Gebet = Waffe + Frieden für Syrien

Das Gebet ist eine Waffe derer, die keine Waffe haben. Und das muss man, denke ich, akzeptieren.

Glaubt Broder wirklich, es würde etwas bringen, wenn der Papst Putin und dem Chinesen die Hölle androhen würde, statt zum gebet aufzurufen? http://www.welt.de/debatte/kommentare/article119729621/Geben-wir-Gott-halt-noch-einmal-eine-Chance.html

Ich selbst stehe solchen Gebetsaktionen skeptisch gegenüber. Ich sehe das Gebet nicht als legitimen Versuch an, Gott zu zwingen, das wäre heidnisches Denken – sondern das Gebet, wie ich es sehe, ist ein Einstimmen in das Handeln Gottes, ein Übereinstimmen mit Gottes Handeln – und bedeutet somit: In Gottes Auftrag handeln, an der Welt mitwirken. Wenn eine solche Gebetsaktion also gut ist, dann ist sie eine, die mit Gottes Willen in Übereinstimmung agiert – und nicht versucht, Gott zu zwingen. Außerdem schließt die Liebe zu Gott Zwang aus. Und wenn Gebete nicht erhört werden, dann ist das Teil einer Beziehung von Gott und Mensch. Mein Partner macht ja auch nicht immer das, was ich will – und ich muss lernen, damit in Liebe umzugehen.

Aber vielleicht soll die Gebetsaktion auch Menschen zur Besinnung bringen – und ist somit politisch gewichtig – aber ist das der Sinn des Gebetes? Wenn es dem Handeln Gottes mit der Welt entspricht, ja. Dass Gebete funktional eingesetzt werden können, habe ich in einem dicken Buch beschrieben: Und wenn ihr betet… – Gebete in der zwischenmenschlichen Kommunikation der Antike… V&R 1997; über Gebetserhörung findet Ihr einen Aufsatz von mir in Münchener Theologische Zeitschrift 53, 2002. (So alt ist der schon? Kinners – wie die Zeit vergeht!) Zum Gebet: http://www.pro-medienmagazin.de/?id=gesellschaft&news[action]=detail&news[id]=7048

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Ich bin gegen einen Krieg gegen Assad – weil er den Islamisten großen Raum geben würde. Das Problem ist freilich: Wofür bin ich, um den Krieg zu beenden? Ich wäre für den Versuch, Assads Herrschaft wieder zu stärken und dann – wie er selbst schon andeutete – den demokratischen Prozess in Gang zu setzen. Das heißt: Alle ausländischen Islamisten raus aus Syrien (aber nicht nach Jordanien!) – die innersyrischen Rebellen an dem demokratischen Prozess beteiligen. Das Risiko: Assad und seine Truppe nutzt den Sieg aus, und beseitigt alle Gegner. In diesem Fall müsste die UN Assad absetzen. Gut finde ich, dass der Iran zurzeit möglicherweise Annäherungen an den Westen übt*. Das würde die Chance vergrößern, in Syrien Assad an die Kandare zu nehmen. Und was ist mit der Hisbollah? Die würde sich als Terrororganisation gegen eine „Befriedung“ Assads wenden und wie Rumpelstilzchen (= das Böse) seinen Tribut fordern. Aber das ließe sich sicher mit vereinten Kräften vermeiden – vor allem, wenn der Iran aufhört, sie zu unterstützen.

Das klingt alles naiv (wie kann es zum Beispiel bewerkstelligt werden, dass die aus aller Welt vereinigten Islamisten Syrien verlassen?). Aber ein paar Tage in Syrien herumballern ist genauso töricht. Die Alternative ist: Mit oder ohne Westen gibt es weiterhin Mord und Totschlag, bis eine Seite verloren hat, und die Übriggebliebenen massakriert wurden. Dann beginnt eine neue Terrorherrschaft. Gott bewahre die Syrer vor einem solchen Ende.

* Irans Staatspräsident gratuliert Israel zum Neujahrsfest: http://www.idea.de/detail/menschenrechte/detail/irans-staatspraesident-gratuliert-zum-juedischen-neujahrsfest-25779.html Das ist eine Sensation, wenn das stimmt.

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