Bergpredigt: Drastik der Worte – A.I.D.A.

Bislang hatten wir in der Bergpredigt, dass Jesus Menschen, die erniedrigt wurden, sich nicht klein machen dürfen. Gott erhebt sie. Dann sahen wir, dass Jesus eine neue Verhaltensweise forderte, die die Gemeinschaft stärkt, indem man andere nicht beschimpft, nicht erniedrigt, dass man zuverlässig ist, die Gewaltspirale unterbricht, nicht heuchelt, Gott vertraut in seinem Alltagsleben.

Dann liegt es nahe, wenn man das alles liest, dass man denkt: Oh, XY hält sich nicht daran!

Wohl darum fügt Matthäus diesen Ausführungen folgende Texte an:

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet…

Der Mensch, der den anderen richtet, der wird gerichtet werden – und zwar von Gott. Er spricht sich selbst im Grunde das Urteil. Wenn er freundlich ist, gerecht, dann wird er entsprechend gerichtet werden.

Und der Forderung, die eine Gruppe anspricht, folgt wieder eine massive Übertreibung, die wir bei Jesus schon häufiger beobachtet haben, die ein Individuum anspricht:

Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders,
aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?
Wie kannst du zu dem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen –
Und dabei steckt in deinem Auge ein Balken?
Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

Wir müssen also die Drastik in vielen Worten Jesu beachten, damit man sie nicht wörtlich nimmt. Es sind rhetorisch bedingte Übertreibungen, damit man sich das alles besser merken kann. Und man kann ja mit sich selbst den Versuch machen: Welche Worte Jesu merkt man sich? Beschimpfen -> Hölle, Hand abhacken, Auge rausreißen, Wange zum Schlag hinhalten, Balken im eigenen Auge haben, Kind einen Stein bzw. eine Schlange zur Nahrung geben… – alles ist schmerzhaft, man assoziiert äußerst Negatives – man sieht daran: die „Werbung“ funktioniert. Nach dem Muster geht eben auch die Werbung vor: Der Mensch soll nach dem A.I.D.A.-Prinzip in diesen Texten nicht zum Kaufen angeregt werden, sondern zum sozialen Handeln: Aufmerksamkeit hervorrufen (A), Interesse wecken (I), Wunsch, sich zu ändern (D-Desire), dann Umsetzung (A – Action).

Zum Text: Man soll also nicht sagen, mein Bruder verhält sich nicht, wie er es soll, sondern soll fragen: Verhalte ich mich so? Und bis ich dann den Balken aus meinem Auge gezogen habe – wird es eine ganze Weile dauern.

Den Text 7,6 habe ich schon angesprochen. Es geht um das Heilige, das man nicht den Hunden geben und die Perlen, die man nicht vor die Säue werfen soll, damit sie es nicht zertreten. Wieder AIDA – aber leider wissen wir nicht mehr, in welchem Kontext Jesus das gesprochen hat, was er meinte. Aus matthäischer Sicht könnte gemeint sein, dass man in der Situation der Verfolgung nicht die Botschaft Jesu preisgibt.

Es folgt das Thema Gebet (7,7-11). Es beginnt mit dem Bettlerspruch:

Bittet, so wird euch gegeben,
sucht, so werdet ihr finden,
klopft an, so wird euch geöffnet.

Dem folgt die Zusage.

Dieser Zusage schließt sich ein Bildwort an – das auch wieder drastisch ist: Selbst Menschen, die böse sind, geben ihren Kindern keinen Stein, wenn sie um Brot bitten, oder eine Schlange, wenn sie um Fisch bitten. Entsprechend folgt auch diesem Bildwort eine Zusage: Gott wird Gutes geben, wenn man ihn bittet. Im matthäischen Kontext bedeutet das: Wenn ich Gott bitte, die Verhaltensanweisungen ausführen zu können, nach seinem Willen leben zu können, dann ermöglicht er es mir. Diese Argumentation finden wir auch Lukas 11,1-28: Es werden Texte hintereinander geschaltet, die insgesamt gesehen einen Argumentationszusammenhang bilden. Das ist eben die große Leistung der Evangelisten, das zu bewerkstelligen. Dadurch wird zwar den einzelnen Texten die eigentliche Intention genommen, aber sie dürfte noch darin erkennbar sein: A) an den Worten, die sie verwenden, dann eben auch B) an dem Kontext, in dem sie eingefügt wurden. Was aber jeweils zu untersuchen ist.

