EUGH und Exit-Union

Dieses Urteil war zu erwarten. Aber ob es wirklich was bringt, außer Streit? https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/eugh-drei-laender-haben-in-fluechtlingskrise-eu-recht-gebrochen-16708248.html

Die Souveränität eines Landes steht in der Diskussion – und sie wird wohl nicht diskutiert werden dürfen. Aber ob alle stillhalten? Kaum denkbar, dass sie sich die Oberhoheit abnehmen lassen und auf Brüssel übertragen. Vielleicht bilden sie dann mit den Briten eine eigene Exit-Union.

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Kuriosistan und Corona

Bevor ich Kuriositäten nenne, möchte ich sagen, dass ich – ohne Ironie – Scholz und seine Helfer bewundere. Was sie in kurzer Zeit alles gemacht haben, um politische Fehler anderer auszubügeln – das ist wirklich bewundernswert. Und man muss dankbar sein, solche Politiker zu haben.

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Leseverbot: Das Folgende sollten nur diejenigen lesen, die angesichts anderer Meinungen nicht gleich eingeschnappt sind und deren Blutdruck dann gesundheitsgefährdend steigt, wenn sie etwas lesen, das nicht ihrer Meinung entspricht.

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Endlich gibt es immer mehr sachliche Stimmen, das heißt Stimmen, die vielfältige Aspekte mit einbeziehen: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-03/ausgangssperren-coronavirus-verweilverbote-kontaktverbot-pandemie-ueberwachung/komplettansicht

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Das, was Boateng in Söders Bayern passiert ist, ist absurd: https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/corona-bayern-profi-jerome-boateng-rechtfertigt-sich-16708153.html Wenn der Staat übertreibt – und wenn die nächsten Tage wunderschön werden sollten – und der Staat weiterhin übertreibt, dann versteht ihn niemand mehr – und dann ist es auch egal, wenn man erwischt wird. Man hofft freilich, dass nicht – aber wenn, Pech gehabt. Wenn der Staat unverantwortlich mit der Eigenverantwortung der Bürger umgeht, dann muss man damit rechnen. Man darf ein paar Unverantwortliche nicht zum Maßstab nehmen, um gegen normale Menschen vorzugehen. Man sage nun nicht, dass das meine Sondermeinung ist. Es sieht so aus, als wären die Ministerpräsidenten der anderen Länder (außer des Saarlandes und wie sieht es in Berlin aus? natürlich) auch eher nicht auf der strengen Bayern-Linie.

Es geht noch kurioser: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/in-spanien-nehmen-verstoesse-gegen-die-ausgangssperre-zu-16708999.html

Thailänder haben dieses Problem (noch) nicht. Sie haben das Problem: Wie kann man ohne Touristen überleben? Zum Beispiel benötigen die vielen Touristen-Elefanten viel Nahrung. Ist es nur eine Frage der Zeit, wann es zu Aufständen der Gesunden kommt?

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Gibt es wissenschaftlich gesicherte Hinweise darauf, dass sich irgendwo Menschen beim Spazierengehen oder beim draußen Spielen und Sitzen mit Corona angesteckt haben? https://www.kreisgg.de/presse/pressemitteilungen/nachrichten-einzelansicht/news/kein-zutritt-auf-den-kuehkopf/?

So werden dann wenigstens die Einheimischen vor den lebhaften Zugereisten aus anderen Dörfern geschützt, die ein wenig frische Luft haben wollen.

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Man kann es sich als Wissenschaftler auch einfach machen: Es sind nicht nur die Medien, sondern allerorten treten in Medien Wissenschaftler auf – und weisen die Politik in bestimmte Richtung. Natürlich entscheidet die Politik – aber sie entscheidet ja nicht aus dem hohlen Bauch und der Intuition heraus, sondern aufgrund der Vorlagen der auch medial dominanten Wissenschaftler – vor allem auch, weil sie damit einem größeren Teil der Bevölkerung folgen (das geht alles Hand in Hand: Wissenschaft – Politik – Medien – Teil der Bevökerung. Eines beeinflusst das andere und schaukelt sich gegenseitig immer höher.) Kurz: Ich kann diese Klage nicht verstehen: https://kress.de/news/detail/beitrag/144843-es-muss-wirklich-aufhoeren-warum-virologe-christian-drosten-den-medien-droht.html

Wenn Wissenschaftler nicht mit haftbar gemacht werden wollen, dann sollen sie im stillen Kämmerlein der Politik ihre Meinung flüstern. Aber solange sie medial wirksam auftreten, müssen sie sich nicht wundern. Dass sie medial auftreten, das gehört doch zum Teil eines demokratischen Meinungsprozesses. Es ist also gut. Aber zu diesem gehört es auch, kritisiert zu werden.

