Buß- und Bettag

Heute ist Buß- und Bettag.

Dieser Tag ist eine Besonderheit. Menschen reflektieren ihr Tun. Was ist schlecht, das ich tue? Was ist gut? Diese Reflexion, wenn sie ehrlich geschieht, macht sensibel. Sensibel nimmt man sich selbst wahr – aber nicht allein in einem Kokon, sondern im Verhältnis zu anderen. So ein Tag birgt die Chance in sich, sein Leben zu ändern an den Stellen, an denen es falsch läuft. Der Tag hat Auswirkungen auf das Zusammenleben in der Gesellschaft. Diese positiven Auswirkungen hatte die gesamte Bußpraxis der Kirche (so kritisch man auch manche Auswüchse interpretieren muss).

Es ist jedoch ein Tag, der in christlicher Tradition liegt. Man nimmt nicht allein sich selbst wahr, sondern versucht es aus der Perspektive Gottes – aus der Perspektive des Bibellesens, der des Gebetes, der Gemeinschaft der Glaubenden. Denn man ist Gott verantwortlich. Wie lebe ich mein Leben vor Gott, aus dem Glauben an Jesus Christus heraus, lebe ich es im Geist Gottes?

Soweit ich das in meiner Tradition wahrgenommen habe, geht es im Wesentlichen um die Bußhaltung des einzelnen Glaubenden. Haben wir die Institution „Kirche“ aus dieser Perspektive zu wenig wahrgenommen? In diesem Jahr – aber auch schon in den vergangenen Jahren – werden wir massiv durch die Kindes-Missbrauchs-Sünde darauf hingewiesen, dass Christen an bestimmten Schaltstellen der Institution versagt haben. Die Gründe mögen vielfältig sein – aber das muss jeder, der an einer solchen Stelle saß, klar bekennen: mea culpa, mea culpamea maxima culpa …

Auf diese große Schuld wurde die Kirche massiv gestoßen – kann damit endlich zu einem Reinigungsprozess in der Kirche beitragen. Aber wo liegt sonst noch große Schuld, die bislang nicht entdeckt wurde? Wo ist unbedingt Handlungsbedarf: Hier muss die Institution unbedingt neue Wege einschlagen, die Perspektive ändern? Der Maßstab muss immer Jesus Christus sein – sein Auftrag an uns.

Der Geist Gottes möge in der Kirche diesen Prozess anregen und zum Guten führen, bevor er die Menschen außerhalb der Kirche dazu heranzieht.

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