Liberalismus

Bislang fehlten mir immer die richtigen Zuordnungen für Phänomene der Gegenwart. Diese ganze Frage der Political Correctness ist keine des Kommunismus, keine des Kapitalismus, keine des Konservatismus usw. – wie ist sie einzuordnen? Ich lese zurzeit das Buch von Marcello Pera: Warum wir uns Christen nennen müssen. Plädoyer eines Liberalen. Es ist der Liberalismus, der auch gleichzeitig versucht, die Religionen zu verdrängen bzw. vor allem das Christentum, weil dieses als großer Gegner seit Beginn auf seine Fahnen geschrieben wurde – zumindest bei einem Teil der Vertreter.

„Der säkulare Staat ist nicht leer… Das bedeutet, dass der liberale Staat sich keine gegebene religiöse oder umfassende Lehre zu eigen macht…, sondern eine eigene Religion oder umfassende Lehre.“ (38)

Mit Liberalismus wurde bei uns immer die FDP verbunden – und damit das Thema Wirtschaftsliberalismus. Aber dass unser gesamtes System im Augenblick vom Liberalismus dominiert wird, lässt deutlich werden, warum die FDP ins Nichtssagende rutschte: Die anderen Parteien und Gruppen haben ihre Weltanschauung zu eigen gemacht, sodass die FDP gar nicht mehr benötigt wird.

Wer sind jedoch die treibenden Kräfte des Liberalismus in unserer Zeit? Das sind Medien. Manche von ihnen kommen im großen Pathos der Neutralität daher und sind doch nur Vertreter des Liberalismus. Wie kann man nur meinen, dass der Liberalismus neutraler ist als eine Religion? Er ist eine Form der Weltanschauung neben vielen. Nur eine Form. Ihr haben wir manches Gutes zu verdanken – aber das gilt für alle Weltanschauungen: Wenn er sich wie ein grauer Schimmelpilz über alles legt, dann wird die Gesellschaft krank.

In dem genannten Buch wird dargestellt, dass Kant, Locke, Jefferson – alle davon ausgegangen sind, dass der christliche Glaube auch die Grundlage des Liberalismus seien, weil ohne die Grundlage, dass der Mensch Kind und Ebenbild Gottes ist, der Liberalismus „die fundamentalen und universalen Rechte der Menschen nicht aufrechterhalten (kann), noch kann er hoffen, daß die Menschen in einer liberalen Gesellschaft zusammenleben können.“ (54) Der Autor kommt zum Schluss dieses Abschnitts darauf: „Liberalismus und Christentum sind artverwandt.“

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