Dass es allerdings Idioten gibt, die dann Wissenschaftler für dieses und jenes verantwortlich machen – das kann ich mir auch gut vorstellen. Man sollte allerdings auch bedenken, dass Idiotisches vielleicht auch aufgrund der Ausgangsbeschränkungen gut gedeihen kann. Das ist ein wunderschönes Thema für die Wissenschaft – für Soziologen und Psychologen – , wenn alles vorbei ist.

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Der Föderalismus darf nicht vom Bund ausgehebelt werden. Es ist wichtig, dass diskutiert wird und nicht eine Regierung über alles und alle bestimmt. Die Freiheit, die mit dem Föderalismus ein wenig stärker fundiert ist, ist ein kostbares Gut. Wie schnell kann sie verspielt werden. Viele scheinen sie nicht mehr zu schätzen – oder aus Angst bereit zu sein, sie aufzugeben? Angst ist ein schlechter Ratgeber. Auch die Angst vor dem Tod. Wenn die Angst vieler Individuen vor dem Tod langfristig (!) als Maßstab für die Politik eines ganzen Landes wird, kann ein fundamentales Problem entstehen.

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Dazu auch der interessante Beitrag: https://www.nzz.ch/feuilleton/coronavirus-virologen-regieren-die-politik-hat-abgedankt-ld.1549096

Will die Politik handlungsfähig bleiben, muss sie also das Wechselspiel der gesellschaftlichen Subsysteme moderieren. Dafür braucht sie Urteilskraft, die Fähigkeit der Priorisierung. Diese kann langfristig nicht die Logik der Virologen totalisieren. Politik muss insbesondere Spät- und Nebenwirkungen kalkulieren.

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Auch darüber ist kontrovers zu diskutieren, wenn die Lage vorbei ist: https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/aktuell/Versammlung-von-Glaeubigen-Verfahren-gegen-Pfarrer-eingeleitet;art4874,206840

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Meine Sicht: Es ist eine besondere Situation. Man möchte nicht in der Haut der medizinisch und politisch Verantwortlichen stecken. Aber gerade darum müssen die Verantwortlichen anderen die Möglichkeit geben, verantwortlich zu handeln, ohne selbst zu überreagieren. Es ist verständlich, dass es das tun kann – aber dann, wenn man merkt, dass es eine Überreaktion ist, muss man ein wenig lockern, statt weiter zu verschärfen. (Rühmend ist das hervorzuheben: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/corona-plan-80-000-erntehelfer-duerfen-bis-ende-mai-einreisen-16708970.html – wenn Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden) Das wird sich hoffentlich so langsam einpendeln. Zu lasch darf die Bevölkerung allerdings mit der Frage der Sicherheit auch nicht umgehen. Das wäre unverantwortlich und spielt denen, die rigide Maßnahmen verlangen, in die Hände.

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Übrigens las ich in einem Zeitungsartikel: der wirtschaftliche Schaden materialisiert sich über viele Jahre… – auch das gehört zu Absurdistan. ich bin auch nicht der Meinung, dass die Wirtschaft höher gestellt werden solle als die Gesundheit der Menschen – wobei gerade auch Ecuador zeigt, wie wichtig die Wirtschaft für die Gesundheit ist. Nur: In dem Beitrag werden die einzelnen Menschen vollständig aus dem Blick genommen. Die einzelnen Menschen erleiden Schaden – und der kann zu ihren Lebzeiten vielleicht nicht wieder „materialisiert“ werden. Die Fokussierung auf einen Aspekt ist gefährlich.

