Maler 76: Chaim Soutine

Der Maler Chaim Soutine (1893-1943) – über diesen Maler kann ich nur erschrocken etwas schreiben: Der erste Eindruck: Blut, Rot, Tod – das sind so wie ich es sehe, die Hauptthemen vieler seiner Bilder. Das verbirgt sich auch im Stilleben mit einer überdimensionierten Gabel, oder wie auch immer dieses Gerät genannt werden kann. Stilleben mit vielen toten Tieren. Es scheint ein übler Geruch des Todes von ihnen auszugehen. Bilder, auf denen Paare zu sehen sind – in ihnen herrschen bedrohliche Farben oder Perspektiven. Bedrohlich, weil sie auch durch die Verzerrungen im Unklaren lassen, was da gerade passiert ist, was sie eigentlich zeigen. Verzerrt ist die Welt, verzerrt sind die Menschen, verzerrt sind viele Gesichter. Bäume krallen in die Erde mit Krallen von Vögeln, Bäume lassen Häuser verschwinden, verzehren sie geradezu, fast wie Feuerflammen. Was wie eine goldene Sommeridylle aussehen könnte, wirkt durch die Verzerrung bedrohlich. Es ist eine Welt der Verzerrung. Kaum sind gerade Linien zu finden, es ist alles bedrohlich, beunruhigend, verstörend in Bewegung. Sind viele der porträtierten Menschen noch Menschen – oder sind sie Karikaturen des gebrochenen Menschseins? Manche schauen mit dunklen Augen hilflos – in das erlebte / zu lebende Leben? Sind sie Ausdruck der inneren Spannungen des Malers? Es sei aber nicht übergangen: Er war Künstler. Er hat seine Bilder rational gestaltet, er soll Perfektionist gewesen sein. Es heißt, er habe sogar Bilder vernichtet, wenn sie nicht seinen Vorstellungen entsprachen. Modigliani und auch Galleristen haben ihn gefördert. Pablo Picasso und andere Größen waren Trauergäste an seinem Grab.

Leider wird in der Zusammenstellung der Bilder nicht deutlich, wann sie gemalt wurden. Juden erlitten zu der damaligen Zeit in Belarus / Russland auch Pogrome bzw. waren immer von solchen antisemitischen Auswüchsen und Brutalitäten bedroht. Aber er hatte eine schwere Kindheit, seine Malkünste als Kind wurden bekämpft, wenn er Menschen gemalt hatte. Er entschloss sich dennoch zu malen, ging nach Paris, hatte berühmte Bekannte. Er litt eine Zeit lang Hunger, bekam ein Kind, das er nicht anerkannte, lebte am Lebensende in zeiten der barbarischen Nationalsozialisten. Eine Bekannte wurde 1940 in ein Internierungslager gebracht, er selbst lernte die Malerin Marie-Berthe Aurenche kennen, das Paar flüchtete von Ort zu Ort. Er starb bei einer Operation. (Der Wikipedia-Artikel zeigt eine Grabplatte, des Grabes von Soutine. Auf dieser ist ein großes Kreuz abgebildet und auf der Platte steht der Name Marie-Berthe Aurenche 1906-1960. Infos aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Chaim_Soutine; wenn man zu dem Namen, der auf der Grabplatte Genannten recherchiert, dann steht im Artikel über Marie-Berthe Aurenche, dass sie eine Lebensgefährtin von Chaim Soutine war, die Bilder von ihm verkaufte, um den Grabstein zu finanzieren – und wurde dann 1960 an seiner Seite bestattet.)