Gott und Geschichte (1)

Der jüdisch-christliche Glaube ist sehr stark mit Geschichte verknüpft.

1.

Der Auslöser dieses Glaubens, dass Gott in die Geschichte eingreift, war die Erfahrung von Israeliten, dass Gott sie aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat. Lange haben sie geklagt und auf Befreiung gehofft und darum gebetet. Und dann berief Gott den Moses (warum erst jetzt, das wird nicht gesagt) – stärkte, half, begleitete ihn und das Volk. Diese Erfahrung, dass Gott der Befreier aus langer Notsituation ist, ist für weiteres Geschichtsdenken relevant. Aufgrund der langen Zeit des Klagens können auch die Hörer dieses Textes darauf schließen: Wir wissen nicht wann Gott eingreift – wir wissen aber, dass er es tut.

Wie auch immer historische Forschung das alles einordnet und herausarbeitet: Wichtig war dann, dass Gott in die Geschichte dadurch eingreift, dass er gegen feindliche Angriffe Menschen beruft, auch äußerst sonderbare Menschen, die dem Volk das Land immer stärker übereignete (Richterbuch). Gott erlaubte dem Volk später einen Herrscher zu haben, der das Volk leiten sollte. Neben den Königen gab es Priester und Propheten. Priester wirkten am Tempel, die großen Propheten wirkten eher oppositionell politisch.

Deuteronomisten sichteten wohl spätestens mit der Babylonischen Gefangenschaft die gesamte israelitische  Vergangenheit und erkannten in ihr Gottes Geschichtshandeln ganz deutlich: Gott hat Israel erwählt – er schloss mit dem Volk einen Vertrag. Wenn das Volk den Vertrag einhält, dann lässt Gott es dem Volk gut gehen, wenn es den Vertrag bricht, dann lässt er es disziplinieren. Diese Sicht hatten auch die Propheten und warnten vorneweg: Verhaltet euch vertragsgemäß, wenn, dann wird es euch gut gehen, wenn nicht, werden euch fremde Mächte überwinden und ihr müsst für die Fehler der Herrscher, der Priester und euer eigenes asoziales Verhalten büßen. Propheten waren von Gott überwältigt politisch sehr wachsam Menschen – und so realisierte sich das, was sie als Wort Gottes angekündigt hatten.

In diesem aus vielen Perspektiven sinnlosen Auf und Ab der Geschichte sehen die Glaubenden als Konstante: Gott. Und das schenkt Trost: Wenn es auch noch so schlimm aussieht, Gott wird eingreifen. Jedoch: Wann? Wir erkennen in den Psalmen viele Klagen darüber, dass die Menschen nicht verstehen, dass Gott nicht eingegriffen hat – und sie vertrauen ihm, dass er in Zukunft eingreifen wird. Wir sehen hier die vielfältige Auseinandersetzung mit Gott, den wir Menschen nicht verstehen, den verborgenen Gott. Das betrifft sowohl das Volk insgesamt als auch das Individuum, dessen Klage dann im Hiob Buch literarisch verdeutlicht wird.

König David wird – obgleich er massive moralische Vergehen verübte – der ideale König. Und so kommt die wunderbare Zukunft in den Blick, in der Gott einen Nachkommen Davids auf den Thron heben wird, der anders als viele Herrscher Recht und Gerechtigkeit bringen wird.

Diese Zukunftsvorstellungen sind nicht einheitlich, wie auch manche dieser Sichtweisen von Geschichte nicht einheitlich sind. Es handelt sich um Interpretationen der jeweiligen Gegenwart mit Blick auf die Zukunft. Die gegenwärtige Geschichtsinterpretation soll die Zukunft prägen. Geschichte ist nicht ein einerlei ablaufendes Etwas, ein Etwas, das sich immer in Not und Leid wiederholt, sondern sie ist zielgerichtet – ausgerichtet auf Gottes gutes Ziel, das er mit dem Volk (und manche schauen auf die Menschheit insgesamt) hat.

Dieses jüdische Geschichtsdenken unterscheidet sich von einem rein geistig gedachten Handeln einer Gottheit. Dieser Glauben gibt der Geschichte einen Sinn.

2.

In dieser Tradition lebte die frühe jüdische Gemeinde. Sie erkannte in Jesus Christus den Sohn Davids, der ewig auf dem Thron sitzen wird – aber in modifizierter Weise, als es alttestamentlich erwartet wurde – modifiziert im Sinne Jesu. (Siehe im Blog: Jesaja 7.)