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Auch ich bin kein Soja-Fan wegen des Umweltschutzes. Aber das mit dem Thema Corona in Verbindung zu bringen wie es unsere Bundesumweltministerin laut Tagesschau vom 2.4. macht, halte ich für nicht richtig. Es war schon immer so, dass Menschen durch Tiere mit Viren in Kontakt kamen, man nimmt ja sogar an, dass wir Menschen erst diesen Schutz durch das Zusammenleben mit den Tieren bekommen haben – natürlich unter grauslichen Epidemien. Das Problem ist nicht die Soja-Ernte – das Problem ist der Bevölkerungsdruck und dass die Menschen in Asien und Afrika etwas essen müssen bzw. essen, was traditionell immer gegessen wurde, weil anders als bei uns die Hühnchen rar sind. Hier nun irgendwelche Corona-Verbindungen zu ziehen, damit wir weniger Soja essen, ist einfach nur kurios. Wenn das irgendwelche Leute machen – ok – aber flankiert von Fachleuten – da bleibt einem dann doch die Spucke weg.

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Mit Dankbarkeit habe ich begonnen – und will auch mit Bewunderung und Dankbarkeit schließen: Ich finde es klasse, wie viele Menschen kreativ werden. Sie legen die Hand nicht in den Schoß, sondern überlegen, wie sie in ihrer jeweils besonderen Lage leben und überleben können (das Lob gilt nicht denen, die kriminell kreativ sind und Gruppen, die die Krisensituation dazu nutzen, sich zu bereichern, anderen zu schaden). Der Dank und die Bewunderung gelten auch für die Wissenschaftler, die nach Medikamenten suchen, Technikern, die zum Beispiel die neue App und anderes entwickeln. Natürlich für das medizinische Personal. Man sieht schon überall, dass wir es mit bewundernswerten Zeitgenossen zu tun haben.

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Stille Zeit – mit sich vor Gott alleine sein

  • Man suche sich einen Platz in der Wohnung, den man am liebsten hat. Manchmal muss man nicht lange suchen, den hat man schon.
  • Man schmücke diesen: mit einer Kerze, einem Blumenstrauß, einem Bild, einem kleinen Heft mit einem Stift, einem Kreuz.
  • Wenn kein Kreuz zur Hand ist, kann man sich auch eines malen oder zum Beispiel mit Zweigen, Blüten – was auch immer – legen.
  • Nun setzt man sich hin, spricht ein kurzes Gebet.
  • Wenn man nicht weiß, wie man ein kleines Gebet spricht, kann einfach gesagt werden, Gott, jetzt bin ich hier, vor Dir. Eine ganz einfache Formulierung, die einem einfällt – die aber mit der Zeit immer mehr angereichert wird. Wer ist Gott für mich? Das kann man dann in der Anrede verwenden. Wer ist Jesus Christus für mich? das ebenfalls.
  • Nun lässt man seine Gedanken vor Gott herumlaufen: was bedrückt mich, was macht mir Freude, was kann ich nicht einordnen, was macht mir Hoffnung, stärkt Liebe und Glaube. Manchmal kommen einem gute Ideen, bevor man sie vergisst, sollte man sie aufschreiben.
  • Dann nehme man eine Bibel zur Hand. Oben war davon noch nicht die Rede, weil an dieser Stelle Tipps gegeben werden sollen. Wer keine Bibel hat oder nicht weiß, wo sie gerade ist, der kann auch im Smartphone eine App herunterladen. Kostenlose neuere Bibeln: Luther 2017, YouVersion.
  • Hat man eine Bibel, dann wähle man sich eines der vielen Bücher, die in der Bibel sind – zu Beginn würde ich vorschlagen, um Jesus kennen zu lernen: im Neuen Testament das Markusevangelium. Für Fortgeschrittenere dann das Lukas-/Matthäusevangelium, wer schon ganz weit ist: Johannes und Paulus.
  • Während man die Bibel liest, kommen viele Fragen. An fast jedem Ort gibt es Pfarrerinen und Pfarrer, die gerne weiterhelfen. Eine Mail an mich geht auch.
  • Dann gibt man seinen Gedanken eine Struktur, und spricht ein längeres Gebet. Gebete findet man im Gesangbuch, einmal als Lieder, dann aber auch im Anhang. Auch im Internet gibt es Seiten mit Gebeten. Besser aber ist es, man lässt seinem Herzen freien Lauf.
  • Man schließt die Stille Zeit mit einem Vaterunser. Wer das nicht mehr so ganz gut kann, kann es sich ausdrucken, aber besser noch: schön abschreiben. Auch das findet man im Internet.
  • Ein Segen rundet das Zusammensein mit Gott ab. Segen findet man hier: https://www.ekhn.de/aktuell/gluecksegen/ueber-den-segen/segenssprueche/segenssprueche-regionale-segen.html Statt „dich“ ein „mich“ einsetzen. Und, wie Luther schrieb: kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes.
  • All das kann man sitzend, liegend, stehend, kniend machen – aber auch abwechseln. Man kann im Gebet die Hände falten, den Kopf senken, aber auch die Hände und Kopf erheben. Man kann es allein oder zu zweien machen…

