Überblick meiner bisherigen Darstellungen: https://blog.wolfgangfenske.de/2026/05/17/malerinnen-und-maler/
Zu den mich immer wieder faszinierenden japanischen Gemälden habe ich im Grunde nur Fragen:
Ist das besondere an vielen japanischen Kunstwerken, zum Beispiel eines Ito Jakuchu (1716-1800), dass
(a) der Hintergrund einheitlich farbig ist (mit unterschiedlichen Farbnuancen) und im Vordergrund Feder-Tuschezeichnungen die koloriert sind – sich als Kontrast abheben?
(b) Ist es vielleicht die weiche oder harte Eleganz,
(c) ist es die Reduktion auf Wesentliches, das durch die „unwesentlichen“ Teile hervorgehoben wird? Dadurch wird auch durch das Wesentliche das Unwesentliche hervorgehoben.
(d) sind es die farblichen Schattierungen der Tiere, die wir auf europäischen Bildern eher auf Kleidung wiederfinden?
(e) Ich habe auch den Eindruck, dass die Farben sich einerseits voneinander abheben, aber andererseits auch ineinander vermischen.
(f) Es ist immer erkennbar, was gemalt wird – obgleich nicht naturalistisch, sondern vollkommen unrealistisch. Realismus im Unrealistischen, Unrealistisch im Realistischen; oder Abstraktion in der Natur, Natur in der Abstraktion.
Warum machen sie einen so besonderen Reiz aus, auch im Vergleich zu europäischen Bildern?
Ich bin, das muss ich immer wieder sagen, kein Künstler, und auch kein Ito Jakuchu-Kenner. Einfach nur ein faszinierter Beobachter.
Ich finde das Bild mit den Hähnen (2:51) so interessant. Der unterste Hahn sitzt, wird beäugt von einem anderen, die Hähne darüber bewegen sich wieder anders, sie sind in Interaktion – und der oberste Hahn stolziert über allen. Im Grunde gibt es nur ein wenig Boden bei den unteren Hähnen. Die Hähne sind keine Sandscharrer mehr, sondern haben andere Bedeutung. Sonderbar allerdings der Hahn, der nach rechts weggeht – aber noch zurückschaut. Der schwarze Hahn in der Hahnerei. Auf dem Weg in die Freiheit? Ist es der Künstler, der dieses gesellschaftliche Hahnengefüge betrachtet? (Der schwarze Hahn inmitten der anderen Hähne in 6:24 ist kein Eigenbrötler. Er ist Teil der Gruppe. Während allerdings die Hähne weitgehend nach links gerichtet sind, wendet sich der schwarze Hahn mit zwei (?) oberen Hähnen nach rechts. Der unterste Han bricht zusammen (?), während die anderen alle vor Schönheit und Kraft strotzen.)
Mein Thema in meiner Sammlung von Malerinnen und Malern ist einmal der Ort, den Künstler erkennen lassen. Zum anderen aber auch das Licht. Licht scheint nicht von außen auf das Abgebildete zu fallen. Vieles ist entweder hell oder dunkel gemalt. Dunkel meistens die Blätter, die Blüten sind hell. Sie werden durch das Dunkle hervorgehoben, es gibt keine Übergänge – es gibt nur Kontrast. Und dadurch eine besondere Tiefe bzw. anders: Hervorhebung. In dem Schmetterlingsbild (3:17) haben wir auch einen, der nicht so recht reinpasst in die Harmonie: der schwarze Schmetterling, der im Grunde zuerst das Auge auf sich zieht. Haben wir hier, wie in der europäischen Tradition ein Moment der Trauer in der bunten Vielfalt? Ich denke eher etwas anderes. Dazu siehe unten.
Das Blumenbild (Hibiskus? – 3:44) bekommt eine besondere Dramatik durch den Knick. Trotz des Knickes: volle Blüte
In der traditionellen europäischen Malerei (genauer hatte ich es bei den jeweiligen Bildern dargelegt) ist das Sonnenlicht vielfach das, was das Gemalte beleuchtet, hervorhebt oder in den Schatten stellt. Hier sieht es so aus, als würde das Licht aus dem hell Gemalten selbst kommen. (Das Pfauenbild – 5:25 – ist da anders, es lässt das Licht im Wasser spiegeln. Der erhabene Pfau, vom stolzen Hahn und der streitbaren Gans bewundert? Auch ein einfacher Pfau bewundert das majestätische Pfauenwesen. Diese besonderen Pfauen erscheinen manchmal vor der roten Sonnenkugel – der japanischen ShintoGottheit. Ist der besonders schön gemalte Pfau der Herrscher?)
Wir haben also einen schwarzen Schmetterling, der auffällig ist, wir haben einen schwarzen Hahn, der aus der Menge weggeht, wir haben eine schwarze Taube. Während die Taubenmännchen balzend zu einem Taubenweibchen schauen, schaut die schwarze Taube aus dem Bild den Betrachter an. Und auch hier befällt mich die Ahnung, dass der Künstler sich selbst malt. Er passt nicht dazu.
