Edward II. – eine Klage und Bitte

In einem Gebet hat der ehemalige König Edward II. (1284-1327; der als erster Thronfolger Prince of Wales genannt worden war) sein Leben Revue passieren lassen – und er beklagt seine schlimme Situation als Gefangener im Gefängnis. Vielfach verwendet er die Sprache der Psalmen. Ein paar Auszüge seien genannt, übersetzt mit Hilfe von Google und meinen laienhaften Veränderungen; der vollständige Text (englisch): https://www.theotherhalfpodcast.co.uk/edward-iis-emo-poetry

Herr der Erlösung, ich bereue mein Leben;
Wegen all meiner Sünden sehne ich mich nach Vergebung:
Möge das Fleisch den Schmerz ertragen;
Die Seele empfängt Freude und Barmherzigkeit.

IV

Was ich gegen den Glauben gesündigt habe,
Ach! Lieber Herr, Du weißt es.

V
Du weißt alles,
Denn nichts ist Dir verborgen.
Alles ist Dir vollständig offenbart,
Gutes und Schlechtes.
Darum werden deine Urteile gefürchtet.
Sei barmherzig mit mir Sünder!
Dein Wille geschehe.
Leib und Seele übergebe ich dir.
Ich übergebe mich Jesus,
Habe Verlangen nach seiner Gnade und Vergebung.
Einst wurde ich gefürchtet,
Aber jetzt verachten mich alle Männer,
Und begrüßen mich: kronenloser König!,
Ich bin ein Gespött für alle.
Meine liebsten Freunde haben mich getäuscht:
Zu spät sehe ich es deutlich.

IX

Und jetzt ist es wirklich soweit,
Dass ich im Tod schlafen soll,

Warum noch bestürzt sein?
Was Gott bestimmt hat
Voll Sanftmut, werde ich ertragen,
Und ihm treu dienen.

X
Ihm zu dienen sei mein ständiger Gedanke.
Ach! warum war es nicht immer so?
Ist es ein Wunder, dass ich traurig bin,
Und irdische Größe mir versagt wird?
O lass mein zerknirschtes Herz nahe sein
dem, der am Kreuz gelitten hat:
Jetzt bereue ich wirklich
All die Sünden, die ich getan habe.

XIII
Mein Herz wird nicht mehr länger klagen,
Geweinte Tränen angesichts irdischer Ehren sind getrocknet;
Aber, süßer Jesus, der uns erlöst hat
Durch sein höchst kostbares Blut,
Bewegt von den Gebeten aller Heiligen,
Die in seine Herrlichkeit erhoben wurden,
Führe uns zu dieser großen Freude,
Welche ohne Ende sein wird.

Es endet mit einer Aufforderung, für ihn zu Maria zu beten, die sich für ihn bei ihrem Sohn einsetzen soll.

Zum Leben (Infos aus Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_II._(England) ): In der Zeit gab es ein Frankreich und England, wie wir es heute kennen, noch nicht. So war seine Muttersprache französisch, er konnte aber auch englisch verstehen. Er wurde aus taktischen Gründen mit der französischen Prinzessin Isabelle de France verheiratet. Spannungen gab es mit den englischen Fürsten, sodass er als Thronfolger die Magna Charta in einer überarbeiteten Version unterschreiben musste. Es gab Spannungen zwischen ihm und seinem Vater, dem König. Die Versuche, Schottland zu erobern schlugen immer wieder fehl. Der Freund von Edward II., mit dem er evtl. sexuelle Beziehungen hatte, wurde ins Exil verbannt. Nachdem der Vater 1307 gestorben war und er König wurde, hat er seinen Freund wieder zurückgeholt und sehr ranghoch eingestuft. Viele Barone waren gegen die Bevorzugung der Günstlinge und äußerten darüber auch ihren Ärger: Sie würden der Krone gegenüber gehorsam sein aber nicht Edward II. Es gab massive Auseinandersetzungen zwischen den Baronen und dem König, die die Stellung des Parlaments stärken und die Befugnisse des Königs beschneiden wollten. Letztendlich mussten der König und sein Freund fliehen, der Freund wurde gefangengenommen und hingerichtet. Es drohte ein Bürgerkrieg. Man einigte sich. Der Krieg mit Schottland ging weiter. Edward II. verlor den Kampf und musste fliehen, was seinem Ansehen schadete. Reformen gegen die Macht des Königs wurden weiter durchgesetzt. Es gab weitere massive politische Probleme und Gefahren von Bürgerkriegen. In einem siegte er und vernichtete bzw. erniedrigte er seine Gegner, verlor aber massiv im Krieg gegen die Schotten. Dennoch baute er nun nach dem Sieg gegen die adligen Gegner seine Macht brutal aus, schüchterte mögliche Gegner durch seine Grausamkeit ein. Weil er durch die Plünderungen des Besitzes seiner besiegten Gegner zu Reichtümern gekommen war, konnte er Krieg mit Frankreich führen. Um über Frieden zu verhandeln, schickte er seine Frau nach Frankreich. Seine Frau verbündete sich mit den innenpolitischen Gegnern und wollte erst zurück nach England, wenn der König seine Günstlinge (mit denen er sexuelle Beziehungen hatte?) vom Hof geschickt hat. Er tat es nicht. Seine Frau kehrte mit Gegnern zurück und Edward II. floh mit seinen Günstlingen. Er wurde gefangen genommen, sein Sohn Edward III. wurde zum König ernannt. Aus dieser Zeit stammt sein Gedicht, in dem er auch, was ich oben nicht übernommen habe, für seinen Sohn betet (XI/XII): Jesus, Sohn der Maria, solle ihn vor Verrätern bewahren. Es gab Befreiungsversuche durch Mönche. Was geschah dann mit ihm? Es gibt unterschiedliche Überlieferungen: a) er starb und sein einbalsamiertes Herz wurde der Königin übergeben; b) er wurde ermordet, c) er wurde brutal ermordet, mit Blick auf seine Homosexualität, c) er war frei gekommen, ist aber geschichtlich – als Einsiedler – nicht mehr in Erscheinung getreten.

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Interessant ist nun, wie er sein Leben in dem Gedicht verarbeitet – auch mit Blick auf seinen Glauben, der jetzt wohl eine neue, ernstere Dimension erfahren hat. Entsprechend kann man in vielen Gedichten, die den Glauben thematisieren, Biographisches erkennen: https://gedichte.wolfgangfenske.de/

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