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Goethe und Gott

Wenn ich ein bisschen Goethe so überblicke, dann ist zu der Frage folgendes zu sagen:

  • Das Göttliche spielt für Goethe eine Rolle – nicht Gott.
  • Das Gefühl spielt für Goethe eine Rolle – nicht christlicher Glaube.
  • Der Glaube an sich selbst als Menschen spielt für Goethe eine Rolle – nicht der Glaube an Gott in Jesus Christus.
  • Was er selbst für richtig hält spielt für Goethe eine Rolle – nicht die Offenbarung.
  • Das sittliche Prinzip spielte für Goethe eine Rolle – nicht die christliche Moral.
  • Die christliche Liebestat und die Erhöhung der Erniedrigten spielte für Goethe eine Rolle – nicht Tod am Kreuz – das war zu niedrig – und Auferstehung Jesu Christi für den Menschen.
  • Die gefühlte Offenbarung des Göttlichen in der Natur, zu der der Mensch als besonderes Wesen gehört, spielt für Goethe eine Rolle – nicht das Bekenntnis: Gott in Christus.
  • Nicht Gott – die erhabenen antiken Götter sollen es sein (die spätere Generationen durch erhabene germanische Götter ersetzen).
  • Anbetungswürdig und göttlich ist das sittliche Prinzip in Christus – nicht Gott in Jesus Christus.
  • Das Unverständliche muss unausgesprochen bleiben, spielt für Goethe eine Rolle – nicht der Versuch, das Unaussprechliche in Worte zu fassen, das endet in Phrasen.
  • Er lebt aus der christlichen Tradition – er bildet als Genie seine eigene Tradition.
  • Goethe stand sich einer Gottesbegegnung selbst im Wege. Er war sich selbst zu groß in einer großmütigen Demut: Gott ist zu groß, als dass man ihn mit der Vernunft erfassen kann.
  • Goethe sah sich nicht als Atheist – auch nicht als Rationalist. Auch methodischer Atheismus war nicht sein Ding: Goethe sah sich als Goethe und der unbekannte alle Natur durchwaltende Gott ist größer.
  • Obwohl Gott sich in Jesus Christus schon längst gezeigt hat. Aber den wollte/konnte Goethe nicht sehen. War er ihm zu gering? War er ihm zu groß? War er zu allgemein?

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Johns Hopkins Uni

Woher haben sie ihre Daten? Die badische Zeitung erklärt uns: von einer niederländischen Agentur, diese hat sie von der Berliner Morgenpost, diese haben sie von Landesgesundheitsämtern. Und die Tagesschau? Sie übernimmt das einfach. Problem: Die Definition dessen, was ein Corona-Fall ist, variiert. https://www.badische-zeitung.de/woher-die-johns-hopkins-universitaet-ihre-daten-hat-und-warum-sie-abweichen–184555943.html

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Karfreitagsparty, Karfreitagstanz

In diesem Jahr wird man wohl von dieser sich jährlich wiederholenden Diskussion, dass man gerade an Karfreitag Party feiern will, Disko oder Tanz haben, erlöst sein.

Das darum, weil das ganze Land gezwungen wird, in gewisser Weise Karfreitag zu begehen.

