Maler 54/55: Alfred de Breanski Sr. und Jr.

Was für ein Kontrast zu den gestrigen Stadtbildern von Rose Maynard Barton. Die Darstellung von Natur bietet eine ganz andere Vielfalt als die von Städte. Alfred de Breanski Sr. (1852-1928) war wohl ein Maler, der sehr gerne die unterschiedlichsten warmen Lichtverhältnisse im Zusammenspiel von Himmel, Bergen und Wasser darstellte – während Rinder, Schafe oder Menschen verschwindend klein wirken.

Die Erhabenheit der Berge ist sein zentrales Thema. Die Berge werden durch unterschiedliche Lichtverhältnisse noch stärker hervorgehoben. Die mächtige Natur vereinnahmt im Grunde den Menschen. Und das gilt nicht nur für das Gebirge, sondern auch für seine Darstellungen von flachen Landschaften. Da ist es die Fülle von Bäumen und Gräsern, die den Menschen winzig erscheinen lassen.

Ich hatte in meiner Reise durch die Gemälde auch Künstlerinnen und Künstler vorgestellt, die Menschen porträtieren. Menschen stehen im Vordergrund. Nur ein Mensch, eine Person wird dargestellt – der Hintergrund wurde zum Teil einfarbig gestaltet, um die Person hervorzuheben. Andere hingegen ließen den Menschen in einer Unmenge an pompösen Kleidungsstücken verschwinden. Gestern habe ich eine Malerin vorgestellt, die Menschen in Städten ganz winzig malte. Hier, bei Breanski, haben wir eben die Natur, die den Menschen ganz klein macht. Sogar im Verhältnis zu den schottischen Hochlandrindern ist der Mensch klein – der Hirte wird kaum erkannt unter den Rindern. Und doch gibt es auf vielen Bildern irgendwo versteckt winzig mindestens einen Menschen.

Er ist der Maler des Erhabenen, nicht unbedingt des Schönen, sondern des Erhabenen. Der Mensch ist nicht Herr des Erhabenen. Es gilt angesichts des Erhabenen zu staunen, auch wenn seine Zeitgenossen dabei waren, durch Technik die Natur zu unterwerfen. Aber winzig ist der Mensch angesichts der großartigen Schöpfung Gottes. Und der winzige Mensch in den Bildern lässt erkennen, wie erhaben die Natur ist. Und das pantheistisch eingesetzte Licht – das Licht trägt zu der Erhabenheit der Schöpfung bei – erhebt das Gefühl. Das Licht, das die erhabene Schöpfung erkennen lässt, ist die pantheistische Präsenz Gottes.

Schottland, so las ich stand in seiner Zeit hoch im Kurs. Reiche Menschen konnten den dreckigen und armeseligen Städten entfliehen. Und sie rissen sich um seine Bilder, sozusagen als Urlaubserinnerung.

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Sein Sohn, Alfred de Breanski, Jr. (1877-1957), malte auch, und man vergleiche mal die beiden Malstile mit Blick auf Realität, Licht – aber auch mit Blick auf den Verkaufserfolg. Manche Bilder ähneln denen des Vaters: Erhabenheit der Berge, kleine Menschen. Aber der Publikumsgeschmack scheint sich gewandelt zu haben. Von der Erhabenheit der Natur hin zu heimeligen kleinen Blumengärtchen. Fast wie früher die Bildchen mit vielen bunten Blümchen, wie Röschen, blühenden Büschen, und Tierchen (wie Täubchen, Häschen, Rehlein) usw. Es ist nicht mehr die Erhabenheit der Natur, die den Menschen erschaudern ließ, sondern der kleine äußerst farbige Garten wird von den Menschen in der Phantasie liebevoll gestaltet. In allen Schattierungen: Rot, Blau, Grün und Gelb. Diese kleinen Gärten werden vom Sommerlicht durchflutet – oder auch nicht; auf jeden Fall ist alles lieblich. Gerade durch die Farbkontraste der Blumen wird er lieblich, lebendig, strahlt Ruhe aus. Es ist eine Harmonie der Farbgegensätze. Kleine BlumenParadiese auf Erden. Rückzug ins Idyll. Der Maler beherrscht die Spannung zwischen Ordnung, Struktur und lebendiger Vielfalt. Bedeutet das, dass das Paradiesische weil sie eine Ordnung zeigen, die durch Vielfalt entsteht? Der Mensch gestaltet harmonisch die Natur. Und damit scheint er mir ein moderner Mensch zu sein: Er nimmt die Natur nicht, wie sie ist, staunend, sondern die Natur gehört ihm, der Mensch ordnet, pflegt, gestaltet sie, eignet sie sich an. Er errichtet sich eine Kunstwelt, mit Zäunen, Häusern, Mauern und Rosenbögen in der er zufrieden sein kann.

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