Islamischer Religionsunterricht + Erdogans Vorstoß

Da ist man bestrebt, den Islam zu entnationalisieren – und dann das: https://www.welt.de/politik/deutschland/article201888152/Moscheen-fuer-Tuerkei-Allah-fuehre-unsere-Armee-zum-Sieg.html

Mag nun ein kurdischer Muslim eigentlich noch bei einem türkischen Muslim unterrichtet werden?

*

Was mich daran stört, dass jetzt alle gegen den Einmarsch der Türkei sind, ist: Warum haben sie Erdogan erst so lange gewähren lassen. Und erst, nachdem er dann einmarschiert ist und Tod und Chaos verbreitet, gibt es Kritik aus den anderen Ländern. Erdogan musste sich unterstützt fühlen: https://www.welt.de/politik/ausland/article201849258/Syrien-Assad-schickt-Truppen-Asselborn-warnt-vor-Nato-Buendnisfall.html

Und nun wird sogar noch der Nato-Bündnisfall befürchtet. Wegen eines Kriegswütigen soll also die Nato in den krieg gezogen werden? Das kann und darf doch nicht wahr sein.

Christen scheinen sich darüber zu freuen, dass die Armee Assads nun das Gebiet der YPG übernimmt, da die kurdischen Extremisten nicht besonders christenfreundlich zu sein scheinen. Soweit zumindest meine Erstinformationen.

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Johann Valentin Andreae: Begrabene Wahrheit

Hier liegt
die Wahrheit
eine Tochter Gottes
durch Tücke des Aberglaubens
Gift der Verführung und Entkräftung der Sinnlichkeit
Despotismus der Fürsten
Trägheit der Priester und Verschmitztheit der Staatsmänner
Leichtsinn der Geschichtsschreiber Pedanterie der Literatoren und Dummheit des Volks
ermordet
und hier im Unrathe der Lügen begraben.
Nach hundert Jahren sieht mich die Sonne wieder
Gegrüsset seist du mir Nachwelt!

Johann Valentin Andreae: Dichtungen zur Beherzigung unsers Zeitalters. mit einer Vorrede von J.G. Herder, Öeipzig 1786

In seinem Text „Die Schreibtafeln“ begegnet auch die Formulierung, die Lust machen, sich intensiver mit diesem Menschen zu beschäftigen:

„Ward dann allmählich jeder Gedanke an Religion und Würde der Menschheit aus ihrer Seele getilgt, war jetzt ihr Leben ein Chaos von Laster und Unglück“

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Christliche Hymnen, Lieder, Gedichte (12)

Es ist nicht möglich die Explosion der geistlichen Lieder auch nur annähernd wiederzugeben, die mit der Reformation erkennbar wird. Von daher seien erst einmal ein paar derer genannt, die aus katholischer Tradition weiter gemacht haben, dann in einem weiteren Schritt sei der eine oder andere aus der evangelischen Tradition genannt. Natürlich Luther, denn er hat die protestantische Sangesfreude massiv geprägt. Wie in den vorangegangenen Abschnitten sollen keine Psalmen-Übertragungen, keine Marienlieder, Heiligenlieder und auch keine lyrischen Bibelübertragungen im Zentrum stehen, Ausnahmen bleiben.

In dem Gesangbuch der Evangelischen Kirche in den Fürstentümern Waldeck und Pyrmont von 1878 sind Lieder von 191 Autoren aus dem 16.-19. Jahrhundert genannt. Es ist deutlich, dass angesichts dieser Fülle nur ein paar Schneisen geschlagen werden können. Ich habe mir gedacht, dass ich nur auf Texte hinweise, die nicht im Evangelischen Gesangbuch der EKHN von 1993 vorkommen. Ob das machbar ist, wird sich zeigen, denn gerade die Lieder von Luther (Ein feste Burg ist unser Gott; Vom Himmel hoch da komm ich her) die Lieder aus dem 17. Jahrhundert von Paul Gerhard (z.B. Befiehl du deine Wege, Geh aus mein Herz und suche Freud) geht es kaum: oder ohne die, die besonders einflussreich geworden sind, ohne den Hymnus der Deutschen, das Lied von Matthias Claudius: Der Mond ist aufgegangen (18. Jh) oder Tersteegen (18. Jh.; Ich bete an die Macht der Liebe) oder Zinzendorf (18. Jh; z.B. Jesu, geh voran) – ich bin selbst gespannt.

Martin Luther (1483-1546)

war sehr fleißig darin, Lieder zu komponieren, alte Lieder umzutexten, Psalmen neu zu formulieren. Damit hat er eine Brückenfunktion zwischen Vergangenheit und seiner Gegenwart bis hin zu uns eingenommen. Er erkannte, dass mit den Liedern das Anliegen der Reformation den Menschen nahe gebracht werden kann, sie sind Glaubensbekenntnis. Zudem wird mit der Neudichtung z.B. der alttestamentlichen Psalmen den Menschen die Bibel – in lyrischen Kommentaren – nahe gebracht. Wir hatten schon das Gedicht: Mitten wir im Leben sind ( https://blog.wolfgangfenske.de/2019/10/08/christliche-hymnen-lieder-gedichte-8/ ) – das hat er dann zu einem Bußgebet (EG 518) umformuliert. In Aufnahme von Psalm 129/130 textete er eindrücklich: „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ (EG 299). So wird die eigene Schuld benannt – aber dann vor allem die Gnade Gottes besungen, womit ein wesentliches Anliegen lutherischer Reformation wiedergegeben wird. Jesaja 6 wird von ihm in einem Gedicht wiedergegeben (Jesaja dem Propheten das geschah). Auch das Lied: Ein feste Burg ist unser Gott ist im Grunde eine Meditation und Übertragung zu Psalm 46 in die eigene Zeit. Auf ein Lied sei besonders hingewiesen – eines, das für Luther aus meiner Sicht überraschend ist: „Ein Lied von der heiligen christlichen Kirchen„. In diesem besingt er eigentlich Maria, wie sie in der Apokalypse des Johannes geschildert wird: „Sie ist mir lieb, die werde magd“ – sie trägt eine Krone mit zwölf Sternen, hält das Jesuskind, rettet es vor dem bösartigen Drachen. Es ist ein Marienlied – aber durch die Überschrift weist es darauf hin, dass die Kirche die Magd ist, in der Jesus Schutz vor dem bösen Widersacher gefunden hat. https://de.wikipedia.org/wiki/Sie_ist_mir_lieb,_die_werte_Magd

