Was das Ehrenamt betrifft, hat er aus meiner Perspektive nicht recht. Der Staat soll nicht für alles verantwortlich sein. Er kann es nicht. Diese Sicht, dass der Vater Staat alles in der Hand haben soll, macht sich immer stärker breit, aber das ist für mich eher Horror. Diese Vision sozialistischer oder paternalistischer Art ist nichts für mich. Aber: Wenn das Ehrenamt von der jeweiligen Regierung ausgenutzt wird, weil man nicht mehr Gelder locker machen möchte, da könnte ich auch sauer werden. Da wird das Ehrenamt ausgenutzt.
Schaffen wir es schon, alle, die zu uns gekommen sind, angemessen unterzubringen und zu integrieren?
Wird dieser Beschluss nicht dazu führen, dass nun wieder Minderjährige von den Familien zu uns geschickt werden, damit dann die Familien nachkommen können?
Glaubt wirklich jemand, dass Integration besser gelingt, wenn Familienangehörige zu uns nachkommen?
Warum keine Familienzusammenführung, indem man die Minderjährigen – wie es allgemein üblich ist – zu den Eltern zurückschickt?
Schön: Dann sind massive Hausaufgaben zu machen, damit Integration wirklich gelingt, Wohnungen müssen für alle, auch für die Einheimische Bevölkerung genug da sein, Armut muss abgebaut werden – siehe Tafel oben…, Kindergartenplätze und Bildungsplätze, berufliche Möglichkeiten für die Zugezogenen, damit sie dem Steuerzahler nicht ewig auf der Tasche liegen, Versuch, eine Akzeptanz in der Bevölkerung herzustellen auch für diejenigen, die nicht geflohen sind, die ihre Minderjährigen Kinder hergeschickt haben… Es gibt viel zu tun für unsere Politik, die solche Beschlüsse fasst.
Und parallel dazu natürlich: Hilfen vor Ort. Denn die Gelder, die hier für Integration eingesetzt werden, können soweit ich gelesen habe, vor Ort zu Hause eine Menge mehr bewirken als hier. Wenn also die Gelder, die hier für Integration ausgegeben werden in entsprechender Höhe in die Entwicklungshilfe und alles, was damit zusammenhängt, fließen würden (natürlich eine kluge Entwicklungshilfe, kein Gießkannenprinzip und möglichst Korrupte nicht finanzieren), dann wäre schon viel möglich.
Mächtige Hilfsorganisationen hinter sich zu haben bedeutet für andere, Macht über andere zu bekommen. Die versprochene Nulltoleranz-Politik muss durchgesetzt werden – aber finden sich dann genug Menschen, die vor Ort helfen können? Denn mit dieser Macht im Rücken liegt für manchen wohl die Versuchung nah, sich besonders um eigene Belange zu kümmern.
Es muss etwas getan werden, da die Hilfsorganisationen nicht als unmoralische Unterstützer von Unrechtsstrukturen gelten dürfen. Aber ich denke auch, dass das Problem der Korruption in den Blick geraten muss. Denn so etwas geht vermutlich alles Hand in Hand.
Interessant ist, wen er laut Artikel anspricht und wen er nicht anspricht. Er spricht die an, die sowieso im medialen Fokus stehen. Und die vielen anderen Länder, in denen es ähnlich aussieht?
Interessant ist, was Syrien betrifft: Irgendwie scheinen auch die UN nicht begriffen zu haben. Aber das zeigt nur, wie „parteipolitisch“ agiert wird. Die UN bekommt nichts hin – sie plädiert – und das ist gut – für Menschlichkeit – das Problem ist nur: Sie liefert keine Lösungen. Die Lösung für Ghouta wird wohl aussehen wie für Aleppo: Erst Kriegsdruck bringt die Islamisten-Gruppen dazu, abzuziehen. Ich denke, wir können die Informationen von Aleppo damals 1:1 auf diese Region legen. Die Islamisten müssen weg. Das ist die Lösung. Nur wie? Das weiß die UN nicht, da sie darauf aus ist, irgendwie Kompromisslösungen zu finden: Islamisten bleiben unter diesen und jenen Bedingungen. Aber das kann sich kein Staat leisten, da er damit einen massiven Unsicherheitsfaktor implantiert hat. Von daher: Die Lösung wird sein: Islamisten weg – und wenn die UN das nicht rechtzeitig akzeptiert und mit Syrien und Russland und Iran diesen Weg geht, wird sich auch nichts ändern. Schlimm! Aber real.
Ich schreibe das in der Hoffnung, dass es dieses Mal doch anders geht. Aber man denke auch an Homs. Und an die vielen, vielen kleineren Städte, denen es ähnlich ergangen ist. Von denen nur kaum einer weiß, weil sie kaum von Interesse sind.
