Böse Christen

Es wird immer wieder gesagt, dass die bösen Christen dafür verantwortlich seien, dass so manches an nichtchristlichen lateinischen und griechischen Texten verloren gegangen sei.

  • Es waren andere Zeiten, da konnte man nicht mal soeben was kopieren und vervielfältigen.
  • Dann hat man eben das mühevoll abgeschrieben, was man als hilfreich ansah – heutige Christengegner würden sicher auch nicht alle christliche Literatur abschreiben.
  • Es ist auch vieles an christlichen Werken verloren gegangen (z.B. Clemens von Alexandrien, Hippolyt…).
  • Wir können dankbar sein, dass in den politischen Wirren der Zeiten, Kriege, Hunger, Pest, „Völkerwanderungen“, Armut, Feuersbrünste, Raubüberfälle, Schimmel und Feuchtigkeit, bei der Übertragung von Bücherschätzen von einem ins andere Kloster dürfte auch manches verloren gegangen sein, Gebrauch zerstört auch… – überhaupt noch so viel an Literatur überliefert wurde. Erfreuen wir uns also an Vergil, Horaz, Cicero, Platon, Aristoteles… Damals hatte man auch noch nicht die Möglichkeit, die man heute hat, zusammengeklebte Papyrusrollen, brüchiges Pergament usw. technisch aufzubereiten.
  • Zudem war man zeitnaher. Wie wichtig nehmen Menschen (Fachleute sicher) die Werke des 17.-18. Jahrhunderts?

So manche Schätze dürften noch nicht gehoben sein. Ich denke mir: Was ist eigentlich aus dem Reichtum von Konstantinopel geworden? Wo ist das alles im Zuge der osmanischen Belagerungen und Eroberungen hingelangt? Hat man es ausgelagert? Wohin? Hier ein Teil der Antwort: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserliche_Bibliothek_von_Konstantinopel

Von daher: Es ist alles differenzierter zu sehen, als manche antichristlichen Polemiker und Reduktionisten es den Leuten vor Augen malen. Natürlich war nicht alles klasse abgelaufen, so wie wir es uns heute wünschen würden. Und Bilderstürmer/Ideologen aller Couleur sind nicht gerade für ihre Toleranz bekannt. Aber Menschen und somit ihre Geschichte sind nun einmal vielfältig, in Brutalität einerseits und Zivilisation andererseits – und dazwischen unendlich viele Variationen.

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