Text: http://chantblog.blogspot.de/2012/06/matins-invitatory-for-trinity-deum.html
Impressum http://www.wolfgangfenske.de/

Weltwahrnehmung – ein Lernprozess: Kritik hat das Ziel, Missstände zu verbessern
Auf dem Kirchentag diskutierten Bischof Dröge und die AfD-Vertreterin Schultner miteinander: https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/05/25/bischof-afd-missbraucht-christen/ Hier ein anderer Beitrag, der stärker das Verhalten des Publikums einbezieht – und bestimmten teilen der Kirche AfD-Nähe unterstellt: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/afd-politikerin-anette-schultner-auf-kirchentag-christen-als-feigenblatt-a-1149276.html
(Das finde ich kurios: Die katholische Kirche ist seit immer kritisch gegen Abtreibung eingestellt – und hier wird das dann mit der Eintagsfliege AfD verbunden. Merkel vertritt eine Meinung, die schon immer Meinung der CDU war – und hier wird sie mit der AfD verbunden. Das heißt: Meinungen, die älter sind als die AfD, werden verwendet, um Menschen in die Nähe der AfD zu rücken – das bedeutet in den Augen derer, die das tun, gegen diese Sicht zu argumentieren. Das sind keine Argumente, das ist verstandesmäßig bescheiden oder perfide Propaganda.)
*
Worum sich der BUND nicht alles kümmert! Um bedrängte Tiere, um Windräder, und darum, dass die AfD kein Gebäude mieten kann: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2017/umweltverband-warnt-vor-afd-als-neuer-nsdap/ Begründung: Der Stadt drohe bei einer Vermietung an die AfD Unfrieden, das demokratische Zusammenleben würde Schaden nehmen.
Durch wen Unfrieden droht und wer dem politischen Zusammenleben schadet, das wird leider in dem Beitrag nicht deutlich. Oder doch? Zumindest aus der Sicht vom BUND – er schaut in die Zukunft: Der gewählte Hitler und die NSDAP hätten auch die Demokratie abgeschafft… – Weiteres s. dort.
Man beachte auch: Der Beitrag, der darüber berichtet, ist selbst nicht neutral:
fürchten die selbsternannten Natur- und Demokratieschützer.
Dass die BUNDler Naturschützer sind, das haben sie ja schon bewiesen – aber wenn man so an die Windräder denkt…
*
Auf dem Kirchentag diskutierten auch Obama und Merkel: http://www.sueddeutsche.de/politik/evangelischer-kirchentag-obama-tiefe-religiositaet-hat-nicht-nur-positive-seiten-1.3520864
Obama meinte, dass die religiöse Kompromisslosigkeit in die Politik getragen werde.
Das erkennt man vielfach: Die Kirchen sind nicht mehr religiös kompromisslos. Diese religiöse Kompromisslosigkeit ist auf das Politische übergesprungen. Viele Christen glauben (ich unterstelle es einmal) an Jesus Christus als Sohn Gottes – aber ob sie den Glauben auch verteidigen würden? Was sie aber mit Zähnen und Klauen verteidigen, das sind ihre politischen Einstellungen. Das merkt man nicht zuletzt an den Buhrufen für Merkel, als sie relevante politische Aussagen machte (in der Tagesschau habe ich sie nicht gehört – im oben genannten Artikel werden sie erwähnt); das ist auch daran deutlich, dass Christen die Diskussion zwischen Dröge und Schultner angingen.
Realpolitik ist bei denen, die politisch intolerant geworden sind, weil sie eben Politik religiös überhöhen, nicht gerne gesehen:
Unterdessen verteidigte Merkel ihren restriktiveren Kurs in der Asylpolitik und wies auf das “Dilemma“ der Kluft zwischen christlichem Mitgefühl und Realpolitik hin.
Weil aber Politiker merken, dass diese politisch Intoleranten nicht die einzigen Menschen im Lande sind, wahrscheinlich sogar einer politischen Minderheit angehören (Grüne+Linke und hier und da SPDler), sind sie gezwungen, auch die anderen zu berücksichtigen.
