Manche Menschen leben allein in ihrem kleinen Alltag. Das ist freilich nicht zu verachten, denn der Alltag ist schon so voll, dass er ein ganzes Leben und das ganze Engagement zu füllen und zu fesseln vermag.
Aber wir Menschen leben nicht allein im Alltag. Das Große und Ganze bestimmt uns nicht weniger als das, was uns so an Alltäglichem beschäftigt.
Der Wohnort, die Gesellschaft, der Staat – wir sind Teil des Ganzen – und wir sollten auch hin und wieder das Ganze in den Blick nehmen, damit wir nicht von anderen überrumpelt werden.
Wer sich allein mit dem Alltäglichen beschäftigt – lässt sich leicht über den Tisch ziehen, sei es emotional, sei es, dass man staunt: Wow, was der nicht alles weiß – oder von Leuten, die Autorität zu haben meinen, aber im Grunde nicht haben. Aber das weiß man ja als Mensch, der nur in seinem Alltag lebt, nicht, weil man nur das Kleine, das Eigene im Blick hat.
Und so gilt sicher auch so mancher Prophet im eigenen Lande nichts, weil die Menschen sich verführen lassen. Und sie lassen sich verführen, weil sie keine Ahnung vom Großen und Ganzen haben.
Aber das muss ich meinen Blogleserinnen und Bloglesern ja nicht sagen.
Nicht ohne Grund sind die ersten Handlungen von rechtspopulistischen oder faschistischen Regierungen und Diktaturen die Streichung von Geldern für die Kunst. Die Verbrennung von Büchern, das Schließen von Theatern oder deren strikte Kontrolle. Dabei ist die Finanzierung von Kultur, die von Populisten gerne verteufelt wird, kein Gnadenakt, sondern eine Regierungspflicht.
Leider wird nicht gesagt, an welche – die als Rechtspopulisten der Gegenwart bezeichnet werden – sie denkt. Was schließen wir daraus? Nun ja.
Kunst und Künstler zu unterstützen ist etwas, was in unserem Land wirklich wichtig ist, denn die Kunst öffnet den Blick, sie hilft, dass man nicht im politischen Alltag versinkt, sondern auch noch andere Dimensionen des Menschseins wahrnimmt, sie hilft auch – auch wenn das nicht von allen gerne gesehen wird – politisch nicht opportune Meinungen zu vertreten. Zumindest wenn es gut läuft. Im Augenblick scheint sie eher die mediale und politische Elite wiederzuspiegeln, statt eigene Akzente zu setzen. (Soweit ich das wahrnehme.)
Die Frage ist freilich immer: In welchem finanziellen Umfang muss die Kunst durch den Staat unterstützt werden. Was ist verantwortbar, was ist angemessen? Müssen die Häuser nicht dazu geführt werden, so gut es geht auf eigenen Füßen zu stehen?
Diese Frage ist berechtigt, das Problem ist nur: Wir leben in einem Land, in dem nicht nur die Reichen gebildet sein sollten, sondern auch Menschen, die finanziell an der unteren Grenze leben müssen. Und auch diese müssen die Chance bekommen, andere Dimensionen des Lebens wahrzunehmen – und wahrnehmen bedeutet nicht nur zu rezipieren, sondern die Welt mit ganz anderen Augen zu sehen.
Eine andere Frage: Was ist, wenn diese Häuser zwar unterstützt werden, aber die Bevölkerung kein Interesse an dem hat, was die Künstler darbieten? Das wäre ein Armutszeugnis für die Bevölkerung – darum wollen wir lieber nicht daran denken.
Das wäre allerdings nur ein Armutszeugnis, wenn die Künstler nicht so abgehoben sind, dass sie mit der Welt der Bevölkerung nichts mehr zu tun hat. Reinhard Mey: Zwei Hühner auf dem Weg nach vorgestern:
Vielleicht kann der Feminismus dabei auch andere Erscheinungen der Trägheit überwinden und würde sich dann nicht mehr voll und ganz auf den Trickle-down-Effekt verlassen: Weil ein paar Frauen im oberen Drittel der Gesellschaft heute ohne Scham über ihre Vagina reden, geht es den Frauen am unteren Rand noch nicht besser. Die neuen feministischen Themen wären also die alten: Mütterarmut, Gewalt, schlechte Arbeit, Frauenhandel. Themen, die man vielleicht etwas zu schnell für erledigt erklärt hat.