In neutestamentlicher Zeit hat diese Sicht eine Modifizierung erfahren. Die Menschheit – nicht mehr allein Israel – geht auf eine Zukunft in Gerechtigkeit zu, in der Unrecht gerichtet und Gottes Liebe sich durchsetzen wird. Bis es aber soweit ist, sollen die Glaubenden sich von Gottes Geist leiten lassen und schon auf diese gute Herrschaft Gottes hinarbeiten – und zwar weltweit. Das bedeutet: Menschen machen Geschichte. Unbedeutende Menschen, indem sie sich gegenüber den Mitmenschen im Sinne Gottes verhalten. Eine Mitmachgeschichte: Der Mensch, der Jesus Christus folgt, soll sich so verhalten, wie es dem Glauben an Jesus Christus entspricht. Unbeachtete Menschen rückten ins Zentrum: Man gab Hungernden, nahm ausgesetzte Kinder auf, man gründete Tafeln, half Witwen und Waisen, gründete dann später (2/3 Jahrhundert) Krankenhäuser… (Dass es in dieser Geschichte auch viele Scharlatane gab, ist klar. Darum wurde im 2. Jh. auch die kirchliche Hierarchie entwickelt, um die Scharlatane zu isolieren. Ebenso wurde in der Zeit die Grundlage für den neutestamentlichen Kanon [Sammlung von Schriften] gelegt, um zu zeigen, welcher Maßstab für Christen gilt.)

Die alttestamentlich dominante Sicht ist also rückblickend erschlossen worden: Das Volk erkennt: Gott hat uns geleitet, durch Höhen und Tiefen. Er hat Vertragsbruch geahndet, er hat Vertragserfüllung belohnt. Diese Sicht war dann später für die jeweilige Zeit Mahnung – handle nach Gottes Willen – und Trost – Gott ist der Herr auch dieser negativen Zeit, in der wir leben. In der neutestamentlichen Apokalypse des Johannes wird diese Sicht (unter Aufnahme zwischentestamentlicher jüdischer Literatur) dann auf die ganze Welt weiter ausgedehnt und modifiziert: Die christliche Gemeinde soll sich im Sinne Gottes standhaft verhalten – und sie wird von den Heiden massiv angegriffen und verfolgt (Verfolgung in der Zeit Domitians – ca. 95 n.Chr.) – aber Gott wird diesem Unrecht ein Ende bereiten. Der Apokalyptiker Johannes hat das mit Blick auf Naherwartung ausgesprochen: Gott wird bald alle Tränen abwischen. Auch Jesus war wie sein Lehrer Johannes von der Naherwartung überzeugt: Bis Gott kommen wird, sollen die Nachfolgerinnen und Nachfolger sich schon so verhalten, wie Jesus es vorgelebt und gefordert hat. (Naherwartung – man wundert sich, dass die frühe Gemeinde diese Texte beibehalten hat, obgleich sie doch den Erfahrungen widersprochen haben. Die Evangelien usw.  sind geprägt von der Erfahrung der Auferstehung Jesu Christi. Von daher waren solche Aussagen irrelevant. Es gab dann freilich viele Erklärungsversuche – aber die Auferstehungserfahrung strahlt so hell, dass auch diese überstrahlt werden.)

In den gesammelten Schriften des NT sehen wir zum Beispiel im Lukasevangelium, dass die alttestamentliche Sicht, die in den Kindheitsgeschichten ausgesprochen wird, christlich modifiziert wird: Jesus ist der Messias, aber er wird nicht die Römer aus dem Land werfen, sondern er hat als Sohn Gottes ein anderes Konzept: Er regiert, er leitet die Seinen durch seinen Geist. Der nationale Glaube wird Internationalisiert. Es kommt  nicht mehr darauf an, dass allein das Volk Gottes zu Gott zurückfindet – die ganze Menschheit hat Anspruch darauf, die frohe Botschaft (das Evangelium) zu hören. Die Kinder Gottes müssen unter Verfolgungen, Spott usw. leiden – aber das wird sie nicht klein kriegen, sie werden durchhalten… Leiden bedeutet nun nicht mehr, dass man von Gott bestraft wird, dass Gott einen allein gelassen hat. Verfolgungsleiden ist gerade ein Zeichen dafür, dass man zu Gott gehört. Widergöttliche Menschen sind es, die den Glaubenden leiden zufügen. Hiermit werden auch alttestamentliche Ansätze aufgegriffen, die vom leidenden Gerechten sprechen: Man erträgt das Leiden, das Menschen Gott zufügen wollen.

