Gott denken

Sie denkt sich Gott so – wie sie ihn sich denken will. Das ist der Gott Feuerbachs: Feuerbach wirft den Menschen vor, sie hätten sich einen Gott ausgedacht – das Gute aus sich herausgelagert und Gott genannt und das Böse sich selbst vorbehalten. Der Mensch solle nun das Gute wieder in sich hineinfügen, sich selbst als gut ansehen – auf jeden Fall: Gott = von Menschen gemacht. Feuerbach hat natürlich den jüdisch-christlichen Gott im Blick. Die anderen standen nicht so sehr in seinem Blickwinkel.

Dieser Vorwurf Feuerbachs, dass der Mensch sich Gott selbst macht, trifft auf jeden Fall auf all diejenigen zu, die heute ihre wunderbaren Götter des Guten kreieren.

Sich aber auf den Gott einlassen, wie er sich in Jesus Christus zu erkennen gibt, das würde bedeuten, sich auf die Herausforderung Gott einlassen und nicht sich etwas Schönes ausdenken und das dann Gott nennen. Das bleibt ein Schubladen-Göttchen. Gott ist nur so viel ich als Menschlein denken kann. Ich bleibe in meinem kleinen Denkbereich verhaftet, vermag nicht über mich hinaus zu denken. Ich, der Mensch, ich habe alles in der Hand, sogar Gott. Ich denke, ich hätte damit den Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, den Gott, der Mensch geworden ist – habe damit aber nur mich selbst. Und darum gestalte ich ihn nach meinem Willen. Das ist freilich nichts Neues, wird schon vor über 2500 Jahren so gesehen. Aber der Mensch bleibt eben der Alte – auch wenn er denkt, er sei mit seiner Gottes-Sicht besonders modern. (Vom Dezember 2015.)

Datenschutzerklärunghttps://www.wolfgangfenske.de/http://blumenwieserich.tumblr.com/

Eine Antwort auf „Gott denken“

  1. Sich aber auf den Gott einlassen, wie er sich in Jesus Christus zu erkennen gibt
    Und worin besteht dieses Sich-zu-erkennen-Geben?
    Darin, dass Jesus damit droht, alle, die nicht an ihn glauben, in die Hölle zu verdammen?
    Offensichtlich ja, denn es wird ihm mehrfach in den Mund gelegt, z. B. in Mk 16, 16: “ „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“

    oder Mt 13, 41ff.: „Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.“

    Wenn man sich schon auf die Botschaft der Bibel beruft, dann bitte auf die ganze Bibel und nicht nur auf die weichgespülte Version, die alle peinlichen Stellen ignoriert.

    Jesus war – wie das NT in aller Deutlichkeit zeigt – keineswegs (nur) der milde und gütige Menschenfreund, wie die Theologie ihn gerne darstellt, sondern unterscheidet sich in seiner unversöhnlich-rachsüchtigen Diktion nur wenig vom ebenso gestrickten Gott des AT.

Kommentare sind geschlossen.