Impressum http://www.wolfgangfenske.de/
Ein Beitrag zur Kreuzdiskussion in Berlin: http://cicero.de/berliner-republik/humboldt-forum-kreuzzug-mal-andersrum
In diesem Beitrag heißt es:
Wer die Gegenwart ohne Vergangenheit verstehen möchte, der versteht gar nichts.
Diese Aussage kennzeichnet so manchen der Modernisten in unserem Land: Man meint, die tolle Gegenwart beginne mit dieser tollen Generation, der toleranten, weltoffenen, antireligiösen, antimilitaristischen, bunten… Generation. Nichts gegen die Menschen dieser Generation, die so gekennzeichnet werden können – aber gegen die Geschichtsvergessenheit vieler.
Dass Geschichtsvergessenheit übel ist, das ahnen diejenigen, die sich mit Geschichte beschäftigen, diejenigen, die die guten Seiten unserer Tradition lieben, den Mut mancher Menschen der Vergangenheit, die weiterführenden Gedanken, Philosophien, Theologien, Künste und Erfindungen und Wissenschaften – die weltweit anerkannt werden. Das wissen diejenigen, die sich mit den dunklen Seiten unserer Tradition auseinandersetzen und dankbar sind, dass es in diesen dunklen Zeiten immer auch Menschen gegeben hat, die standhaft, tapfer waren – ihrer Namen gedachte man zumindest bis vor kurzem noch bewundernd. Sie waren bewundernswert, auch wenn heute wieder die Modernisten in ihrem ideologischen Modernismus herkommen, und an ihnen zu kritisieren haben, dass sie nicht so dachten wie die Modernisten von heute selbst denken. Diese Selbstzentrierung, die Selbstfixierung mancher heutiger Ideologen, die in der Gesellschaft meinen, das Sagen zu haben, ist kurios. Sauer sind sie, wenn ihnen große Teile der Bevölkerung nicht folgen. Die aus diesem Grund aggressiv, hinterhältig und mit übler Nachrede, mit absichtlichen Fehlinterpretationen den Vorfahren und den Zeitgenossen, die anders denken, ans Leder wollen.
Diejenigen, die die Geschichte unserer europäischen Kultur kennen, die auch die dunklen Seiten kennen, die erkennen in so manchem lautstarken Zeitgenossen eben auch die alten Gefahren wieder. Und diese kommen eben nicht nur aus dem Rechtsextremismus, dem Nationalismus, sondern auch aus dem Linksextremismus und aus anderen jetzt neu wachsenden Ideologien. Heute beklagt man, dass Menschen geiferten, wenn es darum ging, Hexen zu verbrennen, Menschen zu foltern usw. Und heute? Sind manche von uns davon so weit entfernt? Wir sehen so manchen geifern, Gesichter, die ganz verzerrt gegen politische Gegner angehen, Augen, die starr und stechend sind, Münder, die verhöhnen und höhnisch lachend über andere verbal herfallen, Fäuste, die schlagen, Hände, die werfen…
Und so kann man immer nur appellieren:
Leute, habt Rückgrat, macht nicht mit bei diesen Gruppenzwängen aus welcher Richtung auch immer, versucht euch in den politischen Gegner hineinzudenken, denkt zunächst positiv über ihn, dass auch er das Gute will, vergebt… Zu unserer Kultur gehört es, so sehe ich das zumindest, dass wir
die Feigen, die Mitläufer, die Gewalttäter, die Erpresser, diejenigen, die in Gruppen über Einzelne, Schwächere, Unbewaffnete herfallen, die im Verborgenen agitieren, die nicht mit offenen Visier, sondern vermummt auf andere losgehen, die Betrüger und Täuscher, diejenigen, denen es nicht um Gemeinschaft geht, sondern um Zerstörung, darum geht, Misstrauen und Hass zu säen
nicht bewundernd ansehen und sie nicht zu Helden erklären, sondern ablehnend.