Wenn das stimmt, dass wieder ein Journalist und seine Freundin durch die Mafia ermordet wurden, weil sie etwas aufgedeckt haben, dann ist das ein äußerst schrilles Alarmzeichen: Wie sicher fühlt sich die Mafia in manchen Ländern, dass sie es wagt, Menschen beiseite zu räumen, die ihr nahe kommen? Diese Einschüchterungsversuche sind äußerst schlimm – und es bleibt zu hoffen, dass sich keiner davon einschüchtern lässt, sondern mutige Menschen die Herausforderung annehmen. Die Mafia ist ein übles Etwas im sozialen Miteinander. Politikern und anderen Menschen der Öffentlichkeit (auch Sicherheitskräfte…), die darin verstrickt sein sollten, sollten unbedingt die Handschellen angelegt werden – aber es wird wohl wieder ein Tuch des Schweigens über die Taten gelegt werden. Allerdings hörte ich, dass in der Slowakei Journalisten äußerst mutig sind und sich jetzt erst recht mit dem Thema beschäftigen wollen. Politiker usw. die darin verstrickt sind – kann man ihnen den Mut zutrauen, sich öffentlich zu erklären, ihre Mitarbeit zu bekennen und ihren Kampf gegen diese Übel anzuleiten? Wohl kaum. Denn wer sich mit dem Teufel verbündet, ist schwach und feige. Sonst würde er sich ihm nicht ausliefern. Oder?
Das zeigt, dass die Apparatschiks überhaupt keine Ahnung haben. oder wollen die damit bezwecken, dass die Briten doch in der EU bleibt, also taktische Dummheit? Die Naivität, mit der das begründet wurde – das ist schon kurios.
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Interessant: Strafzölle heißen doch Strafzölle, weil man die Firmen aufgrund von Fehlverhalten strafen möchte. In diesem Fall heißen Strafzölle Strafzölle, obwohl sie keine Strafzölle sind? Denn wenn es Strafzölle wären, wären sie sicher nicht rechtswidrig. Da sie aber rechtswidrig sind, sind es keine Strafzölle. Oder verstehe ich das falsch, dass man stillschweigend Rechtswidriges duldet, weil es alle tun? So die USA mit Kartoffeln und Tomaten, weshalb man sie mit Strafzöllen belegen will? http://www.tagesschau.de/ausland/eu-reaktion-us-strafzoelle-101.html
Christoph Probst wurde 1919 geboren und am 22.2.1943 zusammen mit Hans und Sophie Scholl hingerichtet.
In dem Buch von Christiane Moll (Hg): Alexander Schmorell, Christoph Probst. Gesammelte Briefe, Lukas Verlag Berlin 2011, stoßen wir auf Seite 210 auf eine Sicht von Probst zum Thema Leiden. Probst war nicht unbedingt christlich eingestellt. Dann wandte er sich wohl ab 1942 immer stärker dem christlichen Glauben zu. Ob sein Schwiegervater Dohrn dazu beigetragen hat, ist nicht bekannt. Harald Dohrn wurde auch von den Nazis hingerichtet – am 29.4.1945:
„Denn das Leid bereitet einen neu für die Freude, es läutert einen, vertieft Dich und macht Dich stark dem Leben gegenüber.“
Und:
„Versuche auch das Leid lebendig zu tragen, nimm es ohne Angst gelassen hin, sage Dir immer wieder, dass es nicht umsonst gelitten wird, dass es genauso von Gott gesandt ist wie die Freude, dass es Dich nicht nur auf dieses spätere Erdenleben bereitet sondern auch auf das Leben nach dem Tod!“ (210)
Kurz vor seiner Hinrichtung sagte er zu seiner Mutter:
„Ich danke Dir, daß Du mir das Leben gegeben hast, wenn ich es recht überblicke so war es ein einziger Weg zu Gott. Da ich aber nicht weit gehen konnte, springe ich das letzte Stück hinweg.“ (248f.)
Von großer Tiefe ist der Brief, den er am 18.12.1942 seinem (Halb-)Bruder Dieter Sasse geschrieben hat. Ich kann ihn hier nicht insgesamt wiedergeben. Daraus ein paar Zeilen:
Weihnachten „soll auch so ein Freudenfest sein, an dem man voll Dankbarkeit der Güte des Schöpfers dankt, dass er uns Christus gesandt hat, durch den wir wissen, dass unser Leiden unser Leben einen Sinn hat, der uns ein Leben vorgelitten hat aus reinster Güte, der das Leid verständlich gemacht hat und geheiligt hat, der uns auf das Leben nach dem Tod gewiesen hat, der die Liebe predigte, die wahre Verbrüderung der Menschen, der uns das Brot des Lebens gebracht hat und an dem es keinen Zweifel gibt.“ (848)
Christoph Probst hat sich auf diese Weise mit dem Leiden beschäftigt und Kraft im Glauben gefunden. Wir haben schon Familienmitglieder der Scholls kennen gelernt, die je auf ihre individuelle Weise Halt im Glauben gefunden haben – bzw. Gott hat ihnen ermöglicht, jeweils für ihr individuelles Leiden an ihm Halt zu finden. Die Konstante ist Gott – in seiner jeweils individuellen Zuwendung zu den Menschen.