Maler 87: Anthonis van Dyck

Die von van Dyck (1599-1641)abgebildeten Personen scheinen sehr distanziert. Er malt sie wohl so, wie sie sich gerne gesehen haben: aristokratisch, entrückt, modisch gekleidet, Gesicht in hellem Licht, emotionslos, den Betrachter direkt ins Gesicht schauend, kontrolliert, präsent. Sie sind aber als Personen mit ihrer Individualität erkennbar. Sonderbarerweise würde ich mit den wenigsten gerne „Kirschen essen“, um das Sprichwort aufzugreifen. Neulich hatte ich das Thema, dass bei manchen wegen der Kleidung kaum das Gesicht in den Blick fällt (Ethel Walker). Das ist bei ihm manchmal ausgewogen: trotz üppiger, glänzender Kleidung verschwindet das Gesicht nicht ganz. (Van Dyck war Sohn eines Textilkaufmanns.)

Lebendiger sind Gemälde aus christlicher Tradition. Wobei Maria häufig nicht auf ihr Kind schaut, sondern nach oben. Drückt das nicht auch eine Distanziertheit aus? Vermutlich soll damit die Verbindung mit dem Göttlichen dargestellt werden. Aber am Hof – so könnte man das deuten, waren die Kinder eher dem Personal zur Erziehung ausgesetzt: Ammen, Gouvernanten, Erziehern. Kinder dienten der gesellschaftlichen Einordnung in hoher Position.

Voller Bewegung sind die Kreuzigungsbilder, die Trauernde darstellen oder das Bild, in dem Jesus unter dem Kreuz zusammenbricht. Es geht um – es soll nicht despektierlich klingen – Pathos. Barocker Pathos, der im Zuge der Gegenreformation von katholischer Seite die Menschen emotional berühren sollte. Charles I., der König, blieb anglikanischer Herrscher, aber hatte große Nähe zum Katholizismus, was ihm auch von Puritanern/Protestanten vorgeworfen wurde. Die Anglikanische Kirche wollte auch stärker das Feierliche hervorheben (Gewänder, Liturgie, Kunst). Charles I. wurde 1649 (Oliver Cromwell) hingerichtet. Das konnte keine Nachteile für van Dyck mit sich bringen, er war 8 Jahre vorher gestorben. Aber 1642 begann der englische Bürgerkrieg: Die Bilder von van Dyck wurden nicht vernichtet, sie wurden verkauft, um die Kriegskasse zu füllen.

(Nur am Rande: Das Gemälde Karl I. und Henrietta Maria ist spannend: Wer scheut wen an? Oder doch nicht? Der König schaut an der Frau vorbei – eben ins Unendliche – er ist nicht einfach nur Mensch, sondern verbunden mit dem Göttlichen. Die Königin macht den Betrachter des Bildes zum Zeugen, indem sie ihn aus dem Bild heraus anschaut. Sie legt dem König einen Kranz in die Hand. Kurz: sie unterstützt ihn – kränzt ihn nicht! Harmonie zwischen König und Königin – sie und er haben ihre Aufgaben im Staat. )

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