Nach schlimmen Ereignissen stehen die Menschen zusammen. Aber: Man kann nicht fordern: Steht zusammen! – vor allem nicht, wenn diese Forderung von denen kommt, denen ein Teil des Volkes die Schuld an der Katastrophe gibt. Dann wird das nur als Aufforderung verstanden: Haltet den Mund! Vor allem auch, wenn als Devise ausgegeben wird: Heute trauern wir – jeder, der die Schuldfrage aufwirft, jeder, der danach fragt, wurde genug zum Schutz getan – wird zurechtgewiesen: „Das ist nicht der Tag, um über die Folgen zu diskutieren“ (de Maiziere). Vor allem: Wenn der Kriminelle noch herumläuft – nur zur Vorsicht mahnen? Nicht Folgen diskutieren? Es scheint noch nicht ausgestanden zu sein.
In unserem Land ist die Situation ziemlich festgefahren. Wie kann sie gelöst werden? Auf jeden Fall nicht durch das nun einbrechende Spiel: Merkel ist schuld – Merkel ist nicht schuld – das sich die Lager um die Ohren hauern.
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Fakt ist: Europa hatte seine Grenzen nicht gesichert – so wie es nötig gewesen wäre. Man muss die Situation nicht wieder diskutieren – aber Erdogan hatte es vorher angekündigt, es war schon immer erwartet worden – aber man hatte nichts getan. Dann haben die Behörden in unserem Land zu langsam gearbeitet, was aber nicht an den Behörden lag, sondern an denen, die seit Jahren zu wenig Stellen bereit gestellt hatten. Dann haben sich viele, sehr viele, einfach in die Büsche geschlagen und sind jetzt irgendwo, weil man es zuließ, dass sie einfach den jeweiligen Zug auf offener Strecke anhielten. Ich muss nicht alles aufzählen, was vor einem Jahr schief gelaufen ist. Ich hatte es im Blog. Und es ist viel schief gelaufen. Das weiß die Politik auch und versucht ja seitdem gegenzusteuern. Sie versucht es unter vielen Schwierigkeiten, weil ein paar Gruppen in der Gesellschaft ihnen dabei sämtliche Beine in den Weg stellen. Nun wundert man sich, dass die Bevölkerung fragt: Wer trägt eigentlich die Schuld daran? Wer trägt dafür die Verantwortung?
Kann man sagen: Keiner, denn es handelte sich um eine Art Naturkatastrophe, eine Menschenflut. Da konnte niemand etwas gegen machen. Oder vielleicht doch?: Erdogan trägt die Schuld, Assad trägt die Schuld, Putin trägt die Schuld – warum auch immer, er ist an allem schuld -, Soros trägt die Schuld, weil er das ganze finanziert (islamische Staaten tragen sie nicht, denn die können nichts dafür, dass sie Islamisten unterstützen, die sind halt so)… Sie sind die Mächtigen, die die ganzen menschlichen Naturkatastrophen Anno 2015 ausgelöst haben – und dagegen konnte wirklich keiner unserer EU- und deutschen Politiker etwas tun. Also kurz: Keiner trägt die Schuld. Keiner trägt die Verantwortung. Das kann man alles sagen.
Wie sehr wir belogen werden, zeigt dieses Video. Meine Frage ist: Wer macht sich die Mühe, so etwas alles durchzuschauen? Welches Interesse besteht darin, Lügen aufzudecken? Muss man auch Fragen, denn man weiß nie, wer was warum wie macht.
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Ich muss sagen, ich empfand die Tagesschau am 20.12. als äußerst gespenstisch.
Man weiß seit Jahren, dass Weihnachtsmärkte gefährdet sind. Und was beginnt man nun? Man inspiziert die Weihnachtsmärkte und schaut, wo man Auto-Barrikaden errichten kann. Macht Sinn, um vor Nachahmungstätern zu schützen – aber warum jetzt erst? War sicher zu teuer, überall prophylaktisch welche hinzustellen. Wo ist das Geld geblieben – mit dem man hätte die Bevölkerung schützen sollen? Kommunen sind knapp bei Kasse. Warum?