Zurück zum Text: Es geht in dem Bettlerspruch um Nahrung. Damit wird auch der Text 6,25ff. aufgegriffen: Man soll sich nicht um diese elementaren Dinge sorgen – auf seinem Weg, die Gottesherrschaft zu verkündigen.

Die Texte sind also multidimensional eingesetzt worden:

  • sie haben Bedeutung in der Gesamtkomposition – hier am Beispiel Bergpredigt
  • sie haben Bedeutung in einem Teil der Komposition – hier am Beispiel der Bergpredigt
  • sie haben in sich Bedeutung durch die Zusammenstellung unterschiedlicher Aussagen
  • sie haben in ihren kleinsten Einheiten Bedeutung – und diese sind dann zum Teil mit Jesus in Verbindung zu bringen.
  • Wenn man dann die kleinste Einheit, wenn sie von Jesus ist, von Jesus her interpretiert hat, dann kann man wieder zurückgehen und jeweils die vorangehenden Dimensionen befragen:
  • Entsprecht Ihr noch der Intention Jesu?

Was Jesus betrifft: Es wird ein großes Vertrauen auf Gott deutlich. Und: Das Vertrauen, dass Gott Gutes gibt. Und an dieser Stelle kann man nun viel nachdenken – weil sich automatisch die Theodizee-Frage einstellt: Gott gibt Gutes? Warum erhört er „meine“ Gebete nicht? Dieses Thema ist aber keines das Matthäus in der Bergpredigt behandeln will. Ihm geht es hier um unsere Verhaltensweisen. Von daher verlassen wir erst einmal diese spannende Frage nach der Gebetserhörung und kehren uns wieder der Bergpredigt zu. (Ich vermute nicht, dass es darum geht, Gott zu finden. Diese Frage war in der Zeit Jesu keine Frage. Gottes Existenz war den Menschen so sicher wie alles, was wir in der Schöpfung wahrnehmen.

Es folgt die Goldene Regel.

Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen.
Das ist das Gesetz und die Propheten.

Jesus fasst die alttestamentlichen Weisungen in dieser Goldenen Regel zusammen. Sie ist typisch Jesus: Man soll in Vorleistung gehen. Man soll also den anderen Gutes tun (Masochisten sind hier wahrscheinlich nicht im Blick: Anderen Schlechtes tun, damit sie mir Schlechtes tun, weil ich gerne leiden will) – aber man ist sich nicht sicher, dass sie einem auch etwas Gutes tun.

Wir kennen die negative Form der Goldenen Regel:

Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

Diese negative Form hat einen ganz anderen Duktus: Man unterlässt etwas, man unterlässt es, anderen zu schaden.

Die positive Form der Goldenen Regel wird von manchen als eine Form des Egoismus interpretiert: Ich will was Gutes – darum tue ich dem anderen etwas Gutes: Ich gebe dem Nachbarn ein Stück Kuchen, damit er mir von seinem Kuchen abgibt. Diese egoistische Interpretation ist zumindest für Jesus nicht zu belegen (oder übersehe ich etwas?).

Es wurde im Kontext des VaterUnsers gesagt, dass die jeweiligen Bitten in der Bergpredigt durch Matthäus ausgelegt werden. Hier ist es so, dass der Text auf die Vergebung in 7,14-15 eingeht. Das hieße: ich soll vergeben – also in Vorleistung gehen, damit mir der Mitmensch auch vergibt.

Heutzutage wird die positive Form der Goldenen Regel von Jesus abgekoppelt und wird als eine allgemein menschliche Erkenntnis dargestellt. Schön. Aber können wir sie ohne den Urheber überhaupt richtig verstehen? Warum ist es Menschen möglich, in Vorleistung zu gehen? Weil sie so toll sind? Im Hintergrund steht auch das Ertragen von Leiden. Nachfolgerinnen und Nachfolger müssen leiden ertragen können – und dazu gehören auch Enttäuschungen. Aber das wurde im Kontext der 5. und 6. Antithese vertieft.

