Dass die Türkei die ausgehandelten Gelder von der EU bekommt – das ist selbstverständlich, sollte es sein. Allerdings Erdogan zu hofieren und wie es scheint, sich auf Erpressungen einzulassen, das ist kurios. https://www.tagesschau.de/ausland/seehofer-griechenland-103.html
Die englische Presse sollte etwas auf den Deckel bekommen. Unbedingt. Doch ist das Paar stark genug, gegen sie anzugehen? https://www.tagesschau.de/ausland/harry-klage-101.html Denn die Presse hat Mittel, die jegliches Individuum übersteigt, vor allem auch dann, wenn sie unverantwortlich agitiert.
Wie ein dicker Käse hing der Vollmond über dem abgeernteten Feld. Die Mäuse hungerten. Beim Vollmond sprangen sie alle wie verrückt: Sie wollten am Käse knabbern. Keiner gelang es. Keiner? Als in der nächsten Nacht der Mond abgenommen hatte, beschuldigten sie die kleine dicke Suam heimlich an ihm geknabbert zu haben. Das bestätigte sich in den nächsten Nächten: Der Mond nahm ab, die kleine dicke Suam – wurde sie nicht täglich dicker?
Von Augustinus haben wir sehr viele Werke überliefert – aber wir haben nur ein Lied, das seinen Gegnern vorwirft, Unfrieden zu stiften. Er ermuntert das Volk jeweils nach ein paar Zeilen – die alphabetisch (A-B-C…) geordnet sind – zu singen: Omnes qui gaudetis pace, modum verum iudicate: Alle, die sich über Frieden freuen, urteilt, was wahr ist. Das Lied schließt: „Wir haben euch, Brüder, vom Frieden gesungen, wenn ihr es vernehmen wollt….“ https://www.augustinus.it/latino/salmo_contro_donato/salmo_contro_donato.htm
Caelius Sedulius (+ um 450)
In seinem ersten Buch über das Passa beschreibt Caelius Sedulius heidnische Werke – und stellt die Frage, warum er anders als die Heiden Gott besingt. Dieser habe ihm Seele und Herz gegeben. Im Weihnachtshymnus beschreibt er Gottes Menschwerdung in Jesus Christus http://hymnarium.de : von der Geburt bis zum Tod und zur Auferstehung – mit Schwerpunkt auf die Wundertätigkeit https://de.wikipedia.org/wiki/A_solis_ortus_cardine :
… Durch Wundertaten beglaubigte er, / dass er Gott zum Vater hat….
Kommt, lasst uns mit wohlklingenden Hymnen / alle singen: Unterworfen / ist die Hölle durch den Triumph Christi, / der als Verkaufter uns losgekauft hat.
Dieses Gedicht ist wohl das erste, das versucht, durchgehend den Reim zu verwenden. Was den zitierten Vers betrifft: Ymnis, venite, dulcibus / omnes canamus subditum / Christi triumpho tartarum, / qui nos redemit venditus. Zudem ist es ein ABC-Gedicht (Abcdarius)
Magnus Felix Ennodius (473-521)
In seinem Pfingstlied (Et hoc supernum munus est) besingt er, dass das Wort Gottes, in dem alle Sprachen vereint sind, Herzen aller Völker erschüttert: „Auf so viel wegen eilt das heil / Der welt zur welt, die widerstrebt.“ http://hymnarium.de Bildhaft beschreibt er den Sieg Jesu über den Tod: Die Kette liegt in Fesseln / die Schlange verschlingt ihr Gift, / die Sanftmut zerschmettert den Stolz,“ das Lamm besiegt den Löwen. (Iam Christus ascendit polum). In Nigrante tectum pallio verbindet er das dunkle Tuch der Nacht und den Schlaf mit Tod und bittet Christus um Schutz vor Untugend und ewigem Untergang.