Dann beginnt man bei Köln – zumindest suggeriert das die Tagesschau – irgendwelche LKWs zu kontrollieren. Und, was macht das denn für einen Sinn? Wurde da eine normale Kontrolle zu einer umfunktioniert, um Sicherheit zu suggerieren?
Da hat ein Verbrecher einen Mann erschossen und fährt mit diesem durch Berlin, rast auf einen Weihnachtsmarkt, tötet zahlreiche Menschen und verletzt noch mehr – und er ist auf der Flucht. Das heißt, er könnte sich einen neuen LKW schnappen und den nächsten Weihnachtsmarkt oder die nächste Menschenansammlung angreifen. Und dann kommt ein Ausschnitt aus einer Gauck-Rede nach dem Motto: Die Sicherheitskräfte haben alles im Griff.
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Wer war derjenige, der auf die drei Nordafrikaner in der Moschee in der Schweiz geschossen hat? Ein Schweizer, liest man hier: http://meta.tagesschau.de/id/118883/mordanschlag-in-moschee-der-taeter-war-ein-schweizer Ein terroristischer Hintergrund wird ausgeschlossen – eher ein okkultistischer Grund. Wie das, fragt sich der naive, aber aufmerksame Leser: Okkult? Sind die Schweizer okkult geworden?
Nun: Es handelt sich wohl um einen Mann mit ghanaischen Wurzeln, so ein Leserkommentar mit Hinweis auf die NZZ. Andere Leser beschweren sich natürlich über diese Korrektur. Spielt keine Rolle, wo der her kam aus der Schweiz, aus Afrika oder woher auch immer.
Doch spielt es, da jeder aufmerksame Leser – ich sagte: aufmerksame Leser – sich gerne ein Bild machen würde. Und dazu passt eben der Okkultismus nicht, wenn man Schweizer sagt. Natürlich gibt es auch Schweizer, die okkult bewegt sind, aber was suchen die in einer Nordafrika Moschee. Das heißt: Denkende Menschen fragen und hinterfragen. Das hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit Weltkenntnis. Zudem: Man möchte gerne einordnen, ob zum Beispiel Stammeskämpfe nach Europa kommen oder nicht. Da kann man natürlich sagen: Überlass das Wissen den Sicherheitskräften, du bist nicht befugt, das wissen zu wollen. Man möchte klug bleiben und nicht verdummt werden. Man möchte einordnen können – und nicht irgendwas vorgekaut bekommen, wie die unmündigen Kinderchens in manchen Gegenden. Wer naiv bleiben will, soll es bleiben. Er soll nur nicht anderen vorwerfen, sich ein eigenes Bild machen zu wollen. Denn jeder Bürger, so ist es zumindest, wie ich mir das vorstelle, ist verantwortlich für seine Gesellschaft. Wer Verdummung und Verschweigen predigt, dem kann nicht an einem mündigen Bürger gelegen sein.
Übrigens, was einen anderen Leserbrief betrifft: Das heißt nicht, dass dieser Mann aus Ghana nicht Christ gewesen sein kann (ich weiß es nicht – der Leserbriefschreiber wirft es ein – was mich allerdings wundert: Was macht ein Christ aus okkulten Gründen in einer Moschee?). In manchen Ländern Afrikas verschwimmt das alles. Ist für mich als Christ natürlich schwer verdaulich. Aber ich will es wissen.
Da sich viele Leserbriefschreiber sehr über die Diskussion aufregen – sie kam nur dadurch Zustande, dass da steht: Schweizer. Hätte die Tagesschau es gelassen, hätte sich jeder seine eigenen Gedanken gemacht. Wenn sie allerdings Schweizer hinschreibt – ohne Zusatz okkult – dann hätte man über die rassistischen Schweizer schimpfen können, die die friedlichen Muslime in einer Moschee nicht in Ruhe lassen. Wollten das die minimalistischen Leserbriefschreiber bezwecken?
