Assad-Syrien

Die Frage ist, ob man mit Assad zusammenarbeiten soll, um die ISIS zu bekämpfen. Bundeskanzlerin Merkel meinte, man könne nicht mit Assad zusammenarbeiten, das sei man den vielen Toten schuldig, die durch Assad gestorben sind.

Da bin ich anderer Meinung – auch wenn ich in vielen Fragen mit ihr übereinstimme: Flüchtlingsfragen, Israel, vielleicht auch in Europafragen…

Die Toten in Syrien sind nicht allein Folge der Assad-Regierung, sondern auch Folge der falschen Westpolitik. Und die Gegner Assads haben immens mehr Tote auf dem Gewissen, Zivilisten, Kinder, Erwachsene, Alte, Angehörige von Minderheiten – wenn wir schon rechnen wollen – als die Assad-Regierung. (Und ebenso müsste man dann auch Poroschenko die Toten im Ukraine-Konflikt zuordnen.)

Aber Assad ist nicht einfach so mit einzubeziehen, um die ISIS zu bekämpfen. Er muss einbezogen werden, damit man ihn aus den Fängen der Hizbollah befreit und ihn vom Iran lösen kann. Es geht um Politik und nicht um emotionale Reaktionen. Und wenn die ISIS beseitigt wurde, kann man als Weltgemeinschaft überlegen, wie man mit Assad umgeht. Auch dort müssen in Ruhe geregelte Strukturen gefunden werden, damit man die übrige Bevölkerung nicht den Islamisten ausliefert, was man ja bislang gemacht hat – auch durch die Unterstützung der freien Syrischen Armee. Die Weltgemeinschaft muss einfach Zeit bekommen – und die ISIS, die für alle die gefährlichste Gruppe ist, x mal gefährlicher als Assad, besiegen.

Was dann Syrien betrifft, müssen erst einmal die türkischen Interessen hinter dem Angriff auf Assad, die sunnitischen Interessen, deutlich an Saudi Arabien und Katar, analysiert werden – und der Westen muss sich fragen: Wollen wir von der türkischen Regierung bzw. den Sunniten vor den Karren gespannt werden? Wollen wir uns in den Kampf der Sunniten gegen die Schiiten einspannen lassen?

Amerika und der Westen kommen mir im Augenblick wie riesige Tanzbären vor, die am Gängelband der sunnitischen Staaten vorgeführt werden. Dazu sollte der Westen einfach klug genug sein, dass er das nicht mit sich machen lässt.

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