Wahres Karfreitag begeht man allerdings nicht dann, wenn man gezwungenermaßen stillhält, sondern die Stille nutzt, um an das Leiden zu denken, an das Leiden Jesu, das hilft, Leiden zu überstehen:

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Gott im Gedicht (17. Jh.)(6b)

Angelus Silesius / Johannes Scheffler (1624-1677)

Seine Epigramme haben eine weite Verbreitung gefunden und sie enthalten in seinem „Cherubinischer Wandersmann“ starke mystische Ansätze – allerdings eine Mystik, die vielfach Gott und Mensch ineinander verschwimmen lässt – faszinierende Sätze, weil sie schon das kommende Denken ahnen lassen (Feuerbach, Nietzsche)(zitiert aus Kemp):

Gott mag nicht ohne mich ein einzigs Würmlein machen: / Erhalt ichs nicht mit ihm, so muß es straks zerkrachen.

Ich selbst muß Sonne sein, ich muß mit meinen Strahlen / das farbenlose Meer der ganzen Gottheit malen.

Die Mystik war es, die ihn dazu brachte, vom Protestantismus zur katholischen Kirche überzutreten. Die Protestanten würden die Vernunft vergöttern. Sein scharfer Kampf gegen die Protestanten verhinderte nicht die Aufnahme mancher Lieder in Evangelische Gesangbücher. Die Lieder atmen stärker traditionellen Geist als seine Sinnsprüche: Mir nach, spricht Christus, unser Held (385), Ich will dich lieben, meine Stärke (400), Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht (401), Gott, weil er groß ist (411). Weitere gab es im Gesangbuch von 1878: O du Liebe meiner Liebe (63), Tritt her, o Seel, und dank dem Herrn – für die Schöpfung (137) – und andere, eher traditionelle Texte (272, 446, 482). In dem Gesangbuch von 1834 [?] wird auch das Lied Herzallerliebster Gott wird ihm zugeschrieben. In der 5. Strophe heißt es: „Entflamme du mein Herz / mit einer reinen Liebe, / die ich sowohl an dir, /als an dem Nächsten übe.“

Liebe spielt, wie an den Anfangszeilen der Lieder schon ersichtlich, eine große Rolle. Wie in der Mystik, die Liebe der Seele zu Gott. Liebe überschreitet die Grenze – die Grenze zwischen Mensch und Gott wird überschritten.

Daniel von Czepko (1605-1660)

War der Spiritus Rector von Angelus Silesius. Die Sinnsprüche sind ebenfalls dieser mystischen Art (zitiert aus Kemp):

Was suchst du Gott? Gott ist dir inniger als du / Daß du dich suchst, deckt Gott – drum findst du ihn nicht – zu.

Gott mußt du gleiche sein, willst du Gott recht erkennen; / Was Gott nicht ist, das muß zugrunde dir verbrennen.

Friedrich von Logau (1605-1655)

War ebenfalls Vorläufer von Angelus Silesius. Diese Epigramme sind allerdings weniger mystisch. Nur eines sei zitiert (Zitiert aus Hederer): „Der Hammer, Gottes Wort, schlägt auf des Herzens Stein; / Jetzt aber will der Stein des Hammers Hammer sein.“

Catharina Regina von Greiffenberg (1633-1694)

Sie besingt diese große Liebe Gottes („Du Brunn der wahren Lieb“ in: „Auf die Tränen“) angesichts des Nichts des Menschen („Ich bin ein Nichts, aus Nichts“, in: „Über Gottes gnädige Vorsorge“), aber dieses Nichts verspürt große Schmerzen, darum „Halt Gottes Willen still! Bricht schon das Herz vor Schmerz“ (in: „In äußerster Widerwärtigkeit“). Sie bittet um Weisheit, „Der schöne Seelen-Schatz pflegt überall zu funkeln“. Sie bittet um Nachtruhe: „Und du meiner Ruhe Ruh / Herzen-Herrscher, komm herzu, / sei du selbst mein Schlafgemach: / gib, daß ich dir schlafend wach.“ (zitiert nach Kemp) Im Gott lobenden Frühlingslied sieht sie Gottes Schönheit aus den Blumen blicken und Gottes Süße schwingt sich aus den Früchten in den Mund – denn alles, was zu sehen ist, ist Gottes Ebenbild. Im Wiesen-Liedlein besingt sie jede Blumenfarbe – und verbindet sie mit dem Glauben. (Weitere Gedichte: https://www.zgedichte.de/gedichte/catharina-regina-von-greiffenberg.html und eine weitere Fülle, die auch ihre Experimentierfreude zeigt: http://www.zeno.org/Literatur/M/Greiffenberg,+Catharina+Regina+von/Gedichte/Geistliche+Sonnette,+Lieder+und+Gedichte