Michael Weisse (1488-1534)

ist Autor zahlreicher Lieder im Gesangbuch https://www.liederdatenbank.de/artist/9002 . 1531 hat er ein Gesangbuch herausgegeben. Aus diesem möchte ich das eine oder andere nennen (Löffler/Willer: Geistliche Lyrik – von mir sprachlich verändert). In der Einleitung heißt es: „Lobt Gott in deutschen Zungen / Preiset ihn ihr Alten und Jungen“ – an ihn gilt es zu glauben – ihn gilt es allein zu bekennen – aber ohne Heuchelei. Die Jugend ist in dieser Hinsicht zu erziehen, damit sie Frucht bringe. Am Ende schreibt er: „Gott allein zu Lob und Ehr / uns seinen Auserwählten zur Lehr / Ist dies Büchlein wohl bedacht / Aufgrund der Schrift zusammen bracht“.

Johannes Zwick (1496-1542)

Bekannt ist sein Lied: All Morgen ist ganz frisch und neu. Er hat es vielleicht kurz vor seinem Lebensende geschrieben. Es ist eines seiner zahlreichen Lieder, die er als Reformator in Konstanz gedichtet hat. Als aber Konstanz rekatholisiert wurde, gerieten auch viele seiner Lieder in Vergessenheit. Die Gemeinde, die sie sang, war nicht mehr da, konnte somit auch nicht mehr für Bekanntheit sorgen. Sie wurden später wiederentdeckt. Sein Himmelfahrtslied (Auf diesen Tag bedenken wir; Gesangbuch Waldeck/Pyrmont 1878, 80): „Gottlob, nun ist der Weg gemacht, uns steht der Himmel offen! Christus schließt auf mit großer Pracht, vorhin konnts Niemand hoffen. Wer´s glaubt, des Herz ist freudenvoll, dabei er sich doch rüsten soll, dem Herren nachzufolgen. Halleluja! Halleluja.“ Freudenreich wird der Tag erst dann, „wenn Gott uns zu sich nehmen und seinen Sohn wird machen gleich„. Das Neujahrslied (Nun wolle Gott, dass unser Sang / mit Lust und Freud aus Glauben gang„) bittet Gott darum, alle möglichen Stände zu leiten, auch die Obrigkeit. Gegen die 11. Strophe hätte Thomas Müntzer (1489-1525) wohl manches einzuwenden: „Es geb euch Armen Gott der Herr / das täglich Brot und was noch mehr / an Leib und Seel vonnöten ist, / voraus Geduld durch Jesum Christ“ ( http://www.christliche-gedichte.de/?pg=10942 ). Thomas Müntzer habe ich darum erwähnt, weil er aus tiefem Glauben heraus das Handeln für die Armen betonte, nicht die Geduld.

Sebastian Franck (1499-1542)

Er kann mit allen religiösen Parteien nichts anfangen und in seinem Gedicht „Von vier zwiträchtigen Kirchen, deren jede die ander verhasset unnd verdammet“ begründet er, warum er von all den Reformen nichts hält: „Wer nun in Gottes Reich will gohn, / der flieh davon, / nach Christo soll er trachten.“ Er hatte ein aufgrund seines Widerstandes gegen alle ein ziemlich bewegtes Leben. Und so schließt er seinen Text: „Er bleib in Demut und Geduld, / such Christi Huld, / lass sich die Welt verachten. / Ob ihm schon feind / all Menschen seind, / die Welt ihm gram / um Christi Nam´, sein Kron wird nicht verschmachten.“ Es sei angemerkt, dass Franck in vielem die Aufklärung mit vorbereitet hat. Mit Müntzer hat er gemeinsam, dass mit dem Glauben sozialer Einsatz zu verbinden ist. Das haben sie übrigens auch mit manchen Mystikerinnen/Beginen gemeinsam.

Nikolaus Selnecker (1530-1592)

war ein in seiner Zeit wichtiger Mann mit einer – wie es damals nicht selten war – sehr vielfältigen Biographie. Er hat viel geschrieben und auch Lieder gedichtet. Von ihm finden wir Lieder im Gesangbuch. Hier soll eines wiedergegeben werden, das nicht im Gesangbuch steht und die Nöte seines Lebens widerspiegelt:

Ach Gott, wem soll ich klagen / mein Angst und Elend schwer?“ Er hat mit inneren und äußeren Schrecken zu kämpfen, weiß weder aus noch ein. Retten kann allein Jesus Christus: „Zu dir ich komm und weine„. Durch Jesu Kreuzestod wurde dem Dichter die Schuld vergeben. „Ich geh daher in Sprüngen, / der Himmel ist ganz mein, /Mit Freuden tu ich singen: / Gott will mir gnädig sein.“ (https://hymnary.org/text/ach_gott_wem_soll_ich_klagen_mein_angst_ Dazu s. das Volkslied: https://www.volksliederarchiv.de/ach-gott-wem-soll-ich-klagen-2/ ) In dem Lied „Gebetlein, dass Christus wolle unser oberster Regent sein und bleiben“ klingt es erst ganz harmlos: „Ohn dich gilt nichts, Herr Jesu Christ, / ohn dich kein Ruh, kein Fried mehr ist“ – aber dann: „Ach werd auch nu bald selbs der Herr, / dass wir nicht Häupter dörfen mehr. // … Zermalm die Königreich in der Welt: / Herr, es ist Zeit, wenn dirs gefällt.“ (books google hat das Heft von Selnecker ins Netz gestellt: Christliche Psalmen Lieder und Kirchengesenge… Nicolaum Selneccerum)