Venantius Fortunatus (ca. 530-605)
Venantius wurde am Ende eines bewegten Lebens Bischof von Poitiers und wird als Übergang von der Antike zum Mittelalter angesehen. Er war der letzte große Latein-Dichter und war der Größte in dem Reich der Merowinger. Er war literarisch sehr aktiv, schrieb zahlreiche Gedichte (als Dank für seine Gastgeber), Hymnen, Auslegungen zum Vater unser und dem Apostolischen Glaubensbekenntniss und schrieb Biographien über Heilige, so auch über das Leben der Heiligen Radegundis. Venantius kannte diese Frau. Sie war Tochter eines Königs aus Thüringen, Kriegsbeute des Merowingerkönigs Clothar I., zog sich ins Kloster zurück und widmete sich karitativer Arbeit. Sie regte bei Venantius ein Buch über Martin von Tours an. Er schrieb über seine Mosel- und Rheinfahrt. Eines seiner Figurengedichte ist hier zu finden: http://www.signaturen-magazin.de/venantius-fortunatus–figurengedicht.html Ein anderes s.: https://bar.wikipedia.org/wiki/Venantius_Fortunatus
In O gloriosa virginum besingt er Maria, die es durch die Geburt Jesu ermöglicht habe, dass Menschen wieder in das Sternenzelt hineingehen können. Das Wort ist der Same, den Marias Ohr empfängt und im Herzen gebiert. In Quem terra, pontus, sidera – möglicherweise von Venantius – wird vertieft, dass der, der alles erschaffen hat und erhält, sich in Marias Körper einschloss, um als der von Völkern Ersehnte geboren zu werden. In Pange, lingua (Singe, Zunge) wird besungen, dass Jesus Mensch geworden ist (weint als Kind in der Krippe; gewindelt, zusammengeschnürt, Hände und Füße), das Sterben Jesu den Sieg bedeutete. Der Kreuzestod wird intensiv besungen – indem das Holz, der Baum hervorgehoben wird: Hoher baum, beug deine äste, dehne weit dein kernholz aus Und erweiche so die härte, die dein ursprung dir verlieh, Dass des höchsten königsglieder du gelind am stamme dehnst.“ Das Kreuz ist das Rettungsholz im Schiffbruch der Welt. Es ist Zeichen des Sieges. (Texte: http://hymnarium.de/ ) Auch in Vexilla regisprodeunt wird der Kreuzestod Jesu besungen – sein Leiden bedeutet: Herrschaft – das Kreuz ist kein Todeszeichen der Schande, es ist geschmückt mit Christus – des Königs Purpur https://de.wikipedia.org/wiki/Vexilla_regis : Die Anfangszeilen weisen auf eine Prozession: Die Standarten des Königs gehen voran; / es blitzt des Kreuzes Geheimnis,…
Deutlich wird in diesen Leidenszeiten, in denen die Stämme Europas in Aufruhr waren, dass das Thema „Tod am Kreuz besiegt den Tod“ wichtig geworden ist. Es wird eine große Verehrung Jesu am Kreuz deutlich, weil der Tod als Folge grausamen Sterbens Jesu überwunden wurde. Die Zunge muss aufgefordert werden, dieses unvorstellbare Geheimnis zu besingen: Das Sterben Jesu bringt Leben. Im Kampf wurde der Sieg errungen. Die Grenze des Todes wurde durchbrochen – die Sprache selbst wird dazu verwendet, diesen unfassbaren Durchbruch Wort werden zu lassen.
Venantius wurde übrigens Christ, weil er durch heiliges Öl, dass Martin von Tours geweiht war, vom Augenleiden geheilt wurde. Darum ging er auch, als die Lage in Norditalien sehr turbulent wurde, nach Frankreich.
Dieser christliche Dichter wird vielfach hervorgehoben
– denn im Mittelalter hatte er sehr großen Einfluss. Er war von Haus aus
Jurist, wurde vom Kaiser gefördert und befördert, quittierte den Dienst, als er
älter wurde. Er geriet in eine Lebenskrise: Der Tod ist nah, die Seele ist
verloren – er hat Gott verloren.
