Theodizee 3: Magdalena+Robert Scholl

Die verschiedenen Reaktionen auf die Theodizee-Frage der Familie Scholl (Fortsetzung: http://blog.wolfgangfenske.de/2018/01/25/theodizee-1/;    http://blog.wolfgangfenske.de/2018/01/27/theodizee-2/ )

Die Mutter, Magdalena/Lina Scholl (geb. Müller) (1881-1958) sieht all ihre Kinder in den jeweiligen Auf und Abs – aber sie hält daran fest, dass dieses alles zu einem Plan Gottes gehört. Man kann den Plan Gottes nicht durchschauen, wenn man im Leiden steckt – aber es muss einen Plan geben, den man irgendwann erkennen kann und dann wird man dankbar auch auf das Leiden zurückblicken. Das Leiden, das Rätseln, die Fragen kann man durchstehen, weil Gott Kraft dazu gibt. Man kann sich Gottes Geist erbitten, den Geist der Freude, trotz des Schmerzes (12.6.1943). Für sie bringt das Halten an Gott auch Freiheit. Man muss nicht im Leiden, das man nicht ändern kann, versinken. Gott macht frei, über dem Leiden zu stehen.

Der Vater, Robert Scholl (1891-1973) geht anders mit dem Leiden um. Er kann die christliche Perspektive nicht übernehmen und sieht alles aus einer „liberalen“ Perspektive: Am Ende des Lebens kommt es darauf an, was man mit dem Leben gemacht hat, schreibt er. Was die Weltgeschichte betrifft: Eine Kraft treibt den menschlichen Geist immer weiter nach vorne zum humanen Miteinander – und das Leiden das die nationalsozialistische Gegenwart verursacht, ist Rückschritt, die das Vorwärtsgehen letztlich aber nicht verhindern kann (Brief vom 13.6.1943 und 12.6.1943, die Tochter Inge sieht das anders: 12.6.1943: Immer ein Ringen zwischen Licht und Finsternis – aber das Licht wird immer die eigentliche Macht haben). In diesem Zusammenhang gehört auch die Erkenntnis: „In der Erkenntnis der letzten Dinge, d.h. der Wahrheit darf man überhaupt sich nie fertig fühlen. Denn das wäre Überheblichkeit. An die Grenze der Erkenntnis kann nur ein vollkommener Geist gelangen und das ist kein sterblicher Mensch.“ (24.8.1943) Allerdings kennt auch er das Gebet, das ihn mit den hingerichteten Kindern verbinden kann. Robert Scholl war 1942 für einige Monate inhaftiert, weil er Hitler als Geißel Gottes bezeichnet hatte und war 1943 nach der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl mit seiner Frau Magdalena und der Tochter Inge in „Sippenhaft“, aus der Briefe veröffentlicht wurden.

  • Basis meiner Darstellung:
  • B = Barbara Beuys: Sophie Scholl. Biografie, Insel Verlag Berlin, 2. Auflage 2017 (1. Auflage 2010) (insel taschenbuch 4049)
  • M.G. =  Maren Gottschalk: Schluss. Jetzt werde ich etwas tun. Die Lebensgeschichte der Sophie Scholl, Beltz Verlag, Weinheim/Basel 2012/2016
  • O.A. = otl aicher: innenseiten des krieges, Fischer Verlag Frankfurt/M. 3. Auflage 2011 (1. Auflage 1998)
  • Daten vor 18.2.1943: Inge Jens (Hg): Hans Scholl, Sophie Scholl. Briefe und Aufzeichnungen, Fischer Taschenbuch Verlag, 9. Durchgesehene Auflage 2005 (1. Auflage 1984)
  • Daten nach 12.4.1943 =Inge Aicher-Scholl (Hg.): Sippenhaft. Nachrichten und Botschaften der Familie in der Gestapo-Haft nach der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl, S. Fischer Verlag Frankfurt/M. 1993

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Auschwitz. Ein Produkt der Moderne + Auschwitz: Erinnerung erhalten

Zu diesem Thema Josef Bordat: http://www.die-tagespost.de/bordats-blog/art4689,185292

Zu Zygmunt Baumann: http://www.zeit.de/kultur/2017-01/soziologe-zygmunt-bauman-tot

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Über die Arbeit der Konservatoren: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/holocaust-gedenktag-so-arbeiten-die-konservatoren-in-auschwitz-a-1189357.html

“ Wir müssen den authentischen Ort Auschwitz bewahren, damit wir auch in Zukunft seine Geschichten erzählen können. Auschwitz ist eine Lektion, die jeder lernen sollte.“ so: Bartosz Bartyzel

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Von Hund und Schwanz: CDU – SPD + Korruption in Afrika + Wirtschaft + USA und Kurden

Ein Beitrag über einen politischen Hund mit Hund wedelndem Schwanz – und die Demokratie: https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/herles-faellt-auf/demokratie-und-hundeschwanz/

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Volker Seitz über die Korruption in Afrika und das BMZ. Die Afrikanische Union hat 2018 als Jahr gegen Korruption ausgerufen: http://www.achgut.com/artikel/afrikas_korruption_deutschlands_blindheit

Durchsichtig dürfte sein, warum das Jahr ausgerufen wurde. Um Sand in die Augen der Geberländer zu streuen? Um zu beweisen, dass dem nicht so ist, müsste so mancher Staatschef seine finanzielle Situation und seiner Familie der Öffentlichkeit vorlegen – und transparent handeln. Wer wird damit beginnen?