Biographisch ist zu sagen, dass auch ihr Leben schwer war. Wohlhabend geboren, gut ausgebildet, dann aber aufgrund der konfessionellen Auseinandersetzungen, der – soweit ich das sehe – erzwungenen Heirat und intrigantem Spiel derer, die die Burg in ihren Besitzen bringen wollten, in die Armut getrieben. Verarmt siedelte sie mit ihrer Mutter nach Nürnberg. Dort lebte Sigmund von Birken, den sie gut kannte und der sie unterstützte.

Bei Catharina Regina von Greiffenberg wird die Grenze durch die Natur-Mystik aufgehoben: Wie im Abendmahl Jesus Christus in Brot und wein anwesend ist, so der Schöpfer in den Gaben der Natur.

Joachim Neander (1650-1680)

Berühmter als Neander wurde sein Name, denn nach ihm wurde der Neandertaler benannt. Im Tal, in dem er oft spazieren ging, wurden Reste des später so genannten Neandertalers entdeckt. Er selbst zählt zu den bedeutendsten Dichtern der reformierten Gemeinde in Deutschland. Wie an den Liedern im Gesangbuch erkennbar, betont er lobend Gott / Christus als König, als Herrscher:

Himmel Erde Luft und Meer (Schöpfungslied – 504), Wunderbarer König, Herrscher von uns allen (327), Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren (316), Abermals ein Jahr verflossen (1878: 431), Unser Herrscher, unser König (1878: 453), Sieh hier bin ich, Ehrenkönig, lege mich vor deinen Thron (1878: 457), Wie fleucht dahin der Menschen Zeit (1878: 496).

Im Lied Himmel Erde Luft und Meer wird die gesamte Natur als Diener Gottes dargestellt, die dem König jauchzt. In dieser Gott lobenden Natur erkennt der Mensch Gottes Wirken. Die letzte Strophe lautet: „Ach mein Gott wie wunderbar / stellst du dich der Seele dar! / Drücke stets in meinem Sinn, / was du bist und was ich bin.“

Heute würde man weiter denken: Wenn die Natur nicht jauchzen kann, weil der Mensch nicht so handelt, wie es Gottes Willen entspricht, muss der Mensch sich ändern. Denn so kann sich Gott nicht „der Seele darstellen“ – ein Hindernis auf dem Weg zu Gott. Die Natur lässt auf den Schöpfer schließen, den Herrn, den König. Menschliche Herrscher / Könige spielen keine Rolle.

Gottfried Arnold (1666-1714)

Er wurde unter anderem von Spener beeinflusst, wandte sich später dem radikalen Pietismus zu, war entsprechend kirchenkritisch eingestellt, das heißt, dass wahre Christen nicht in der Kirche zu finden seien, sondern in den von der Kirche verfolgten Ketzern. Maßstab für sein Verständnis vom wahren Christentum ist die Urkirche. Auch dieser harte Kirchenkritiker fand mit manchen seiner Texte Eingang in das Gesangbuch.