„Endlich soll die sündige Seele die Thorheit von sich werfen; wenigstens mit Worten den Herrn preisen, wenn es Verdienste nicht thun; mit Lobgesängen den Tag ausfüllen und die Nacht nicht aufhören, weil es dem Herrn zu lobsingen gilt; kämpfen gegen den Irrwahn, den katholischen Glauben predigen, die Altäre der Heiden stürzen, Untergang, Rom, deinen Götzen bereiten, Lieder weihen den Märtyrern, Preisgesänge den Aposteln“ (Kayser 256)
An diesem Zitat wird deutlich, dass die Gedichte, die kunstvollen
Texte nicht allein der religiösen Erbauung dienten, sondern auch der scharfen
Auseinandersetzung mit Gegnern.
Wie in einem meiner vorangegangenen Beiträge erwähnt, war das folgerichtig: Die Welt besteht aus Gottes Ordnung – die Sprache spiegelt diese Ordnung; darum wird die geordnete Sprache dem Chaos, den Gegnern entgegengestellt. Ordnung bekämpft Unordnung. Entsprechend wird auch in vielen – auch bisher angesprochenen Gedichten – gegen den Tod, gegen die Untugenden angegangen. Sie widersprechen der Ordnung Gottes. Die Seele, die Gott verlässt, verliert sich im Chaos des Widergöttlichen, der Untugend, des Todes. Die Tugenden: Demut statt Hochmut, Geduld statt Zorn, Keuschheit statt sexuelle Ausschweifungen, Frieden statt Streit, angemessenes Essen und Trinken statt Gier, Wahrheit statt Lüge, in reinem Sinne singen statt Streben nach unreinem Gewinn… Entsprechend sollen die Tages-Lieder helfen, ein Leben in Tugendhaftigkeit/Heiligkeit zu führen. Die Texte des Ambrosius waren eine Grundlage, auf der Prudentius vielfach baute. So wurde oben das Gedicht des Ambrosius erwähnt: Ewiger Schöpfer der Welt. Dieses wird von Prudentius aufgenommen und verdeutlicht (Ales diei nuntius).
Der Hahn und Christus werden verbunden, ebenso wird gesagt, dass Jesus den Petrus vor dem Verrat vor dem Hahnenschrei gewarnt hat, und: beim Hahnenschrei – Sonnenaufgang – ist Jesus auferstanden. Seit der Auferstehung Jesu gilt Neues, gilt es, nicht mehr zu schlafen, das heißt, es gilt nur noch, sich Gott gemäß zu verhalten. Schlafen wird Metapher für gottloses Treiben – wachen wird Metapher dafür, Gottes Willen zu tun: „Hier ist die Wahrheit: wachen wir!“ Alles schlechte Handeln wird am Morgen, an dem Christus kommen wird, vergehen – ist „eitel Nichts!“ (Übersetzung: Gesänge der Heiligen)
Ähnlich das Abendlied. Auch in dieses werden Reflexionen eingewoben: über gute und schlechte Träume, über die Fähigkeit guter Träume, wie sie in biblischen Texten genannt werden, es wird der praktische Tipp gegen schlechte Träume gegeben: gutes Leben am Tag und: „Bezeichne… / Dein Herz und deine Stirne / Mit Christi Kreuzes Zeichen. / Das Kreuz verscheucht die Laster, / Verscheucht die dunklen Mächte; / In diesem Zeichen sicher / Kann nie die Seele wanken.“
Zu dieser Ordnung Gottes, die oben genannt wurde, gehört es auch, dass Gott den Verstorbenen von der Erde zurückfordern wird, denn Gott denkt an seine Menschen, sein Ebenbild vergisst er nicht. Die Seele steigt auf, der Körper wird mit ihr vereint am Ende der Zeiten (Iam moesta quiesce querela)
An den wenigen Beispielen wird deutlich, dass Prudentius stärker die Glaubenspraxis im Blick hat, damit verbunden auch die Seelsorge. Die metaphorische Sprache sprengt die Sprachgrenzen.
