Über den Großvater von John Steinbeck, Tischler Johann Adolph Großsteinbeck (1832-1913), heißt es auf Wikipedia:
„Am 1. Juli 1854 heiratete er in Palästina die amerikanische Missionarstochter Almira Anne Dickson (* 2. Okt. 1828; † 1. März 1923). Beide gehörten zu Familien, die dort seit 1854 in der evangelikal-messianischen Siedlung „Mount Hope“ lebten. Nachdem benachbarte Araber im Januar 1858 Johann Adolphs Bruder ermordet sowie dessen Frau und Schwiegermutter vergewaltigt hatten, wanderten er und seine Frau in die USA aus.“
Das weckt natürlich mein Interesse. Was hat es mit diesem Mount Hope auf sich? Das erfahren wir dann im englischen Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Mount_Hope,_Jaffa
Zwei Gruppen von Protestanten, die glaubten, dass Jesus Christus bald wiederkommen würde, wanderten nach Israel – damals Palästina – aus. Um sein Wiederkommen zu beschleunigen, wollten sie Juden in Sachen Landwirtschaft ausbilden. Die eine Gruppe kam aus dem Umfeld von Wuppertal-Elberfeld, unter anderem die Großsteinbecks, die andere aus Philadelphia, Amerika, Clorinda Minor (1) mit ihrem Sohn, später kam eine weitere Familie, von Walter Dickson, aus den USA nach. Clorinda Minor pachtete Land bei Jaffa/Tel Aviv, auf dem die Familien eine Farm errichtet haben: Mount Hope. Es fand eine Doppelhochzeit statt: Johann Großsteinbeck, der Großvater von John Steinbeck, heiratete 1854 Almira Dickson und sein Bruder heiratete Maria Dickson. Ein Jahr später kam ein Finanzier (2) und kaufte das Land, auf dem dann der Obstgarten ausgebaut wurde, der dazu dienen sollte, Juden landwirtschaftlich zu schulen. Das Leben war sehr schwer wegen Malaria und Schikanen der Araber aus der Gegend. Clorinda starb und nach und nach zogen Familien wieder in die USA. Denn, wie Herman Melville (Autor von Moby-Dick), der die Farm besuchte, schrieb, wurden diese Menschen nur ausgenutzt. 1858 überfielen fünf Einheimische die Farm. Sie ermordeten den Bruder von Johann Großsteinbeck und vergewaltigten die Frau und die Schwiegermutter. Vier der Kriminellen wurden, Palästina gehörte zum Osmanischen Reich, festgenommen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Überlebenden wanderten in die USA aus.
Der Enkel, John Steinbeck wurde dann 1902 in Kalifornien geboren. Seine vielen Bezüge zur Bibel und zum christlichen Glauben werden von der Familientradition her verständlich.
Ca. 100 Jahre später wurde übrigens in der Gegend von Mount Hope eine Berufsschule gegründet.
(1) Clorinda Minor versuchte Juden zum christlichen Glauben zu bekehren und schrieb in einem Brief, dass die Juden in Palästina sehr geschwächt seien, sodass sie selbst mit Unterstützung kaum arbeiten können. https://en.wikipedia.org/wiki/Clorinda_S._Minor
(2) Moses Montefiore (1784-1885) war italienisch-britischer Bankier, der viel Geld spendete, um Industrie, Wirtschaft, Bildung zu fördern. Er gründete 1860 die erste jüdische Siedlung außerhalb der Altstadt von Jerusalem – was ein sehr gefährliches Unterfangen war, da Kriminelle die Gegend verunsicherten. Er war 1836 zum ersten Mal nach Palästina gereist, weil ein Erdbeben unter anderem Tiberias ziemlich zerstört hatte. Er half so gut er konnte. Es ist hier nicht Raum, seine hilfreichen Taten auch nur annähernd zu beschreiben.