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Hitler und Islam

Huch, Spiegel-online (Plus)! http://www.spiegel.de/spiegel/david-motadels-studie-ueber-die-islamische-welt-und-das-dritte-reich-a-1186530.html

Aber der Beitrag ist nicht relevant. Er sagt nur, dass die normalen Soldaten Muslime abgelehnt hätten und keine Kenntnis vom Islam gehabt haben. Begeisterung Hitlers war vorhanden – aber man weiß nicht, warum er begeistert gewesen sei. Kaum Begründung kaum Fakten – es geht um das Buch des Historikers David Motadel, das vorgestellt wird.

Und dann am Schluss noch eine kleine Klatsche gegen Hitler-Fans: Hitler hätte eben Muslime nach Deutschland gebracht.

Was dieser Beitrag allerdings zur Folge hat: Wenn einer, was immer auch in der Vergangenheit schon belegt geschah, nun die Beziehung Hitler-Islam darstellt, wird das wohl kaum mehr als Volksverhetzung angesehen werden können.

Was denke ich? Ich denke: Hitler hat Muslime wichtig genommen, weil sie für den Kampf gegen die Engländer wichtig waren (wurde auch oben im Beitrag gesagt), zudem: Ihn dürfte imponiert haben, wie diese Religion in kurzer Zeit die Welt mit Krieg überzogen hat und weite Teile unterworfen hat. Zudem: Der Koran sagt: So und so habt ihr euch zu verhalten. Da ist das Christentum doch flexibler. Ob das stimmt? Vielleicht sollte man das Buch von Motadel lesen und nicht nur diesen Beitrag über das Buch.

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Grauzone: Kirchenasyl + Unangenehme Erfahrungen mit Medien

Es ist eine Grauzone. Aber ich denke, Kirchenasyl sollte als Möglichkeit erhalten bleiben – nur eben geregelt werden. Wie – da habe ich keinen blassen Schimmer. Das ist ein äußerst kompliziertes Metier – aber ich denke, dass engagierte Menschen, die rechtlich orientiert sind, und Vertreter des Staates, die liberal denken, Wege finden können, die man ausprobieren kann. https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/01/08/kirchenasyl-wird-rechtlich-ueberprueft/

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Das ist interessant. Özdemir berichtet davon, dass seine Frau unangenehme Erfahrungen mit Zugereisten gemacht habe, dass die Grünen nicht die Realität genau wahrnehmen können, weil Menschen, die solche Erfahrungen machen, sich nicht an die Grünen wenden… Und was macht dieses Medium daraus? Es unterläuft diese Aussage mit einem Pfeiffer-Bericht – eine Apologie. Das ist echt krass. Man bringt eine Info – aber tut es dann doch nicht – sondern übertönt sie mit irgendwelchen zusammengeklaubten Argumenten. Trotz solcher vielleicht richtiger Argumente bleibt die geschilderte Tatsache eben Tatsache: http://www.huffingtonpost.de/entry/gruenen-chef-oezdemir-berichtet-von-den-unangenehmen-erfahrungen-die-seine-frau-mit-migranten-gemacht-hat_de_5a522f6de4b003133ec89529

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Netzwerkdurchsuchungsgesetz + Frauen missachten + #MeToo – Abschied vom Rechtsstaat

Wenn einer sich verbal vergreift, so vergreift, dass es rechtlich nicht mehr vertretbar ist, dann muss das vor ein Gericht – und nicht:

Diese Firmen dürfen niemals Kontrolle über das erlangen, was gesagt werden darf und was nicht. Und denjenigen, die Meinungsfreiheit missbrauchen, darf es nicht so leicht gemacht werden, dass sie sich mit inszeniertem Gejammer über Zensur zu Märtyrern machen können.

So lesen wir es zu recht hier: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article172226747/Netzwerkdurchsetzungsgeset-Sorry-Herr-Maas-Ihr-Gesetz-ist-schon-gescheitert.html

Das Problem für den Staat: Die Justiz ist sowieso überlaufen. Aber es ist ein Armutszeugnis, wenn sie dadurch Aufgaben an Privatleute oder die Wirtschaft  abgibt – genauso wie das mit dem Schwarzfahren: Weil die Justiz zu viel zu tun hat, es nicht mehr juristisch zu verfolgen… – ich hatte es neulich im Blog. Die Folgen für die Gesellschaft sind immens.