Kurz gesagt: Alttestamentliche Erwartungen wurden durch das Jesus-Ereignis neu gedeutet, modifiziert aufgenommen. So wurde (nicht nur) für Lukas Jesus Christus das Zentrum der Geschichte.

Deutlich ist, dass wir hier gedeutete Geschichte haben, eine Geschichte, die aus Glauben gedeutet wird. Es werden schlechte Zeiten eingeordnet – es werden gute Zeiten eingeordnet. Nun haben freilich auch damals nicht alle diese Sichtweise übernommen, es hat sich Heidnisches gehalten – aber diese Sicht hat sich dann doch weitgehend durchgesetzt.

3.

Die Konstante, die die Bibel durch die 500-1000 Jahre durchzieht: Gott ist der Herr der Geschichte. Wie er der Herr der Geschichte war, so wird er es auch sein. Doch er ist kein Herr der Geschichte, der alles minutiös geplant hat und der Mensch nun seine Marionette ist. Gott ist Herr der Geschichte, der sie lenkt und weiterführt – aber sie ist auch Beziehungsgeschichte, das heißt, er lässt den Menschen Freiheit. Und nur weil der Mensch frei ist, kann er verantwortungsvoll handeln, nur weil er frei ist, kann Gott ihm Gebote geben, an denen er sich ausrichten soll. Weil der Mensch frei ist, kann er auch gegen Gott handeln, gottloses Handeln (auch derer, die sich Gott zuordnen) bringt allen Menschen Not und Unglück. Wenn also keiner da ist, der in Gottes Sinn handelt, dann geht es in der Welt sehr schlimm zu, bis sich Menschen wieder motivieren lassen, im Sinne Gottes zu handeln und das Übel zu bekämpfen.

4.

Es gibt zwei Extreme – bis in die Gegenwart: Gott lenkt alles. Und weil er alles lenkt, ist er für alles zuständig, auch für alles Leiden. Das andere Extrem: Gott lenkt nichts, der Mensch macht alles. Zwischen diesen beiden Extremen finden wir unterschiedliche Interpretationen. Aber: Glaubende wissen sich in all diesen Möglichkeiten bei Gott geborgen, weil er der Herr der Geschichte ist, wie auch immer. Und wenn sie ihn nicht wahrnehmen – dann begegnen wir den unterschiedlichen Erklärungsversuchen, die wir in der Theodizeefrage schon angesprochen haben. Diese Frage nach Gottes Handeln in der Geschichte bricht dann besonders intensiv auf – und das nicht erst in der Neuzeit, sondern schon in alttestamentlicher Zeit durch die gesamte Geschichte hindurch – wenn Menschen besonders brutal mit anderen Menschen umgehen. Parallel dazu: Diese Frage begegnet besonders intensiv, wenn es dem Individuum besonders schlecht geht. Katastrophen in der Menschheitsgeschichte wie in der Individualgeschichte lassen diese Frage nach Gottes Handeln gleichermaßen aufkommen. Geschichtsbedingte Theodizee und die Theodizee des Individuums führen dazu, dass die jeweilige Zeit wie die jeweiligen Individuen nach Antworten suchen. Einmal aus der Beziehung zu Gott heraus – oder eben auch nicht. Man kommt zu allen Zeiten zu unterschiedlichen Antworten: Während man nach 1945 in Deutschland meinte, man könne nach Auschwitz nicht mehr von Gott reden, meinte die Theodizee der Befreiung aus der Perspektive des Leidens in Südamerika heraus: Im Gegenteil: In Auschwitz muss man von Gott reden. Eben auch Bonhoeffer: Gerade in einer Welt, in der man sich von Gott verlassen fühlt (eine gott-lose Welt), muss man als Glaubender Gott lebend verkünden, weil Gott selbst in eine gott-lose Welt gekommen ist.

5.

Geschichte ist immer interpretierte Geschichte. Fakten sind meistens deutlicher vor Augen. Aber wie sind die Fakten einzuordnen? Das wird in der Geschichtswissenschaft vielfach diskutiert.