Impressum http://www.wolfgangfenske.de/
Es ist gut, dass man – zumindest hat man den Eindruck – jetzt auch den Drogenhandel ernster nimmt: http://www.tagesspiegel.de/berlin/islamisten-in-berlin-dealer-hehler-salafist-die-szenen-mischen-sich/19852844.html
*
Es bleibt zu hoffen, dass die Islamisten von den Philippinen vertrieben werden. https://www.rt.com/news/389647-philippines-terrorists-hostages-martial-law Duterte hin, Duterte her.
Ich befürchte jedoch, dass es nur ein Kampf mit viel Leiden ist, ohne letztlich zum Erfolg zu führen, wenn es der philippinischen Regierung und Gesellschaft nicht gelingt, diesen Kriminellen etwas Nachhaltiges entgegenzusetzen: Bildung, Berufe, gesellschaftliche Anerkennung, …
*
Die Türkei steht unter massivem Druck http://www.focus.de/finanzen/boerse/tuerkische-wirtschaft-lira-crash-und-zinsangst-in-der-tuerkei-erdogan-spielt-mit-dem-feuer_id_6487381.html Und sie hat einen Präsidenten, der den Druck nicht mindert, sondern erhöht.
Kann die freie Welt die freien Menschen in der Türkei helfen – an Erdogan und seiner AKP vorbei?
Impressum http://www.wolfgangfenske.de/
Ja, das ist die Hoffnung vieler – eine neue EU. Aber wie sie aussehen soll – das ist die große Frage. Ob Ash dabei weiterhelfen kann? http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-05/timothy-garton-ash-brexit-grossbritannien-eu/seite-2
„Ich stelle mir ein Europa vor, das stark und flexibel zugleich ist“, sagt Ash. „Stark, weil flexibel. Und flexibel, weil stark.“ Aber das habe er noch nicht genau ausgearbeitet, darüber müsse er noch nachdenken.
Impressum http://www.wolfgangfenske.de/
Herr Schäubles Islam kann man hier bewundern: https://www.welt.de/politik/deutschland/article164905164/Schaeuble-sieht-muslimische-Zuwanderer-als-Chance-fuer-Deutschland.html
*
Das einfache Weltbild von Herrn Maas – das kann man hier bewundern: https://www.welt.de/politik/deutschland/article164904655/Wer-fuer-Justizminister-Maas-so-alles-rechts-ist.html
*
Hier ein wichtiger Beitrag zu dem Gesetz, das Maas auf den Weg bringen wollte, gebracht hat usw.: Er hat es politisch aufgeladen als Kampfmittel nicht gegen Extremisten sondern gegen Rechte (nicht einmal Rechtsextremisten): http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-05/heiko-maas-netzwerkdurchsuchungsgesetz-soziale-medien-beleidigungen-5vor8
Das eigentlich richtige Gesetz, das sich gegen objektiv strafbare Inhalte wie Volksverhetzung, Beleidigung oder Verleumdung richtet, ist nun von Anfang an mit dem gänzlich falschen Geist beseelt. Ob dieser Makel geheilt werden kann? Vielleicht. Deutsche Gerichte, das darf man immerhin annehmen, werden auch in Zukunft besonnener und liberaler denken als der derzeitige Bundesjustizminister.
Der gesamte Artikel sollte gelesen werden. Schön, dass er in der Zeit veröffentlicht wurde.
Dazu auch dieser Text: https://www.tichyseinblick.de/meinungen/netzdg-das-mass-des-rechts/
*
Solche Erfahrungen habe ich auch gemacht: http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2017/33839/medienanwalt-schertz-und-kirchentagspraesidentin-aus-der-au-wie-ueber-beleidigungen-und Manche von Euch werden es mitbekommen haben.
Am Rande:
Schertz: Ist es aber nicht. Kants Kategorischer Imperativ gilt für viele nicht mehr: Was du nicht willst, dass man es dir antut, das füg auch keinem anderen zu.
Aus der Au: Das stammt übrigens aus der Bibel. Da geht man allerdings noch einen Schritt weiter auf den anderen zu – Richtung Versöhnung.
