Maler malten auch gesellschaftskritische Gemälde, vor allem hatte ich auch: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/08/10/maler-85-theodoros-rallis/ Hunt gehörte auch dazu: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/08/02/maler-83-william-holman-hunt/
Dazu spannend:
Es geht also um einen reichen Mann, der seine Mätresse besucht (sie hat Ringe an den Fingern aber nicht am Ringfinger). Der Raum ist überfüllt mit allem möglichen. Die Frau ist schick gekleidet, der Zylinder des Mannes liegt auf dem Tischchen, ein Handschuh liegt auf dem Boden.
Links unten, unter der Katze und den Vogel auch das Wort „Tears“. Es geht also nicht nur um den auf dem Klavier vertonten Text von Thomas Moore (Oft in Stilly Night) (2), wie es im VideoClip gesagt wird, es geht auch um das Gedicht von Alfred Lord Tennyson: „Tears, Idle Tears“ (1). Laut Chatgpt, die ich dazu befragte, haben beide Lieder das Thema: Vergangenheit, Verlust, Reue über die verlorene Zeit, unschuldige Kindheit (wichtig mit Blick auf die Mätresse), Möglichkeit innerer Umkehr, emotionale Erschütterung führt zum Erwachen.
Dann wurden in dem VideoClip auch nicht die Getreidehalme , die Trauben und die Vögel erklärt. Unten schläft, so die KI ein Wächter, das Horn liegt auf dem Boden (?), sodass die Vögel, vermute ich, nicht verscheucht werden. (Ich kann das nicht erkennen.) Fressen die Vögel die fruchtbare Ernte? Bedeutet das: der Mann wird seiner Verantwortung nicht gerecht, er schützt nicht, während die Frau diejenige ist, die die Erwachung erfährt?
Zudem sind Vögel, wenn ich mich nicht irre, auch als Symbol für Untreue und Unbeständigkeit bekannt, für Affären und Unbeständigkeit.
Was mich wundert ist, dass das Zimmer sehr genau gemalt wird. Aber dieser Teil der Tapete wird in einem ganz anderen Stil wiedergegeben. Es sieht schön aus: oben die Trauben, auf den Zweigen sitzen die Vögel, unten das Getreide usw. Aber im Vergleich zu allem anderen ist das auffällig skizzenhaft.
Auf der Uhr finden wir übrigens die Zeit angegeben: 5 vor 12. Gab es diesen Ausdruck schon im 19. Jahrhundert? Also aus heutiger Perspektive: Die Erwachung der Frau beginnt in allerletzter Minute. Während der Mann diese nicht erlebt. Er besingt also lieber die sentimentale Erinnerung an verflossene Kindheitstage, an Menschen, die nicht mehr sind. Was er fröhlich, leichthinnig singt, bringt die Frau zur Erwachung. Dadurch wird er im Grunde zu ihrem Retter – auch wenn er selbst dem Verderben entgegengeht.
Laut KI hat Hunt auf den Rahmen aus der Bibel Sprüche 25,20 eingraviert: „Wie einer, der im Winter das Kleid ablegt, so ist der, der einem betrübten Herzen fröhliche Lieder singt.“ Der Spruch geht weiter – sinngemäß: Wie Essig, den man in die Wunde gießt, wirken fröhliche Lieder auf Traurige. Mit seinem sentimentalen Singsang bereitet er der Mätresse Schmerzen, die sie dazu bringt, über ihr verschwendetes Leben nachzudenken.
Rechts und links oben befinden sich Bibelworte: Jesus Sirach 14 warnt laut KI vor der Sünde und Jesaja, spricht Umkehr durch göttliches Licht an.
Das Bild rechts oben über dem Klavier greift ein Bild eines Gegners der Präraffaeliten (Hunt gehörte zu den Präraffaeliten) auf und malt eine Frau, die in einer emotionalen Zwickmühle steckt.
Die Knäuelfäden unten im Sonnenlicht zeigen Chaos, Unvollendetes, Liegengelassenes – aber was im Licht Gottes geheilt werden kann?
*
(1) Beginn des Gedichts:
Tränen, müßige Tränen, ich weiß nicht, was sie bedeuten,
Tränen aus der Tiefe einer göttlichen Verzweiflung
steigen im Herzen auf und sammeln sich in den Augen,
wenn ich auf die glücklichen Herbstfelder schaue,
und an die Tage denke, die nicht mehr sind.
Das ganze Gedicht: https://giggleacademy.com/blog/de/learning/songs/from-the-princesstears-idle-tears-by-alfred-lord-tennyson-giggle-poems
(2)
Oft, in the stilly night,
Ere slumber’s chain has bound me,
Fond memory brings the light
Of other days around me;
The smiles, the tears,
Of boyhood’s years,
The words of love then spoken;
The eyes that shone,
Now dimm’d and gone,
The cheerful hearts now broken!
= Beginn des Gedichts. Vollständig: https://irlandnews.com/lyrik-am-sonntag-oftmals-in-der-stillen-nacht-thomas-moore/
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