Zudem: Man versucht, diese Firmen in den Griff zu bekommen – und gerade beim Thema Meinungsfreiheit gibt man ihnen große Macht. Wenn man nicht genug Geld für eine ordentliche Justiz hat, sollte man diese Firmen vielleicht intensiver zur Kasse bitten. Nur so am Rande – etwas plakativ.

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Äh, ist das eine Ente? https://www.focus.de/politik/deutschland/kontroverse-um-netzdg-minister-tweet-geloescht-heiko-maas-bekommt-sein-eigenes-gesetz-zu-spueren_id_8262990.html

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Das ist auch was: Da müssen Frauen Zugereiste fragen, ob es ihnen recht ist, dass sie als Frau mit ihnen zu tun haben oder sie eine Dolmetscherin bekommen – oder einen Mann bevorzugen: https://www.berliner-zeitung.de/politik/meinung/kommentar-ist-es-okay–dass-ihre-dolmetscherin-weiblich-ist–29421312

In was für eine Unterwelt sich unser Staat hinab begibt, das ist nicht zu fassen. Ich empfinde das als Verhöhnung der Menschenrechte. Menschenrechte gelten nur für die Zugereisten?

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Noch ein Aspekt, der unbedingt gehändelt werden muss, wenn wir ein Rechtsstaat bleiben wollen: https://www.cicero.de/kultur/dieter-wedel-metoo-vergewaltigung-gerhard-strate

Wenn Zeitungen dazu beitragen, irgendjemanden zu verdächtigen und gesellschaftspolitisch ins Aus zu schießen – es bleibt was hängen, auch wenn es nie bewiesen werden kann.

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Google-Macht

Das ist ein Problem: Wer das Geld hat – der hat auch die Forschung. Und wenn diese privatisiert ist, kann die Allgemeinheit nicht mehr flexibel genug sein und ist ausgeliefert. Wie will man das in den Griff bekommen, dass die klügsten Köpfe nicht in die Privatwirtschaft abdriften? Der Ruf, an einer Universität zu arbeiten, muss besser sein als der Ruf, bei Google zu arbeiten. Wie bekommt man das hin? Eine Frage an die Politik: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/ki-forschung-die-privatisierung-der-intelligenz-kolumne-a-1186449.html

Dennoch: Die Firmen arbeiten weltweit. Sie können die klügsten Köpfe aus aller Welt rekrutieren. Das ist einem Land nur sehr begrenzt möglich. Von daher: Wie wichtig ist gute Bildung! Umfassende Bildung.

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Bergpredigt: Reichtum und Armut

Matthäus 6,19-24

In diesem folgenden Abschnitt haben wir unterschiedliche Entweder-Oder-Bildworte aneinandergereiht:

Bildwort 1 kann man so zusammenfassen: Man soll keine Schätze auf Erden sammeln. Warum nicht? Begründung (a):  Schätze auf Erden vergehen – Schätze im Himmel bleiben bestehen. Dieses Bildwort finden wir auch Lukas 12,33 – verbunden mit dem Auftrag, alles zu verkaufen – und das Geld zu spenden. Beide Evangelisten schließen diese Forderung mit einer weiteren Begründung (b) ab: Wo dein Schatz ist, ist dein Herz. Und wo soll das Herz sein? Das wird hier nicht gesagt – ist aber allen Jesaus-Nachfolgern klar: Bei Gott, dem wahren Schatz.

Jesus ist sehr Geld kritisch eingestellt. Von daher passt dieses Entweder-Oder zu ihm.

Bildwort 2: Dieses ist schwer zu verstehen:

Das Auge ist das Licht des Menschen d.h.:

(a) es lässt das Licht in den Menschen bzw.
(b) kann auch mit alter Tradition bedeuten: das Licht geht vom Auge aus – und ermöglicht dem Menschen das Sehen.

Wenn das Auge aufrichtig ist – wird der ganze Mensch hell, wenn das Auge unaufrichtig ist, wird der ganze Mensch finster.

Mit Blick auf (a) Wenn also das Auge ein gutes Auge ist und auf das Gute ausgerichtet ist, wird der Mensch hell – wenn das Auge allerdings davon bestimmt wird, Übles zu sehen… – wird der Mensch übel. Oder,
Mit Blick auf (b) –  also das Licht vom Auge ausgeht – dann signalisiert das Auge Licht – und die Umwelt und der Mensch selbst werden licht. Oder das Auge signalisiert Finsternis, Abgeschlossenheit… – dann werden Umwelt und Mensch finster.