Ich denke, in dem Beitrag wird etwas verdreht: Assad nutzt Fehler Europas und der USA aus? Assad wurde von Europa und der USA in die Arme anderer getrieben. Sollte man fairer Weise sagen. Aber dass man inzwischen mit Assad reden muss, steht auch in dem Beitrag. Und wir hören sogar den Hinweis, dass Frankreich und die USA sich verrannt hätten, als sie sich gegen ein Reden mit Assad entschieden haben. Und unsere Regierung? Merkel, von der Leyen und co.? Sie haben genauso das Gespräch verweigert und dadurch Assad Macht gegeben. Es waren massenhaft strategische Fehler. Gut, dass Alexander Graf Lambsdorff ein paar anspricht: http://www.focus.de/politik/experten/lambsdorff/katastrophale-lage-in-syrien-aleppo-eine-tragoedie-mit-ansage_id_6378477.html Von daher: Nicht nur die Grenzöffnung für Flüchtlinge war falsch, sondern auch die Ursache der Flüchtlingskrise: die falsche Syrienpolitik. Und die hat unsere Regierung auch mit zu verantworten. Ob sie jetzt endlich dazu lernt?
Das wollte ich nur mal bringen, geht vor lauter anderen Themen unter – und weil die Tagesschau das mit Clinton am 20.12. verschwiegen hat. Passt nicht ins Schema. Dafür ist es ihr wichtiger zu sagen, dass 5 Millionen US-Amerikaner dagegen waren, dass die Wahlmänner sich für Trump entscheiden. Von 323 Millionen. Nur zur Kenntnisnahme: Die USA hat mehr Einwohner als Deutschland (82 Millionen). In D wären 5 Millionen schon prozentual mehr – nur einmal so eingeworfen für alle, die jetzt erstaunt sein sollten.
Sorry, manchmal muss man über unsere Medien richtig schmunzeln. Wie sie es immer und immer wieder versuchen – und manche es ihnen sogar abnehmen.
Das schrieb ich gestern Abend, nach den ersten Meldungen. Heute morgen weiß man mehr. Bevor ich die Nachrichten anschaute, dachte ich: Hoffentlich ist es ein Unfall. Für die Angehörigen und Mitmenschen der vielen Toten wäre das letztlich nicht ganz so wichtig, für die Verletzten und deren Angehörigen ebenso – aber für die Gesellschaft ist es ein ganz großer Unterschied, ob ein Unfall oder die Tat eines durch Islamismus gesteuerten Wahnsinnigen dahinter steht.
Aber ist es auch den Angehörigen letztlich unwichtig? Einen Unfall kann niemand verhindern. Aber dass ein Mensch bewusst so eine schreckliche Tat begeht, vervielfacht den Schmerz.
All solche Überlegungen sind albern – wenn man sieht:
Ja, es war ein Terrorakt (alles deutet darauf hin), dem 12 Menschen zum Opfer gefallen sind, der Menschen aus dem Leben herausgerissen hat und bislang 48 zum Teil schwer verletzte Menschen. Wie viele Menschen leiden jetzt Schmerzen, auch seelische Schmerzen… Mein Gott! Wozu sind diese Menschen fähig!
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Nachtrag: Liebe Blog-Freunde, viele von Euch haben am Abend des Anschlags auf meinem Blog nachgeschaut. Vergeblich. Es tut mir Leid. Aber ich wusste auch nicht mehr als Ihr, vielleicht sogar weniger. Wenn ich selbst sehr verwirrt und erschrocken bin, schweige ich lieber.
Ich habe neulich ein Video aus Pakistan gesehen. Dort zeigt eine Menschenrechtsgruppe, wie einfach es ist, Kinder zu entführen. Sie will damit auf das große Problem von Kindesentführungen aufmerksam machen. Wie nah diese kriminelle Energie auch bei uns ist! Die Frage ist nur: Was passiert jetzt mit dem Mann? Der hat ja nichts getan. (Das ist so gemeint: Wie gehen Sicherheitskräfte und Gerichte damit um? Er ist ja nur potentiell kriminell in Erscheinung getreten – welche Möglichkeiten gibt es da, ihn zu behandeln, dass ihm nicht doch irgendwann ein Mensch zum Opfer fällt.)
