Mir wurden folgende Malerin und folgender Maler vom Youtube-Algorithmus empfohlen: Nathalie Picoulet und Vittorio Dangelico. Ich nehme sie auf, nachdem ich mich in den letzten Tagen eher mit „schwerer“ Kunst beschäftigt habe: Daumier, Rouault, Sickert.
Ich frage in meinen Darlegungen, warum malt der Künstler gerade das, was er malt, was kann das mit seiner Zeit zu tun haben? Was setzt er ins rechte Licht, was hebt er hervor?
Spannende Fragen, die auch diese Malerin betrifft oder den Maler. Was sagt das über unsere Zeit aus, dass sie das malen, was sie malen, und dass sie es auf diese Weise malen? Es könnte an dieser Stelle auch über diese Kunstwerke im Vergleich zur abstrakten Kunst nachgedacht werden, was ich aber nicht tun möchte.
Ich will nicht viel zu den Gemälden schreiben, nur auf ein paar Aspekte hinweisen: Von manchen Bildern, gerade denen von Picoulet, geht eine große Ruhe aus – eine Ruhe, die aus Einfachheit und Würde erwächst. Anders die Bilder von Vidan, die eher südliche Sommerlust – nicht nur bloße Leichtigkeit – triggern.
Hervorzuheben sind beide, Künstlerin und Künstler, weil diese Bilder Schönheit feiern, was heute bekanntlich nicht unbedingt überall selbstverständlich ist. Schönheit als Schönheit stehen lassen, auch schöne Gefühle zulassen, anerkennen: Das strahlen für mich diese Bilder aus. In diesem Sinn scheinen mir die Bilder gegen einen bestimmten elitären Strom unserer Zeit zu schwimmen.
Aber gleichzeitig scheint mir die Schönheit auch verletzlich zu sein. Schönheit wird auch in unserer Zeit dadurch verletzt, indem sie negiert, geringgeschätzt, pauschal als Kitsch bzw. banal abgewertet. Schönheit in der Kunst darzustellen ist keineswegs banal: Menschen reagieren auf Schönheit ganz natürlich. Durch das Betrachten von Schönheit werden Dopamin, Endorphine, Oxytocin freigesetzt – oder wie auch immer man den Hormoncocktail bezeichnen möchte. Irgendwo habe ich mal das Wort Neuroästhetik gelesen. Mal nachsehen, was Wikipedia dazu schreibt: Ich weise hier lediglich darauf hin: https://de.wikipedia.org/wiki/Neuro%C3%A4sthetik
Ein Kampf gegen das natürliche Schönheitsempfinden ist im Grunde ein ideologischer Kampf gegen das, was „bio-psychologisch“ ganz normal ist. Von daher ist sich vergleichender Neid unangebracht, weil jeder „bio-psychologisch“ von der Schönheit anderer profitiert.
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