
(Fortsetzung folgt)
In vielen Liedern besingt Paul Gerhardt die Freiheit, die Glaubenden durch Jesus Christus geschenkt wird.
In dem Text: „Also hat Gott die Welt geliebt“ stellt er dar, warum Jesus Christus am Kreuz gestorben ist (1):
4. Warum doch das? Dass du, o Welt,
frei wieder möchtest stehen
und durch ein teures Lösegeld
aus deinem Kerker gehen;…
Diese Freiheit hat immense Folgen: Einmal für Glaubende, sie werden „dem Haufen / Der höllischen Feind entlaufen“ (5. Strophe), sie bekommen Trost, Erlösung, ewiges Leben. Gott schenkt die Freiheit – das zu erkennen bedeutet aber auch zu erkennen, dass der Haufen eben Gottes Freiheitshandeln mit Füßen tritt, alles niederreißt, was Gott gebaut hat. Dadurch erweist sich dieser Haufe als Unfrei, als solcher, der dem Satan, der Hölle zugehört. Nur Befreite können erkennen, wie unfrei die Menschen sind, die als Haufe dem Satan angehören.
Die Freiheit bedeutet auch, Freiheit vom Tod. Und so schreibt er in „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“ (EG 112), dass Christus ins Grab gelegt wurde, der Feind mächtig herumgeschrien hat, aber Christus befreit, fröhlich die Siegesfahne schwenkt. Das hat zur Folge, dass auch Glaubende aus dem Grab befreit werden. Der Tod selbst ist nur noch ein „totes Bild“.
Dieses Wissen um die Freiheit lässt auch erkennen, wie der Feind einen wieder fesseln möchte. Das beschreibt das Lied: „Auf den Nebel folgt die Sonn“ (2):
3. Hab ich vormals Angst gefühlt,
hat der Gram mein Herz zerwühlt,
hat der Kummer mich beschwert,
hat der Satan mich betört:
Ei, so bin ich nunmehr frei,
Heil und Rettung, Schutz und Treu
steht mir wieder treulich bei.
4. Nun erfahr ich, schnöder Feind,
wie du’s habst mit mir gemeint,
du hast wahrlich mich mit Macht
in dein Netz zu ziehn gedacht.
Hätt ich dir zu viel getraut,
hättst du, eh ich zugeschaut,
mir zu Fall ein Sieb gebaut.
5. Ich erkenne deine List,
da du mit erfüllest bist;
du belügst mir meinen Gott
und machst seinen Ruhm zu Spott…
Der Feind muss nicht der äußere Gegner sein, sondern er sitzt auch in mir selbst: Trübsal, Angst, Verzagtheit – all das möchte mich fesseln, wieder unfrei machen. Und so schließt das Lied:
15. Ich will gehn in Angst und Not,
ich will gehn bis in den Tod,
ich will gehn ins Grab hinein
und doch allzeit fröhlich sein.
Wem der Stärkste bei will stehn,
wen der Höchste will erhöhn,
kann nicht ganz zugrunde gehn.
In „Die güldne Sonne“ wird in der 5. Strophe davon gesprochen, dass des Luzifers Bande, Fallen und Tücke den Beter angreifen. Gott möge ihn vor diesen bewahren. Und in „Du Volk, das du getaufet bist“ wird bekannt, dass diejenigen, die in Satans Kerker lagen, nun durch die Taufe des Königs freie Söhne werden. Denn das Taufwasser ist nicht einfach nur Wasser, denn es schließt den Geist Gottes in sich ein und Gottes großen Namen. (3) Der Geist Gottes zerreißt die Fesseln der Hölle, tröstet und befreit das Herz von allem, was kränkt und befreit hin zu Gottes Willen (4).
Auch in den Liedern, in denen das Wort „Freiheit“, „frei“ usw. nicht vorkommen, steht die Freiheit, die Gott schenkt, im Hintergrund. Zum Beispiel sei an: „Befiehl du deine Wege“ erinnert. Und die Freiheit, die Gott schenkt, ist die Grundlage für die Freude, die ebenfalls viele Lieder durchzieht. Oder in dem Lied: „Die Zeit ist nunmehr nah“ ist Vertrauen auf das Leben, das Christus schenkt wichtiger, es befreit von allen Spekulationen:
14. Halt ein, mein schwacher Sinn,
halt ein! Wo denkst du hin?
Willst du, was grundlos, gründen?
Was unbegreiflich, finden?
Hier muss der Witz sich neigen
und alle Redner schweigen.
Der Feind muss, wie gesagt, nicht der äußere Gegner sein, aber in vielen Liedern wird der Spott der bösen Rott oder der Zorn der Welt, der über ihn, Gottes Knecht, zornig ist, angesprochen.
Glaubende, sind auch vor Gott frei, können zu Christus rennen und voller Freiheit, sich von Gott die Hände füllen lassen („Fröhlich soll mein Herze springen“: EG 36):
11. Die ihr arm seid und elende,
kommt herbei, füllet frei
eures Glaubens Hände.
Hier sind alle guten Gaben
und das Gold, da ihr sollt
euer Herz mit laben.