In der Gegenwart gibt es freilich auch die Sicht, dass es keinen Gott gibt. Das bedeutet: Geschichte hat keine Konstante. A) Entweder: es ändert sich nichts, es läuft immer alles irgendwie gleich ab; freilich gibt es technische usw. Änderungen – aber der Mensch bleibt immer derselbe. B) Oder: Wir Menschen bekommen schon die wunderbare Welt hin, es wird immer besser, technische, medizinische usw. Fortschritte werden immer toller, ethisch wird der Mensch gehoben – vor allem unter Ausschaltung von Störungen, die die Religionen und andere Übeltäter verursachen; oder: Man manipuliert ihn – je nach Möglichkeiten und Macht der jeweiligen Gruppen, die ihre heile Welt vor Augen haben. C) Viele Variationen zwischen A und B.

Aus christlicher Perspektive ist zu sehen: Es wird immer besser – die (wahre) Gemeinde wird sich ausbreiten, ihre Sichtweise von einer guten Welt wird auch andere anstecken. Pessimismus ist nicht angesagt. Aber: Der Mensch wird es alleine nicht hinbekommen. Er wird immer wieder in seine aggressiven Muster zurückfallen. Erst Gott wird die Menschheit zu dem führen, wonach sie sich sehnt. Dazu gehört auch die Überwindung des Todes.

Punkt B) zeigt übrigens auch, wie wirkmächtig unter anderem die biblische Sicht geworden ist, dass Geschichte auf eine gute Zukunft hinlaufen wird. Den säkularen Fortschrittsoptimismus gab es schon häufig. So zum Beispiel vor dem ersten Weltkrieg – bis dann diese Sicht zusammenbrach. Den gab es mit Blick auf die Aufklärung, den Kommunismus, den Nationalsozialismus, dann mit Blick auf die Wissenschaft: Atombombe… – wir vergessen nur so schnell und denken immer: Mit uns fängt alles neu an, endlich kommt die neue Welt. Das ist auch wichtig, weil Menschen diesen Optimismus benötigen, um weiterzukommen. Bis sie dann wieder in die Barbarei zurückfallen – und sich wieder zu neuem Optimismus aufrappeln.

6.

Aber: Sieht man an der oben genannten Darstellung nicht, dass Gott keine Rolle spielt, sondern nur menschliche Interpretation? Gott spielt in der Interpretation durch die Menschen eine Rolle. Gott verhilft der Menschheit in dem Rahmen, wie sie es jeweils auffassen kann, zum Verständnis von Geschichte. Von daher wird auch die Interpretation immer weiter gehen. Die (begrenzte) Vielfalt der Bibel lehrt uns, dass wir alles Starre, Verkrampfte abwerfen können und uns auf das einlassen können, was Gott uns jeweils zu unserer Zeit – unter Berücksichtigung der Vergangenheit und besonders der Worte der Bibel – zeigt: Christen können in Zeiten des Optimismus vor Fehlentwicklungen warnen – und sie können in schlechten Zeiten dem Pessimismus dadurch begegnen, dass man auf Gott vertrauend Mitmenschen hilft. Wie wir es aus der Bibel durch den Geist Gottes gelernt haben und lernen.

Das alles kann man freilich nur sagen, wenn man von der Größe „Gott“ ausgeht. Wenn man nicht von ihr ausgeht, dann ist alles in menschlicher kultureller Evolution eingebettet.

7.

Wovor Christen sich aber scheuen sollten, ihre jeweilige Zeit als Zeit Gottes einzuordnen. Viele lassen sich einfach von Euphorien des jeweiligen Volkes und der Gruppen anstecken, sodass manches als Zeit Gottes interpretiert wird, das in den Untergang führt – schlicht und ergreifend, weil auch Christen verblendet sein können. Nicht zuletzt die Zeit unter dem Nationalsozialismus hat das gelehrt.

Und wie interpretieren wir unsere Geschichte heute? Ich tue es so: Wir sind dankbar, dass es vielen von uns in Mitteleuropa so gut geht – auch aufgrund dieser unserer christlichen Tradition. Aber: Dankbarkeit ist Arbeit für die Menschen, denen es nicht gut geht. Weltweit. Christen gestalten Geschichte eben durch diese soziale Arbeit. Bis die Geschichte durch Gott beendet werden wird.

