Frauen vor den Kopf stoßen

Gesetzt den Fall, meine Kultur sagt mir, man müsse Frauen bei der Begrüßung vor den Kopf stoßen. Ich gehe nun in eine Kultur, in der man das nicht darf, aber ich mache munter weiter, stoße sie vor den Kopf – weil meine Religion es mir so vorschreibt.

Da kann ich dann noch so tolle Reden schwingen von Gleichberechtigung der Frau, davon, dass ich die Frauen achte, sie respektiere – wenn ich ihnen ständig vor den Kopf stoße, dann nimmt mich kein normaler Mensch ernst, es sei denn, die Frau, die gerade einen Kopfstoßer heiraten will und dann so was masochistisch in Kauf nimmt.

Die Frauen und Männer der Kultur, in die ich gerade als vor den Kopfstoßer gekommen bin, empfinden das so, und das muss ich respektieren und muss damit aufhören, ihnen vor den Kopf zu stoßen. Auch wenn in meiner eigenen Kultur Männer wie Frauen das als Schutz ansehen, weil sie sexuell in einer gewissen unangenehmen Spannung leben. Aber Begrüßung, Hand geben, hat nichts Sexuelles an sich. Man achtet den Menschen als Menschen, den man begrüßt. Reduzierung der Frau oder des Mannes auf ein Sexualwesen, wird ihm und ihr nicht gerecht. Das lässt zudem tief in die religiöse Psyche blicken.

Das gilt übrigens nicht nur auf der Ebene der Begrüßung.

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