Völker und Religionen

Alle Völker und Gruppen hatten ihre jeweilige Religion.

Mit dem Missionsbefehl Jesu:

Geht hin und macht zu Jüngern Menschen aller Völker…

kommt meines Wissens zum ersten mal eine Religion in die Welt, die den Anspruch hat, alle Völker und Gruppen religiös zu durchdringen – christlich ausgesprochen: Sie zu Gott zu führen, sie mit dem Willen Gottes zu durchdringen, nach dessen Maßstab es zu handeln gilt. Christlicher Glaube ist international und kann nur international gedacht werden.

Dieser Anspruch wurde nicht von Mächtigen geäußert, sondern wurde von einer kleinen Gruppe Verfolgter und Erniedrigter umgesetzt, die zum Teil die Umsetzung mit Verfolgung und mit ihrem Leben bezahlten.

Es ging nicht um militärische Überwindung der Völker, sondern um Durchdringung der Völker mit der Botschaft der Liebe Gottes.

Diese Anfänge sind spannender als das, was dann kirchengeschichtlich vielfach folgte: Anpassung an die Herrschaftsstrukturen der jeweiligen Zeit, Durchsetzung von Macht mit militärischen Mitteln, Unterjochung der Völker usw. In diesen großen Strömungen der Anpassung gab es immer auch Menschen, die diesen neuen Weg Gottes lebten und Gott liebten – gibt es immer noch Menschen, die diesen Weg Gottes leben und Gott lieben.

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4 Antworten auf „Völker und Religionen“

  1. Nein, alle Christen haben ein Ziel. Den Glauben an Jesus Christus zu verbreiten.

    Ist auch schon wieder problematisch, weil es DEN Glauben an Jesus offensichtlich nicht gibt.
    Beinhaltet denn dieser Glaube, dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde? – Dann fallen schon einmal sehr viele Christen raus.
    Wiederauferstehung – Himmelfahrt – Ausgießung des „heilgen Geistes“? – Auch da sehe ich viele „Christen“, die das infrage stellen.
    Was also bleibt? Die Lehre Jesu, die eher eine Leere zu sein scheint? Eine einheitliche und verbindliche Botschaft lässt sich auch hier nicht festlegen. Muss ich denn wirklich Frau, Kinder, Eltern und Geschwister hassen, um ein Christ zu sein?
    Wer will denn überhaupt festlegen, was von den Worten Jesu, die überliefert sind
    1. authentisch ist und
    2. wirklich so gemeint ist, wie es bei ersten Hinsehen klingt?
    Ein unendlich großer Raum für Spekulation und Interpretation, so dass sich jeder das Christentum zusammenbasteln kann, was ihm persönlich zusagt und das zeigt ja auch die Praxis des Auseinanderfallens in zig-Tausende unterschiedlicher Ansichten.

    Ich entdecke an mir, dass ich meine Position immer wieder als die Allgemeingültige ansehe – was den christlichen Glauben betrifft.

    In der Psychologie nennt man das „confirmation bias“ oder Bestätigungsfehler, wenn alles, was man wahrnimmt, die eigene Position zu bestärken scheint. Ich versuche, dem zu entkommen, indem ich auch Gegenmeinungen zur Kenntnis nehme und deren Argumente auf rationalen Gehalt hin untersuche.

    Atheismus bedeutet – zumindest für mich – A-Theismus, d. h., ich lehne die Vorstellung ab, dass es einen persönlichen Gott gibt, der tagtäglich in das Weltgeschehen eingreift bis hinein in die Gedanken einzelner Menschen.

    Mit einem Deismus habe ich grundsätzlich keine Probleme, auch wenn ich die Wahrscheinlichkeit, dass der zutrifft, eher gering einschätze.

    A-Theismus ist also genau so wenig Religion oder Ideologie wie das Nicht-Sammeln von Briefmarken ein Hobby ist. A-Theismus ist also auch nicht interpretationsfähig, denn es handelt sich um eine klare und eindeutige Position, die man entweder akzeptiert oder nicht.

    An Stelle der Religion kann der A-Theist aber den Humanismus setzen, den man durchaus als philosophisch-ideologische Idee bezeichnen kann. Ideologisch deshalb, weil auch im Humanismus nicht alles rational hergeleitet werden kann, sondern auch da Gefühle und schlichte Vorlieben eine Rolle spielen können, wenn es um die Bewertung von Sachverhalten geht. Ich denke, kein Mensch ist 100% rational.