In dieser Zeit – den 60-80gern – fühlten sich die Menschen sexuell freizügiger – nicht alle, versteht sich. Viele Christen haben dagegen protestiert, die Sexualität zur Schau zu stellen. Und es zeigt sich immer stärker, dass es nicht um Freiheit der Frauen und Kinder ging, sondern um Machtdemonstration von Männern. Das betrifft nicht allein die Frage der Pädophilie, sondern auch die des Umgangs mit den Frauen: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/der-letzte-tango-in-paris-missbrauch-eines-machtgefaelles-a-1124341.html (Bekanntlich ist auch die Modewelt eine Männerdomäne – zumindest was die „hohe Modewelt“ betrifft, da gestalten die Männer die Frauen nach ihrem Bilde – und ebenso in der Schönheitschirurgie, da gestalten sich Frauen zum Bilde der Männer so, wie sie denken, dass es den Männern gefallen könnte.)
Ich schrieb: Viele Christen… – leider nicht alle. Diejenigen, die dagegen protestierten, wurden von anderen Christen massiv angemacht. Ich denke da nur an Christa Meves, die ständig im Fokus der Angriffe stand – aber soweit ich das als Jugendlicher mitbekommen habe, hat sie tapfer diesen Angriffen standgehalten.
Was tun eigentlich die Christen heute, die sie angegriffen haben, weil sie eine konservative Stellung zum Thema Sexualität vertrat – eines, das man heute eher wieder vertritt? Auch diese Angriffs-Christen, die sich in ihrer Freizügigkeit – vor allem was Frauen betrifft (ich weiß noch um so manches abschreckende Beispiel) – damals so toll modern empfunden haben, sie dürften inzwischen kapiert haben, dass sie erregt auf einen falschen und bösem Weg herum rannten.
Und dabei sind heute diejenigen, die sich als toll modern vorkommen, verklemmter als andere, die Sexualität sachlich und mit Liebe betrachten. Denn warum so viele Aufregungen in den Medien um irgendwelche Busenblitzer oder untenrum ohne Schlüpfer? (Privat mag es ja angehen – aber dass das medial aufgegriffen wird, ist kurios.)
Zu dem „Letzten Tango von Paris“ – die Welt schaute also einer Vergewaltigung zu – und feierte den Film, wie es in Wikipedia heißt „enthusiastisch“. Irgendwann habe ich den Film auch gesehen. Als Jugendlicher? Als junger Erwachsener? Ich weiß es nicht mehr. Er kam im Fernsehen. Aber diese Dimensionen habe ich damals nicht durchschaut. [Nachtrag zur Butterszene: http://www.spiegel.de/kultur/kino/der-letzte-tango-in-paris-maria-schneider-wusste-alles-nur-nichts-von-der-butter-a-1124623.html War die Szene wirklich so harmlos? Wenn er schauen wollte, wie sie als Mädchen reagiert und nicht als Schauspielerin, hat es da allein an der Butter gelegen? Er sprach im Film von Gleitmittel… – ich vermute einmal, dass noch darüber diskutiert werden wird.]
Juia Klöckner im Interview zur CDU: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/julia-kloeckner-vor-cdu-parteitag-das-wird-kein-wellness-wahlkampf-a-1124320.html Den CDU-Mitgliedern wurde mit der Flüchtlingsfrage viel zugemutet… Ich denke, dem ganzen Land hat die Führung der CDU viel zugemutet. Klöckner hatte immer eine eigene Linie, die zur Regierungselite ein wenig konträr war. Es ist gut, dass die CDU-Führung in dieser Hinsicht auf Klöckner-Linie umgeschwenkt ist. Ich hoffe, sie gehen weiter – und dass sie vor der Wahl nicht nur darüber reden, sondern bis zur Wahl auch aktiv daran arbeiten, die falsche Politik zu korrigieren.