8.

Dieses ist nur ein ganz grober Überblick – jeder dieser Punkte könnte massiv vertieft werden. Noch etwas: Ich habe hiermit meine Sicht dargestellt. Ich weiß nicht, wie Theologen, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen, diese Frage beantwortet hätten. Aufgrund mangelnder Zeit konnte ich dazu nichts lesen.

9.

Gott und Geschichte (2) wird in ein paar Tagen folgen.

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6 Antworten auf „Gott und Geschichte (1)“

  1. Exodus: Natürlich, wenn ich die biblische Sicht darstelle, dann stelle ich die biblische Sicht dar.

    Das ist eine ziemlich unredliche „Interpretation“, wenn Sie Ihren Thread so beginnen:
    „Der jüdisch-christliche Glaube ist sehr stark mit Geschichte verknüpft.

    Der Auslöser dieses Glaubens, dass Gott in die Geschichte eingreift, war die Erfahrung von Israeliten, dass Gott sie aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat.“
    Ein Märchen kann keine „Erfahrung“ sein!

    Das Problem der Theologen liegt wohl darin, dass sie die vielen Märchen der Bibel als Tatsachen behaupten müssen, weil sie sonst zugeben müssen, das spraktisch alles, was sie sonst noch aus der Bibel ableiten wollen, auf äußerst wackligen Beinen stehte, da der Gläubige sich zu recht fragen müsste: „Ist das jetzt auch wieder ein Märchen oder kann ich das für bare Münze nehmen?“
    Und da die Theologen es gewohnt, ihren Schäfchen die Denkarbeit abzunehmen, lassen sie sich auf eine solche Diskussion gar nicht erst ein, wohl wissend, dass sie die nur verlieren können, wie Sie es hier auch so herrlich demonstrieren. 🙂

    Kurz: Meine Lösung der TheodoizeeFrage: Sie ist eine der Gottesbeziehung. In seinem Leiden kann man dazu gezwungen werden, sein Gottesbild zu revidieren.

    Ihr „Argument“ fällt allein dadurch zusamen, dass ein toter Mensch, der beisielsweise durch ein Erdbeben plötzlich und unerwartet umkommt, zu nichts mehr „gezwungen werden“ kann! Ihre „Lösung“ ist also nicht einmal mehr eine Scheinlösung. 🙂

    Denn Menschen „haben“ Gott nicht. Sie lernen und wachsen auf Gott zu.

    Wortgeklingel

    Ich sehe es alles flexibel.

    Man kann auch sagen: „beliebig“. Das trifft es besser.

    Aber das Thema Leiden mit Blick auf das jeweilige leidende Individuum dürfte nicht aufgehört haben. Es sei denn: Fatalismus bemächtigt sich einem.

    Der Blick auf das Leiden sollte zu der Frage anregen, wie man Leiden vermindern kann und nicht zu der unnützen Frage der Theologen, welchen „Sinn“ das Leiden haben könnte. Sobald man aber anfängt, Leiden mit dem jeweiligen Gott zu verknüpfen, beginnt der Fatalismus, denn dann wird das Leiden zu einem Teil des „göttlichen Plans“, den die Sterblichen zwar nicht begreifen, aber gegen den sich aufzulehnen, eine „Sünde“ wäre.

    1. Ich weiß nicht: In all dem, was Sie hier von sich geben, kann ich meine Aussagen unserer Diskussion nicht wiederfinden. Dass es darauf ankommt zu handeln – das sollten Christen spätestens seit Jesus Christus wissen, zudem frage ich mich, was soll der Hinweis auf den Toten mit Blick auf die Theodizee? Das Wortgeklingel kenne ich schon von Ihnen, steht in fast jedem (sorry, ich übertreibe) Text – und zwar steht es immer dann dort, wenn es um genuin christliche Fragen geht – auf die Sie nicht reagieren können, weil Sie die Erfahrung vermutlich nicht kennen. Das einfach so stehen lassen, dass andere Erfahrungen machen, die Sie nicht machen – warum auch immer – wäre doch klasse.

  2. Zum Thema Exodus schrieb ich oben:
    Wie auch immer historische Forschung das alles einordnet und herausarbeitet…

    Wobei Sie aber den Exodus im Absatz davor unbestreitbar als historische tatsache hingestellt haben. Sonst ergäben nämlich Sätze wie:
    „Diese Erfahrung, dass Gott der Befreier aus langer Notsituation ist, ist für weiteres Geschichtsdenken relevant.“
    absolut keinen Sinn.