Die negative Version kommt auch aus der Bibel: Tobit 4,16.
Die positive Version: Jesus sagte: Was du willst, dass dir die Menschen tun, das tue ihnen.
Diese positive Form der Goldenen Regel stammt aus der Bibel, wohl aus dem Mund Jesu. Die negative Form, die Schertz erwähnt, ist weit verbreitet gewesen.
Und nun die Hausaufgabe:
Worin besteht der Unterschied zwischen:
Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!
Und:
Was du willst, das dir andere tun, das tue ihnen!
Und:
Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
*
Muss Amazon nun auch löschen? Dann mal los! Die Leserhinweise zu dem Maas-Buch sind nicht besonders nett. Da haben Maas-Hater und Maas-Kritiker mal so richtig ihre Meinung gesagt: https://www.amazon.de/Aufstehen-statt-wegducken-Strategie-Rechts/dp/3492058418/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1495743439&sr=8-1&keywords=heiko+maas
Man beachte die „Am höchsten bewertete positive Rezension“ 5 Sterne – 637 von ca. 700 fanden das hilfreich. Da waren wohl PCs am Werk bei der Einordnung als „positive Rezension“. Positiv?
Ich durfte das neue Buch bei einer Veranstaltung im brutalistischen Gebäude des Ministeriums für Wahrheit und Gedanken in den Händen halten.
Kaum hatte ich auf einem der etwas zu harten Stühle platz genommen, wurde es dunkel im spärlich besetzten Raum, die Türen flogen auf und im Lichte des Scheinwerfers trat herein – die Fäuste wie ein Boxer zum Himmel gereckt – Heiko Maas. Jubel-Jusos schrieen sich die Lungen aus dem Leib…
Diese Reaktionen auf Maas geben die Stimmung wieder – und zeigen, warum es mit der SPD nicht aufwärts bzw. vorwärts geht. Auch Minister müssen zum Erfolg der Partei beitragen. Um das zu können, müssten aber die SPD MinisterInnen viel umdenken. Was in letzter Zeit alles so gesagt wurde: Maas, Schwesig, Hendricks (und auch Özoguz), von der Leyen – ach so, sie ist CDU – … Von Nahles und Zypries hört man nicht so viel – es sei denn, von ihrer soliden – wenn auch politisch umstrittenen – fleißigen Arbeit. Aber zwei SPD MinisterInnen machen noch keinen SPD-Sommer.
Impressum http://www.wolfgangfenske.de/
Warum hat Melania Trump in Saudi Arabien keinen Schleier getragen, aber bei dem Papstbesuch? Das scheinen manche als Doppelmoral anzusehen. Hier eine Replik: https://philosophia-perennis.com/2017/05/25/trump-schleier-papstbesuch/
Ich sage dazu: Ich hätte manches anders formuliert – es geht mir nur um die Begründung aus katholischer Sicht.
Impressum http://www.wolfgangfenske.de/
Jesus Christus
entschwunden den Blicken,
verborgen
in Welt, in dir und mir.
Jesus Christus
so fern…
darum so unendlich nah.
Jesus Christus –
wo?
Im aufbauenden Wort,
in liebender Liebe,
im klaren Geist,
im Schmerz, der seine Nähe spüren lässt.
Impressum http://www.wolfgangfenske.de/ und www.blumenwieserich.tumblr.com
Himmelfahrt – die Rückkehr Jesu Christi in den Bereich Gottes, die Inthronisation Jesu Christi.
Die Evangelien schildern Jesus Christus nach der Auferstehung mit einer eigenartigen Körperlichkeit: Er ist körperlich anwesend, wird aber erst an der Handlung des Brotbrechens erkannt. Er wird von seiner Nachfolgerin Maria erst erkannt, als er den Namen Maria ausspricht. Er ist körperlich anwesend – obgleich die Räume verschlossen waren. Wir haben es hier mit eigenartigen Erfahrungen zu tun – die mit allen einmalig erlebten Ereignissen eines gemeinsam haben: Menschen ringen um Worte. Die Menschen vor 2000 Jahren waren nicht beschränkter als die Menschen der Gegenwart. Auch für sie war ein toter Mensch ein toter Mensch. Dennoch kamen sie aufgrund des Erlebten nicht darum herum, hier etwas zu formulieren, was allem bislang Erfahrenem widerspricht.
