
In meiner Reihe, Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen (https://blog.wolfgangfenske.de/2026/01/03/menschen-die-sich-nicht-unterkriegen-liessen/ ), werden Menschen wahrgenommen, die tapfer und mutig bis zuletzt durchgehalten haben. Sie haben am Ende ihres Lebens vielfach Würdigungen durch andere erhalten, konnten selbst erkennen, auch ohne Würdigung: Ich habe mich nicht unterkriegen lassen. Vor allem konnten diese Menschen in ihren Notzeiten nicht erkennen, was einmal werden wird. Sie haben versucht, das Nächstliegende zu tun und sind so Schritt für Schritt vorangekommen.
Es werden in dieser Reihe auch Menschen genannt, die keine Würdigung erhalten haben. Erst nach ihrer Lebenszeit wurde erkannt, was sie geleistet haben. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Menschen aufgrund politischer Situationen verfolgt und hingerichtet wurden.
Die Mehrheit der Menschen wird wohl ein anderes Leben leben: Ohne irgendwelche Würdigungen, weder zu Lebzeiten, noch danach: Menschen, die durch Kriminelle aus dem Leben gerissen wurden, denen eine Krankheit oder körperliches und psychisches Leiden ein Leben verhindern, das sie sich erwünscht haben; Menschen, die Menschen ausgeliefert sind, die es nicht gut mit ihnen meinen, sie erniedrigen, demütigen, sie in der Hand haben, ohne dass sie einen Ausweg finden, Menschen, die sich abrackern, aber dennoch nicht – wie man sagt – auf den grünen Zweig kommen. (1)
In meiner Reihe habe ich vielfach Menschen vorgestellt, denen der christliche Glaube eine Kraft dazu war, weiterzumachen. Gott hat sie gestärkt, der Geist Gottes hat ihnen durch Wirren hindurch den nächsten Lebensschritt gezeigt, den sie aus der Liebe Jesu Christi gehen konnten. Auch wenn es Schritte zurück waren. Entsprechend schauen sie aus dem Glauben heraus zurück auf ihr Leben. Vor allem aber auch darum, weil sie rückblickend und in der Vergangenheit vorausblickend ihren Lebensweg aus Gottes Hand genommen haben.
Viele Menschen, die in dem Leben feststecken, die keine Auswege finden, die unter den Fesseln anderer Leben, können wie die hier Vorgestellten ihr Leben in der Notzeit Gott in die Hand legen, Kraft aus Gott schöpfen. Es sind nicht selten die Vorstellungen von einem gelungenen, schönen, guten, erfolgreichem Leben, die ein Leben erschweren, unzufrieden machen, niederdrücken. Menschen, die ihren Lebensweg aus Gottes Hand nehmen, haben eine andere Perspektive: Es geht nicht um ein gutes Leben – es geht darum, um ein Leben aus Gottes Hand zu führen.
So ist auch nicht das erfolgreiche Leben der in meiner Reihe gezeigten mein Hauptthema, sondern dass Hauptthema ist: Wie haben sie in der jeweiligen Zeit der Not agiert und reagiert. Das ist jedoch biographisch im Detail kaum zu erfassen. Was haben sie in der jeweiligen Situation gedacht, was hat ihnen Kraft gegeben, wie sind sie mit den jeweiligen Niederlagen umgegangen? Es ist nur erkennbar, anhand der mir vorliegenden Informationen, mit welcher Grundmelodie sie ihr Leben gelebt haben. Und die Grundmelodie ist vielfach der Glaube an Jesus Christus. Aus dieser Grundmelodie erschließe ich dann, dass sie in ihrer jeweiligen Not aus diesem Glauben heraus gelebt und die Notlage überwunden haben.
Der christliche Glaube bietet auch Besonderheiten: Jesus Christus hat Not der anderen überwunden (Wundererzählungen) – aber selbst litt er an den Menschen, den Seinen wie den Fremden, erlitt Folter und einen Tod, der ihn Gaffern und Feinden zur Schau stellte. Aus menschlicher Sicht gibt es nichts Entwürdigenderes, nichts, das den Lebensweg dieses Menschen als ein gelungenes Leben erkennen lässt. (Wie hat Jesus als Mensch diesen seinen Lebensweg rückblickend beurteilt?) Von daher nehmen Glaubende steinige und sumpfige Lebenswege an, wie Jesus, durch Kämpfe hindurch. Für Glaubende bleibt Jesus Christus aber nicht in diesem Leiden und Sterben und im Tod stecken, sondern Gott ist es, der ihr Leben beurteilen wird.
Nicht der Mensch beurteilt letztlich, was ein gelungenes, schönes, gutes, erfolgreiches Leben ist. Weder andere Menschen können mein Leben beurteilen, noch kann ich mein Leben beurteilen. Es ist Gott. Er führt mich auf meinem mir ganz besonders anvertrauten Lebensweg, auch wenn es ein Weg des Leidens, der Erniedrigung ist. Er führt mich zur Vollendung. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht mit Gott Wege suche, aus üblen Situationen und Zeiten herauszukommen. Das lehrte auch Jesus: nicht in dem Leiden steckenbleiben, sondern mit Gott Auswege suchen und gehen. Wenn es aber keine gibt, dann gilt es mit Gott den Weg, welchen auch immer, zu gehen.
Die Lebenswege sind keine Wege, die wir Menschen allein gehen. Auf dem Lebensweg gibt es viele wohl gesonnene Menschen, viele üble Menschen. Wer den Lebensweg mit Gott geht, hat einen ganz besonderen Umgang mit den Menschen auf dem Lebensweg. Das erkennen wir auch an so manchen Lebenswegen der von mir vorgestellten Menschen.
(1) Ich habe viele Trauerreden gehalten. In diesen habe ich versucht so gut es geht, den Lebensweg des jeweils verstorbenen Menschen zu würdigen. Angehörige wünschen Lebenswege so zu sehen, dass sie irgendwie gut waren, in welchem Sinne auch immer menschlich, erfolgreich waren. Manche konnten nur mit Mühe von dem Verstorbenen Gutes berichten, wollten aber, dass nicht das Schlimme dominiert. Zumindest habe ich das nicht erfahren. Aber letztlich kann auch die beste Rede einem Menschen in seiner Vielfalt, seinem Wesen, Denken, Fühlen nicht gerecht werden. Selbst eine wohlwollende Würdigung muss in dem stecken bleiben, was andere von einem Menschen dachten, wie sie ihn wahrnahmen, interpretierten – und das ist immer nur ein kleiner Klecks an der Oberfläche.
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