Johann Valentin Andreae (1586-1654)

ist bekannt geworden vor allem aufgrund seiner Utopie: Christianopolis („Christenburg Das ist: ein schön geistlich Gedicht„) und ist wohl Initiator des Rosenkreuzer-Mythos. Er selbst hatte – auch wegen seiner moralischen Strenge – keinen leichten Stand, lebte eine chaotische Biographie (Pest, 30jähriger Krieg), war wissenschaftlich, sozial und pädagogisch äußerst rege https://www.heiligenlexikon.de/BiographienJ/Johann_Valentin_Andreae.html . Er schrieb unter anderem Satiren (Über den Tod der Wahrheit) – und von den 350 Gelegenheitsgedichten sind mir bislang nur drei bekannt geworden, die aber wohl kaum sein vielfältiges Schaffen widerspiegeln: Ein sehr antijudaistisches Lied (Da Jesus in den Garten ging). Dieses wie auch andere besingen intensiv den Kreuzestod Jesu (O hoch heiliges Kreuze; Ich grüß dich, Jesu, Menschen-Heil). Das bedeutet: Hier ist noch mehr zu erforschen und bekannt zu machen.

Bartholomäus Ringwaldt (1532-1599)

Von ihm gibt es auch das eine oder andere Gesangbuchlied. In einem Gebet bittet er: „O Du getreuer Jesu Christ, / All unser Trost und Leben, / Der Du der rechte Weinstock bist / Und wir sidn Deine Reben„. In der letzten Strophe bittet er darum, dass wir gute Werke tun können, das Amt recht verwalten „Und darin nichts suchen mehr / Als Deines Namens Lob und Ehr / Und unsers Nächsten Frommen„. In seinem Gebet zu Neujahr wird formuliert, was den Menschen damals gefährlich werden konnte: „Bescher uns auch ein fröhlich Zeit / Zu diesem neuen Jahre, / Und deine arme Christenheit / Vor des Feindes Schwert bewahre, / So auch vor Wasser, Pest und Feur, / Vor Hagel und vor Brötung theur, / Vor Mördern und vor Dieben, / Vor schnellem Tod, Sünd, Hass und Neid / Dass wir in Fried und Einigkeit / Einander mögen lieben.“ (Sprachlich leicht verändert.) Sein Sommerlied „Gottlob! es ist vorhanden“ wird wohl Paul Gerhard als Anregung gedient haben für sein Lied: Geh aus mein Herz und suche Freud. Die 19 Strophen beschreiben sehr schön die Sommernatur und enden damit, dass wir auf der Erde frieren, aber nach dem Tod den Sommer Gottes bekommen werden. (Zitiert nach: Hoffmann von Fallersleben: Spenden zur deutschen Litteraturgeschichte, Leipzig 1844)

Martin Kinner von Scherffenstein (1534-1597)

Über diesen Dichter ist nicht viel bekannt. In dem Buch von Fallersleben, das ich genannt habe, wird von ihm ein Trostlied genannt. In diesem beklagt er sich, dass schöne Worte gesprochen werden, aber falsch sind. Menschen werden getrennt – aber Gott ist treu, und der Dichter hält zu Gott. Das Gedicht „Ein anderes“ hat auch einen bekannten Zug, der einen Dichter des 20. Jahrhunderts inspiriert haben mag: „Wir fallen häufig ein und ab, / Wie Blätter von den Bäumen. / … / Und obs wol fällt in Deine Hand, / Und kömmt in´s rechte Vaterland, / Das Du uns hast geschenket…“ Es endet mit der Bitte: „Mein traurig Herz mit Trost aufricht, / Bild mir Dein Wort ein: Weine nicht! / So will ich fröhlich sterben.

*

In der Reformationszeit wurden viele Grenzen durchbrochen. Manche wurden neu aufgerichtet. Es gab manche, die mit kleinen Hämmern an den neuen Mauern gehämmert haben, um sie zu durchbrechen. Es ist ihnen nicht gelungen – in ihrer Zeit ist es nicht gelungen.

Teresa von Avila (1515-1582)

ist eine der ganz bedeutenden Menschen – bis heute. Sie hatte ein Leben in massiver Auseinandersetzung mit ihren Mitschwestern und anderen Glaubenden: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienT/Teresa_von_Avila.htm In einem Gedicht über das Wirken der Liebe Gottes heißt es (Lieder der Heiligen):

Das, was nichtig ist, verbindest / Du dem Sein, das ewig währt; / Weil von eigner Gluth du zündest, / Liebst du, was du werthlos findest, / Oder gibst uns neuen Werth.“ (Lieder der Heiligen) (Um mit eigenen Worten auf Luther zurückzugreifen: Gott liebt uns nicht, weil wir so wertvoll sind, sondern wir sind wertvoll, weil Gott uns liebt. Das wird in dem Gedicht ausgesprochen – allerdings ist das, so Teresa von Avila, nur unter Schmerzen zu erfahren:) „Schönheit! Sonne, die die Kerzen / Aller Schönheit dunkel macht, / Ohne Wunden gibst du Schmerzen, / Tilgest ohne Schmerz im Herzen / Aller ird´schen Liebe Macht.

