Fake News: Naturfilme + Alte weiße Männer

Neulich in der ARD einen wunderbaren Film über Schimpansen geschaut. Der alte David, der seine Dynastie gegen die randalierenden jungen Schimpansenmännchen verteidigen muss. Fast wäre er gestorben, aber zäh lebt er weiter – was für eine Gesundheit diese haben! Eine riesen Wunde klaffte – aber sie wuchs wieder zu, trotz all der Maden, die sich vermutlich in der Realität dort haben entwickeln können, und auch sonst hatte er viele kleine Wunden – oder sind die robusten Affenmänner gegen so etwas resistent? David war´s. (Dann stürzen sich sicher Forscher darauf.) Ob die Weibchen, die seine Wunde leckten, wirklich so fürsorglich waren, oder das Blut mochten – nun denn, glauben wir dem Sprecher: sie waren fürsorglich… Dann, nachdem er sich wieder an Obst gesund gegessen hatte, entwickelte er eine Strategie, sammelte Gleichgesinnte, die sich gegenseitig lausten, und wird dann wieder Herr im Hause seiner Horde. Er vergibt dem Hauptaufrührer nicht, mit Namen – wenn ich richtig gehört habe: – Luther, der wird isoliert, hat dann natürlich Angst vor den vielen Alten, die sich zusammengeschlossen haben, um ihm das Leben schwer und die Weibchen abspenstig zu machen… Und dann der Höhepunkt: Er zeugt noch einmal einen Jungen, einen Jungen, wenn sich Freude in Schimpansenpapas Gesicht zeigen könnte, würde er sicher strahlen. Noch ein Statthalter, der mich vom Thron stürzen könnte. Nein, das hat er natürlich nicht gedacht. Der große Denker freute sich nur über seinen Sohn – oder war er stolz? – der geboren wurde. So ähnlich hieß es im Film.

Ich wüsste ja einmal gerne, was an solchen Filmen letztlich Wirklichkeit ist. Ja, es gibt Schimpansen… – aber das wurde alles grotesk verzerrt. Was davon ist wissenschaftlich begründet? Man müsste den Film einmal Feministinnen und Wissenschaftlern vor die Augen und in die Ohren bringen. An Gender*innen habe ich nicht gedacht. Sorry. Für die ist der alte Schimpansen-David wahrscheinlich eh ein alter weißer Mann, der nicht kapiert, dass er auch die Rolle eines Weibchens hätte annehmen können.

Ist es so schwer, Natur Natur sein zu lassen, sie als Natur ernst nehmen? Nicht wichtig nehmen, weil man sie vermenschlicht, sondern weil Natur als Natur ernst zu nehmen ist. Nicht aus der Perspektive, in der sie als Objekt betrachtet wird, sondern als eigenständige Größe, die man achten soll.

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Gedacht habe ich noch, angesichts der paarungsbereiten Schwellungen der Schimpansendamen: Das hat der Schöpfer doch gut gemacht, dass das alles bei Menschen nicht so ist. Man signalisiert was, was man gar nicht signalisieren will.

Aber das andere Verhalten, das Herumgekreische, das Stöcke werfen, Äste brechen, Steine gegen Bäume knallen – das kam einem dann doch wieder irgendwie menschlich vor – allerdings bei den Schimpansen sehr lasch – ohne Körperspannung.

Was ich noch schön fand, zu beobachten: Dem Schöpfer sei Dank, dass unsere Gesichter viele Muskeln haben. Wir können Stimmungen wunderschön ausdrücken. Die Herren Schimpansen sitzen nur alt und traurig herum, es sei denn, sie sind jung und schauen ratlos mit den großen Augen durch die Gegend. Wie süß und knuddelig!

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