Malerin 79: Elizabeth Jane Gardner Bouguereau

Gardner (1837- 1922) geboren in den USA, reiste nach Paris, um malen zu lernen. Frauen konnten nicht an staatlichen Ausbildungsstellen lernen, so mussten sie sich teure private Akademien leisten. Zunächst lernte sie, wie viele andere auch, die alten Meister zu kopieren. Was ihr Anerkennung brachte. Elizabeth lernte unter anderem ihren späteren Mann William-Adolphe Bouguereau als Lehrer kennen.

Sie malte viele Frauenbilder – mit und ohne Kinder – und Kinderbilder. Viele Bilder haben religiöse Kontexte bzw. im Hintergrund sind Kirchen zu sehen, oder sie greift auch mythologische Überlieferungen auf. Der Schwerpunkt liegt auf die Menschen, deren Geschichten sie erzählt, soweit sie eben durch Kenntnis der Bibel oder der griechischen Sagen bekannt sind. Durch ihren Malstil hinterlassen auch einfache Alltagsbilder, Menschen im Wald oder Menschen mit Tauben, den Eindruck, es handle sich zum Beispiel aufgrund der Kleidung, ihren Frisuren um Aufnahme alter griechischer Mythologie oder biblischer Texte. Es sind im Grunde Traumwelten, die Gegenwart mit der phantasierten Antike verbinden. Diese „Traumwelten“ werden der Zeit der Industrialisierung und der – wie Karl Marx es sah – Entfremdung entgegengestellt. Während Marx den Kampf gegen die Entfremdung aufnahm, hat unsere Malerin sie in den Bildern mit Blick auf die Vergangenheit die Entfremdung schon aufgehoben: Harmonie, Schönheit, Menschlichkeit strahlen sie aus.

Wie im Wikipedia-Artikel zu lesen, konnte nicht immer unterschieden werden, welche Bilder sie oder ihr Mann gemalt haben. Denn auch er hatte diesen Stil – bzw. andersherum: Sie wurde kritisiert, dass sie keinen eigenen Stil entwickelt habe. Sie reagierte auf die Kritik sinngemäß, dass sie lieber als Nachahmerin ihres Mannes bekannt werde, als überhaupt nicht. (Ich selbst denke, dass ihr Mann lebendiger malte, auch wenn der Stil manchmal ähnelt.) Beide malten auch vieles zusammen.

Sie war eine der Künstlerinnen ihrer Zeit, die sehr erfolgreich waren und viele Bilder verkaufte. Ich vermute, dass viele in ihren „Traumwelten“ die eigenen Sehnsüchte wieder erkannten.

Spannend finde ich die Tochter des Farmers, die die Hühner füttert, die stolz schaut und der stolze Hahn ist von ihr abhängig (3:13). Als Bäuerin zu arbeiten ist keine niedere Arbeit, entsprechend ist die Tochter des Farmers auch mit einem legeren Schick angezogen.

Anrührend sind manche Bilder, so das Bild, das zeigt, wie eine Mutter ihrem Kind in den zu einer Schale zusammengelegten Händen Wasser zum Trinken reicht und das Kind den Betrachter anschaut.

Sie malte auch ein altes Haus, das ziemlich zerfallen ist. Während die Bilder mit Menschen blühendes Leben zeigt, ist dieses Haus eines, das zeigt, dass in ihm einmal Leben herrschte.

Berühmt ist das Bild, in dem sie David mit einem Lamm im Arm malt, auf einen Löwen kniend. Nicht der siegreiche Krieger, der Goliath besiegt steht ihr im Sinn, sondern eben der Junge in seiner Unschuld, der mit gläubigen Blick nach oben, zu Gott, den Löwen besiegt. Vielleicht ist das auch christlich zu interpretieren mit Blick auf seinen Nachkommen, Jesus von Nazareth, das Lamm Gottes, als Überwinder der Mächtigen.

Sie und ihr Mann waren aktiv in der Kirchengemeinde aktiv, engagierten sich für Arme und gaben Sonntagsschulunterricht. Wenn sie also Kinder malt, dann hat das auch mit ihrer christlich-humanen Sicht zu tun.

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Bilder ihres Mannes:

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