Es ist an dieser Stelle nicht möglich, das umfangreiche Werk und die Versuche, die Innigkeit der Liebe Gottes, die sie erfahren hat und zur Sprache bringt, wiederzugeben. Ich möchte nur auf eine Nähe zu Paulus hinweisen (Galaterbrief 2,20: ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir…): „Ich lebe wohl, doch außer mir, / Seitdem ich ganz vor Liebe sterbe; / Denn in dem Herrn ruht nun mein Leben, / Der mich zum Eigenthum gewählet. / Weil ich mein Herz ihm hingegeben…„. Allgemeiner bekannt ist https://karmelblumen.wordpress.com/2013/06/30/teresa-von-avila-spirituelle-basis-zitate/ :

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken!
Alles vergeht.
Gott ändert sich nicht.
Geduld
erreicht alles.
Wer sich an Gott hält,
dem fehlt nichts;
Gott allein genügt.

Johannes vom Kreuz (1542-1591)

Im Grunde ist von ihm zu sagen, was auch zu Teresa von Avila gesagt wurde. Sie sind gewissermaßen Glaubenszwillinge (Kenner mögen mir meinen laienhaften Vergleich verzeihen). In dem Gedicht „Entflammt von Liebesqualen“ beschreibt er die Seele, wie sie sich vom Körper entfernt und zu Gott gelangt. Die Seele geht aus ihrem Haus und wird vom Geliebten (Gott) geführt (vgl. Eichendorff: Mondnacht):

O Nacht, so hold wie nimmer
das Morgenrot erscheinet!
O Nacht, die du vereinet
dem Bräutigam die Braut,
die umgewandelt sich in Ihm erschaut!

Es wird Morgen:

Ich lehnt’ an den Geliebten,
mein Antlitz liebestrunken,
und – alles war versunken.
Ich schwand mit allem hin,
die Sorgen ließ ich unter Lilien blüh’n.

Diese Zeilen wurden zitiert nach: http://www.marschler.at/worte-johannes-kreuz.htm – dort gibt es weitere Gedichte von Johannes.

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Leider muss ich jetzt erst einmal das 16.-21. Jahrhunderte aus Zeit-Gründen zurückstellen. Vielleicht kann ich Ende des Jahres diese Darstellung fertigstellen.

Christliche Hymnen (1-11): Zwischenbilanz

Was ich zuvor sagen muss, damit kein schiefes Bild entsteht: Ich bin kein Forscher, weder einer, der die Texte wissenschaftlich erforscht hat, noch die Zeit, in denen die Texte formuliert wurden. Es sind Laienhafte Beobachtungen und Darlegungen.

Das, was Paulus in dem Philipperhymnus beschreibt:

Jesus war bei Gott – Präexistenz,
Jesu Menschwerdung
Jesu Sterben am Kreuz
Jesu Auferstehung
Jesu Herrschaft

das wird in den Hymnen, Gedichten, Liedern usw. später entfaltet. Manche betrachten diese genannte Bewegung des Philipperhymnus, viele andere nehmen einen Aspekt und legen diesen dann intensiv dar. Und alles mit Blick auf die Bedeutung des Heilshandelns für die Menschen. Die Welt wird transformiert, zum Beispiel wird das Leiden in Gottes Licht getaucht und wird leichter zu ertragen. Die christliche Dichtkunst musste sich erst langsam mit Hilfe der heidnischen Dichter entwickeln. Man musste Worte für das ganz Eigene des christlichen Glaubens finden, ihn Sprache werden lassen.

  • Paulus hat diesen Philipper-Hymnus in den Kontext moralischen Handelns gestellt. So wie Jesus sich selbst erniedrigt hat, so sollen auch die Menschen der Gemeinde miteinander umgehen. Moralische Fragestellungen werden in vielen Texten aufgegriffen.
  • In dem Philipper-Hymnus fehlt die Aussage, dass Jesus Christus kommen wird, der apokalyptische Aspekt. Das Kommen Jesu spielt auch in den hier vorgestellten Texten kaum eine Rolle. Es ist der individual-apokalyptische Aspekt vor allem im Mittelalter betont worden: die Hölle im Gegensatz zum Himmel (zum Sein bei Gott).
  • Paulus schreibt im Brief an die Galater 3,1: „euch ist Jesus Christus als der Gekreuzigte vor Augen gemalt worden“. Dieses kommt zum Beispiel in der Jesus-Christus-Mystik eines Bernhard von Clairveaux intensiv zum Ausdruck, während in vielen anderen Texten es den Dichtern wichtig war, die Menschwerdung vor Augen zu malen: Der Säugling Jesus als Sohn der Maria in der Krippe liegen. Das Leiden Jesu als Hilfestellung im eigenen Leiden wird durch die gesamte Zeit deutlich.
  • Die Jesus-Minne-Mystik fügt zu dem Philipper-Hymnus einen Aspekt hinzu: Präexistenz – Menschwerdung – Kreuzestod – Auferstehung – Herrschaft – und dann wieder die Vereinigung Jesu mit der Seele. Was in den Texten nicht ganz so zum Ausdruck kommt ist dann auch die Vereinigung des Körpers mit Jesus Christus, deutlich an den Stigmata des Franz von Assisi. Die Texte, die mir bekannt geworden sind, haben eine andere Intention. Das Ich spielt in diesen Liedern eine Rolle – nicht das Wir, das Individuum als Seele – nicht die Gruppe als Gemeinde, als Kollektiv. Vereinigung im Geist durch den Heiligen Geist gemeinsames ekstatisches Erleben bzw. wie wir schon im NT hören: Einheit mit Christus wird am Beispiel des Leibes verdeutlicht. Ein weiterer Aspekt: Christus und Ich werden in der Eucharistie zusammengeführt.
  • Dieser Aspekt, dass Jesus Christus sozusagen wieder auf die Erde kommt, ist nicht nur in der Minne vorhanden, sondern ist auch die Grundlage der Gedichte: Jesus Christus wird im Wort gegenwärtig.
  • Übergangen werden darf nicht, was auch im Philipper-Hymnus keine Rolle spielt, die Betonung des Heiligen Geistes im Heilshandeln. Das wird immer wieder besungen in vielfältigen Formen.
  • Maria bekommt eine große Bedeutung, die in vielen Liedern ihren Ausdruck findet. Maria ist das Auge, durch das der Betrachter Jesus Christus ansieht, sie selbst rückt immer stärker in den Mittelpunkt als die, in der Gott Mensch wurde. Die Marien-Hymnen habe ich in meinen Darlegungen jedoch ausgelassen. Ebenso all die Gedichte, die Märtyrer und andere Heilige in den Mittelpunkt stellen. Sie sind als Vorbilder für das Verhalten sehr bedeutsam geworden, was hier jedoch nicht genügend gewürdigt werden konnte.
  • Im 13. Jahrhundert wird der Priester in diesem Prozess der Zueignung des Heilshandelns immer stärker betont. Das auch in der Kritik. Denn die Kritik zeigt ja, dass ein gewisses Bild vor Augen liegt, an dem dann die Realität gemessen wird.
  • Was ich eigenartigerweise nicht wahrgenommen habe ist das, was das Magnifikat betont: die politische Dimension des Glaubens.