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Manche denken noch immer, dass Firmen – international agierende Firmen – national gebunden sind bzw. ein nationales Gewissen haben. Sind sie nicht. Und wenn Trump für Firmen die Steuern senkt und gleichzeitig die Infrastruktur bessert usw., dann wandern sie eben in die USA ab. Damit internationalisiert er die Wirtschaft der USA – wegen: America First. Ich weiß nicht, wie das in den Griff zu bekommen ist. Kapitalismus ist gefährlich, wenn er nicht gezügelt wird. Aber wie zügeln?

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Dass Tillerson Nord Stream 2 kritisiert – klar, muss er ja: America First: http://www.tagesschau.de/ausland/polen-usa-nord-stream-101.html

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Bestätigt sich meine Vermutung neulich? Erdogan konnte nur die Kurden angreifen, weil sie für die USA nicht mehr wichtig sind? Kleine werden von Großen nur so lange benutzt, bis man sie nicht mehr benötigt http://www.tagesschau.de/ausland/tuerkei-usa-ypg-101.html

Oder ist das reine Kriegstaktik von Erdogan zur Demoralisierung der Kurden?

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Islamisten-Anschlag + Kriminalität

Ein Anschlag von Islamisten in Afghanistan: http://www.tagesschau.de/ausland/anschlag-kabul-131.html

Wer wird den Kampf um Afghanistan gewinnen? Wenn es die Islamisten sind, sind sie auch ein Stück näher an die Herrschaft über Pakistan gekommen.

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Wenn man den Kriminellen zu viel Raum lässt, ist es schwer, diesen Raum wieder zurückzuerobern. Die USA sollten an dieser Stelle eine massive Warnung sein: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/predictive-policing-in-los-angeles-kontrolle-ist-gut-ueberwachung-ist-besser-a-1188578.html

Der Raum muss zurückerobert werden – sonst haben wir das, was es auch vielfach gibt: Reiche können sich sichere Orte leisten, abgeschottet von der Umwelt – Arme sind den Kriminellen ausgeliefert. Das kommt einem Staat billiger, weil die Reichen sich die jeweiligen Wohnungen kaufen – die Armen sind sowieso verloren und werden den Kriminellen überlassen.

Man muss auch hier den Anfängen wehren. Den Kriminellen darf kein Raum überlassen werden.

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Menschen

Menschen leben ganz vielfältig – bis dahin, dass es unterschiedliche Typen gibt: Kritiker und Zufriedene, Unterwürfige und Dominante, Gehorsame und Widerständige, Mutige und Feige, Stille und Laute, Leute, die ständig Neues erleben wollen, Leute, die eher in Ruhe gelassen werden wollen, manche interessieren sich für Kultur und manche interessieren sich für sich selbst, manche lieben Gesellschaft – manche die Einsamkeit. Manche lieben Experimente mit allem und jedem – manche hassen das. Manche lieben Online-Spiele und manche Rugby draußen auf dem Platz und manche den Tanz.

Und dann gibt es Mischungen all dieser Typen,

und Menschen wandeln sich im Laufe der Zeit…

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Theodizee 2

Bevor die Personen der Familie Scholl wie in Theodizee 1 angekündigt intensiver dargestellt werden, noch einige Anmerkungen:

