Ludwig Müller

Im Kontext einer Untersuchung mit Blick auf den von Hitler geförderten Reichsbischofs der Deutschen Christen, Ludwig Müller, stellt sich die Frage nach den „wahren“ und „falschen“ Propheten.

Große Teile des Volkes wünschten sich, dass die Trennung im Volk beendet würde. Wie konnte man sie beenden? Vereinfacht gesagt: In ihren Vorstellungen durch einen Führer, der alle Gleichgesinnten um sich schart. Ein Führer, ein Volk, die gemeinsame Ideologie – das Gefühl der Einheit mit Volk und Natur, ein gemeinsames Ziel.

Wie konnte man diese erreichen? Dadurch, dass man sich der vorhandenen rassistischen/antisemitischen Feindbilder bedient und dass man diese Führer-Struktur auf der gesamten gesellschaftlichen Ebene ausdehnt. Ein großer Führer, darunter viele kleine Führer, darunter noch mehr kleinere Führer… Diejenigen, die dieser neuen Weltrettungs-Ideologie widerstanden, wurden ausgegrenzt, als Verräter denunziert, als Zerstörer des einheitlichen modernen Strebens, man hat versucht, sie zum Schweigen zu bringen.

Ludwig Müller war ein Führer auf der höheren Ebene, eingesetzt von Hitler, die Kirchen hinter Hitler zu scharen und der Ideologie zu unterwerfen. Es hat nicht geklappt, weil eigenständige Christen den Mut hatten, diesen Zumutungen zu widerstehen.

Aber viele der Christen hatten gar nicht wahrgenommen, dass es für Christen Zumutungen waren, die von ihnen verlangt wurden. Einmal, weil sie selbst schon in diesem Weltbild dachten. Müller hatte die DC-Richtlinien entschärft, um mehr Menschen ins Boot zu holen, aber die Ideologie dahinter blieb. Man war damals genauso wenig blöd wie heute, wenn man etwas erreichen will: Man muss sprachlich lavieren, um die Menschen zu verblenden (das Wort Nudging bzw. Framing kannte man meines Wissens noch nicht – aber das, was dahinter stand: Manipulation, Propaganda) – und man konnte sie dann wieder, wenn man die Leute soweit hatte, verschärfen.

Das geschah allerdings zu früh. So ließ man dann in der Sportpalast-Rede Ende 1933 die Katze zu früh aus dem Sack – Menschen wurden die Augen geöffnet, sie verließen das in ideologische Fesseln gelegte Christentum. Der Kirchenführer Müller stampfte noch einmal auf, doch dann ab Ende 1934 wurde er zum Führer ohne Geführte, da auch Hitler seine Hand 1935 von ihm abzog. Er konnte die nationalsozialistische Sicht in der Kirche nicht durchsetzen, hat also als Führer versagt. Eine neue Kirchenpolitik begann: Intensive Verfolgung durch den Staat und der Versuch, den christlichen Glauben mit Hilfe heidnischer Religiosität zu verdrängen.

Zum Thema „falsche“ und „wahre“ Propheten. Die Sprache Müllers will ich irgendwann in den nächsten Tagen einmal vertieft darlegen, damit auch die religiöse Sprache der Deutschen Christen. Diese zu durchschauen, war damals nicht allen möglich: weil sie den christlichen Glauben im Sinne der damaligen Ideologie verändert hatten: Der christliche Glaube war nicht mehr das Vorzeichen vor dem Leben, Handeln, Denken, Reden. Der christliche Glaube war Sklave eines neuen Vorzeichens: Einheit, Volk, Nation… Kann man daran die falschen Propheten erkennen – an dem jeweils neuen Vorzeichen, das jede neue Zeit produziert?

Datenschutzerklärunghttps://www.wolfgangfenske.de/http://glaubensdiskussion.wolfgangfenske.de/