Dann folgt noch ein sehr sonderbarer Satz: Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist – wie groß wird dann die Finsternis sein?

Kann Licht Finsternis sein?

Wenn man das auf den Aspekt (b) bezieht, dass das Licht des Auges vom Menschen ausgeht, dann aber im Menschen kein Licht ist, da wo es sein sollte, also Finsternis ist, so geht von dem Auge und damit vom Menschen nur Finsternis aus.

Konkret gesagt: Wenn ich eine finstere Person bin, dann halte ich Ausschau nach Finsterem, Bösem, Üblem – und während ich danach Ausschau halte, wird das Licht, das in mir ist, immer finsterer. Wenn ich also mich an Gewalttaten (PC, real…) erfreue – so werde ich immer gewalttätiger.

Das ist eine mögliche Interpretation. Vielleicht haben wir es aber auch damit zu tun, dass es ein Rätselwort ist, das jeder bedenkt, wie wir schon häufiger entsprechende Worte hatten. Durch das Bedenken kommen die Worte einem näher – und ich komme für mein ganz persönliches Leben zu Erkenntnissen, die ein anderer so nicht übernehmen kann, es dafür aber mit seinem eigenen Leben verweben wird.

Was Jesus damit meinte, ist also nicht mehr ersichtlich, weil der Kontext fehlt. Matthäus verbindet es mit dem Schatz. Um beide Interpretationen salopp zu verbinden: Wer auf den irdischen Schatz schaut – verfinstert, wer das göttliche Licht in sich hat, schaut auf den wahren Schatz.

Bildwort 3 passt in dem Rahmen zu Bildwort 1: Man kann nicht Gott und gleichzeitig dem Geld dienen. Wenn man Gott dient, hasst man das Geld. Wenn man dem Geld dient, hasst man Gott.

Fazit:

Im Kontext des Vater-Unsers habe ich zur Brotbitte geschrieben: Wer diese Bitte ausspricht (Unser tägliches Brot gib uns heute) – der teilt. Das ist Jesu Sicht. Dass sich die Kirchen im Laufe der Kirchengeschichte wie auch einzelne Christen nicht daran gehalten haben, das ist keine Frage, die Jesus anzulasten ist, das ist etwas, für das sich die jeweiligen Menschen verantworten müssen. Aber: Jesus ist kein Gesetzgeber. Er überträgt die Verantwortung dem jeweiligen Menschen, der ihm nachfolgt. Diese Bildworte lassen nur wenig Raum. Geld muss verantwortlich eingesetzt werden. Daran kommt kein Christ vorbei (siehe unten).

*

Zu dieser Fragestellung passt auch der nächste Text, der in seiner Radikalität wie die oben genannten Entweder-Oder-Bildworte eine Provokation für die moderne bürgerliche Welt ist.

Er zeigt einen Jesus, der die Schönheit der Natur wahrnimmt: die Spatzen und die Mohnblumen. Sie dienen als Gleichnis für Gottes Handeln: Gott ernährt Spatzen und „kleidet“ die schnell vergänglichen Mohnblumen wunderschön. Zudem: Durch Sorge kann man sein Leben nicht verlängern. Darum soll sich auch der Mensch nicht sorgen. Gott sorgt für ihn.

Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen:

  • Was werden wir essen?
  • Was werden wir trinken?
  • Womit sollen wir uns kleiden?
  • Darum sorgen sich diejenigen, die Gott nicht kennen.
  • Gott weiß, was ihr benötigt.

Der folgende Satz darf zum Verstehen nicht übergangen werden!:

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

Wen spricht Jesus an? Jesus spricht die an, die ihm nachfolgen. Und das werden im Wesentlichen Menschen gewesen sein, die er losgeschickt hat: Nehmt euch nichts mit auf dem Weg – es gibt Menschen, die für euch sorgen, die euch aufnehmen. Die Jünger sollen sich also um die Verbreitung der Botschaft kümmern – und es gibt immer Menschen in der Gemeinde, die sie aufnehmen werden, Menschen, die sie versorgen werden. Warum? Gott wird ihnen die Herzen öffnen und die Hand und die Tür. Es geht also um eine ganz bestimmte Zielgruppe. Eine Gruppe, die mit Jesus umherzieht und sich um die Verkündigung der Reich-Gottes-Botschaft kümmert. Es geht um das Verhalten auf dem Weg der Evangeliums-Verkündigung.

