Menzel (1815-1905) – die Lichtführung ist ähnlich wie die auf den Gemälden von Courbet: Es ist nicht erkennbar, warum das Licht so fällt, wie es fällt. Es ist der festgehaltene Augenblick – und der lenkt das Licht nicht unbedingt auf die wichtigsten Personen oder Details im Raum, es kann irgendwas und irgendwen treffen. Und sei es das Chaos in einem Zimmer. Und dann kommt das Kunst-Licht hinzu: Kerzen, Feuer, Kronleuchter – das sich irgendwo bricht, wo es sich eben gerade brechen kann. Die Motive sind allerdings andere als bei Courbet: Es geht um Gebäude, Menschen in Gebäuden, um Städte, um Zusammenleben. Es sind vielfach Menschen-Wimmelbilder – was spannend ist, denn er selbst war eher ein Außenseiter. Als dieser Außenseiter beobachtete er die Menschen und skizzierte sofort das, was er sah. Die Menschen sind Teil des zufälligen Lichts, der Atmosphäre, die es verströmt. Menschen sind darüber hinaus auch vielfach die Lichtmacher – eben dadurch, dass Menzel nicht hauptsächlich Natur malt, sondern Menschen in ihrer gebäudlichen, städtischen Umgebung. Und weil Menschen die Lichtmacher sind, hat das Licht, anders als bei Courbet einen sichtbaren Ursprung. Und: Es ist nicht transzendente Heiligkeit, es ist das Licht als Folge menschlicher technischer Fähigkeiten und Leistungen schön und mächtig gestaltet in den Kronleuchtern, archaisch in der Glut des Feuers.
Obgleich Außenseiter, war er ein geehrter und geadelter Künstler. Aber die Lichtführung zeigt, dass die Zeit vorbei ist, in der Herrscher in besonderem Licht gezeichnet wurden. Das Licht diente nicht immer der Erhebung des Adels, es fiel eben: zufällig. Freilich ist der Maler kein Zufallsgenerator, aber das Licht ließ er nicht mehr unbedingt auf die des hohen Standes fallen. (Spannend finde ich bei einem Bild, dass das Licht zwei Frauen hervorhebt. Eine, die rechts im Vordergrund steht, eine die im Hintergrund sitzt.)
Menzel war wohl recht klein. Kann es sein, dass er deshalb so manches Bild aus erhöhter Perspektive zeigt? Das wiederum hat eine gewisse Distanziertheit zur Folge – die eines betrachtenden Außenseiters? Nur eine Frage eines Nicht-Menzel-Kenners, der ein wenig herumpsychologisiert.
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