
Das Wort „Text“ und „Textilie“ haben einen gemeinsamen Ursprung. Das lateinische Wort „texere“ bedeutet: weben, flechten, zusammenfügen. „Text“ bedeutet unter anderem Zusammenhang, Gewebe. Wörter werden zusammengewebt. Gedanken werden mit Wörtern zusammengewebt. Und so hat sich dieser gemeinsame Urgrund beibehalten in den Redewendungen: „den Faden verlieren“, „einen roten Faden haben“, etwas „spinnen“. Wie es unterschiedlich gewebte Stoffe gibt, so auch unterschiedlich gewebte Texte. Manches ist grob und offensichtlich. Manches ist so fein, dass auf den ersten Blick kein Faden erkennbar ist. Manche Texte sind schlicht, manche künstlerisch komplex. Texte werden auch „Textgewebe“ genannt. Sie haben wie Teppiche eine Oberfläche, eine Oberflächenstruktur – und wenn man ihn umdreht, sieht er ganz anders aus. Es handelt sich um Subtexte. Oder die verborgene Struktur der Texte ist zu erkennen. Kurze Texte sind manchmal aggressiv, lange, fließende Sätze sind eher melodiös, verschachtelte Texte mit der viel Infomaterial – die finden wir eher in der Philosophie, dann gibt es Texte, die sehr viele Lücken aufweisen, das ist die einfache Alltagssprache – sie ermöglicht sehr viele Assoziationen.
Auch alte Texte bestehen aus Wortgewebe. Manche Muster sind im Laufe der Zeit immer schwerer zu erschließen. Wer sie erschließen möchte, benötigt nicht selten Geduld, vor allem auch dann, wenn die Substruktur erkannt werden will.
Biblische Texte haben eine so immense Wirkung, nicht allein wegen dem, was aufgrund des ersten Lesens erkennbar ist, sondern wegen der Substruktur, also dem, was Menschen in ihrer Tiefe erkennen, für sich entnehmen. Aus christlichem Glauben gesprochen: das, was der Geist Gottes erschließen lässt.
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