Der Sänger der Freiheit. In den mir vorliegenden Liedern ist das Thema Freiheit von großer Bedeutung: Frei ist der Mensch, der ganz im Willen Gottes lebt, der sich nicht von Spott und Hohn, nicht von Alltagskleinigkeiten, nicht von irreführenden Trieben und dem Bösen verführen lässt. („Herzog unsrer Seligkeiten“; 1878: 485): „weg mit Menschenfurcht und Zagen, Zweifel und Bedenklichkeit; / fort mit Scheu und Schmach und Plagen, / fort des Fleisches Weichlichkeit!“ („O Durchbrecher aller Bande“, in EG gekürzt; 1878: 276) Seine Sprache ist Gott gegenüber sehr hart und fordernd. – auch wenn er in dem Lied „So führst du doch recht selig“ (1824[?] schreibt: „Laß doch mein töricht Herz dich meistern nicht.“ Im Grunde kann der Mensch nur frei sein, wenn Gott ihm diese Freiheit gibt. Und solange Gott sie nicht gibt, scheint der Mensch sie fordern zu müssen. Andererseits sieht er auch, dass der Mensch sich entsprechend verhalten muss. Aber er kann auch andere Texte schreiben, die sich sanfter um das Thema Freiheit drehen: „O du süße Lust aus der Liebesbrust / du erweckest wahre Freude, / daß ich falsche Freude meide: o du süße Lust aus der Liebesbrust.“ … „O gewaltger Trieb, / o du Jesus-Lieb!“. Er hat, wie das Lied 1878: 456 zeigt, ein besonderes Jesus-Erlebnis, eine Bekehrung, gehabt: „Laßt mich in der Ruh, / fragt nicht, was ich thu; / ich bin durch den Vorhang gangen, / Jesum innig zu umfangen. / Laßt mich in der Ruh, / fragt nicht, was ich thu.“ In dem Lied „So führst du doch recht selig“ heißt es: „Du bist mein Alles, denn dein Sohn ist mein.“

Benjamin Schmolck (1672-1737)

ist lutherisch-orthodox einzuordnen, sehr stark kirchlich orientiert – seine Lieder haben einen stark lehrhaften Charakter, wie zu sehen sein wird. Er wird darum ausführlicher behandelt – zudem wird an ihm auch deutlich, wie sehr mit den Texten gearbeitet wird.

So manche seiner Lieder werden bis heute gerne gesungen: „Jesus soll die Losung sein, da ein neues Jahr erschienen“: „Alle Sorgen alles Leid / soll sein Name uns versüßen; / so wird alle Bitterkeit / uns ein Segen werden müssen. Jesu Nam sei Sonn und Schild, / welcher allen Kummer stillt.“ (EG 62), „Schmückt das Fest mit Maien“ (135); „Tut mir auf die schöne Pforte“ (166) – in diesem Lied wird der Gottesdienst besungen. Wie manches, das kirchlich bedeutsam ist, wird thematisiert – sogar das Sterbeglöckchen findet in einem Lied Raum: „Heute mir und morgen dir! / So hört man die Glocken klingen, / wenn wir die Verstorbnen hier auf den Gottesacker bringen.“ (1878: 403); Das Tauf-Lehr-Lied: „Liebster Jesu, wir sind hier“ (206; von EG um eine Strophe gekürzt: „Wasch es, Jesu, durch dein Blut / von den angeerbten Flecken; / laß es bald nach deiner Fluth / deinen Purpurmantel decken; / Schenk ihm deiner Unschuld Seide, / daß es ganz in dich sich kleide“ (1878: 203)

Höre, Herr, erhöre“ (423) – ist ein gesungenes Fürbittgebet: „Gib du getreue Lehrer / und unverdrossne Hörer, / die beide Täter sein; / auf Pflanzen und Begießen / lass dein Gedeihen fließen / und ernte reiche Früchte ein“. Dass in der neuen Fassung im EG die Bitte für den Fürsten ausgelassen wird, kann man verstehen. Aber in der neuen Fassung (5. Strophe) ist die alte Version von 1878: 346 (6. Strophe) verhunzt worden. Im alten Gesangbuch steht: „Ach, wend in allen Gnaden Krieg, Feuer, Wasserschaden, Sturm, Seuch und Hagel ab“. EG werden Krieg und Seuche ausgenommen (Strophe 8 ist neu hinzugekommen).  In dem Gesangbuch von 1878: „Hosianna! Davids Sohn kommt in Zion eingezogen“ (21). Eindrucksvoll weist er in dem Lied: „Seht welch ein Mensch ist das!“ die Augen auf das Leiden Jesu am Kreuz für uns Menschen (62). Neben dem Karfreitag-Lied besingt er den siegreichen Helden Jesus, den Osterfürst im Osterlied (72 und 73).