    Denn da finden wir so manches Inhumane. Zumindest aus christlicher Perspektive Inhumane.

    Wäre eine Diskussionsgrundlage, wenn Sie das konkretisieren könnten.

    Es funktioniert aber auch anders herum: der Humanist sieht ebenso aus seiner Sicht manches Inhumane im Christentum, z. B. die Drohung mit ewiger Verdammnis für ein zeitlich begrenztes Vergehen. Wie der schon mehrfach erwähnte Richter, der nur zwei Arten von Urteil kennt: Freispruch oder Todesstrafe.

    1. Das Thema des ersten Abschnitts haben wir schon wiederholt dargelegt.
      Vielen Dank – nun weiß ich, wie die Psychologie das nennt – aber ich habe es etwas anders gemeint: Ich selbst (als Individuum) bin der Maßstab – alles andere ist falsch (eher belief perseverance). Und diese Sicht gilt es immer wieder zu korrigieren.
      *
      Atheismus – so ist es. Eben: Es gibt Atheisten unterschiedlichster Couleur. Denn allein mit der Ablehnung einer Vorstellung Gottes ist es nicht getan. Das stellen Sie schön mit Blick auf den von Atheisten übernommenen Begriff des Humanismus dar. Allerdings ist der Begriff weiter als er von Atheisten verwendet wird zu verstehen. Ich sage nur: Herder.
      Dass Humanisten atheistischer Intention vieles am Christentum zu kritisieren haben, ist nicht neu – ist ja auch bei christlichen Humanisten so.
      *
      Was als inhuman angesehen wird? Lenin, Stalin, Mao… Die sich als A-Theisten angesehen haben… – aber das hatten wir schon als Thema.

  2. kommt meines Wissens zum ersten mal eine Religion in die Welt, die den Anspruch hat, alle Völker und Gruppen religiös zu durchdringen …

    und ist inzwischen in viele Tausend Splittergruppen zerfallen, die jeweils eigene Ziele verfolgen, wobei einige ihren Ehrgeiz darin setzen, Christen aus anderen Konfessionen für die eigene Sekte zu rekrutieren.

    Aber seit gut über 1000 Jahren gibt es eine andere Religion, die ebenfalls die Weltherrschaft anstrebt: der Islam.
    Das große Problem dabei ist, dass der Islam den Anspruch erhebt, die letzte „Offenbarung“ des „einen Gottes“ zu sein, ein Anspruch, der bei irrationalen Menschen, die tatsächlich glauben, dass ein (hypothetischer) Gott zu uns Menschen sprechen könnte, leider allzu oft verfängt. So gibt es auch Menschen, die vom Christentum zum Islam konvertieren, was nicht nur aus „christlicher“ Sicht klar einen Rückschritt bedeutet.
    Säkulare Menschen sehen natürlich in beiden Religionen ein Defizit gegenüber einer wirklich humanen Position.

    Letzten Endes müssen beide Religionen argumentativ überwunden werden und einer realistischen Sicht auf die Welt Platz machen.

    1. Nein, alle Christen haben ein Ziel. Den Glauben an Jesus Christus zu verbreiten. Das unterschiedlich – ist klar – man spricht ja auch unterschiedliche Menschen an, kommt aus unterschiedlichen Traditionen, Kulturen…
      Der Islam wurde ja in früher Zeit von vielen als christliche Splittergruppe angesehen. Dieser hat sich freilich emanzipiert und versuchte, in den Spuren des Christentums – was das Thema Religion für alle angeht – zu gehen, allerdings äußerst eigenständig, wenn man Mohammeds Wirken ansieht.
      Dass beide von Atheisten gleichermaßen als defizitär angesehen werden – überrascht nun wirklich nicht. Aber gleichermaßen auch umgekehrt: Atheisten werden als defizitär angesehen.
      Ich entdecke an mir, dass ich meine Position immer wieder als die Allgemeingültige ansehe – was den christlichen Glauben betrifft. Das, was andere Christen denken, ist für mich auch defizitär. Aber: Jeder Christ, der sich als Christ ansieht und Jesus Christus betont, ist mir ebenbürtig. Und das sehe ich auch für Atheisten: Jeder, der sich als Atheist bezeichnet, ist auch einer – und nicht nur der individuelle Atheist, der sich den Atheismus so hin interpretiert, dass er ihm gefällt. Denn da finden wir so manches Inhumane. Zumindest aus christlicher Perspektive Inhumane.

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