Viele Bilder von Albert Bierstadt (1830-1902) haben einen monumentalen, einen bombastischen Touch. Ich schreibe wieder nur, was ich an seinen Bildern beobachte – ich habe nicht Kunst studiert und bin auch kein Bierstadtkenner. Er wurde in Deutschland geboren, seine Eltern wanderten in die USA aus – er malte, kam nach Deutschland, studierte Kunst, ging wieder zurück in die USA, bereiste den Westen der USA.
Wenn ich seine Bilder anschaue, so fällt vor allem auf, wie er die Berge malt. Steile Wände, hoch aufragend, in vielen verschiedenen Licht-Fazetten. Die Berggipfel umtost, umlichtet, umleuchtet, umgoldet, umwölkt, majestätisch, erhaben. Aber: Sie steigen auf von der flachen Erde. Und die Erde, von der aus sie aufsteigen, ist häufig ruhiger. Waldlandschaft, Landschaft mit grüner Wiese, im Vordergrund Seen – vielfach ruhiger; Landschaft auch im gleißenden Gold, aus der sich dann der Berg grell weiß emporhebt, bzw. sich im vom Abendrot durchglühten Nebel absetzt. Dann und wann abgestorbene Bäume, aber im Grunde idealisierte schöne Landschaft. Weite Landschaft. Natur Nordamerikas aus der Perspektive eines Romantikers. Der Mensch ist fasziniert vom Erhabenen. Soweit ich gelesen habe, hat er das auch inszeniert: Es sind riesige Bilder, die er in dunklen Sälen präsentierte, nur mit einzelnen Lampen luminiert. Eine Art: Gemäldekino.
Es geht um Landschaften, die Emotionen auslösen. Das Ruhige – aus dem das Erhabene rätselhaft, undurchdringlich, unerforscht herausragt. Romantik steht im Hintergrund. Diese Romantik gepaart mit dem amerikanischen Traum vom Leben im Paradies, vom verheißungsvollen Neuland, dem gelobten Land. Entsprechend haben seine Bilder großen Anklang gehabt.
Doch dann kam die Zeit, in der die Probleme nicht mit Romantik übertüncht werden konnte – die Industrialisierung hielt Einzug. Der Kunstgeschmack änderte sich. Und so wurden seine Bilder nicht mehr gefragt. Und ob die US-Amerikaner daran erinnert werden wollten, dass sie Bisons massenhaft getötet hatten, ist die Frage. (Allerdings war derjenige, der auf dem Bild „The Last of Buffalo“, den letzten Bison getötet hat ein Mann der First Nation, also ein Ureinwohner, und keiner mit einem Gewehr, der sie aus den Zügen heraus abknallt. Mutig mit einer Lanze – anstatt mit dem Gewehr aus der Ferne, wie es Weiße taten. Vielleicht ist es auch ein Hinweis darauf, dass mit dem letzten Bison auch die indigenen Stämme dem Untergang geweiht sind). Wohl nicht. Die ruhige Natur, in der das Land gesehen wurde, mit ihren überirdisch majestätischen Berge wichen vermutlich Bildern, die das Tun der Menschen verehrten, hervorhoben – eben statt transzendenter Berge der Mensch als Macher. Zudem hat die Fotografie Einzug gehalten – und die zeigt eben nüchterner, dass Landschaften anders aussehen. Verglichen mit den nüchternen Fotos sind diese Bilder eher theatralisch. Heute sind die Bilder wieder beliebter. Der Mensch als Macher tritt in den Hintergrund. Zudem wird deutlich, dass heutzutage auch Fotos bearbeitet werden, dass sie nicht mehr die Realität wiedergeben, sondern eher Emotionen ansprechen wollen – nicht wenige auch durch „Effekte“.
Menschen dienen vielfach als Staffage – als Staffage, um zu zeigen, wie klein der Mensch in dieser unendlichen amerikanischen-romantischen Weite ist. Manchmal sind auch Indianerstämme Teil dieser unendlichen, noch unberührten Natur. Er malt auch realistischere Bilder, so ein totes Reh, stolze Schneeziegen, MufflonSchafe auf hohem Fels oder eben Landschaften, die man auch zu kennen meint – dann aber auch wieder brausende Wasserfälle und Meereswellen, die heftig emporschäumen. Die sind auch bekannt, aber nicht in dem Maße, wie der Maler sie wiedergibt. Eher als eine machtvolle Präsentation von Naturkräften. Ebenso sind vielfach Wolken nicht einfach Wolken, sondern pure Dramaturgie am Himmel. Lichter brechen golden in den dunklen Wald herein, muss man sagen, weil der Betrachter im Dunkeln steht und staunend diesem Lichtschauspiel entgegensieht.
(Infos aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Bierstadt)