Synesius von Kyrene (370-412) war gebildeter neuplatonischer Philosoph und politisch engagierter Christ und Bischof.
Auch er besingt die Größe, die Schöpfungsmacht Jesu Christi, das All steht im Blick, Sonne, Mond, Planeten – und diese Weisheit, die in allem ist, möge auch das Leben des Dichters bestimmen. Hinweisen möchte ich auf den Schluss des ersten Hymnus, soweit ihn Kayser (49) zitiert: „Horch auf! Zikade singt / vom Morgentaue trunken. Schau, wie die Saite stärker / Mir schlägt und eine Stimme / Begeisternd mich umtönet! / Was giebst du für ein Lied mir / Du heilige Begeisterung?“ Intensive Lichtmetaphorik bestimmt auch den 6. Hymnus, der ähnlich aufgebaut ist und in einen Furiosen „Preis dir“ ausklingt, mit Preis des Gottesgeistes, der von Sohn und Vater gesandt werden möge, „damit mir die Seele erquicke / Der Gottesgaben Fülle“.
Deutlich wird, dass hier stärker als bei manchen anderen das eigene Leben im Blick ist – und das mit ekstatischen Elementen. Die Grenzen des Rationalen übersteigend – in einem rational hergestellten Gedicht.
Paulinus von Nola
Zum Teil sind die Gedichte endlos lang, z.B. Gedichte von Ephraim/Ephräm, von Gregor von Nazianz. Auch Texte von Paulinus von Nola (* 354 in Bordeaux und +431). Die Texte sind zu lesen, zu meditieren, sie erzählen Vita (zum Beispiel von Paulinus) aus einer neuen Perspektive. Es sind Texte für Mönche, Texte gelesen von Gebildeten, Texte vertieft in Klöstern und vermutlich von philosophischen Zirkeln.
In einem langen Gedicht (5) von Paulinus von Nola heißt es am Ende recht schön mit Blick auf Jesus Christus:
Die harmonischen Lieder Davids singen Dir Lob und lassen die Luft erklingen mit Stimmen die Antworten: Amen.
Christus steht im Zentrum der Gedichte von Paulinus – die Aufgabe der Gedichte ist es, Christus zu verkünden – und so erwartet das zitierte Lied auch die singende Zustimmung der Lesenden und legt ihnen diese in den Mund: Amen.
Grenzen zwischen Menschen werden durch Lieder durchbrochen: Sie sagen zu dem von mir gesungenem Lied: Amen. Sie sind ergriffen, sie stimmen zu.
*
An vielen der Übergangsdichter von heidnischer Tradition zum Christentum wird deutlich, dass sie die alte Tradition aufgreifen und versuchen, sie mit dem Christentum zu überwinden. Andere fügten in ihre zahlreichen „heidnischen“ Texte immer wieder auch einmal christliche Aspekte ein, wie zum Beispiel der Lehrer des Paulinus, Ausonius (310-394; nur eine Anmerkung über den Dreieinigen Gott – in einem Text über die „3“, aber auch ein Ostergebet stammt von ihm). Sprachlich galten die römischen Traditionen den Christen wie Paulinus als schön – inhaltlich als leer. Und so wollte man dann schöne Sprache mit göttlichem Inhalt füllen. Sprache bildet die gesamte Wirklichkeit ab – auch die des Handelns Gottes. Die Adressaten der Gedichte sind ebenso Gebildete, an römischer Literatur Gebildete. Sie kennen die Anspielungen, die Zitate, die leichten Variierungen der „Zitate“. Das wird auch an den Briefgedichten deutlich. Paulinus übernimmt eine Tradition, die in Rom bekannt war, so z.B. von Horaz. Nun stellt sich die Frage: Sind die Briefgedichte einzuordnen wie andere Briefe – also als persönliche Texte – oder sind sie literarische Briefe – also an eine Gruppe Interessierter adressiert? Wie dem letztlich auch sein sollte: Paulinus legt in Briefgedichten seine neue christliche Sicht dar, begründet und verteidigt sie. Diese Briefgedichte können allerdings hier in meiner kurzen Übersicht nicht weiter vertieft werden. Es handelt sich um Texte, die gelesen werden wollen, in Ruhe durchdacht und argumentativ nachvollzogen. Darin unterscheiden sie sich von Hymnen, aber auch von kürzeren Gedichten, die einen Aspekt benennen und vertiefen.
