Pandita Ramabai / Ramabai Dongre Medhavi (1858-1922)

Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen – eine Reihe von mir https://blog.wolfgangfenske.de/2026/01/03/menschen-die-sich-nicht-unterkriegen-liessen/ . Heute geht es um: Pandita Ramabai auch: Ramabai Dongre Medhavi https://de.wikipedia.org/wiki/Ramabai_Dongre_Medhavi und https://www.heiligenlexikon.de/BiographienP/Pandita_Ramabai_Sarasvati.html

Eine Frau mit Bildung

Ihr Vater war ein Sanskritlehrer, der auch, was ungewöhnlich war, seine Frau und Tochter Sanskrit lehrte, wie seinen Sohn Srinivas. Sie wuchs also in einer intellektuell spannenden Familie auf. So war sie mit 16 erstaunlicher Weise noch nicht verheiratet. Ihre Eltern starben in einer Hungersnot. Ihr Bruder wurde Lehrer, sie selbst wurde Lehrerin der heiligen Schriften der Hindus.

Eine Frau, die traditionelle Grenzen durchbrach

Schon mit ca. 20 Jahren war sie mutig und kümmerte sich nicht um traditionelle hinduistische Gepflogenheiten. Sie reiste vielfach zu Fuß mit ihrem Bruder, Srinivas (der 1880 an Cholera starb) durch Indien, hielt Vorträge über Sanskrit, über religiöse Themen vertrat aber auch die Sicht, dass die Hindu-Schriften den schlechten Umgang mit Frauen nicht legitimieren. Als Lehrerin überzeugte sie, sodass sie den Titel Pandita verliehen bekommen hat.

Sie, die aus einer Brahmanenkaste kam, heiratete mit 22 Jahren einen Freund ihres Bruders, einen Mann aus einer der niedrigsten Gruppen. Was zu negativen Reaktionen von Hindus führte. Der Mann starb zwei Jahre nach der Hochzeit und hinterließ sie als Witwe mit einer Tochter. Weil sie nicht das für Witwen übliche Leben leben wollte, konvertierte sie zur anglikanischen Kirche, was wiederum Unmut hervorgerufen hat. Aber ihre Beziehungen zum christlichen Glauben waren schon früher vorhanden. So war sie beeinflusst von dem Brahmanen und Sanskritlehrer, der gegen das Christentum lehrte und schrieb, Nehemiah Goreh (Nilkanth Shastri Goreh). Dieser konvertierte jedoch 1848 zum christlichen Glauben und meinte, dass alles Wahre in der Brahmo-Theologie (eine theologische monotheistische Reformbewegung im Hinduismus) vom christlichen Glauben beeinflusst gewesen sei. Goreh versuchte, einen eigenständigen christlich-indischen Glauben zu entwickeln. Ramabai beschreibt das Leben junger Witwen als Gefängnis. Wenn sie aus dem Gefängnis flieht, kann sie nur verhungern, Suizid begehen, Prostituierte werden. Das wollte sie nicht.

Eine Frau, die ihre Gesellschaft kritisierte

Sie ging 1882 nach England, um zu studieren. Konnte es aber kaum, weil sie schwerhörig war. In England lernte sie die christliche Frauenarbeit kennen: Frauen kümmerten sich um Frauen. Sie fragte sich, warum diese Frauen sich um Frauen kümmerten, wodurch ihr Interesse für Jesus geweckt wurde. Nicht gesetzliche Regeln waren ihr wichtig, sondern Jesus als Vorbild und Gottes Gnade. 1883 ließ sie sich mit ihrer Tochter, Manorama, taufen.

Eine Frau, die auch den Westen unter die Lupe nahm

In dieser Zeit veröffentlichte sie 1887 ein Buch gegen hinduistische Traditionen, die Frauen hoher Kasten erniedrigten: Kinderheirat, Vielehe, Witwenverbrennung, hohe Frauensterblichkeit, fehlende Bildung, Abhängigkeit vom Mann. Es wurde im Westen rezipiert – aber in Indien nicht so sehr. Sie hat damit nicht einfach diese Hindu-Traditionen als Außenstehende kritisiert, denn sie kannte ja die Schriften und ihre Tradition durch und durch. Sie wollte mit der Arbeit für Frauen in Indien beginnen und vertraute Gott, dass er ihr die dafür nötigen Menschen geben werde.

Sie reiste 1886 in die USA, schrieb ein Buch, in der sie das Leben der Frauen dort mit dem Leben in Indien verglich, allerdings nicht nur zum Vorteil der USA, weil sie auch die Rassendiskriminierung beim Namen nannte. Sie sammelte dort aber Geld, um in Indien eine Schule zu gründen.

Zudem hat sie in jahrelanger Arbeit die Bibel in die Marathi-Sprache übersetzt. Sie nahm nicht einfach eine englische Bibel, sondern übersetzte auch mit Hilfe des Hebräischen und Griechischen. Sie stand der Göttlichkeit Jesu Christi kritisch gegenüber somit auch der Trinitätslehre. Diese Lehre wollte sie mit Hilfe der Bibel überprüfen. Auch hierin zeigt sich ihre Eigenständigkeit. Sie hat nicht einfach alles übernommen, sondern alles überprüft und in Frage gestellt. Daraus die Konsequenzen gezogen und war überaus hilfreich, sozial tätig.

Eine Frau, die aus christlichem Glauben sozial innovativ war

Sie kehrte nach Indien zurück. Sie wollte keine christliche Missionsschule gründen, da Hindu-Frauen diese mieden, von ihren Männern und Familien gedrängt meiden mussten. Aber sie gründete eine Schule für Kinderwitwen, unterstützt von Hindu-Reformern. In einer von ihr gegründeten Mukti (= Befreiung / Erlösung / Rettung) Mission hat sie zeitweise bis zu 3000 junge Witwen versorgt, die von ihren Familien missachtet wurden. Diese Mission war aber nicht nur Zuflucht für Witwen, sondern auch Ausbildungsstätte für verschiedene Berufe, Lehrerinnen, Krankenpflegerinnen, sie waren landwirtschaftlich tätig, sodass hungernde und verwaiste Frauen und Mädchen aufgenommen werden konnten. Vor allem auch in der Zeit des Hungers 1896/1897. Ramabai wollte den Frauen auch die Befreiung / Erlösung durch Christus vermitteln. Das heißt: Es ging ihr darum, die Frauen auf ein wirklich neues Leben hinzuweisen.

Eine Frau mit Langzeitwirkung

1905 gründete sie eine Bibelschule. Missionarinnen wurden hier ausgebildet. 1905 ließen sich über 1000 Menschen taufen. Weil sie gesundheitlich angeschlagen war, übernahmen andere die Leitung ihrer Mukti-Mission. 1921 starb ihre Tochter und 1922 starb sie.

Noch heute ist die Pandita Ramabai Mukti Mission tätig.

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