Ideologien

Religion kann zur Ideologie werden. Religion wird dann zur Ideologie, wenn sie nicht bereit ist, mit anderen zu diskutieren, Argumente auszutauschen, andere Ansichten gelten zu lassen, sie zu tolerieren; politische und weltanschauliche Gegner werden mit unlauteren Mitteln, also unfair bekämpft, ihnen wird die Existenzgrundlage entzogen, sie werden aus der Gemeinschaft ausgegrenzt, sie werden gemobbt; besonders sadistische Menschen, die gegen Andersdenkende vorgehen, werden nicht daran gehindert, sondern Mob (auch herrschender Mob) unterstützt diese in ihrem unmenschlichen Tun, zudem werden die Gegner dehumanisiert, also man vergleicht sie mit Ratten und Ungeziefer, sie werden als „Sündenbock“ angesehen. Die Ideologen selbst sehen sich als die Gemeinschaft der guten Menschen, die alles Böse bekämpfen, um eine heile Welt zu erreichen. Angeführt werden sie auch von ideologischen Vordenkern, die versuchen zu verhindern, dass Menschen eigenständig und kritisch denken, die versuchen, Menschen davon zu „befreien“ selbständig Verantwortung zu tragen. Als Kennzeichen für Ideologie ist auch zu nennen, dass Herrschende / herrschende Ansichten legitimiert werden und damit verbunden auch die Realität verfremdet, verzerrt dargestellt wird. Menschen sollen nicht das glauben, was sie sehen, erfahren, wahrnehmen, sie sollen die Perspektive der herrschenden Ideologie übernehmen.

Aber nicht nur Religionen können zur Ideologie werden. Auch andere Weltanschauungen. Ideologie entsteht unabhängig von Religion da, wo eine Kultur, Nation, eine politische Ordnung bzw. Institution absolut gesehen wird. das heißt: dieser jeweiligen Größe ist zu folgen, ohne Wenn und Aber, ohne, dass ungestraft kritisiert werden darf. Hier ist zu sehen, dass schon in alttestamentlicher Zeit Propheten gegen die Ideologisierung des Tempels aufgetreten sind. Ideologische Ansätze gab es schon in der Antike – es sei an den Kaiserkult im Osten des Römischen Reiches gedacht. Ebenso war auch der „Glaube“ an Rom, die Macht der Römer / Roma aeterna – das ewige Rom -, ideologisch bedingt. Nur haben diese alten Formen noch nicht die Gewalt gehabt, wie sie in moderner Zeit durch Medien und strukturierter Staatsgewalt / Verwaltung möglich wurden. Zu den modernen Mitteln zählen die Übergriffe der Ideologen auf die Kinder in der Schule / im Kindergarten, zählen die technisch gut ausgerüsteten Geheimdienst- und Propaganda-Apparate.

So haben sich Christen im 19. und 20. Jahrhundert Weltanschauungen angeschlossen, die alle Merkmale von Ideologien hatten. Weil immer mehr Christen diesen verfallen sind, haben auch leitende Kirchenfunktionäre mitgemacht bzw. waren als treibende Kräfte tätig, um die Institution Kirche und auch die Christen ideologisch zu beeinflussen. In dieser Hinsicht sind: Nationalismus, Nationalsozialismus, Kommunismus / Sozialismus zu nennen, aber auch Antisemitismus, Rassismus, die unmenschliche Form des Kapitalismus, Sozialdarwinismus (also wissenschaftliche geprägte Ideologie). Nationalsozialismus / Kommunismus werden von manchen auch pseudoreligiösen Weltanschauungen zugerechnet, weil sie religiöse Strukturen entwickelt haben bzw. religiöse Strukturen in sich aufnahmen / aufnehmen, um religiöse Menschen zu beeinflussen. Diese Größen kamen auf, als die Autorität der traditionellen christlichen Religion zerbröckelte und politische Heilsversprechen diese ersetzten. Franz Werfel sagte sinngemäß, dass der Nihilismus des 19. Jahrhunderts Kinder hervorgebracht hat, weil kein Mensch nihilistisch sein kann: Nationalismus, Nationalsozialismus und Kommunismus.

Mit Blick auf Kirchen bedeutet das, dass auch Christen mit offenen Augen durch ihr Leben gehen müssen, um mit Gottes Geist erkennen zu können, wo sie selbst in Gefahr stehen, ideologisch zu handeln. Sei es sich zum Handlanger einer religiösen Ideologie zu machen oder zu handlangern einer politischen Ideologie zu werden.

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