Anders die Lieder von Ambrosius. Sie sind Gebrauchslieder für Gottesdienste:
Ambrosius von Mailand
Ambrosius (339 in Trier – 397) ist derjenige, der christliche Lieder als Gemeindelieder im Westen populär gemacht hat. Ambrosius setzte auch Gottesdienste und Gesang ein, um gegen einen Befehl der Kaiser-Mutter Justina passiven Widerstand zu leisten. Mit Erfolg. Augustinus schildert in seinen Bekenntnissen (9,12) wie sehr ihn diese Lieder berührten, aber auch, dass ein Lied ihn angesichts des Todes seiner Mutter getröstet hat. Er spricht damit das Abendlied, „Gott, Schöpfer von allem„, an http://hymnarium.de/hymni-ex-thesauro/hymnen/82-deus-creator-omnium :
Gott schenkt allen Ruhe – Nachtgebet und Lieder preisen Gott – in der Finsternis der Nacht, möge der Glaube nichts von Finsternissen wissen – nichts Trübes mag verhindern, im Traume Gott zu sehn.
Das Gedicht „Ewiger Schöpfer der Welt“ hat enge Parallelen zu dem Morgengesang, der unter Hilarius angesprochen wurde. Hier steht der Hahn jedoch im Zentrum, der die Menschen weckt, der Hoffnung schenkt, Kranken Besserung gibt. Strauchelnde werden Jesus anbefohlen. Am Schluss heißt es:
O Licht, scheine du in die Herzen und verjage den Schlaf der Seele: dich soll zuerst unsere Stimme preisen, und was wir gelobt, wollen wir dir auch halten.
Das Gedicht vollzieht das, was hier ausgesprochen wird: Es preist am Morgen nach dem Erwachen zuerst das Licht Gottes. So lässt sich allerdings fragen, ob der Hahn wirklich den krähenden Hahn meint, oder ob der Begriff nicht doch auf Christus hinweist, der Menschen „weckt“. Das erste, was den Sinn beschäftigen soll: Gott; das letzte am Tag, was den Sinn beschäftigen soll: Gott. Und während des Tages möge Gott den Betenden vor üble Taten bewahren, damit er am Ende des Lebens Gott aus reinem Herzen singen kann (vielleicht ist das Lied von Ambrosius: Iam lucis orto sidere). Ambrosius besingt nicht nur Tagesläufe, er zieht zum Beispiel auch Schlussfolgerungen aus dem Sterben Jesu für den Christen (Schon steigt herauf die dritte Stunde). Das Weihnachtslied (Intende qui regis Israel) sieht Jesus als Licht, das auf der Welt erscheint. An diesem Lied kann man sehen, dass ein Hymnus nicht nur Lied ist, sondern auch als Argument angeführt werden kann: https://calvinistinternational.com/2016/12/13/intende-qui-regis-israel-1/. Eine ausführliche Interpretation dieses Liedes zeigt, wie vielschichtig solche wenigen Zeilen eines Hymnus sein können: https://www.bistum-eichstaett.de/index.php So wären weitere Texte zu nennen, zum Thema Streit (Allmächtiger Lenker, wahrhafter Gott), ein Gebet an den heiligen Geist (Nunc, sancte nobis Spiritus).