Und das gilt freilich auch für die Himmelfahrt. Das, was sie bislang als körperliche Anwesenheit Jesu Christi erfahren haben – ist vergangen. Eine neue Erfahrung machte sich breit: Dieser Jesus Christus, den wir in dieser eigenartigen Körperlichkeit erfahren haben, hat sich nun in die Welt Gottes (Himmel) begeben. Sie waren angesichts dieser eigenartigen Erlebnisse wie gebannt – und so formuliert Lukas in der Apostelgeschichte: Während sie noch wie gebannt auf den schwindenden Jesus Christus schauten, sagten ihnen zwei Männer in weißem Gewand: Was steht ihr da und seht zum Himmel?… Der Bann war gebrochen, sie wandten sich als neue Menschen wieder der altbekannten Welt zu.
Christen sind Menschen, die von Gottes Handeln ergriffen sind – die immer wieder versuchen, ihre Erfahrungen des Gottesereignisses neu zu formulieren – die manchmal voll eintauchen in diese emotional äußerst bewegenden Erfahrungen – jedoch von Gottes Boten zu den Menschen gewiesen werden: Freunde, spekuliert nicht über Gott, richtet euch nicht ein in dieser ergreifenden Welt Gottes – sondern handelt als Boten des Lebens in seinem Auftrag zum Wohl der Menschen und der Welt. (Text ist von 2013.)
Impressum http://www.wolfgangfenske.de/ und www.predigten-wolfgangfenske.de
Man mag den Kirchentag kritisieren, man mag ihn belächeln, man mag ihn bekämpfen, man mag ihn ignorieren – aber es ist gut für unser Land, dass es ihn gibt.
*
Nicht nur aus Glaubensgründen ist der Kirchentag wichtig: https://www.kirchentag.de/aktuell_2017/mittwoch/pk_inhalt.html
Auch solche Vergewisserungen müssen einmal deutlich ausgesproc
*
Luther wird gehörig missbraucht – das hatte ich neulich schon erwähnt. Er wird einfach für die gegenwärtigen Probleme eingespannt – auch mit Blick auf das Gegenteil von dem, was er gesagt hat. Statt dass die Nachkommen Luthers so ehrlich sind und sagen: Luther – er sagte anderes, wir aber sagen, tun sie so, als würde das alles irgendwie Luther sein. https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/05/24/wenn-luther-auf-den-kirchentag-ginge/ Gutgemeinte Ehrlichkeit? Naive Ehrlichkeit? Keine Ehrlichkeit?
So geht es Denkmählern: Man kann sie mit allen Farben bepinseln, wie die Vögel beschietern und sagen: Das ist der wahre XY. Sie können sich ja nicht wehren.
Von daher: Das Bild, das Kirche von sich mit Blick auf Luther malt, wird sicher von so manchem bejubelt werden. Auch von Nachdenklichen?
Was mag ich von Luther am liebsten? Lutherkekse: http://www.glaubenssachen.de/luther-kekse-rolle.html
Nein natürlich nicht. Fürs leibliche Wohl – mag sein, aber Luther hat mehr zu bieten als Kekse und Bonbons. Den Schlusssatz seiner Freiheitsschrift zum Beispiel http://gutenberg.spiegel.de/buch/martin-luther-sonstige-texte-270/6 :
Zum dreißigsten: Aus dem allem folget der Beschluß, das ein Christenmensch lebt nicht in sich selbst, sondern in Christo und seinem Nächsten, in Christo durch den Glauben, im Nächsten durch die Liebe; durch den Glauben fähret er über sich in Gott, aus Gott fähret er wieder unter sich durch die Liebe, und bleibt doch immer in Gott und göttlicher Liebe, gleich wie Christus sagt, Johann. 1:» Ihr werdet noch sehen den Himmel offen stehen und die Engel auf- und absteigen über den Sohn des Menschen.» Siehe, das ist die rechte, geistliche, christliche Freiheit, die das Herz frei macht von allen Sünden, Gesetzen und Geboten, welche alle andere Freiheit übertrifft wie der Himmel die Erde. Das gebe uns Gott, daß wir diese Freiheit recht verstehen und behalten!
