Stammbaum Jesu

Das Matthäusevangelium wurde, so vermutet die Mehrheit der heutigen Forschung, um ca. 80 n.Chr. geschrieben. Es beginnt mit der Darlegung des Stammbaumes Jesu im 1. Kapitel. Dieser Stammbaum hat zwei Besonderheiten. Die erste Besonderheit:

Vers 17: Alle Glieder von Abraham bis zu David sind vierzehn Glieder. Von David bis zur babylonischen Gefangenschaft sind vierzehn Glieder. Von der babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus sind vierzehn Glieder.

Wenn wir diesen Stammbaum mit dem von Lukas vergleichen, sehen wir, dass die Zahlenangaben hinzugefügt worden sind. Es handelt sich um einen stilisierten Stammbaum – und der soll uns auf etwas hinweisen: Gott ist Herr der Geschichte. Die Zahl 14 ist: 7+7 – also die vollkommene Zahl verdoppelt, zudem sind die hebräischen Buchstaben gleichzeitig Zahlen. Und so ist der Zahlenwert des Namens von David 14 (DWD 4+6+4) (David kann allerdings auch mit „Jod“ geschrieben werden.)

Die jüdische Geschichte wird in Zeiteinheiten unterteilt. Diese Zeiteinheit hebt vier Ereignisse bzw. Personen hervor: Abraham – David – Babylonische Gefangenschaft – Jesus Christus. Wir sehen daran: Für Matthäus ist Gott der Herr der Geschichte. Jesus von Nazareth ist in die Linie dieser großen Ereignisse und Personen zu stellen und auf ihn läuft die Geschichte zu. Aber Gleichzeitig hat sie eine zweite Besonderheit, die diesem zu widersprechen scheint. Das wird deutlich, wenn wir die wenigen Frauen im Stammbaum näher betrachten: (a) Tamar (1,3) – (b) Rahab, (c) Ruth (1,5) – (d) die Frau des Uria / Bathseba (1,6) – (e) Maria. Frauen in Stammbäumen zu erwähnen war nicht besonders verbreitet. Vor allem Skandalfrauen nicht.

Von (a) Tamar ist in Genesis 38 die Rede. Juda, ihr Schwiegervater, hätte sie nach dem Tod ihres Mannes versorgen müssen. Er tat es nicht. Darum, als sie hörte, dass Juda ins Dorf kam, verhielt sie sich wie eine Prostituierte. Juda schlief mit ihr. Als ihre Schwangerschaft bekannt wurde, sollte sie getötet werden. Doch sie hatte von Juda ein Pfand genommen, das sie nun zeigte. Juda ließ sie am Leben und sah seine Schuld ein. (b) Rahab ist eine Gastwirtin, auch oft als Prostituierte angesehen, die nicht jüdischen Ursprungs war. Sie half dem Volk Israel bei der Eroberung Jerichos. (c) Rut(h) (Buch Ruth) war eine Heidin. Sie kam mit ihrer jüdischen Schwiegermutter nach Israel. Dort legte sie sich auf das Lager des Mannes, den sie sich zum Ehemann auserkoren hatte. Er ließ sich betören und heiratete sie. (d) Die Frau des Uria / Bathseba (2. Samuel  11) gefiel König David besonders gut. Er ließ sie zu sich kommen und zeugte ein Kind mit ihr. Als das bekannt wurde, ließ er ihren Ehemann aus dem Krieg zurückkommen, damit dieser mit seiner Frau schlafe und so das Verhältnis nicht bekannt würde. Doch Uria war ein ehrenhafter Mann, der nicht mit seiner Frau schlafen wollte, während seine Kameraden im Krieg sind. Das war sein Todesurteil: David ließ ihn in die erste Kampfreihe stellen. Dort kam er um. Gott strafte das Verhalten des David, aber der nächste Sohn, den er mit der Frau zeugte, war sein Nachfolger Salomo. (d) Diese drei anrüchigen Frauengeschichten laufen auf (e) Maria zu, die Mutter Jesu. Ihre Geschichte ist auch anrüchig wie die der genannten Frauen: Sie wurde schwanger, ohne verheiratet gewesen zu sein (dazu s. unten).

Diese Geschichten zeigen: Gott ist zwar Herr der Geschichte, aber er plant nicht jedes Detail, sondern Menschen machen ihre eigene Geschichte, verstrickt in Schuld und Versagen. Doch Gott verfolgt sein Ziel: Er wird seinen Retter schicken, um sein Volk von seinen Sünden zu befreien (1,21). Es ist die im Alten Testament beschriebene „Miteinander-Geschichte“:  Gott achtet das Handeln des Menschen, auch wenn es ihm zuwider ist. Er hat den Menschen Freiheit geschenkt, die Voraussetzung für verantwortliches Handeln. Der Mensch ist nicht Gottes Marionette – aber gleichzeitig setzt Gott seine Akzente, sichtbar am gesamten Geschichtsverlauf.

Datenschutzerklärung: https://www.wolfgangfenske.de/impressum-datenschutzerklaerung/ Und: https://evangelische-religion.de/ReligionNeu/jesus-christus/leben-jesu/