Viele dem Ambrosius (zugeschriebene?) Texte betreffen Märtyrer, das heißt Menschen, die wehrlos wegen ihres Glaubens an Jesus Christus Folterqualen und Tod erdulden mussten. In diesen Texten werden die Märtyrer geehrt (Agnes beatae virginis, Grates tibi Iesu novas, Victor Nabor Felix pii, Apostolorum supparem, Apostolorum passio). Genannt seien nur ein paar Verse aus Aeterna Christi munera http://hymnarium.de/hymni-ex-thesauro/hymnen/175-aeterna-christi-munera (Übersetzungen s. auch: https://gregorien.info/de ):
Der Heiligen Glaube, treugelobt, Der Gläubigen Hoffnung, unbesiegt, Christi vollkommene Liebeskraft Zermalmt den Fürsten dieser Welt.
In ihnen wohnt des Vaters Ruhm, In ihnen wirkt der Willensgeist, In ihnen jubelt laut der Sohn, Durchfreudet ganz der Himmel sich.
Auch die Lieder des Ambrosius durchbrechen Grenzen: Grenzen des Alltags – der Alltag ist eingebunden in die Gottesbeziehung. So auch das Sterben – auch das gewaltsame Sterben. Man dürfte sich der schwankenden politischen Lage bewusst gewesen sein: Ändert sich der Kaiser – ist die Zeit der Freiheit beendet. Wird der lokale Mob aus irgendeinem Grund angestachelt, kann das Leben schnell beendet sein. handelnd und singend versuchte man, diese Grenzen auszudehnen, Raum zu gewinnen, damit ein wenig irdische Sicherheit gegeben wird. Wenn die Launen der Politik wieder zuschlagen, war man angesichts der Erinnerung an die Märtyrer gewappnet.
Die Liturgie der Orthodoxen Kirche ist das Muster für das, was ich eingangs geschrieben habe: „Diese Akzente durchbrechen die Grenzen, die Menschen einengen, sie zerreißen Fesseln, die Menschen binden. Hymnen versuchen sprachlich die Welt in ein neues Licht zu tauchen. Dieses neue Licht Gottes soll die Menschen anstecken, auf dass sie selbst von diesem Licht ergriffen zu Licht werden. Sie heben den Menschen hoch, heben sie aus dem Dunstkreis heraus in die frische Luft Gottes. Darum werden sie in einer überschwänglichen Sprache formuliert https://blog.wolfgangfenske.de/2019/09/22/christliche-hymnen-lieder-gedichte-1/ . Der orthodoxen Liturgie ist darüber hinaus eigen, dass die Feiernden gemeinsam mit den Himmlischen feiern: Der Himmel ist geöffnet.
Die Verwendung von Texten vieler – ohne Namensgebung – zu einem wunderbaren Stück zeigt, dass wir heute Grenzen errichtet haben: Mein Name soll gelten… – auf Deutsch: Copyright.
Diejenigen, die dagegen angehen: ich frage mich, mit welchen Augen sie diese Jugendlichen und Frauen ansehen – dass sie etwas dagegen haben könnten.
Natürlich gibt es auch Missbrauch der Bilder. Auch hier kommt es darauf an: Wie präsentiert man den Sport. Darum sollte man sich kümmern – nicht mit Radikalismen.
Von Gregor von Nazianz (329-390) gibt es über 300 Gedichte: Theologische – dogmatische, moralische -, Historische, die ihn selbst thematisieren und die andere thematisieren. Sein Gedicht Über das eigene Leben ist der erste Text, der das eigene Leben biographisch durchdringt, älter als die Bekenntnisse des Augustinus und er ist der erste, der seine eigene Kindheit betont (M. Slusser: The Fathers oft he Church 75, 1992). In seinem Gedicht Über seine eigenen Angelegenheiten spricht er in Form eines Gebetes über sein Leben, über seine Mutter, sein Vater, seine Kindheit und Jugend, das, was ihm im Leben wichtig war, dann über die Lebensspannungen. Denn er, der eigentlich die Zurückgezogenheit liebte, wurde in eine schwere kirchliche Auseinandersetzung hineingezogen – und das als Bischof.
Am Beginn seines Gedichts ruft er Gott an, der Mensch wurde.