Ich habe das ganze Thema konzeptionslos begonnen. Während der Arbeit dachte ich, es wäre doch gut gewesen, die politischen Ereignisse kurz voranzustellen, die Aufregungen der Zeit. Im Nachhinein war ich froh, es nicht gemacht zu haben, weil man daran sieht: Die Gedichte haben zwar zeitbedingte Schwerpunkte, aber man sieht doch auch, dass durch alle Zeit-Wirrnisse, allen chaotischen Zuständen der Glaube eine Konstante hat: Jesus Christus.

Schön zu sehen ist auch die Vielfalt des Glaubens. Christlicher Glaube erschöpft sich nicht in einem Zugang – er ist so vielfältig wie der Mensch, weil Gott sich dem jeweiligen Individuum als Individuum zuwendet.

Der Rote Faden, den ich immer wieder eingebracht habe, ist: Grenzen werden durchbrochen. Der Mensch lebt innerhalb seiner Grenzen. Und diese Grenzen werden im Glauben immer wieder gesprengt: Der Tod ist keine Grenze mehr. Der Mensch, der weiß, wie klein und wehrlos er ist, erkennt seine Größe, die nicht darin besteht, alles zu übertrumpfen, sondern darin, Gottes Willen annähernd tun zu können. Das Verhalten kann sich im Sinne Gottes ändern. Schuld beengt nicht mehr, Vergebung befreit. Menschen werden zu einer wahren Gemeinschaft zusammengeführt. Es wird nicht allein die Liebe besungen, die Natur, der Blick geht weiter, über die Schöpfung hinaus zum Schöpfer: die Welt wird zum Gleichnis. Das zeigen schön die Lieder des Ambrosius. Für Christen gibt es keine Grenzen, selbst bösartige Menschen sind es nicht mehr, ebenso wenig das Leiden – auch an Einsamkeit. Denn das Ziel liegt vor Augen: Gott. Darum beherrschen nicht Klagen die Gedichte, letztlich der Jubel.

Grenzen werden durchbrochen – vielfach aber nur verschoben, damit spätere Generationen diese durchbrechen können bzw. weiter schieben.

*

Häufig verwendete Literatur (weitere ist an den jeweiligen Abschnitten angegeben):

  • Klaus Berger/Christiane Nord: Das Neue Testament und frühchristliche Schriften, Insel, Frankfurt/Leipzig 1999
  • Dietrich Bode: Deutsche Gedichte. Eine Anthologie, Reclam, Stuttgart 2008
  • Felix Braun: Der tausendjährige Rosenstrauch. Deutsche Gedichte, Paul Zsolnay, Wien 1973
  • Horst Brunner: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit im Überblick, Reclam, Stuttgart 2019
  • Das Hymnarium. Der Hymnenschatz der lateinischen Kirche http://hymnarium.de/
  • Johann Kayser:  „Beiträge zur Geschichte und Erklärung der ältesten Kirchenhymen : mit besonderer Rücksicht auf das römische Brevier“ Schöningh 1881
  • Friedhelm Kemp (Hg): Deutsche Geistliche Dichtung, Kösel, München 1062
  • Jörg Löffler/Stefan Willer (Hg): Geistliche Lyrik, Reclam, Stuttgart 2oo6
  • Stephan Müller (Ü, Hg, Komm.): Althochdeutsche Literatur. Eine kommentierte Anthologie, Reclam, Stuttgart 2007
  • J. Rauchenbichler: Gesänge der Heiligen, Landshut 1837
  • Alois Weimer: Gebete der Dichter. Große Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten, Kösel, Düsseldorf 2006
  • Friedrich Wolters. Hymnen und Lieder der christlichen zeit vom 1.-15. Jahrhundert, Georg Bondi, Berlin 1923
  • Hinweisen möchte ich noch auf: http://alte-lieder.de/
  • Bekenntnisse der Kirchenväter (BKV) – eine Reihe, in der Texte der jeweiligen Kirchenväter zu finden sind.

