Maler 99: Fra Angelico

Fra Angelico (ca. 1395-1455) war ein Maler des göttlichen Lichtes. Mit seinem vielen Gold schuf er beeindruckende helle Bilder, die vermutlich im Original noch beeindruckender sind als als Foto, wegen der schillernden Eigenschaft des Goldes. Er hat vielfach die Heiligenscheine und andere Goldteile noch durch besondere handwerkliche Fertigkeiten mit Symbolen versehen, sodass dieser Eindruck des Flimmerns noch erhöht wird.

Er mal einmal die himmlische Welt, also die Welt, in der die Heiligen hineingehen werden mit viel Gold – das Göttliche bricht als Goldlicht auch in das Irdische hinein. Das Licht dient hier nicht dazu, Gesichter hervorzuheben oder Kleidungen, Hintergründe, wie bei vielen Malerinnen und Malern, die ich hier vorgestellt habe, sondern es hebt die Menschen als die hervor, die zu Gott gehören. Dieses Göttliche durchdringt die Gesichter, manche Gewänder, den Betrachter. Es ist nicht nur die Helligkeit, auch die Bilder selbst strahlen eine gewissen Freude aus.

Fra Angelico war weder sein eigentlicher Name, noch sein Ordensname. Ihm wurde der Zuname, Beato Angelico, der selige Engelhafte – verkürzt zu: Fra / Bruder Angelico – wegen dieser seiner Gemälde gegeben. Sein Ordensname war Fra Giovanni, er war Dominikaner, sein weltlicher Name: Guido di Pietro. Wer viel mit Gold malt, muss entweder reich gewesen sein oder einen reichen Finanzier gehabt haben. Letzteres war der Fall, ein Medici hat seine Kunst finanziert, aber auch reiche Zünfte und andere Betuchte. Er malte auch mit echtem Lapislazuli. Gold und blau wirken noch stärker auf die Emotion. Er war als Buchillustrator ausgebildet, malte neben den Bildern auch Fresken.

Ich habe meine Reise mit den Malern begonnen, mit dem Thema: Gotik / Bonaventura (13. Jahrhundert). Und in die Gotik passt auch, mit Blick auf die Betonung des Lichtes Fra Angelico. Bei Bonaventura wurde deutlich: das göttliche Licht (Lux) bricht sich in Farben (Lumen). Die Schöpfung bei Bonaventura – bei Fra Angelico die Heiligen – wird erhaben und durchleuchtet vom Licht. Für Bonaventura ist ohne das Licht Christi das Licht der Schöpfung nicht möglich. Ob das auch von Fra Angelico gesagt werden kann, dass ohne das Licht Christi das Licht der heiligen nicht erkannt werden kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings weist das dunkel Bild der Wüstenväter darauf hin, dass die Dunkelheit nur durchbrochen wird von dem Licht des Heiligenscheins, hier der Strahlen. Ohne diese würde die Heiligkeit dieser Menschen nicht erkannt werden können. Die Heiligenscheine sind ein Abglanz, ein Spiegelbild des Lucis (Gen. von Lux) Christi. Die Heiligen sind die Neuschöpfung durch Gott – um es mit einem Wort des Apostels Paulus zu sagen.

Allerdings sind die Bilder freilich nicht allein gotisch geprägt, sondern schon von der angehenden Renaissance.

(Siehe: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/04/19/bonaventura-1221-1274/ und: https://de.wikipedia.org/wiki/Fra_Angelico )

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