    Dass Sie alles, was zum Thema Gott, der für Sie ja nicht existiert, als „Wortgeklingel“ ansehen müssen, ist jedem klar. </blockquote
    Nicht unbedingt, aber doch immer dann, wenn Sie rein spekulative Ansichten als Gewissheiten formulieren, oder Behauptungen über Ihren Gott aufstellen, die von dem So-Sein der Welt eindeutig widerlegt werden.

    Es geht um die Frage der Gottesbilder. Sie werden durch die Theodizee-Frage korrigiert. Es geht nicht um Gott.

    Letzten Endes doch, denn das Theodizee-Problem lässt sich innerhalb eines theistischen Weltbildes nicht lösen. Die Epikur zugeschriebene Formulierung des Problems zeigt das in aller Klarheit.
    Glaubt man dagegen nicht an einen allgütigen, allmächtigen und allwissenden Gott, dann existiert auch das Theodizee-Problem nicht mehr. Ich denke, darüber hatten wir schon Konsens erzielt, oder?

    1. Exodus: Natürlich, wenn ich die biblische Sicht darstelle, dann stelle ich die biblische Sicht dar.
      Kurz: Meine Lösung der TheodoizeeFrage: Sie ist eine der Gottesbeziehung. In seinem Leiden kann man dazu gezwungen werden, sein Gottesbild zu revidieren. Denn Menschen „haben“ Gott nicht. Sie lernen und wachsen auf Gott zu. Menschen können auch von Gott abkommen. Ich sehe es alles flexibel. Wenn man nicht an Gott glaubt… – dann gibt es natürlich keine TheodizeeFrage mehr, warum sollte es sie auch geben, weil sie nach Gottes Gerechtigkeit (Theos) fragt. Aber das Thema Leiden mit Blick auf das jeweilige leidende Individuum dürfte nicht aufgehört haben. Es sei denn: Fatalismus bemächtigt sich einem.

  3. Der Auslöser dieses Glaubens, dass Gott in die Geschichte eingreift, war die Erfahrung von Israeliten, dass Gott sie aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat.

    Ich fürchte, Sie stellen Ihre Glaubwürdigkeit auf eine harte Belastungsprobe, wenn Sie so tun, als hätte es den von der Bibel beschriebenen Exodus tatsächlich gegeben.

    Einmal abgesehen von der logistischen Unmöglichkeit, gibt es nicht die Spur eine Hinweises darauf, dass ein ganzes Volk nach dem Exodus 40 Jahre lang auf dem Sinai hin- und hergezogen ist. Aber wenn 2 Millionen(!) oder mehr Menschen sich über einen so langen Zeitraum in einem relativ eng begrenzten Gebiet bewegen, MÜSSTEN solche Spuren vorhanden sein!

    Die Bibel spricht von über 600.000 Männern im wehrfähigen Alter, mit Frauen, Kindern und Greisen kämen somit also mehr als 2, vielleicht sogar 3 Millionen Menschen zusammen. Wenn ich mich recht entsinne, ist auch davon die Rede, dass der Tross maximal in 5er Reihen marschiert sei, weil die Breite der Wege nichts anderes zuließ. Bei 2 Millionen Menschen macht das 400.000 Reihen. Rechnet man, dass die eng hintereinander herzogen (also ohne Berücksichtigung von Karren und Vieh), vielleicht mit einem Reihenabstand von 60 cm (das ist schon sehr eng!), dann ergibt sich eine Zuglänge von 240 km!
    Allein diese Rechnung zeigt schon die Unmöglichkeit eines solchen Zuges!
    Hinzu kommt die Frage, wie man eine solche Menge von Menschen, die ständig umherzog, mit Wasser, Nahrung und sonstigem Lebensnotwendigen hätte versorgen wollen?
    Der Exodus ist eine reine Legende. Kein Wort davon ist wahr!

    Ihre weiteren Ausführungen sind ein einziger Eiertanz, der neben zahlreichen ad hoc-Behauptungen viele weit hergeholte Interpretationen und mal so, mal so-„Überlegungen“ enthält.

