Statue: Geburt Jesu
In einer Kirche wurde die Statue der gebärenden Maria aufgestellt. Das sorgt für massiven Wirbel. https://www.kath.net/news/85015 Dazu auch: https://www.kath.net/news/84993
Katholiken lassen sich zu recht nicht alles gefallen, was ihnen einige andere Katholiken zumuten. Und diejenigen, die das aufstellten, sollten sich einmal ehrlich die Frage stellen: Warum haben wir eine solche Skulptur aufgestellt? Sollte sie einfach nur provozieren?
Die Geburt Jesu war eine ganz normale Geburt. Aber diese normale Geburt ist keine, die adäquat abgebildet werden kann durch eine – was weiß ich: Gipsfigur. Das ist einfach die Banalisierung eines ganz tiefen Geschehens. Diese Banalisierung zeigt mehr über den Künstler und den Auftraggeber als sie es sich vielleicht denken.
In der Vergangenheit wurde in Kirchen alles mögliche hineingestellt. Heute steht es noch drin, weil wir die Vorfahren achten, nicht aber unbedingt, weil wir das auch so machen würden. Von daher passt eine solche Skulptur in eine Kirche, in der Un-Sinn reingestellt wird, wie schon immer Un-Sinn reingestellt wurde. Alte Kirchen sind Orte greifbarer Geschichte.
Was ich aber als besonders sonderbar ansehe: Haben solche Menschen in unserer Zeit noch nie über die Bedeutung von Kirchenräumen nachgedacht? Haben sie noch nie nachgedacht darüber, was Spiritualität, was Andacht ist? Haben sie nie darüber nachgedacht, welche Bedeutung christliche Kunst hat? Wollten sie einfach nur eine Geburt darstellen – haben die Frau dann Maria genannt, weil das mehr Aufmerksamkeit mit sich bringt? Die Fragen könnten vermehrt werden. Kurz: Ich wüsste gerne mehr über den Verwirklichungsprozess einer Idee.
Natürlich kann eine Schnapsidee sich auf einmal vom Verstand lösen und sie bekommt eine Eigendynamik. War denn niemand da, der sagte: Halt, Leute, so geht das nicht!?
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Das Wunder der Geburt – jeglicher Geburt – bildhaft darzustellen ist eine solche große Kunst, an die sich wirklich nur tiefe, andächtige Menschen wagen sollten, wenn sie mit Christus in Verbindung gebracht werden soll.
Es gibt Fotos und Fotos.
Es gibt Fotos, die einfach nur geknipst sind,
es gibt Fotos, die einfach nur provozieren wollen,
es gibt Fotos, mit denen sich manche einfach nur ins Gespräch bringen wollen,
es gibt Fotos, die einfach dem Gelderwerb dienen,
es gibt Fotos, mit deren Hilfe Fotografen ihre Ehrfurcht vor dem Fotografierten ausdrücken wollen,
es gibt Fotos – ganz selten, aber es gibt sie – mit denen es gelingt, ansatzweise die Tiefe des Fotografierten zu erfassen, den Schöpfergeist hinter dem Sichtbaren. In denen sich darüber hinaus der Fotografierende mit dem Fotografierten vereint. Schwer auszusprechen, was ich meine.
Was von Fotos geschrieben wurde, gilt auch für Gemälde, Skulpturen, Filme und Texte. Wenn ein Mensch wirklich als Künstler gelten will, sollte er sich die Frage stellen: In welche Kategorie falle ich? Und die Auftraggeber sollten sich dasselbe fragen: In welche Kategorie fällt er? Manche sind dazu natürlich intellektuell und selbstverliebt nicht in der Lage und finden alles irgendwie klasse, auch wenn es gruselig ist. Aber dazu gibt es ja weitere Brüder und Schwestern in der Kirche, die einbezogen werden können in die Entscheidung.
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Ein wunderbares Beispiel ist das Bild Ecce Homo, dass eine spanische Frau aufhübschen wollte: https://www.spiegel.de/panorama/uebermaltes-jesus-fresko-spanische-rentnerin-soll-geld-bekommen-a-917919.html
Und so kann hinter dem ehrwürdigen Ecce Homo, das zu einem Ecce Monchichi umgewandelt wurde, Tiefes erkannt werden: Einmal, dass Künstler nicht vor Anmaßungen befreit sind (auch nicht aufgrund ihres guten Willens und Glaubens), dann aber auch, dass die Unfähigkeit zum Menschen gehört – und aus einem Jesusbild den so genannten Affen-Jesus macht. Ecce Homo – abgewandelt: So ist der Mensch als Mensch. So ist er in seiner ganzen durchsichtigen Unvollkommenheit.
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Zurück zur Skulptur: Sie zu zerstören ist keine Lösung. Aber sie sollte schnellstens entfernt werden aus dem Kirchenraum und als ein unvollkommenes Kunstwerk irgendwo anders seine Heimat finden. Oder: Diese Statue ist auch Sinnbild für das, was zurzeit in der Kirche so abgeht. Von daher hat sie schon jetzt geschichtlichen Wert – auch in der Zerstörtheit. Sie sollte also nicht dominant im Kirchenraum stehen, in dem Bereich, indem Menschen mit Gott allein sein wollen (Andacht), sondern irgendwo im Hintergrund als missglückter Versuch – aber als Sinnbild für unsere Zeit.
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