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Christliche Hymnen, Lieder und Gedichte (11)

Franz von Assisi (1181/2-1226):

der bekannteste Text dieses berühmten Mannes ist wohl der Sonnengesang, in dem er die Schönheit der Schöpfung besingt und am Ende, bevor er dazu aufruft, Gottes Willen zu tun, um das ewige Leben zu bekommen, schreibt er https://franziskaner.net/der-sonnengesang/ :

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

Nicht minder bekannt ist das Gebet:

Herr Gott im Himmel und auf Erden,
lass mich dein Friedenswerkzeug werden.
Wo Hass, da lass mich Liebe spenden,
Streit lass mich durch Verzeihen enden.
Wo Zwietracht, lass mich Eintracht bringen,
lass Irrtum mich durch Wahrheit zwingen.
Wo Zweifel herrscht, lass Glaub erstehen,
lass Finsternis im Licht zergehen;
dass, wie man es auch dreh‘ und wende,
die Traurigkeit in Freude ende.

Wir sehen an diesen Zeilen einen ganz anderen Klang, als er bisher gehört wurde. Es ist sehr stark das soziale im Blickfeld. Christlicher Glaube hat, wie die bisherigen Beispiele gezeigt haben und die folgenden Beispiele zeigen, sehr viele Töne. Manche harmonieren, manche klingen schräg. Aber sie gehören alle zu einem Stück, das Gott in Jesus Christus lobt.

Eher unbekannt ist das Gedicht in der Tradition von Franz von Assisi: „In glut mich liebe senkte: / In glut mich liebe senkte“ Damit ist die Begegnung mit Jesus Christus (dem Bräutigam) gemeint. Diese Begegnung war, wie nicht nur dieser Refrain zeigt, massiv und schmerzhaft. Dem Tod kam er nah. Dann aber wieder zu Kräften gekommen, hält er den Feind fest umschlungen und gründet den Friedensbund. „Denn vom brand aufrichtiger lieb´ entzündet / Glüht mein Christus: siehe, des holden friedens / Freu´ ich jetzt mich, ewigen trost gewährend / Stärkt mein herz mit heiligen kräften Christus: / Sengend traf mit flammender glut das herz mir, / sengend traf mit flammender glut das herz mir Feuer der liebe.“ (Übertragen: Friedrich Schlosser/Eduard Steinle: Die Lieder des heiligen Franciscus von Assisi, Frankfurt/M. 1842)

Gerade dieser letzte Text lässt erkennen, dass er wie viele andere nicht von den Händen des berühmten Menschen geschrieben wurde, sondern vielfach anonym – aber dennoch kunstvoll, ergreifend. Aber diese Texte werden meistens übergangen, so auch in meiner überblickshaften Darlegung. Es wären zu viele, die genannt werden müssten.

Bonaventura (1221-1274)

Bonaventura, ein sehr bedeutender Franziskaner. Um die Auseinandersetzung zwischen Abaelard und Bernhard noch einmal aufzugreifen: Er war gegen eine Trennung von Philosophie und Theologie. Er wollte fand eine eigene christliche Weisheit. In seinem Gedicht „Die Nachtigall“ beschreibt er (?) das schöne Singen und das Sterben aufgrund der Sehnsucht nach dem Licht – als Bild für die glaubende Seele. Sie denkt nach und wendet sich dem Kreuz zu, lebt aus Dankbarkeit asketisch, will statt Christus am Kreuz sterben. Die Liebe tötet sie und so gelangt sie zum wahren Leben. Das Kreuz war ein wichtiges Thema, wie auch dieser verlinkte Hymnus deutlich werden lässt und im Grunde das Philomele-Gedicht abstrakter wiedergibt: http://hymnarium.de/hymni-ex-thesauro/hymnen/131-recordare-sanctae-crucis

Mechthild von Magdeburg (um 1207-1282)

hat die Jesus-Minne sehr erotisch dargestellt.

Ich komm zu meiner Geliebten, wie eine Taube auf Blumen, sagt Gott zur Seele. In „O du brennender Berg“ heißt es: „Ich bin in dir und du bist in mir / wir können uns näher nicht sein, / denn wir zwei sind in eins geflossen / und sind in eine Form gegossen, /und so sollen wir ewig bleiben unverdrossen. // Wenn mein Herr kommt, dann komme ich aus mir selbst“… (Ü: Weimer)

Grenzen zwischen Gott und Mensch sind eingerissen. Die zwischenmenschliche Liebe, die begrenzt ist, ist in der innigen Liebe Gott-Mensch unbegrenzt. Vorbild für diese Liebesbeziehung Mensch-Gott ist das alttestamentliche Hohelied der Liebe, das schon von Gregor von Nyssa in diesem Sinne erotisierend ausgelegt wurde. In seiner Auslegung ist – kurz gesagt – der Mensch die Taube, die vom Licht angestrahlt immer schöner wird. (es sei auch angemerkt, dass die Oden Salomos auf andere Weise die Grenze verwischen – wie gesehen.)

Gertrud von Helfta (1256-1302)

In dem „Wonnelied“ besingt sie die Bedeutung Jesu für sie: „O Jesu, meine Lieblichkeit, / Du meine süße Seligkeit! / Nach Dir erglüht in Ewigkeit, / Das Herz, das sich in Dir erfreut!“ Jesus Christus gleicht nichts und niemand. Und: „Dies Lied bring´ich Dir liebend dar / Auf deines Herzens Hochaltar…“ Aber sie ist nicht in der Lage, richtig zu singen, darum: „So juble denn Dir selbst für mich“. Am Ende freut sie sich auf die Begegnung mit dem Geliebten: „O meines Herzens milder Gast! / Der Du mich so geleibet hast, / O führe, sinkt des Lebens Last, / Mich froh in Deiner Heimat Rast!“ (Gesänge der Heiligen)

Zahlreiche Gedichte sind unter dem Link zu finden: https://gedichte.xbib.de/Helfta_gedicht_Dein+Heil+bin+ich.htm

