung [Ecce Ancilla Domini] – eingeschüchtert kauert Maria auf ihrem Bett, während der Engel auf angedeuteten Feuerflammen leicht schwebt; Brown: Jesus wäscht Petrus die Füße – missmutig schaut Petrus dem Treiben Jesu zu; Hunt: Der Sündenbock – der im Schlamm versinkt, ich beschrieb auch das Bild des Mietlings als Beispiel für die falschen Kirchenhirten; aber auch die misshandelte Frau in Ägypten; nicht genannt hatte ich das Bild, in der einer Frau auf einmal bewusst wird, wie sie benutzt wird, was für ein Leben sie führt: Das erwachende Gewissen; während Maria Spartali Stillman ein sehr zartes Mariabild malt, mit dem Jesuskind auf dem Arm, das sie einem Mönchen – so die Legende – in den Arm legen wird. Das nur am Rande, um die Vielfalt der Präraffaeliten zu vertiefen.)

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