Er kann von einem reichen jungen Mann verlangen, dass er alles aufgibt. Er heilt ihn damit von einer falschen Jesus-Schwärmerei: Jesus, ich will dir folgen… – Jesus sagt: Verkauf alles und gib das Geld den Armen. Und der Reiche geht davon. Es geht um Prioritäten. Jesus ist komplizierter, nicht plakativ, oberflächlich. Jesus geht es nicht um Enteignung der Kapitalisten. Es geht ihm darum, dass der Mensch, der Geld hat, verantwortlich damit umgeht – und zwar Gemeinschaft fördernd. Wenn ein Reicher meint, dass Jesus Christus von ihm verlangt, alles aufzugeben – dann ist das auch richtig, weil Jesus das für dieses Leben eben vorgesehen hat. Dass Jesus aber nicht plakativ einzuordnen ist, zeigen zahlreiche Texte: Die Frau, die ihn mit kostbarem Öl salbt, und die Jünger sagen, als gute Schüler Jesu: Sie hätte das Geld lieber den Armen geben sollen – doch Jesus verteidigt sie. Der Reiche Mann in der Lazarus-Geschichte wird nicht verurteil, weil er reich ist, sondern weil er den Armen nicht beachtet hat, auch der reiche Kornbauer ist stolz wegen seines Reichtums – aber er ist eben geizig, denkt nicht ans Geben. Ich denke nicht, dass diese meine Deutung eine Verharmlosung Jesu ist. Das würde auch gar nicht zu Jesus passen, denn er steckt den Rahmen ab, den jeder verantwortlich – aus der Beziehung zu ihm – füllen muss.

Das bedeutet zudem nicht, dass Jesus rät, planlos durch das Leben zu gehen. Der Plan ist: Verbreitung des Gottesreiches durch ein entsprechendes Leben, das auch in den vorangegangenen Antithesen und den Kulttexten Ausdruck gefunden hat: nicht beschimpfen, nicht erniedrigen, vertrauenswürdig sein, Gewaltspirale durchbrechen, nicht heucheln – also insgesamt ein Gemeinschaft förderndes Leben leben und mit diesem Leben das Evangelium zu verkündigen.

Nun stellt sich die Frage: Sagt Jesus das allen Armen? Romantisiert Jesus die Armut in dem Sinne: Klasse, dass du arm bist, freu dich daran! Arm sein ist wertvoller als reich sein! Werde arm, dann bist du ein besserer Mensch! Wenn Jesus Arme insgesamt meinen sollte, dann aber auch unter dem Aspekt: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles zufallen – das hieße wie oben: Kinder Gottes teilen, nicht beschimpfen, nicht erniedrigen… Es kann aber nicht als Gesellschaftsmodell missbraucht werden.

Der Vers 34 wurde an den Text angehängt, er soll noch eine einsichtige Begründung geben, kommt wohl aus dem Bereich der Weisheit, nach dem Motto: Heute ist heute, morgen ist morgen. Schaffe erst mal den heutigen Tag, der morgige Tag sorgt für sich. Die Intention aufgreifend: Auch Spatzen und Mohnblumen sorgen nur für das Jetzt. Das kann natürlich hilfreich sein, wenn man sich hektisch verzettelt – aber das menschliche Leben ist normalerweise anders gestrickt und man plant. Was an diesem weisheitlichen Satz auffällt: Er blendet Gott aus. Darin unterscheidet er sich massiv von den vorangegangenen Texten. Aber der Leser kann mit dem vorangegangenen Text auch diesen beleuchten – das hieße dann: Gottvertrauen soll im Zentrum stehen. Und wer die Priorität darauf legt, sich um die Durchsetzung des Reiches Gottes zu kümmern (des Schalom: Wohlergehen, frieden, Gesundheit, Gemeinschaft, Glück, Liebe, Freiheit…), der wird versorgt werden. Nicht mit Reichtümern. Mit dem Notwendigsten, das er für den jeweiligen Tag benötigt.

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Damit haben wir die Hauptabschnitte der Bergpredigt angedacht. Sie endet mit Texten, die in den nächsten Tagen auch noch dargelegt werden sollen.

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