Schuld/Sünde aus christlicher Perspektive

Sünde ist im eigentlichen jüdisch-christlichen Sinn: schuldig werden gegenüber Gott. Dadurch, dass der Mensch von Gott getrennt ist, also Sünder ist, erwächst Schuld. Sünde ist also, auch wenn die Begriffe nicht immer eindeutig voneinander eingegrenzt werden, etwas anderes als Schuld. Es ist, streng genommen, keine „Sünde“, Essen wegzuwerfen, sondern Schuld. Aber weil der Mensch in seinem Wesen Sünder ist, wird er schuldig, indem er das Essen wegwirft. Damit wurde ein harmloses Beispiel genannt, aber Sünde ist die Grundlage aller Schlimmen Verhaltensweisen. Wer in einzelnen Taten schuldig wird, verdeutlicht seine Abkehr von Gott, seine Trennung von Gott. Er wird nicht Sünder durch schuldiges, unmoralisches Handeln, sondern er handelt unmoralisch, weil er Sünder ist, von Gott getrennt ist. Von daher kann der Mensch sich nicht selbst durch Taten / Wiedergutmachungen erlösen. Dadurch, dass die Sünde tief in das Wesen des Menschen verankert ist, bekennen Christen, dass Jesus Christus durch seinen Tod Menschen befreit hat. Wenn es nur um Schuld ginge, müsste Christus nicht gestorben sein. Da hat der moderne Mensch, der den stellvertretenden Sühnetod ablehnt, recht: ich bin verantwortlich für mein amoralisches Verhalten – ich trage die Konsequenzen. Aber da die Sünde im Wesen des Menschen verankert ist, kann er sich selbst nicht befreien, auf dieser Ebene nicht für sich selbst Verantwortung tragen. Der Mensch kann seine Taten verantworten, aber er kann sein Wesen nicht selbst neu erschaffen.
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