Suster Bertken (1427-1514)

war eine Mystikerin den Niederlanden. Nach ihrem Tod fand man zahlreiche Schriften in ihrer Zelle. Darunter das Lied „Ich war in mein Höfchen“. Sie ist der Garten, der voller Disteln und Dornen ist und Jesus ist der Gärtner, der den Garten pflegt. Es kann Gutes erst wachsen, wenn er Regen und Sonne gibt. In einem anderen Lied beklagt Jesus, dass die Seele ihn verlassen habe. Die Seele fühlt sich schuldig und Jesus spricht zu ihr, dass er sie beschenken mag. Dann die Seele: „Mein Herz fängt an zu brennen wie ein Seraph„, sie will allein Jesus schauen. Sie spricht Jesus als süßer Bräutigam an, dessen Bild im Herzen ist. Auch will sie ein Minnelied singen – aber sie ist im Tal und kann es nicht – und es folgt ein Minnelied. (Bernhard McGinn: Die Mystik im Abendland 5, Herder 2016) Auf Hadewijch (13. Jh. möchte ich nur hinweisen, weil mir keine Texte vorliegen.

Meister Eckhart (ca. 1260-1328) / Umfeld

In diesem Zusammenhang der Mystik möchte ich auf das spannende Gedicht Granum sinapis (Senfsame) hinweisen, das aus dem Umfeld (?) von Meister Eckhart kommt. Es geht um das Wort Gottes, die Trinität, die ein Kreis bildet, den keiner versteht, der aber Ursprung von allem ist. Erkenntnis gibt es in dieser wundersamen Wüste – keiner versteht. das Gedicht endet in rätselhaften Worten des Mysteriums: O Seele mein, geh aus, Gott ein / sinke mein ganzes Ich in Gottes Nichts. In Aufnahme des Wortes Jesu: Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen, endet es: verlier ich mich, so find ich dich… Um an ein anderes Wort Jesu zu erinnern: Das Weizenkorn muss sterben, um zu leben. Ebenso muss das „Senfkorn“ sterben, um zum Baum zu werden.

Dies sind ein paar Beispiele von Texten aus unserer Tradition der Mystik. Solche Glaubens-Erfahrungen, die in literarischen Texten Niederschlag gefunden haben, mögen der rationalen Welt fremd sein – aber so manchem Glaubenden geht sie bis heute nah: Grenzen verfließen. Manchen gelingt es besser Unsagbares auszusprechen als anderen. Man muss freilich auch beachten, dass die Übersetzer nicht selten aus dem Umfeld der Romantik bzw. des Jugendstils kommen. Da wird dann emotional manchmal nachgeholfen.

Thomas von Aquin (1225-1274)

war der wohl wirkungsreichste Kirchenlehrer des Mittelalters. Er hat die Philosophie des Aristoteles mit Platonischen Traditionen verbunden und zu einer neuen christlichen Philosophie weitergeführt. Er hat äußerst viel Wichtiges geschrieben – und hörte dann auf einmal auf, weil er, wie überliefert wird, während einer Messe eine Offenbarung hatte und ihm alles Geschriebene wie Stroh vorkam. Auch von ihm liegen Gedichte vor, die er zur Einführung des Fronleichnams gedichtet hat.

In ihnen wird die Nähe Christi im Abendmahl / in der Eucharistie besungen: „Preist aus frohem Herzenstriebe / Jesum Christum groß und gut, / Das Geheimnis Seiner Liebe, / Dies Sein Fleisch und dies Sein Blut, / Das der Herr der Nationen, / Den Maria uns gebar, / Um die Menschen zu verschonen, / Einst vergoß am Kreuzaltar“ (Adoro te devote) – Vor seinem Sterben wollte er den Seinen das Beste geben, was er besaß, und so gab er sich selbst im Brot und Wein. In einem weiteren Text besingt er, dass Jesus Christus im Brot verborgen ist, Gefühle, Geschmack, Augen können nicht begreifen, genauso wenig wie das Sterben Jesu am Kreuz begreifbar ist (Lauda Sion Salvatorem). Aber der Glaube vertraut dem Wort Jesu. Der Glaube treibt das Herz zum Schauen. Das Lied endet in Bitten, eine davon: „O verleihe stets von Dir zu leben mir, / Und vermehr mein heißes Sehnen stets nach Dir!“ (Gesänge der Heiligen; die einzelnen Eucharistischen Hymnen: http://www.kathpedia.com/index.php/Thomas_von_Aquin ) (Ein weiterer Eucharistischer Text – von Johannes Peckham [1220/5-1292]: https://de.wikipedia.org/wiki/Ave_vivens_hostia ; von ihm gibt es auch Lieder zur trinität: http://hymnarium.de/vitae/93-johannes-peckham )

Bruder Wernher (1225-1250?): politisch und kirchenpolitisch aktiv, Kritiker falscher Priester und auch ruft er zum Kreuzzug auf (Ich wil dem kriuze singen). Maßstab für seine Klerus-Anklagen ist die christliche Ethik.

Boppe (2. Hälfte 13. Jh.)

Wenn über die Welt herrschen würde ein Mann / und sein Geist/Verstand (sin) durchdringe, was nie ein Sinn durchsann, / wenn er Wunder über Wunder wäre; / wenn das Glück ihn trüge bis zum Himmel /… / was wäre das von Nutzen, wenn er nicht Gottes Huld erworben hätte? (Ob al der werlte gar gewaltic). Was Boppe auch begeistert, das Wunder: der Klumpen Erde ist Gefährte des Schöpfers: Gott wurde Mensch. Er betont auch den Priester, der dem Menschen die Gnade Gottes in vielfältiger Weise zukommen lässt (Taufe, Abendmahl)

Wir sehen an ihm wie auch an Thomas von Aquin, dass der Priester eine größere Rolle zu spielen beginnt. Aber auch die schon gehörte Kritik an den Priestern zeigt, dass man ihnen eine große Rolle zuwies, diese aber der Rolle nicht gerecht werden.