Er möge ihm helfen gegen die Menschen, die denen gegenüber feindselig sind, die
Gott lieben, die das eigene Ebenbild Gottes beschmutzen, ihre Seele an die Erde
fesseln. Am Ende seines Gedichts beschreibt er, dass er nichts hat, das ihm
helfen kann, keine liebende Frau, die ihn mit Worten tröstet, keine Kinder, die
dem Alten helfen. Freunde leben im Streit, Nächstenliebe ist ihnen fremd
geworden.
Dann heißt es:
Du bist meine Stärke, der Herr aller, der Ungeborene, der
Anfang und der Vater des Anfangs, der der unsterbliche Sohn ist. Du bist das große Licht… O Sohn Gottes, Weisheit, König, Wort,
Wahrheit, Bettler, Hirte, Lamm, Opfer, Gott, Mensch, Hohepriester; Geist, der
vom Vater ausgeht, Licht meines Verstandes… du schaust in Barmherzigkeit herab.
Gewähre, dass ich hier und im Jenseits mit der ganzen Gottheit vermischt
werde. Mit endlosen Hymnen darf ich Dich
in Freude feiern.
In den Gedichten, in denen er sein Schweigegelübde reflektiert, reflektiert er auch sein Dichten.
Er sieht sich als Instrument Gottes, das nicht griechische Legenden und Mythen besingt, nicht die Natur, nicht die Sehnsüchte des Menschen. Er besingt den dreieinigen Gott, singt von den Hymnen der Engel, singt von der Harmonie der Welt, die kommen wird, von Christi Leiden, das den Beter zum Gott gemacht hat, indem er Menschliches und Göttliches mischte.
In seiner Klage
weist er auf klagende Menschen, Menschen, die ihre Lieben verloren haben, die von Feinden verheerte Heimat, das vom Feuer geraubte Haus. „Doch wie vermag ich es je zu beweinen in würdiger Trauer, / Meine gesunkene Seele! Dich, Bildnis des ewigen Gottes“, das von der Sünde vergiftet wurde? (Zit.: Gesänge der Heiligen)
Im Lobgesang auf Christus werden nicht, wie in der Antike vielfach üblich, die Musen angerufen. Bei Gregor heißt es: „Dich, den ew´gen Herrn der Herren, / Gieb zu singen, lobzupreisen“ – und es folgt ein Lied, das die Macht – auch Schöpfermacht – Jesu Christi besingt. Durch Christus strahlt das Licht der Sonne, kennt der Mond seine Bahn, durch ihn gelangt der Geist der Glaubenden zu Gott. Angesichts der Größe Christi wird der Mensch ganz klein, ganz groß. An diesem Lied sieht man auch, dass es eines ist, das in Auseinandersetzung mit konkurrierenden christlichen Strömungen eingreifen soll (J. F. Kayser – s. (2))
Nicetas, der nach 414 gestorben ist, ist möglicherweise der Dichter eines der wichtigsten Texte der Kirche, das te Deum (laudamus). Er wird auch anderen zugeschrieben bzw. wird als ein Text angesehen, der im Laufe der Zeit angewachsen ist ( https://de.wikipedia.org/wiki/Te_Deum ). Zudem wird Nicetas auch als einer angesehen, der Ambrosius auf den Geschmack gebracht hat, eigene westliche Hymnen zu formulieren.
Erde, Engel, Apostel, Propheten, Kirche – alles lobt Gott, den majestätischen Vater, den wahren Sohn, den fürsprechenden Geist – Christus ist Mensch geworden – befreite den Menschen – bezwang den Tod – öffnete den Himmel – herrscht, wird wiederkommen. Diesem Lobpreis folgen Bitten, um Hilfe, Rettung, Segen, Erhebung, Bewahrung vor Schuld. Und um Erbarmen.