Das ist nicht der einzige Nachahmer-Fall der letzten Zeit, der Tritt gegen eine Frau: https://www.abendblatt.de/hamburg/article209022143/Brutale-Tretattacke-Mann-springt-Frau-in-Ruecken.html Wir erfahren: Der Täter war gefrustet, weil andere Frauen ihm kein Geld geben wollten. Er ist wieder frei – aber es wird ermittelt. In dem Beitrag erfahren wir auch, dass eine Frau in München getreten wurde – und ihr wurde die Handtasche geraubt:
Nach Angaben der Polizei habe es sich allerdings um einen Raub gehandelt und nicht um einen Akt roher, unmotivierter Gewalt.
Solche Informationen tragen nicht wenig dazu bei, dass man sehr zornig wird. Die Justiz, so der CDU Bürgerschaftsabgeordnete Gladiator „muss jetzt klare Kante zeigen, um deutlich zu machen, dass solche Täter nicht ungeschoren davonkommen“ – wie die Vergewaltiger?
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Und man könnte die Reihe fortführen: Joggerin in München… Es wird für Frauen immer schlimmer. Um nicht missverstanden zu werden: Es muss nicht ein Zugereister sein, sondern manche Hirne verrohen.
Fleischhauer in einen sehr lesenswerten Beitrag zum Thema – ich sags salopp – Nazis und Nutella. Daraus sei nur ein Satz zitiert, um Geschmack aufs Ganze zu machen:
Man kann nicht vorsichtig genug sein. Die Telefonnummer der Amadeu Antonio Stiftung enthält ebenfalls die Doppel-Acht. Außerdem sitzt der Verein in der Novalisstraße in Berlin. Der Dichter Novalis ist eine der Gründungsfiguren der Romantik, die bei den Identitären hoch im Kurs steht. Wer weiß, vielleicht ist die ganze Amadeu Antonio Stiftung in Wahrheit eine rechte Tarnorganisation, um den Antifaschismus zu unterwandern und von innen zu diskreditieren. Ich würde an Stelle der „Zeit“ mal nachsehen, was da los ist.
Ich sag es allgemein, um niemanden zu diskreditieren: Man hat in der Antike ein Gesetz gehabt. Um es ja nicht zu übertreten, hat man 1000 Gesetze (ich übertreibe) geschaffen – also Gesetze, um das Gesetz zu schützen. Heute finden wir das äußerst kurios. Aber das finden wir auch bei unseren Linken: Um die Nazis zu bekämpfen, werden gleich alle anderen, die nicht links sind, mitbekämpft, es könnte ja sein, dass irgendwie ein Nazi dabei ist – oder einer, der ein Nazi werden könnte. Ein bisschen Geschichtswissen würde dem einen oder anderen sicher gut tun, um die Abstrusität zu erkennen. Dann kann man natürlich sagen: Wehret den Anfängen. Sehr gut! Nur: Wo sind die Anfänge? Linke sind nicht besonders geeignet, das alleine zu entscheiden. Sind sie schon bei der 88 in der Telefonnummer der AAS, oder in der Liebe zu Novalis? Wo die Anfänge liegen, das muss die Gesellschaft in einem freien Diskurs entscheiden dürfen, und der funktioniert nicht, wenn der Diskurs durch drohende Radikalinskis behindert wird.
Ich würde übrigens schon damit anfangen: Wer Anhänger des Nationalsozialismus und seine menschenverachtende Ideologie verniedlichend als Nazi bezeichnet, ist für mich schon verdächtig.
Übrigens: GinaBe findet den Fleischhauer-Beitrag:
Ja, Herr Fleischhauer! Es ist leicht, sich in „postfaktischen“ Zeiten jenseit harter dekonstuktivistischer und poststruktureller Episoden über alle, wie auch immer gearteten, demokratisch politischen Aktivitäten lustig zu machen, wenn Sie dabei im Schlußwort die Lacher auf Iher Seite wissen.
Und andere finden das auch nicht treffend. So geht es zu, wenn man diskutieren darf. Schön so! Übel ist es, wenn man es eben nicht mehr darf. Man lese einmal die Leserkommentare. Da kann man sehen, was manche als Argumente ansehen.
Normalerweise hätte das keiner bemerkt – zumindest hätte es keinen Eingang in die Medien bekommen. Aber in einer Zeit, in der man über Fakes spricht – bekommen wir sogar diese wichtige Nachricht.