Nachdem ich in den letzten Darstellungen eher liebliche Malerinnen und Maler dargestellt habe, möchte ich einen darstellen, der die Welt nicht weichzeichnet: Georges Henri Rouault (1871-1958). Im Gegenteil: Durch seine schwarzen Konturen bekommen die Bilder eine besondere Strenge. Sie bekommen nicht nur eine Strenge, sondern: Die Motive in den Bildern werden im Grunde jeweils vom Kontext isoliert; die Menschen leben in den Gefängnissen der schwarzen Striche, zum Teil auch in sich selbst zertrennt. Sie alle leben in ihrem begrenzten Bereich, sind in sich selbst von Grenzen gezeichnet.
Er hat auch viele Bilder gemalt, die christliche Motive wiedergeben – kurz: Seine Bilder erinnern vielfach an Kirchenfenster. Aber die christlichen Motive, wie Jesus Christus, wurden nicht erhaben dargestellt, sondern in derselben Gebrochenheit, in der auch die Menschen bzw. die Welt gemalt wurden. Er suchte Christus unten, unter den gebrochenen Menschen. Von daher hat er auch häufiger Christus am Kreuz gemalt. Ich würde es weiterführen: die dunklen, zerrissenen Bilder der Menschen sind im Grunde das „Kreuz“, in dem sie leben.
Er hat die Abgründe des Menschseins erfasst, wie ich das sehe, das ist zum Beispiel an den Augen erkennbar: manchmal schwarze Höhlen, manchmal leere Kringel, manchmal aber auch wie in altägyptischer Kunst maskenhaft groß. Weitgehend geben sie somit wohl den Schmerz der Menschen, die innere Leere wieder. Manche Figuren sind gerade noch als Menschen erkennbar – gebrochene Existenzen, selbst wenn sie wie Clowns lustig sein sollen, gebrochene Engel.
Licht – helle Farben zeigen, was gerade hell gemalt wurde. Mir als Laie nicht ersichtlich warum. Manche Bilder sind sehr dunkel – aber in manchen Bildern leuchten die Menschen wie auch andere Motive aus sich heraus. Er hatte wohl schon ein Hang zur Anthropodizee – Leiden am Menschen. Kein Leiden an Gott (Theodizee), im Gegenteil: Weil Gott unten bei den zerrissenen Menschen ist, besteht Hoffnung. Malerei scheint für ihn tief in die Existenz zu reichen. Das Licht – manchmal im dunklen Licht.
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Die Musik passt zu den Bildern unter diesem Link besser: https://www.youtube.com/watch?v=Gy0wvFsYc94
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