Proba und Juvencus
Sie wollten zu Beginn des 4. Jahrhunderts das Alte wie das Neue Testament in eine sprachlich fließende Form überführen, die für gebildete Römer angemessener erschien: im Stil des großen Vergil. Juvencus wurde für sein Werk bis ins 8. Jahrhundert hinein bewundert. Da es in dieser meiner kleinen Übersicht jedoch nicht um die zahlreichen Versuche geht, die Bibel zu inkulturieren, und seien sie sprachlich noch so kunstvoll, sondern um Gedichte, sei es bei diesen Anmerkungen geblieben. An diesen Texten wird auch deutlich, dass die christliche Dichtkunst, die im Osten schon intensiv vorhanden war, den Westen erreicht hat. Ebenso sei an dieser Stelle angemerkt, dass ich die zahlreichen Neuformulierungen der Psalmen durch die Jahrhunderte nicht aufnehmen werde. Auch das wäre ein eigenes Thema.
Was unbedingt zum Verständnis erwähnt werden muss: Christen versuchten ihren Glauben erst langsam „Wort“ werden zu lassen, ihn mit den Möglichkeiten der Sprache ihrer Zeit auszudrücken. Der Glaube brachte viel Neues – doch wie kann man das Neue formulieren? Darum rang man zum Teil heftig. Welche Formulierung – aus der eigenen Tradition – gibt den neuen Glauben angemessen wieder? Dichter trugen dazu bei, Worte für den Glauben zu finden.
Hilarius von Poitier
Von Hilarius von Poitier (315-367) gibt es nur noch wenige Fragmente von drei seiner Gedichte – Zuweisungen von Fragmenten und Gedichten werden diskutiert. Hilarius wurde in ein Haus hineingeboren, dem die Philosophie des Neuplatonismus wichtig war. Er war in der Verwaltung tätig und wurde erst später Christ. Als Christ begrüßt er den Morgen im Morgengesang (BKV).
Die aufgehende Sonne ergießt sich in den Tag – diese Sonne verblasst angesichts des Lichtes Gottes – das sich als Gnade in die Herzen ergießt – und verändert Menschen – er bittet, dass Diebstahl, Unkeuschheit und Gier sich nicht im Menschen ausbreiten.
Die Seele hoffet betend dieß, Nur diese Gaben wünschet sie, Damit uns hold das Morgenlicht Beschirme in der finstern Nacht.
Das Gloria – ein Morgengebet, das Eingang gefunden hat in die christliche Liturgie – stammt vermutlich von Hilarius (eher unwahrscheinlich? Wahrscheinlicher die lateinische Übersetzung?) http://www.kathpedia.com/index.php?title=Gloria_in_excelsis_Deo :
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.
Wir loben Dich, / wir preisen Dich, / wir beten Dich an, / wir rühmen Dich und danken Dir, / denn groß ist Deine Herrlichkeit: / Herr und Gott, König des Himmels, / Gott und Vater, Herrscher über das All, / Herr, eingeborener Sohn, Jesus Christus. / Herr und Gott, Lamm Gottes, …
Immer wieder kann man lesen, dass die Eingangsworte, die der Bibel entnommen sind (Fettdruck), Reflex des Verbots des Konzils von Laodizea sei, dass man keine Psalmen mehr dichten dürfe. Man habe darum einen Bibeltext genommen und an diesen dann den neuen Hymnus angeschlossen. Spannend ist, dass sich keiner der Großen daran gehalten hat. Von daher frage ich mich – als Laie – ob nicht ein anderer Grund vorliegt, den Paulinus im Brief an Jovius formuliert: Er solle sich ein Thema aus der Bibel suchen und diesem das Loblied zur Ehre Gottes anfügen. Dadurch gelangen staunender Glauben und Liebe ins Herz. Zudem hat meines Wissens das (regionale!) Konzil nicht gesagt, dass man keine Lieder/Hymnen schreiben dürfe, sondern nur, dass diese Lieder/Hymnen keinen kanonischen Rang einnehmen dürfen, das heißt, nicht die Bedeutung haben, wie sie biblische Texte haben. Es ging um die Auseinandersetzung mit anderen christlichen Strömungen, die mit Liedern versuchten, ihre theologische Sicht durchzusetzen. Nicht Verbote halfen, sondern die Komposition besserer Lieder.