Das ist für manche heftig: Liebe aus Glauben – nicht Liebe aus irgendwas heraus. Liebe und Glauben gehören zusammen. Während man früher die Christen ermahnen musste: Nicht Glauben ohne Liebe!, muss man heute sagen: Nicht Liebe ohne Glauben! Feuerbach hat so manchen in den Kirchen erfasst. Feuerbach hat Christus abgelöst?
*
Die politische Kirche: http://cicero.de/berliner-republik/evangelischer-kirchentag-die-falsch-verstandene-politisierung
Ich warnte neulich auch vor einer Überhöhung der politischen Auseinandersetzung mit religiösen Begriffen. Am 18.2. schrieb ich:
Dass in einem christlichen Verlag ein Buch von Tanja Kuchenbecker über Marine Le Pen herausgegeben wird, das als Untertitel „Tochter des Teufels“ trägt, spricht nicht unbedingt für den Verlag… Was ist daran schlimm? Es geht um eine politische Auseinandersetzung – und die wird religiös überhöht. Früher hat man Töchter des Teufels auf Scheiterhaufen verbrannt – heute verurteilt man sie in solchen Verlagen? Auch manche Christen haben überhaupt keinen Maßstab mehr für das, was legitime politische Auseinandersetzung ist und das, was über das Ziel hinausschießt. Ich bin kein Fan von Marine Le Pen – aber man muss doch erkennen, dass das inakzeptabel ist. Schon Trump wurde religiös gesehen, als einer, der das apokalyptische Ende der Welt einleitet. Sie mögen politisch Ansichten haben, die schlimm sind – aber das rechtfertigt keine religiöse Überhöhung. So wichtig sind sie auch wieder nicht. Sie mögen in den Augen ihrer Gegner schlimmere Sünder sein als ihre Gegner sich selbst sehen – auch das rechtfertigt keine religiöse Überhöhung. Vor allem ist auch immer wieder die Arroganz faszinierend: Man kämpft auf der Seite der Guten – und die breite Gesellschaft merkt nicht, wie gefährlich die jeweiligen Politiker sind. Dieser dualistische Ansatz, der immer auch mit gnostischer Selbsterhöhung verbunden ist, ist gefährlich. Jetzt werde ich auch religiöser Überhöhung schuldig: Man treibt den Teufel mit dem Beelzebub aus.
Ich finde das fatal. Christen sollten sich dieser religiösen Sprache mit Blick auf Politik enthalten. Das führt nur ins Verderben.
*
Man lese das einmal kritisch: http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/ekd-ratsvorsitzender-wie-politisch-darf-die-kirche-sein-15015547-p6.html Ich habe keine Lust, jetzt das alles zu zerpflücken. Nur ein Aspekt: Ein Funktionär der Organisation der Evangelischen Kirche erklärt, was prophetisches Reden ist – und was es nicht ist. Wer das Alte Testament kennt, weiß, dass die Propheten manchmal von Gott aus Bereichen ausgewählt wurden, die den Amtsinhabern äußerst suspekt waren.
Könnte man doch bloß in die Zukunft sehen und erfahren, wie die Nachkommen die gegenwärtigen Funktionäre beurteilen werden. Wir stecken mitten in unserer Zeit, wir können furchtbar blind sein für das, was sich politisch zusammenbraut. Gut gemeint können wir die Räuber füttern, weil wir denken, das werden die kommenden Hirten sein. Und die wahren Hirten jagen wir in die Wüste. Vielleicht ist es aber auch gerade andersherum.
Wie sehr sind wir abhängig vom Geist Gottes und von der Vergebung durch Gott.
Impressum http://www.wolfgangfenske.de/