Heinrich (von) Laufenberg (1391[?]-1460)

war Priester – sein Werk ist im Krieg 1870 fast vollständig vernichtet worden.

Er singt ein Gute-Nacht-Lied für ein Kind und bittet Jesus, weil er auch ein Kind war, das Kind zu behüten: „Nun schlaf, nun schlaf, mein Kindelein! / Jesus soll freundlich bei dir sein, / Er wolle, dass dir träume wohl / und werdest aller Tugend voll. / Ach Jesu, Herre mein, / behüt dies Kindelein.“ (EG 468) In dem Lied: „Ich wollt, dass ich daheime wär“ sagt er seiner Seele: „Denn alle Welt ist dir zu klein, / du kommest denn erst wieder heim“ – zu Gott (EG 517). Bis es aber soweit ist, muss Gottes Fülle ins Herz kommen. In seinem Lied „Komm, Heiliger Geist, erfüll mein Herz“ bittet er darum. Nur so kann er Frieden, Versöhnung, Ruhe der Gedanken bekommen. Ebenso gelangen nur so die sieben gaben des Geistes in sein Herz (Weisheit, Erkenntnis, Einsicht, Rat, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht). Er schreibt auch sehr volkstümliche Texte, so „Ich weiß ein lieblich Engelspiel„. In diesem heißt es: „Da zieht Gott von der Hande sein ein Ringelein von Golde: `Sieh, edle Seele, das sei dein; denn ich bin dir in Ewigkeit gar holde“ (EG für Rheinland und Westfalen 1901 *32) Das heute bekannte Lied: Es kommt ein Schiff geladen (EG 8) wie auch In dulci jubilo (EG 35) waren ursprünglich ein Marienlied und Weihnachtslied von Laufenberg. das Erstgenannte wird auch Johannes Tauler zugeschrieben.

Grenzen durchbrechen: Die Welt ist dem Menschen zu klein. Darum wollen heute die Einen ins All hinaus, andere denken sich wunderbare Phantasiewelten aus, wieder andere erfahren Gott und schauen auf ihn.

Michael Beheim (1420-nach 1470)

war politischer Dichter und hat seinen jeweiligen Fürsten gehuldigt ( Der furst mich hett in knechtes miet, ich ass sin brot und sang sin liet – kurz: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing). Dennoch hatte er ein Leben am Rand – Leben auf der Grenze. Zuletzt in Heidelberg am Hof, aber seine Lieder waren dann vermutlich nicht mehr gefragt, weil mehrstimmige Chöre beliebter wurden. Zuletzt wurde er an seinem Heimatort erschlagen.

Er hat ein raffiniertes Gedicht geschrieben, das man laut Einleitung besonders lesen muss: „O Mensch, nach dem Himmel trachte ・ nicht – / verachte Gott und seine Mutter…“ „An Reue und Beichte denke ・ nicht – stirb in Verzweiflung“. Nach den Tugenden, die er aufzählt, beendet er den Text: „Lebst du in dieser Weise bis zu deinem Tod, / dann wird, das glaube mir, deine Seele gerettet. / Das verspreche ich dir für immer.“ (aus: Löffler/Willer [Hg]: Geistliche Lyrik)

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Böse Christen

Es wird immer wieder gesagt, dass die bösen Christen dafür verantwortlich seien, dass so manches an nichtchristlichen lateinischen und griechischen Texten verloren gegangen sei.

  • Es waren andere Zeiten, da konnte man nicht mal soeben was kopieren und vervielfältigen.
  • Dann hat man eben das mühevoll abgeschrieben, was man als hilfreich ansah – heutige Christengegner würden sicher auch nicht alle christliche Literatur abschreiben.
  • Es ist auch vieles an christlichen Werken verloren gegangen (z.B. Clemens von Alexandrien, Hippolyt…).
  • Wir können dankbar sein, dass in den politischen Wirren der Zeiten, Kriege, Hunger, Pest, „Völkerwanderungen“, Armut, Feuersbrünste, Raubüberfälle, Schimmel und Feuchtigkeit, bei der Übertragung von Bücherschätzen von einem ins andere Kloster dürfte auch manches verloren gegangen sein, Gebrauch zerstört auch… – überhaupt noch so viel an Literatur überliefert wurde. Erfreuen wir uns also an Vergil, Horaz, Cicero, Platon, Aristoteles… Damals hatte man auch noch nicht die Möglichkeit, die man heute hat, zusammengeklebte Papyrusrollen, brüchiges Pergament usw. technisch aufzubereiten.
  • Zudem war man zeitnaher. Wie wichtig nehmen Menschen (Fachleute sicher) die Werke des 17.-18. Jahrhunderts?

So manche Schätze dürften noch nicht gehoben sein. Ich denke mir: Was ist eigentlich aus dem Reichtum von Konstantinopel geworden? Wo ist das alles im Zuge der osmanischen Belagerungen und Eroberungen hingelangt? Hat man es ausgelagert? Wohin? Hier ein Teil der Antwort: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserliche_Bibliothek_von_Konstantinopel

Von daher: Es ist alles differenzierter zu sehen, als manche antichristlichen Polemiker und Reduktionisten es den Leuten vor Augen malen. Natürlich war nicht alles klasse abgelaufen, so wie wir es uns heute wünschen würden. Und Bilderstürmer/Ideologen aller Couleur sind nicht gerade für ihre Toleranz bekannt. Aber Menschen und somit ihre Geschichte sind nun einmal vielfältig, in Brutalität einerseits und Zivilisation andererseits – und dazwischen unendlich viele Variationen.

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