In dem letztgenannten Lied zitiert er auch eines von Ernst Christoph Homburg„Jesus meines Lebens Leben“ (EG 86) formuliert diesen Vers drastisch um: „Ich will zum Lager machen mir / deine liebe Gruft, / da werd ich einst erwachen, / wenn deine Stimme ruft.“ Ebenso greift er das Lied von Samuel Rodigast auf „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ (EG 372) und realisiert es so: „ … so denken Gottes Kinder. Er sieht sie oft nicht freundlich an / und liebt sie doch nicht minder. / Er zieht ihr Herz nur himmelwärts, / wenn er sie lässt auf erden / ein Ziel der Plagen werden.“ Entsprechend werden alle Strophen neu interpretiert.

In dem Lied „Mein Gott, du bist und bleibst mein Gott“ bedenkt er Gottes Handeln in seinem Leben und dass er weiterhin bis nach dem Tod bei Gott sein wird. (1878: 138). Das Lied „Gott lebt, wie kann ich traurig sein“ (1878 374) setzt sich mit der Theodizee-Frage auseinander: Gott lebt – Gott hört – Gott sieht – Gott führt – Gott giebt – Gott lebt. So auch im folgenden Lied: „Je größer Kreuz, je näher Himmel“ In dem Lehr-Lied „Theures Wort aus Gottes Munde“ besingt er die große Bedeutung der Bibel: „Was ich lese, laß mich merken; was du sagest, laß mich tun“. In dem Lehrlied zum Abendmahl lehrt er: „Ach so senke dich in mich, / ich will mich in dich versenken; / Niemand trennt uns sicherlich, / weil wir uns einander schenken. / Leib und Blut ist hier dein Pfand / meinst ist: Herz und Mund und Hand.“

Ein Lehrlied über „Glaube, Lieb und Hoffnung sind der wahrhaft Schmuck der Christen“ finden wir 1878: 268 – was eigentlich auch noch heute im Gesangbuch aufgenommen werden könnte. Anders hat wohl ein Lied wie das: „Vor dir, o Gott, sich kindlich scheuen, / ist unser Glück und unsre Pflicht“ dürfte heute keine Chance haben, weil es die Furcht Gottes lehrt – also Gott zu fürchten (1878: 275). Eine solche Lehre fürchtet man heute. Doch ist sie auch mit dem Folgenden verbunden „Sollt ich meinen Gott nicht lieben“ (1878:280). In diesem Lied reflektiert das singende „Ich“ eben diese Frage. Das wird nicht mehr nur die Frage des Autors, sondern die Frage eines jeden, der es in der Gemeinde singt. Das finden wir zum Beispiel auch bei Paul Gerhard in dem Lied: „Geh aus mein Herz…“ – nicht aber in: „Befiehl du deine Wege…“ Das Erstgenannte zeigt: Es wird zu meinem Lied; das Letztgenannte wird mir zu einem mir zugesprochenen Wort.

In seinem Text „Licht vom Licht erleuchte mich“ (1878: 315) bittet er Gott: „Zünde selbst das Opfer an, das auf meinen Lippen lieget“ – was in alten Texten schon begegnete: Nicht die Musen küssen den Dichter – Gott selbst gibt ihm das Wort in den Mund. In dem Samstag-Abend-Lied: „Die Woche geht zu Ende“ (1878: 329) erkennt er, dass er nach dem Sterben nicht vergehen kann, weil Gott in ihm lebt. Und er schließt: „Soll das in diesem Leben / die letzte Woche sein, / will ich nicht widerstreben, / nein, mich im Geiste freun / auf einen Feierabend, den Christi Tod gemacht; / und diese Hoffnung habend, / sprech ich nun: gute Nacht!“

Es wird deutlich: Mit den Liedern wird gearbeitet. Die Texte werden durch Bearbeitungen für die jeweilige Zeit lebendig gehalten. Auch das neue Gesangbuch lässt deutlich werden, welche Theologie dahinter steckt. Möglichst wenig radikal vom Blut Jesu reden. Mit der Auswahl der Lieder wird Theologie transportiert. Schmolck war ein fleißiger Lehrer durch Lieder.