Merkel und andere Politiker schweigen zu dem, was in den anderen europäischen Ländern vorgeht, das wird ihr hier vorgeworfen: http://www.zeit.de/2016/50/eu-politik-europa-deutschland-einfluss-italien-referendum Sie schweigen zu Recht. Ich denke, dass es eher negative Wirkung hat als positive. Man stelle sich einmal vor, Hollande, Merkel, Renzi… hätten Hand in Hand in Wien herumdemonstriert. Und Szydlo, Orban, … wären ausgeladen worden – oder demonstrieren in einer Parallelstraße Hand in Hand… Manche Artikel sind witzig, wenn man sie sich in der Realität vorstellt.
Auch die Briten kapieren so langsam, dass es nichts ist mit ihrer Rebellen-Unterstützung in Syrien.
Übrigens: Islamisten durften einreisen, die sich äußerst übel über Menschen geäußert haben. So ist das in einem Land, das so langsam hörig und Schritt für Schritt Angst bekommt vor denen, denen es Unterschlupf gewährte.
Wir zünden ein kleines Licht an – aus Sehnsucht nach dem großen Licht, das unsere Nacht erhellt.
Wir knipsen viele elektrische Lichter an – aus Sehnsucht nach dem großen Licht, das die Nacht der Welt erhellt.
Keine leere Sehnsucht bestimmt uns. Das Licht war schon da, es ist da mit seinen Strahlen in Herz, Seele, Verstand. Es wird wieder kommen, das wurde versprochen.
In diesem Beitrag wird gesagt, dass die AfD das Nationale über das Christliche stelle. Ich frage mich: Was stellt die CDU über das Christliche? Denn auch die CDU betont ja nicht, dass sie zuerst eine christliche Partei sei. Dann meint Fietz, dass die Aussage, dass an der Grenze auf Flüchtlinge geschossen werden solle, auch nicht dem christlichen Menschenbild entspräche. Vieles, was den Staat betrifft, entspricht nicht dem christlichen Menschenbild per se – so auch das Militär. Aber es wird eben als Notwendigkeit eingesehen – und so gehört auch der Schutz der Grenze traditionell zu dem Staatsgedanken selbstverständlich dazu – christlich ist das nicht. Als Christ denkt man international. Aber Parteien können nicht in erster Linie jesuanisch-christlich denken.
Was will ich damit sagen? Keine Partei unseres Staates ist der verlängerte Arm des Christentums. Allerdings reden Christen als Bürger dieses Staates in allen Parteien mit (Mitglieder) und müssen bei Wahlen schauen: Welche Partei entspricht meinem christlichem Selbstverständnis am ehesten? Welche Partei tut der Gesellschaft auch mit Blick auf die Zukunft gut und verhindert ein Zerfleddern? Was muss eine Partei machen, damit sie möglichst vielen Ansichten eines Landes Raum gibt?
Dass eine Partei nie allen Menschen Raum geben kann, ist klar und macht ja auch den Reiz unserer Demokratie aus. Welche Partei schafft es, die Mehrheit des Volkes hinter sich zu bekommen? Dazu gehört es aber auch, dass man andere Parteien und ihre Wähler nicht beschimpft, sondern um sie wirbt und versucht, sie hinter sich zu bringen mit einer vernünftigen Politik, das heißt einer Politik, die die Gesellschaft stützt, die ein breites Spektrum abdeckt, ohne sich selbst zu verleugnen. Wenn der CDU das nicht gelingt, muss sie eben lernen, mit der AfD zu leben. So einfach ist das.
Übrigens: Unsere Medien müssen das auch lernen. Österreich darf ihnen ruhig eine Warnung sein, ob Hofer nun gewählt wird oder nicht: Die Österreicher waren uns ein Stückchen voraus, was die FPÖ betrifft. Lassen wir bei uns noch ein paar Jährchen ins Land gehen, dann wird die AfD stark wie die FPÖ – falls es der CDU nicht gelingt, wieder Politik im Sinne der Konservativen zu machen (und die AfD keine groben Fehler macht). Merkel versuchte der SPD und den Grünen Leute wegzufischen – und hat dabei die eigenen vergessen. Vielleicht schafft sie es mit ihrem Team ja wieder, auch diese einzufangen. Wenn nicht: Blüht unserem Land die AfD. So einfach ist das. Da hilft kein Weh und Ach und kein Anti-AfD-Fanatismus. Es hilft nur gute Politik.