Das ist an der Biographie der Familie Scholl zu sehen. Inge (*1917), Hans (*1918) und Sophie (*1921) Scholl sind vom National-Sozialismus begeistert. Er eint das Volk, er fördert die positiv verstandene (Bildungs-) Elite, er sorgt dafür, dass alle teilen müssen, alle sind gleich viel Wert (die zum Volk gehören) – und so versuchen sie, den National-Sozialismus zu leben und auch als Leiterinnen/Leiter der Jugendgruppen (HJ) zu fördern und zu verbreiten. Wobei sie von der bündischen Jugend (dj. 1.11 [Deutsche Jungenschaft]) ausgehend nicht nationalsozialistisch orientiert waren, dann aber durch den Eingang der bündischen Jugend in die HJ immer stärker nationalsozialistisch indoktriniert wurden. Ohne zu ahnen, dass er nicht dem entspricht, was sie sich von ihm erträumen. Das wird an dem Beispiel deutlich: Der National-Sozialismus hat ermöglicht, dass es Mädchengruppen gab, die auch Sport trieben usw. Diese emanzipatorische Seite hat großen Eindruck auf Sophie Scholl gemacht – aber dass er anderes im Sinn hatte mit den Frauen, das wurde der Jugendlichen zum frühen Zeitpunkt noch nicht bewusst. Zudem: Evangelische Kirche und Nationalsozialismus gehörten für sie einfach zusammen, weil sie es als Kinder und Jugendliche durch die nationalsozialistischen Pfarrer vor Ort auch so erlebt haben. Bis ihnen dann langsam die Augen geöffnet wurden – nicht zuletzt durch Otl Aicher (1922-1991), der als (freier) Katholik das Übergriffige des Nationalsozialismus kennen gelernt hatte und von Anfang an massiv Widerstand leistete – schon als Jugendlicher. Er wurde durch Werner Scholl (1922-1944) in die Scholl Familie eingeführt und half den Geschwistern Scholl die Augen zu öffnen, indem sie eine neue Basis bekamen: Reflexion über den christlichen Glauben. Zudem kamen sie mit anderen katholischen Personen zusammen, die sie in ihrer Aversion gegen den Nationalsozialismus stärkten (Carl Muth [1867-1944], Kurt Huber [1893-1943], Alfred von Martin [1882-1979], Theodor Haecker [1879-1945]…). Parallel zum Nachdenken und Wachsen im christlichen Glauben veränderte sich die Haltung zum Nationalsozialismus. Zu  beachten ist, dass Otl Aicher in seiner Biographie nicht christliche Theologen, sondern Nietzsche betont. Aicher vertritt eher eine rationale Form des Glaubens, während die emotionale Form des christlichen Glaubens in der Verbindung mit Sophie Scholl eine größere Rolle spielt (O.A. 75ff.). Aicher beschreibt später, dass unter anderem Augustinus das Denken auch von Sophie geschärft hat, es zur Autonomie geführt hat, „die es uns erlaubte, gegen eine ganze welt zu stehen, wenn wir uns im einklang mit uns selbst fühlten“ – was dann auch dazu führte, Augustinus und seine Sicht vom Staat – mit Blick auf den Nationalsozialismus – zu kritisieren (O. A. 173 f.).

Zur Theodizee-Frage:

Das Thema Leiden wird durch die Geschwister Scholl zunächst nicht rational intensiver wahrgenommen. Der Krieg kommt näher. Man beschäftigt sich theoretisch – und ohne zu wissen auf das Kommende vorbereitend – mit dem Thema Gott und damit auch mit dem Thema Leiden (Bibel, Augustinus [354-430] ist dafür besonders relevant, Dostojewski [1821-1881], aber auch katholische Reformbewegung: Paul Claudel [1868-1955], George Bernanos [1888-1948], Jacques Maritain [1882-1973]…, sowie mit Sören Kierkegaard [1813-1855], Blaise Pascal [1623-1662] und moderne Christen: Werner Bergengruen [1892-1964], Manfred Hausmann [1898-1986], Hans Carossa [1878-1956], Reinhold Schneider [1903-1958] usw. Wen sie wohl nicht wahrnehmen konnten, sind die protestantischen Kritiker nationalsozialistischer Ideologie: Dietrich Bonhoeffer, Karl Barth, Paul Schneider, Martin Niemöller, Julius von Jan…

Fortsetzung folgt.

Zeitzeugen – Zweitzeugen

Weil es immer weniger Zeitzeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus gibt, möchte man Zweitzeugen ausbilden. http://chrismon.evangelisch.de/erinnerungskultur

Ob das etwas hilft? Wir haben ja jetzt auch schon Zeitzeugen, die von erfahrenem Antisemitismus berichten können, von erfahrenem Rassismus, Behinderte von Rücksichtslosigkeiten verschiedener Art, Obdachlose von Erniedrigungen. Wie immer wieder zu lesen: junge Menschen aus Schulen, in öffentlichen Verkehrsmitteln…

Vielleicht sollte man lernen, diese wahrzunehmen.

Nachtrag: Was die Zeitzeugen der Zeit des Nationalsozialismus betrifft: Ich denke, wenn man das, was schon vorliegt, wirklich ernst nimmt, wenn man es für die jeweilige Zeit wieder aufbereitet, dann dürfte das Schreckliche dieser Zeit auch weiterhin in Menschen arbeiten. Es sei denn, die kommenden Generationen sagen: So etwas wird es bei uns nie wieder geben, wir sind fortschrittlich, wir sind besser als die Menschen damals… – dann besteht die Gefahr, dass unser Land wieder in die Barbarei abrutscht.

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Kultur und Macht + Kunst als Product Placement

Kultur als Instrument politischer Machtgewinnung: https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2018/die-angst-der-kulturmarxisten-vor-der-aufklaerung-und-der-afd/

Die Analyse des Artikels greift zu kurz, aber darüber nachzudenken ist spannend.

Alles, was wir tun, muss für die Gesellschaft Sinn machen. Muss sie voranbringen… – es ist schon ein missionarischer Eifer ohne Gott erkennbar.

Warum nicht einmal tun, um dessen Willen, was man gerade tut? Malen, weil man malen möchte, schnitzen, weil man schnitzen möchte, musizieren, schreiben… – weil man es eben einfach möchte.

Dann bringt man es zu nichts mit seiner Kunst?

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Jeff Koons will Paris den Entwurf einer Skulptur schenken. Die sind zum Teil äußerst misstrauisch: http://www.sueddeutsche.de/kultur/kunst-pariser-kuenstler-protestieren-gegen-koons-skulptur-1.3837142

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