    Woher haben Sie eigentlich Ihre „schlauen“ Aussagen zu den Eigenschaften Ihres Gottes? Einmal ist er „Herr der Geschichte“, weil er in das Weltgeschehen ständig eingreift, dann wieder doch nicht, weil das ja die menschliche Freiheit zu sehr einschränken würde. Einmal hat Ihr Gott lediglich die Israeliten zu „seinem“ Volk erklärt, im nächsten Augeblick ist es dann doch die ganze Menschheit, ob sie nun will oder nicht.

    Äußerst problematisch finde ich eine solche Formulierung:

    Während man nach 1945 in Deutschland meinte, man könne nach Auschwitz nicht mehr von Gott reden, meinte die Theodizee der Befreiung aus der Perspektive des Leidens in Südamerika heraus: Im Gegenteil: In Auschwitz muss man von Gott reden. Eben auch Bonhoeffer: Gerade in einer Welt, in der man sich von Gott verlassen fühlt (eine gott-lose Welt), muss man als Glaubender Gott lebend verkünden, weil Gott selbst in eine gott-lose Welt gekommen ist.

    Die Erklärung für diesen Generalangriff auf die Logik gibt Christian Morgenstern:
    „Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.“

    Hinzu kommt eine schlampige Recherche: Nicht (nur) in Deutschland, sondern überwiegend unter den Juden wurde die Frage gestellt, wo „Gott“ denn war, als 6 Millionen von ihnen in den Gaskammern brutal ermordet wurden:

    Wo war Gott, als sechs Millionen Juden vernichtet wurden? Eine Frage, die die jüdische Theologie seit Jahrzehnten beschäftigt. Den Auftakt machte 1966 der US-amerikanische Rabbiner Richard Rubenstein. Mit seinem Buch „Nach Auschwitz“ rüttelte er die religiöse Fachwelt auf.

    „Im Grunde lässt sich seine Position in drei Worten zusammenfassen: Gott ist tot.“

    „Erstens: Gott kann es unmöglich erlaubt haben, dass der Holocaust geschehen ist. Zweitens: Der Holocaust ist aber geschehen. Und deshalb, drittens, existiert Gott – so wie es in der jüdischen Tradition gedacht ist – nicht.“

    Mehr noch als beim Lesen Ihrer anderen Texte, drängt sich bei mit unweigerlich der Gedanke an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ auf:
    Auch Ihre Theologie ist nackt. Ein Dokument der Beliebigkeit und der Hilflosigkeit.

    Merke: Wer nichts zu sagen hat, verbirgt diese Tatsache hinter möglichst viel Wortgeklingel.

    1. Zum Thema Exodus schrieb ich oben:
      Wie auch immer historische Forschung das alles einordnet und herausarbeitet…

      Wie ich – vermutlich am Samstag – noch ausführen werde, frage ich mich manchmal, ob die Archäologie bzw. die gegenwärtige Interpretation der Texte eher apologetisch sind.
      Was die Frage nach Gott angesichts von Auschwitz geht: (a) sorry: ich meinte „Theologie der Befreiung“ (nicht „Theodizee“ der Befreiung), (b) es ging nur um das eine Beispiel, dass Christen es unterschiedlich interpretieren, nicht um eine vollständige Darlegung des Themas. (c) zu dem Thema Geschichte – Gottesbild – Gewalt wird der genannte Abschnitt am Samstag mehr sagen.

      Wer nichts zu sagen hat kann aber auch sein Nichtssagen hinter dem Wort „Wortgeklingel“ verbergen. Ich denke, Sie haben viel zu sagen – aber diese ständigen Wiederholungen des albernen Begriffs lässt fragen: Was soll das in einer Diskussion? „Psychologische“ Taktik? Dass Sie alles, was zum Thema Gott, der für Sie ja nicht existiert, als „Wortgeklingel“ ansehen müssen, ist jedem klar. Würde ich auch tun, wenn Gott nicht existent wäre. Darum muss es doch nicht ständig wiederholt werden.

      Was Sie da ansprechen – wenn Gott tot ist, hat er schon gelebt – und wenn er gelebt hat, kann er nicht tot sein. Denn dann wäre er nicht Gott. Zudem: Das ist es ja, was die Frage der Theodizee ausmacht und was ich ständig zu sagen versuche: Es geht um die Frage der Gottesbilder. Sie werden durch die Theodizee-Frage korrigiert. Es geht nicht um Gott.

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